Strolchis Tagebuch – Teil 6

Strolchis Tagebuch
Teil 6
Beatrice Kobras
Warum darf ich nicht im Kühlschrank wohnen?
STROLCHIS TAGEBUCH

Teil 6

Ein kleiner Kater auf großer Reise – mit Drachen, fremden Balkonen und jeder Menge Katzenlogik.

trolchi fährt zum ersten Mal in den Urlaub und ist fest entschlossen, seine Familie vor allen Gefahren zu beschützen. Dummerweise soll es am Urlaubsort einen feuerspeienden Drachen geben. Und kaum hat er sich an sein neues Königreich gewöhnt, werden schon wieder die Koffer gepackt!

Die Mitwirkenden in diesem Band

Strolchi
Assira

Die Geschichte dieses Bandes

Strolchi ist fünf Monate alt, wächst fleißig in Richtung Löwe und hat eigentlich alle Pfoten voll zu tun. Schließlich müssen Spielzeugmäuse beschäftigt, Blumentöpfe kontrolliert, Klopapierrollen abgewickelt und die Menschen regelmäßig an ihre Pflichten erinnert werden.

Doch plötzlich gerät sein wohlgeordnetes Katzenleben vollkommen durcheinander.

Frauchen hat sich den Zeh gebrochen. Trotzdem räumt sie wie wild das Haus auf, holt Koffer hervor und beginnt, den halben Haushalt ins Auto zu verfrachten. Strolchi beobachtet das Treiben mit wachsendem Misstrauen.

Wollen seine Menschen etwa ausziehen?

Und noch viel wichtiger: Nehmen sie ihn mit?

Vorsichtshalber verteilt er seine Spielzeugmäuse im Reisegepäck, setzt sich in Frauchens Handtasche und versucht, bei all dem Durcheinander bloß nicht übersehen zu werden. Denn eines steht fest: Wo seine Menschen hingehen, geht Strolchi auch hin.

Selbst wenn die Reise gefährlich wird.

Und gefährlich klingt sie tatsächlich. Strolchi hat nämlich gehört, dass sie zum berühmten Drachenstich fahren. Dort soll ein echter Drache leben, der Feuer speit!

Für einen angehenden Löwen ist das natürlich eine ernst zu nehmende Herausforderung. Einerseits könnte man einen Drachen vielleicht besiegen. Andererseits ist Strolchi gerade erst fünf Monate alt und hat noch sehr viel vor.

Bevor er diese schwierige Entscheidung treffen kann, wird er allerdings in seine Transportbox verfrachtet. Assira kommt ebenfalls mit, und das Auto ist so vollgepackt, dass Strolchi kaum glauben kann, wie viel Gepäck vier Familienmitglieder benötigen.

Dann beginnt eine Fahrt, die nach Strolchis Verständnis überhaupt kein Ende nehmen will.

Eine fremde Stimme im Auto behauptet, die Ankunft sei in drei Stunden. Frauchen verspricht, es dauere nur noch ein bisschen. Herrchen sagt immer wieder, dass sie noch nicht da seien.

Strolchi lernt: Menschen haben offenbar ein ausgesprochen merkwürdiges Verhältnis zur Zeit.

Endlich angekommen, entdeckt er eine Ferienwohnung mit neuen Gerüchen, neuen Möbeln und ganz neuen Möglichkeiten. Sein Katzenklo lässt sich hervorragend zum großflächigen Verteilen von Katzenstreu verwenden. Es gibt spannende Insekten zu jagen, ungewohnte Schlafplätze auszuprobieren und sogar einen Balkon.

Genauer gesagt: mehrere Balkone.

Denn warum sollte ein Kater sich mit dem eigenen Balkon begnügen, wenn der Nachbarbalkon gleich danebenliegt?

Strolchi macht sich begeistert an die Erkundung. Dass seine Menschen dabei regelmäßig in Aufregung geraten, versteht er nicht. Schließlich möchte er nur herausfinden, wem die anderen Balkone gehören und ob es dort vielleicht noch interessantere Dinge zu entdecken gibt.

Allerdings teilen nicht alle Urlaubsgäste seine Begeisterung.

Und auch Ferienwohnungsvermieterin Petra scheint ein ausgesprochen gutes Auge dafür zu haben, wo Strolchi gerade wieder herumturnt.

Währenddessen wartet eine weitere Enttäuschung auf den jungen Feinschmecker: Frauchen hat Katzenfutter mit Fisch eingepackt. Ausgerechnet Fisch! Strolchi findet, dass man im Urlaub durchaus etwas Besseres erwarten darf.

Zum Glück gibt es Fliegen und Mücken.

Außerdem ist Assira dabei, mit der sich hervorragend spielen, kämpfen und kuscheln lässt. Die beiden haben genügend Beschäftigung, während ihre Menschen Ausflüge unternehmen. Und dann taucht auch noch Luna auf, eine Hündin, die sogar größer als Assira zu sein scheint.

Strolchi muss seine Bekanntschaften schließlich sorgfältig auswählen. Ein zukünftiger Löwe darf mutig sein, aber ein bisschen Nachdenken schadet nicht.

Überhaupt stellt dieser Urlaub seine Löwenqualitäten auf eine harte Probe.

Da wäre beispielsweise die Sache mit dem Drachen. Strolchi beschäftigt das feuerspeiende Ungeheuer so sehr, dass es ihn sogar im Schlaf verfolgt. In seinen Träumen wird aus dem kleinen Kater ein furchtloser Kämpfer, der Frauchen gegen eine schreckliche Bedrohung verteidigt.

Nur haben Träume manchmal unangenehme Auswirkungen auf die Wirklichkeit.

Auch die menschliche Vorstellung von Erholung gibt ihm Rätsel auf. Seine Menschen möchten ausschlafen, obwohl man im Urlaub doch möglichst viel erleben sollte. Sie putzen sogar die Ferienwohnung und beseitigen sein mühsam verteiltes Katzenstreu. Und ausgerechnet die Klopapierrollen, die zu Hause so viel Freude bereiten, sind hier beinahe unerreichbar.

Was soll daran bitte Urlaub sein?

Zum Glück gibt es auch erfreuliche Überraschungen. Plötzlich stehen die Kinder vor der Tür und bringen neue Spielzeugmäuse mit. Das verbessert Strolchis Stimmung beträchtlich.

Dann schreibt Frauchen eine Geschichte für einen Literaturwettbewerb. Das Thema lautet „Vom kaputt sein und vom kaputt gehen“. Und wen wählt sie als Hauptfigur?

Natürlich Strolchi!

Er findet es zwar etwas merkwürdig, dass ausgerechnet seine Leistungen auf dem Gebiet der kreativen Haushaltsumgestaltung für dieses Thema geeignet sein sollen. Doch als er erfährt, wie viel Katzenfutter sich mit einem möglichen Preisgeld kaufen ließe, ist sein Interesse geweckt.

Vielleicht hat so ein Literaturwettbewerb ja doch seine Vorzüge.

Kaum hat Strolchi die Ferienwohnung, ihre Balkone und ihre Bewohner ausreichend erforscht, heißt es allerdings schon wieder: Koffer packen!

Der kleine Kater stellt fest, dass seine geliebte Fanpostkiste während des Urlaubs offenbar geschrumpft ist. Auch sonst scheint sich etwas verändert zu haben. Strolchi wird größer, selbstbewusster und kommt seinem Ziel, ein richtiger Löwe zu werden, jeden Tag ein Stück näher.

Doch die Rückkehr nach Hause bedeutet keineswegs das Ende seiner Reiseabenteuer.

Schon wartet der nächste Besuch auf ihn: Es geht nach Münster zu Ina und Detlef.

Dort erwarten Strolchi neue Menschen, jede Menge Aufmerksamkeit, reichlich Leckerchen und ein Platz, der seiner königlichen Stellung endlich angemessen ist.

Allerdings muss er vorher noch eine wichtige Frage klären: Mag Ina überhaupt Katzen?

Und was geschieht, wenn ein kleiner Maine-Coon-Kater, der ohnehin schon von sich überzeugt ist, plötzlich von allen Seiten bewundert und verwöhnt wird?