
© Texte, Bilder und Cover: Beatrice Kobras
Weggespuckt
Es war im Jahre 2013, da wurde ein kleines Schlossgespenst von seinen Spukkollegen, mit denen es gemeinsam seinen Spukauftrag erfüllte, einfach so vergrault. Es war nicht gruselig genug. So waren die anderen Gespenster zu ihm noch viel gemeiner, als sie es zu den Schlossbesuchern waren und haben es ganz einfach weggespukt.
Ja, Mobbing, wie man es nennt in dieser Zeit, gibt es sogar bei Gespenstern.
Als Casimir seinen Auftritt haben sollte in seinem weißen Spukgewand, bestaubte man ihn mit Kohlenstaub, dass man ihn nicht mehr sah und er nur noch hustete und die Menschen, die sich vor ihm erschrecken sollten, Mitleid mit ihm hatten und ihn trösteten, anstatt vor ihm davonzulaufen.
So kam es eines Tages, dass sich Casimir geschlagen gab und um Mitternacht in eine dunkle Höhle in den Bergen zog. Am Tage schlief er, des Nächtens machte es gelegentlich mal „Buh!“. Aber es war ja niemand da, der sich vor ihm erschreckte.
In einer klaren Vollmondnacht verließ Casimir die Höhle. Der Wind wehte ziemlich stark. Und plötzlich wehte ihm eine Zeitungsseite mitten ins Gesicht. Casimir hat sich ganz furchtbar erschrocken. „Aaaaaaaaaaaaaaaah!“, schrie er und flog davon, doch sah nichts, denn die Zeitung verdeckte ihm die Sicht.
Als er sich von ihr befreit hat, betrachtet er sie misstrauisch. Ein Wanderer hat sie wohl zurückgelassen.
„Dass man jemanden nur so erschrecken kann!“, schimpft Casimir noch vor sich hin und wirft die Zeitung weg.
Da kommt der Uhu angeflogen, mit dem er sich angefreundet hat. Denn der Uhu ist ebenso nachts munter, wie er.
„Guten Abend!“, grüßt der Uhu. „Wie sehen Sie denn aus Herr Casimir?“
Casimir erklärt den Vorfall mit der Zeitung.
„Ah! Ja. Die Menschen schmeißen alles weg. Keine Rücksicht! Warten Sie!“, fährt der Uhu fort. „Sie haben Druckerschwärze auf Ihrem weißen Geisterkleid!“, und der Uhu hebt seinen Flügel mit dem Federkleid, um Casimir von den Druckbuchstaben zu befreien. Doch Herr Uhu hält inne.
„Moment!“, sagt er und zieht seine Brille aus der Westentasche. „Was steht hier geschrieben?“ Der Uhu legt seine Stirn in Falten und strengt seine alten Augen an, um das Kleingedruckte auf dem Gespenst zu lesen: „Schloss Finkenstein sucht Schlossgeist!“
„Ein Schloss sucht einen Schlossgeist?“, ruft Casimir ganz aufgeregt. „Da muss ich aber sofort hin! Im Wald mitten in den Bergen ist es für mich zu langweilig. Denn ein Gespenst muss spucken. Und ein Schlossgespenst muss in einem Schloss spucken. Mit Schlüsseln scheppern und Kettenrasseln und durch die Wände gehen und ganz fest Buh rufen!“
„Jaaaa!“, sagt Herr Uhu. „Das mag wohl sein.“
„Ja!“, bestätigt Casimir. „In meinem alten Schloss haben sie mich ja einfach weggespuckt!“
„Außerdem heißt es spuken!“, verbessert ihn Herr Uhu. „Nicht spucken!“
„Sag ich doch! Auf Wiedersehen Herr Uhu!“, ruft Casimir. „Ich schwebe sofort hin und bewerbe mich zum Spucken! Lassen Sie es sich wohl ergehen Herr Uhu. Vielleicht sieht man sich mal wieder!“
Und schneller als Herr Uhu sich versehen kann, ist Casimir verschwunden.
„Gehaben Sie sich gut!“, spricht Herr Uhu noch zum Abschied nach. Doch das hört Casimir nicht mehr.
„Weg ist er!“, sagt Herr Uhu zu sich selbst. „Er war ein netter Genosse. Ein angenehmer Kerl. Ich glaube, ich werde ihn sogar vermissen mit seinen Buh-Rufen im Wald.“
Casimir ist in Lichtgeschwindigkeit in Schloss Finkenstein schon angelangt. Die Chefin des Hauses wollte gerade das Schloss verlassen und nach Hause gehen. Und als sie das Tor öffnet, kommt Casimir gerade so hindurchgerauscht und lässt sich vor ihr nieder.“
„Guten Tag!“, ruft er noch völlig außer Puste.
„Guten Tag!“, antwortet die Chefin aus dem Schloss. „Was kann ich für Sie tun? Wir schließen gerade.“
Casimir ist völlig aufgeregt und sagt: „Ich möchte spucken!“
„Sie möchten was?“, fragt die Dame.
„Spucken!“, sagt Casimir. „Sie suchen doch einen Schlossgeist?“
„Ach Spuken meinen Sie. Eigentlich suche ich einen Schlosswart.“, sagt die Schlosschefin. „Einen, der das Schloss in Ordnung hält.“
„Oh!“, sagt Casimir und zieht sein Gespensterhemd hervor, dass er lesen kann, was von der Stellenausschreibung in der Zeitung auf ihn abfärbte. „Ich dachte, es hieße Schlossgeist!“
„Sie sind ein ausgebildetes Schlossgespenst?“, fragt die Schlosschefin. „Das ist interessant. Ich dachte, Schlossgespenster gibt es nicht.“
„Ja haben sie denn keines?“, fragt Casimir verwundert.
„Nein, ein Schlossgespenst haben wir noch nicht!“
Die Dame bittet Casimir herein und in ihr Büro.
„Nehmen Sie doch bitte Platz! Sonntag ist mein Name!“, stellte sie sich vor. „Und eigentlich arbeite ich auch nur am Sonntag.“
„Angenehm! Casimir!“, stellt sich Casimir wohlerzogen vor, als er sich ihr gegenübersetzt.
„Nun sagen Sie mir, was Sie können!“, will Frau Sonntag von ihm wissen.
„Spucken!“, antwortet Casimir.
„Nein! Spuken!“, korrigiert ihn Frau Sonntag.
„Ich kann auch mit dem Schlüssel klappern!“, erklärt Casimir und schnappt sich den Schlüsselbund, der auf dem Schreibtisch liegt und klappert. „Und ich kann mit Ketten rasseln. Haben Sie hier Ketten? Und ich kann Buh rufen und Leute erschrecken. Und mit dem Kopf durch die Wand kann ich!“
„Mit dem Kopf durch die Wand?“, fragt Frau Sonntag etwas verwirrt.
„Ja, mit dem Kopf durch die Wand!“, bestätigt Casimir und steckt seinen Kopf durch die Wand neben seinem Stuhl. „Der Rest klappt noch nicht!“, gesteht er kleinlaut ein. „Das übe ich schon 200 Jahre!“
„Können Sie Ihren Kopf auch wieder zurücknehmen?“, will Frau Sonntag wissen. „Dann könnte ich Sie besser verstehen. Sonst muss ich in den Raum nebenan, damit wir unsere Unterhaltung fortsetzen können.“
Casimir zieht seinen Kopf zurück und entschuldigt sich. „Tschuldigung!“, sagt er verschämt.
„Ich versuche es mit Ihnen!“, teilt Frau Sonntag dem Gespenst mit. „Ihre Anwesenheit könnte zusätzliche Gäste anziehen. Morgen bekommen Sie ihren Vertrag. Kommen Sie um 10 Uhr wieder!“
„Nein!“, ruft Casimir. „Da ist es ja Tag! Ich bleib gleich hier!“
Und bevor man sich versehen kann, ist er unterwegs, das Schloss zu besichtigen. Fluchs ist er im Nebenzimmer, dem grünen Salon mit dem kleinen Turm. Er schwebt weiter in das Kaminzimmer, an dem Englein auf dem Kamin in Stein gehauen sind. Casimir besichtigt den Spiegelsalon mit dem geschliffenen Glas in den geschlossenen Fensterläden und wischt sich die Druckerschwärze des Stellenangebotes ab.
„Meeeeeein Schloss!“, ruft er überglücklich. „Buh! Buh! Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuh!“ Mit diesen Rufen schwebt er auch durch den Kräutergarten, den Brunnenhof und die Arkaden. Glücklich lässt er sich auf dem Balkongeländer des ersten Stockes nieder und blickt über den Finkensee, der zum greifen nahe ist uns sich der Vollmond in ihm spiegelt.
„Gratulation mein Freund!“, hört er eine ihm bekannte Stimme. „Wie ich sehe, haben Sie den Job!“
Herr Uhu war neugierig und ist Casimir gefolgt.
„Jaaaaaaaaa!“, ruft Casimier erfreut. „Jetzt kann ich endlich wieder spucken!“
„Spuken!“, korrigiert Herr Uhu.
„Sag ich doch!“
„Nein, Sie sagten wieder spucken. Da ist ein großer Unterschied. Aber ich hoffe, Sie verwechseln das nicht in der Ausübung von Ihrer Pflicht.“
„Buh, buh, buuuuuuh!“, ruft Casimir und schwirrt davon und wirbelt den gesamten Staub im Schloss auf.
Gespenstertruhe
Die ganze Nacht wirbelte Casimir noch durch das Schloss durch jeden Raum und war glücklich, dass eine neue sinnvolle Betätigung als Schlossgeist finden konnte. Doch langsam verabschiedete sich die Nacht und er musste dringend einen Schlafplatz finden, denn Sonnenlicht vertragen Geister nicht.
Casimir wirbelte nun in aller Eile unters Dach. Wohl waren in allen Zimmern Betten, aber dort waren auch Fenster, durch die das Licht auch kommen würde. Das Stockwerk, wie er sich dachte, wurde wohl als Hotel noch mitbenutzt. Doch alle Betten waren leer. Mit diesem Schlosshotel, da stimmte wohl etwas nicht.
Als er durch die Tür der Wäschekammer schwebte, stieß er gegen einen Wagen mit frischen Laken und war vollkommen damit bedeckt.
„Ho ho ho.“, hörte er vom Fenstersims Herrn Uhu höhnen. „Sie sehen ja jetzt aus, wie ein echtes Schlossgespenst!“
„Machen Sie sich nur lustig über mich!“, schimpfte Casimir und warf die Laken von sich ab, als er eine schmale Treppe aufwärts sah.
„Wo die wohl hinführt?“, fragt er sich. „Bestimmt ist da der Dachboden!“
„Was soll sonst noch höher sein?“, stellt Herr Uhu weise fest.
„Lassen sie mich hinein, dann sehen wir gemeinsam nach. Die Nacht ist bald zu Ende. Und das Licht tut auch meinen alten Augen weh.“
Casimir schwebt zum Fenster und öffnet dies Herrn Uhu und beide schweben sie nach oben und sehen sich vor einer Türe wieder, die fest verschlossen ist.
Fluchs schwebt Casimir mitten durch das Schlüsselloch.
„Alles dunkel!“, stellt er erleichtert fest.
„Und was ist mit mir?“, fragt Herr Uhu eingeschnappt.
„Na kommen Sie doch nach!“, fordert Casimir Herrn Uhu auf.
„Da passe ich aber doch nicht durch!“, klärt Herr Uhu das Gespenst auf.
Fluchs ist Casimir zurück und geistert laut polternd nun durchs Schloss, bis er den Schlüsselbund gefunden hat, mit dem er eifrig klappert.
„Hier muss der rechte Schlüssel sein!“, steckt einen rein und schließt rasch auf. Gerade noch kurz bevor die Sonne aufgegangen ist.
Herr Uhu lässt sich auf einem Balken nieder und meint: „Hier kann ich es diesen Tag gut aushalten! Geruhen Sie gut Herr Casimir!“, doch dieser stolpert und heult auf.
„Buuuuuhuuuuuhuuuu! Ich hab mir meinen Zeh gestoßen!“
„Nun gehaben Sie sich doch nicht so wehleidig Herr Casimir!“
In diesem Moment springt eine metallene Truhe auf und der Deckel knallt Casimir an seinen Kopf.
Casimir schwebt nach oben und versucht sich hinter Herrn Uhu zu verstecken und eine große Beule ziert seinen Kopf.
Herr Uhu sieht ihn an und schmunzelt. „Wie kann sich ein Gespenst erschrecken?“
„Betriebsunfall!“, entgegnet Casimir errötet und stellt fest, die Kiste wäre ein idiales Bett. So lässt er sich herunter gleiten, wünscht Herrn Uhu eine angenehme Tagruhe und macht über sich die Klappe von der Truhe zu.
Ein schönes Bett hat er gefunden. Doch als er gerade eingeschlummert war, hört er aus der Wäschekammer einen lauten Schrei und Schimpfen: „Was hat denn hier heut Nacht gewütet?“, fragte eine Casimir noch unbekannte Stimme.
Das Zimmermädchen hat die aufgewühlten Bettlaken in der Wäschekammer entdeckt und stapft wütend ins Büro zur Chefin.
„Frau Sonntag!“, beginnt diese ihren Vortrag. „Hier hat sich heut Nacht sonderbares zugetragen.“
„Oh jeh, was ist passiert?“, will diese sofort wissen. Und Rosi, das Zimmermädchen berichtet, wie es die Bettlaken in der Wäschekammer vorgefunden hat.
„Ich fürchte, ich weiß, woher das rührt!“, beginnt die Chefin zu erklären.
„Dann wissen sie mehr als ich!“, sagt das Zimmermädchen leise.
„Gestern Abend stellte ich einen Schlossgeist ein!“, berichtet diese.
„Einen was?“, fragt Rosi nach, die glaubt, nicht recht gehört zu haben.
„Einen Schlossgeist!“, wiederholt Frau Sonntag.
„Sie meinen einen Schlosswart?“, versucht das Zimmermädchen zu korrigieren.
„Nein, ich meine ein Schlossgespenst!“
Das Zimmermädchen wird blass und blasser und stottert verwirrt: „Eeeein eeeechtes?“
„Ja! Ein echtes Schlossgespenst. Eines, das mit Schlüsseln scheppert, mit Ketten rasselt und den Kopf durch die Wand stecken kann.“
„Dann bleibe ich nicht hier!“, beschließt das Mädchen.
„Aber sie kennen es doch nicht einmal!“
„Auf die Begegnung bin ich auch gar nicht scharf.“
„Bleiben Sie doch wenigstens bis zum Abend. Dann werde ich Sie bekannt machen. Dann können Sie immer noch entscheiden.“, fleht die Chefin aus dem Schloss.
„Und in der Zwischenzeit erschreckt es mich. Darauf kann ich wohl verzichten!“, teilt das Zimmermädchen mit.
„Meines Wissens schlafen Gespenster am Tage und spuken nachts.“, informiert die Chefin.
„Na gut!“, lässt sich das Zimmermädchen überreden. „Aber ich bin weg, bevor es dunkel wird!“
So nimmt Rosi ihre Arbeit auf und vergisst die Vorfälle vom Morgen. Das ganze Schloss hat sie auf Vordermann zu bringen, denn es findet eine Hochzeit statt und Rosi weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Längst ist die Dämmerung herangebrochen.
Krachend stößt Casimir in seiner Dachkammer den Deckel seiner Truhe auf.
„Sachte, sachte!“, spricht Herr Uhu, der es nicht gewöhnt ist, so unsanft aus dem Schlaf gerissen zu werden.
„Guten Abend!“, ruft Casimir voll Freude. „Ich muss jetzt auf und spucken!“
„Spuken!“, korrigiert Herr Uhu.
„Eben!“, bestätigt Casimir, streckt sich nochmals und macht ein paar Kniebeugen. „Jetzt bin ich fit!“
Er öffnet die Tür der Dachkammer, dass auch Herr Uhu aus dem Nachtverlies hervor kann und schwebt zum ersten Mal über die offizielle große Treppe, bis er sich fürchterlich erschreckt, als er fast unten angelangt ist und auf das Zimmermädchen Rosi trifft, die einen kleinen Moment verschnauft.
„Aaaaaargh!“, schreit Casimir.
„Aaaaaargh!“, schreit Rosi.
Wie erstarrt stehen sie sich gegenüber.
„Wer, was sind Sie? Was machen Sie hier? Es ist abgeschlossen!“, ruft sie ängstlich und bedroht Casimir mit ihrem Schrubber.
Casimir räuspert sich und errötet leicht. „Angenehm! Casimir!“, stellt er sich vor. „Ich bin das neue Schlossgespenst! Und Sie?“
„Ähm, Rosi! Das Zimmermädchen.“, stellt sie sich vor. Und ich versuche das Schloss auf Vordermann zu bringen.
„Alleine?“, fragt Casimir entsetzt.
„Alleine!“, bestätigt Rosi.
„Hmmmmm…..“, macht Casimir und setzt sich neben Rosi auf die Treppe. „Da muss uns doch was einfallen.“
„Sie helfen mir?“
„Ich überlege.“
Und bevor er sich versehen kann, hat er einen Staubwedel, Putzlappen und Eimer in der Hand.
Putzengel
Die Arbeit hat Casimir nun wirklich nicht erfunden. Was er am besten kann, ist spuken. Geisterarbeit ist Kettenrasseln, Schlüsselklappern, mit dem Kopf durch die Wand und Leute erschrecken, aber bestimmt nicht putzen.
Noch während er ratlos mit all den Utensilien zum Reinemachen auf der Treppe steht, kommt Herr Uhu von oben angerauscht.
„Herr Casimir, wie sehen Sie denn aus?“, fragt er und kann sich ein Kichern nicht verkneifen und versucht es mit dem Flügel vor dem Schnabel verschämt noch zu verbergen.
„Machen Sie sich nur lustig Herr Uhu!“, schmollt Casimir beleidigt.
„Was ist denn in der kurzen Zeit passiert?“
„Wollte spucken!“, sagte Casimir.
„Spuken!“, verbessert ihn Herr Uhu. „Und was ist stattdessen passiert?“, will er wissen.
„Ich habe mich erschrocken.“, gibt Casimir nun zu.
„Sollen nicht Sie erschrecken?“, will Herr Uhu wissen.
„Betriebsunfall!“, erklärt Casimir nun kleinlaut und berichtet von dem Missgeschick.
Casimir hantiert ein wenig mit dem Staubwedel. Hält den Stiel hinter seinen Rücken und hat nun eine hübsche Federfrisur.
„Herr Casimir, treiben Sie keinen Schabernack, wenn sie versprachen, dass Sie helfen!“
Casimir mault: „Will aber nicht putzen!“
„Dann überlegen Sie sich was!“, fordert ihn Herr Uhu auf.
Mit dem Stiel des Staubwedels hinter dem Rücken, der Federfrisur am Kopf, stolziert Casimir durch´s Erdgeschoss und denkt angestrengt mit der Stirn gelegt in Falten. Er durchschreitet das schmiedeeiserne Tor und läuft hin und her, dass der Marmorboden des Kaminzimmers schon Laufrillen bekommt.
Vor dem Kamin macht Casimir nun halt und blickt an ihm empor.
Engelsfiguren aus Stein zieren den Kamin.
„Warum macht Ihr das eigentlich nicht?“, fragt er die Figuren und wirft einem der Engel den Lappen in die Hand.
„Wir?“, fragen die Engel aus Stein an dem Kamin und richten sich auf.
„Wa…wa….was ist das denn? Ihr könnt reden?“, fragt Casimir erschreckt.
„Na mit Geistern schon!“, antwortet der Engel.
„Gggggeister?“, erschreckt sich Casimir und versteckt sich hinter dem Vorhang.
„Wwwwww….wo?“
„Na Sie sind doch ein Geist!“, sagt einer der Engel.
Casimir besinnt sich, tritt aus seinem Vorhangversteck wieder hervor. „Äääääh, ja!“, bestätigt er.
„Na, im Lauf der Zeit sind unsre Glieder ganz schön steif!“, stellt ein anderer Engel fest. „Lass uns ein wenig helfen! Grad hier oben ist der Staub von langer Zeit.“
„Na dann los!“, ruft Casimir. „Dann lasst uns zusammen das Schloss auf Hochglanz wienern und Rosi hat dann Zeit!“
So erheben sich die Engel von ihrem Kamin und schwingen Staubwedel und Lappen und bald steht das ganze Schloss in neuem Glanz.
„Feeeertig!“, ruft Casimir, der aufgeregt hinter Rosi in Form von Achten schwebt, noch während die Engel auf ihren angestammten Platz auf dem Kamin schweben.
Das Zimmermädchen dreht sich um und traut seinen Augen nicht. Das Schloss glänzt ganz so, als wär es eben erst erbaut.
„Wie hast Du das gemacht?“, fragt sie erstaunt und sehr verwundert.
„Geistergeheimnis!“, antwortet Casimir verschmitzt.
„Na Dich kann ich hier brauchen!“
„He, das ist mein Platz!“, schimpft ein Engel, dessen angestammter Platz von einem anderen Engel eingenommen ist.
„Da warst Du die letzten hundert Jahre. Den Platz, den will jetzt ich!“
Und als das Zimmermädchen Rosi das Kaminzimmer betritt, nimmt er gezwungener Maßen den neuen, freien Platz. Allerdings mit einer Zornfalte auf seiner Stirn.
Rosi hatte ihre Angst vor Casimir besiegt. Sie hielt ihn für einen netten Gesellen und schämte sich, dass sie das Schloss wegen ihm verlassen wollte. Und sie war ihm so dankbar, dass er für sie das Schloss auf Hochglanz putzte. Auch, wenn es ihr ein Rätsel war, wie er das gemacht hat. Aber wenn die Chefin das erfahren würde, würde sie bestimmt nicht mehr gebraucht und würde ihren Job verlieren.
„Casi, ….“, sagt sie nun kleinlaut.
„Was ist? Gibt es etwa noch etwas zu tun?“, fragt er vorsichtig.
„Nein.“, sagt Rosi. „Es ist nur …..“
„Was?“, unterbricht Casimir sie.
„Wenn die Chefin sieht, was Du in nur einer Nacht an Arbeit schaffst, wofür ich Tage, wenn nicht Wochen bräuchte, dann verlier ich meinen Job.“
„Ach, keine Sorge!“, beruhigt Casimir.
„Ich bin kein Putzgeist und nur zum Spucken angestellt. Von mir wird sie es nicht erfahren.“
„Zum was?“, fragt Rosi nach und lacht.
„Zum Spucken!“, wiederholt sich Casimir.
Da kommt Herr Uhu von einem Balken angeflogen, der sich Casimirs Putzorgie von dort angesehen hat. Er nimmt vor Rosi Platz, schüttelt sein Gefieder, aus dem es mächtig staubt und erklärt bedächtig: „Er meint Spuken.“
Da laufen Rosi die Tränen vor Lachen herunter und sagt: „Ach so, Spuken.“
Da ist Casimir ein wenig eingeschnappt und schaut beide vorwurfsvoll an. „Ihr macht wieder alles dreckig mit den Lachtränen und dem Staub aus dem Gefieder.“, und schwebt eingeschnappt davon.
Wurst
Es ist inzwischen Winter und es wird schon sehr früh dunkel, so dass für Casimir die Nacht lang und die Tage zum Schlafen kürzer werden. So hat er beschlossen, auch seine Umgebung um das Schloss etwas genauer zu erkunden.
Er schwebt durch den Ort und sieht vor der Tür des Metzgers einen weißen Hund mit schwarzen Flecken angebunden und erwartungsfroh in den Laden hinein schauen.
„Guten Abend!“, grüßt Casimir das Tier freundlich.
„Guten Abend!“, grüßt der Hund zurück.
„Was ist Dir denn zugestoßen, dass Du so schwarze Flecken in Deinem weißen Pelz hast.“, will Casimir neugierig wissen.
„Ach, die waren schon immer da. Ich bin schon so geboren.“
„Ich dachte schon, Du seist durch einen Kamin gefallen.“, erklärt Casimir. „Ich bin übrigens Casimir!“, stellt Casimir sich vor.
„Angenehm. Assira.“, entgegnete diese.
„Nein. Casimir.“, verbessert der kleine frischgebackene Schlossgeist.
„Ja, Du. Sagt Assira. Ich heiße Assira.“
„Oh. Ich dachte, Du hättest mich nicht verstanden und würdest zu mir Assira sagen.“, erklärt er lachend. „Dein Magen knurrt so laut. Da hab ich wohl was falsch verstanden.“
„Mein Magen knurrt immer so laut, wenn ich vor dem Metzger auf mein Frauchen warte.“, erklärt Assira. „Da kann ich gar nix gegen machen.“. Sie blickt wieder durch das Schaufenster und Speichel rinnt ihr aus dem Mund.
„Mein Frauchen bringt mir oft einen Knochen von dort mit. Aber heut wär mir nach Wurst.“
„Wurst.“, wiederholt Casimir.
Da stößt er die Tür des Ladens auf, schwebt hinein und setzt sich auf die Theke direkt vor die Metzgersfrau, die ihn natürlich nicht sehen kann.
„Wurst!“, sagt er.
„Was haben Sie gesagt?“, fragt die Metzgersfrau.
Assiras Frauchen erklärt: „Ich habe nichts gesagt.“
„Wurst!“, wiederholt Casimir nun eindringlicher.
„Wie bitte?“, fragt die Metzgersfrau nun nach. „Wurst?“
„Nein danke.“, sagt Assiras Frauchen. „Wir haben noch Wurst.“
Die Metzgersfrau blickt Assiras Frauchen nachdenklich an, als dieser ein noch energischeres „WURST!“, los brüllt. „WURST, WURST, WURST!“.
Die Metzgersfrau wundert sich, denn die Lippen ihrer Kundin haben sich nicht bewegt und trotzdem hört sie dauernd Wurst.
„Wurst für den Hund da draußen!“, kreischt Casimir sie an.
Da sieht die Metzgersfrau nach draußen, sieht die erwartungsvolle Assira sitzen, greift in die Theke, nimmt eine Wurst und sagt: „Die ist für ihren Hund.“
Assiras Frauchen bedankt sich herzlich und geht aus dem Laden zu ihrem Hund. Setzt sich neben sie auf die Stufe, gibt ihr die Wurst, die sie sich auch gleich schmecken lässt. Casimir sieht ihr fassungslos zu.
„Wow. Du kannst aber schnell fressen!“, stellt er fest.
„Ach, das war noch gar nix!“, mampft Assira.
Ihr Frauchen versteht sie natürlich nicht und versteht nur: „mwaumampfmwau…“
„Oh, die schmeckt Dir aber, meine Kleine!“, stellt sie freudig fest. Und Assira antwortet begeistert: „mmmmh-wau-mampf-schling-schluck“.
„Du klingst lustig, wenn Du mit vollem Mund redest.“, sagt Casimir.
Und Assira dankt ihm für die leckere Wurst: „mampf-dan-mampf-ke“.
Casimir schwebt zufrieden davon. Es macht ihm Freude, andren eine Freud zu machen. Egal ob Mensch oder Tier. Aber Schabernack treiben gefällt ihm schon auch sehr. So überlegt er, was er in dieser Nacht noch anstellen könnte, und schwebt zurück ins Schloss.
