Hilfe, ich habe Haustiere! – online lesen

Hilfe, ich habe Haustiere - Cover Ebook

© Texte, Bilder und Cover: Beatrice Kobras

 

Für Mogli, Deika, Rosi, Gauner, Elschen, Bazi und Muckerl!

Mein erstes Haustier

Tiere habe ich schon immer geliebt. Als ich noch nicht laufen konnte, hatte ich richtige Begeisterungsausbrüche, wenn eine Katze meinen Weg kreuzte.  Auch Hunde, Enten, Gänse, Pferde und Kühe faszinierten mich schon früh. Auch später konnte ich mich von keinem Tier losreißen, wenn ich eines traf. Ein eigenes Haustier bekam ich allerdings nie.

Ein Leben lang bettelte ich meine Mutter und meine Oma an, dass ich doch unbedingt einen Hund haben müsse.

Sie wollten mir weismachen, dass man fünf Mal am Tag mit einem Hund Gassi gehen müsse und die Arbeit, die man mit einem Tier hätte, nur an meiner Oma hängen bliebe.

Trotz aller Versicherungen meinerseits, dass ich alles täte, um einen eigenen Hund zu bekommen, blieben meine Erzieher hart und ich Hundelos.

Auch meine Wünsche nach einer Katze blieben unerfüllt.

Sie trauten mir nicht zu, dass ich mit meinen stolzen sechs Jahren schon ein Katzenklo reinigen könnte, wovon ich weder meine Mutter noch meine Oma auch in den folgenden zwölf Jahren nicht überzeugen konnte.

Sie hatten auch Angst, das arme Tier könne in meiner Obhut verhungern.

Ein Tamagotchi gab es damals noch nicht, dass ich es ihnen hätte beweisen können.

Dafür stapelten sich in meinem Zimmer die Stofftiere, mit denen ich dann eben ersatzweise kuschelte.

Ich hatte jede Menge Plüschhunde, Plüschkatzen, Plüschmäuse von namhaften und weniger namhaften Herstellern. Jedoch konnte ich keinem der Tiere Leben einhauchen.

Eines Tages besuchte ich eine Schulfreundin, deren Schwester ein Aquarium mit Gubbis, Black Mollys, Schwertfischen und Neons hatte.

Die Gubbi-Weibchen hatten gerade Junge bekommen und obwohl ich meine Mutter bis zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht davon überzeugen konnte, dass ich dann wenigstens ein Aquarium haben müsse, hat sie mir ein paar von den Fischbabys geschenkt. Zehn eigene Haustiere für mich.

Sie gab mir die Fischbabys in einem Gefrierbeutel mit, in dem ich sie nach Hause trug.

Zu Hause angelangt, stöberte ich im Keller ein großes altes Einmachglas auf, das ich zu der neuen Heimat meiner Fische machte und steckte einen Strohhalm in das Glas, durch welchen ich von Zeit zu Zeit immer wieder hindurch blies, und so die Arbeit tat, die normalerweise von einer Pumpe verrichtet würde.

Meiner Oma schwante fürchterliches.

„Die Mami wird das nicht erlauben!“, mahnte sie.

Ich flehte sie an, nichts zu verraten, doch dann kam der gefürchtete Moment.

Meine Mutter kam nach Hause.

Oma schwieg.

Ich tat, als wäre alles ganz normal.

Keine besonderen Vorkommnisse.

Obwohl ich sie am liebsten mit der Neuigkeit der eigenen Haustiere gleich überschüttet hätte, schwieg ich.

Ich blieb stark, denn wie ich meine Mutter einschätzte, hätte ich die Fische bestimmt wieder zurückbringen müssen.

Und es kam so, wie es kommen musste.

Meine Mutter entdeckte das Einmachglas mit dem trüben Wasser, den Fischbabys und dem Strohhalm auf dem Fensterbrett meines Kinderzimmers.

Sie schrie auf vor Schreck.

„Was machen diese Kaulquappen hier im Haus?“, wollte sie wissen.

Früher hatte ich nämlich schon einmal Kaulquappen in einem Eimer auf unserer Terrasse gehalten.

Meine Mutter sagte mir damals, dass die von den Algen im Wasser leben würden. Sie sind alle gestorben. Wohl, weil es in frischem Leitungswasser keine Algen gibt.

Das Wasser, in welchem ich die Kaulquappen ursprünglich hatte, stank meiner Mutter nämlich zu sehr.

Wie ich später erfuhr, war ich nicht das einzige Kind, dem die Kaulquappen wegen fehlerhafter aber gut gemeinter Pflege starben.

Ein Freund hatte seinen Kaulquappen in kindlicher Fürsorge das Wasser abgekocht, damit sie ein besonders reines Wasser hatten.

Auch diese sind natürlich gestorben.

Er hat sie nämlich nicht aus dem Wasser genommen, als er es ihnen abgekocht hat.

Sie wären aber auch so gestorben, weil es in dem von ihm besonders gut gemeinten reinen Wasser auch keine Algen gegeben hätte.

Der Grund, dass die Kaulquappen heut zu Tage unter Naturschutz stehen, kann nur die Pflege durch Kinderhände sein.

Dass diese Tiere zwischenzeitlich unter Naturschutz stehen, erfuhr ich kürzlich zufällig, als ich mich in einer Zoohandlung danach erkundigte, weil ich Kaulquappen für den Gartenteich erstehen wollte.

Ich hatte damals ganz schön zu kämpfen, dass meine Mutter mir endlich Glauben schenkte, dass die Tiere in meinem Einmachglas Fische waren und keine Kaulquappen.

„Das sind doch Fisch-Babys!“, erklärte ich empört.

„Sie sehen aber aus wie Kaulquappen!“, widersprach mir meine Mutter.

„Weil es noch Babys sind!“, erwiderte ich.

Sie wollte es nicht glauben. So rief sie die Mutter meiner Klassenkameradin an, von der ich die Fische bekommen habe und die ihr meine Version glücklicherweise bestätigte.

Ich hatte Glück.

Ich durfte die Fische behalten.

Ich bekam sogar Geld von meiner Mutter, damit ich Fischfutter und Wasserzusätze kaufen konnte.

Dabei sollte es allerdings nicht bleiben.

Als die Fische schon nach kurzer Zeit bunte Schwanzflossen bekamen und ein Gubbi-Männchen eine knallrote Flosse bekam, den wir dann gemeinsam Pumuckl tauften, bekam ich sogar ein Aquarium mit Filteranlage, ein Buch über Zierfische, Kies und Wasserpflanzen. Damit es den Fischen nicht so langweilig war, bekam ich auch noch ein Unterwasserbild, welches ich an der Rückseite meines Aquariums befestigte.

Kurz darauf wurde auch noch ein Laichbecken angeschafft, da es immer wieder neue Fischbabys gab und die Fischmamas die schlechte Angewohnheit hatten, ihren Nachwuchs zu fressen.

„Das sind ja Kannibalen-Mütter!“, hat meine Mutter entsetzt gerufen.

Dank dieser Anschaffung habe ich künftig fast alle Fischbabys durchgebracht. Jede Geburt von ungefähr zwanzig Fischbabys pro Fischmutter wurde genauestens beobachtet und ein jedes einzelne vor der gefräßigen Mutter gerettet.

Meine Mutter war froh, dass es so eine Art Tablette gab, die man in das Aquarium geben konnte, wenn man verreiste, die das Fischfutter ersetzte. So musste sie nämlich mit der Versorgung meiner Haustiere keinen Nachbarn belästigen.

Allerdings hat sie mir nicht geglaubt, dass das funktionieren würde und hat den ganzen Urlaub davon geredet, dass die Fische jetzt bestimmt alle schon tot wären und das verantwortungslos von mir sei.

Ich bestand jedoch auf deren Funktionalität, die sich auch bestätigte.

Sie war sehr überrascht, dass die Tiere nach unserer Rückkehr noch lebten.

Ich war nicht so verantwortungslos, wie sie gedacht hatte. Ich habe mich nämlich vor unserem Urlaub ausführlich informiert. Und das nicht nur bei der Klassenkameradin, von der die Fische stammten, sondern auch in der Zoohandlung, denn ich war stolze Fischbesitzerin und wollte es auch bleiben.

Jedes Mal, wenn ein Fisch starb, endete das in einer großen Katastrophe.

Ich brach in Tränen aus, als meine Mutter das tote Tier zur Toilette hinunterspülen wollte.

So gab es eine stattliche Beerdigung und ich machte einen normalen Stein zum Grabstein und schrieb den Namen des verstorbenen Familienmitgliedes darauf.

Meine Eltern waren sehr verwundert darüber, denn mit Gräbern hatte ich es gar nicht, doch die Gräber der Fische wurden auch im Nachhinein gepflegt.

Die ganze Familie musste anwesend sein zu der Beerdigung, die in unserem Garten an der Thuja-Hecke stattfand.

Allerdings starben dann mehrere Fische, denn es war eine Krankheit in meinem Aquarium ausgebrochen und man weigerte sich schon nach der dritten Beerdigung, noch eine weitere mitzumachen.

Ich verstand die Welt nicht mehr, denn das waren doch Familienmitglieder.

Mit einem Hund oder einer Katze wurde es immer noch nichts, denn meine Eltern hatten dann große Angst, dass dem Tier etwas zustoßen könnte und da ich bereits so verzweifelt bei dem Ableben eines Fisches war, wagten sie es sich nicht auszudenken, was passieren könne, wenn ein Hund sterben würde oder eine Katze.

Außerdem hatten sie Angst, dass eine Katze die Fische fressen könnte und die Todesrate in meinem Aquarium auf diese Weise erheblich steigen könnte. Mein Argument, dass das Aquarium einen Deckel hatte, ließen sie leider nicht gelten.

Aber die Erwachsenen hatten auch damals schon immer Recht und was blieb mir da anderes übrig, als die fremden Hunde der Nachbarschaft auszuführen und mit den Nachbarskatzen durch den Garten mit einem Wollfaden in der Hand zu rennen.

Als ich zwölf war durfte ich einmal pro Woche reiten gehen, aber ein eigenes Pferd bekam ich auch nicht.

Es war ein hartes tierloses Kinderleben.

Ein Pferd

Im Laufe meines Lebens hatte die Beeinflussung meiner Eltern bezüglich der Haustiere sehr große Nachwirkungen, denn ich hatte eingesehen, dass ein Tier sehr viel Verantwortung und sehr viel Zeitaufwand bedeuten würde.

Ich war fünfundzwanzig Jahre alt, als ich wieder zu reiten begann und dann sogar aufs Land zog, wo es Kuhweiden und Schweinewiesen und sehr viele Pferdekoppeln ohne Verantwortung gab.

Meine Mutter war davon überzeugt, dass ich es keine vier Wochen auf dem Land aushalten würde und ich dann wieder reumütig in die Stadt zurückkehren würde.

Sie irrte sich. Ich lebte noch viele Jahre sehr ländlich und bereute diese Entscheidung nie. Und heute, wo ich am Stadtrand lebe, sehne ich mich oft nach dem Landleben zurück, doch das ist nichts für meinen Freund und eine Entscheidung ihn oder Landleben, gibt es für mich nicht.

Als ich damals wieder zu reiten begann, ritt ich erst einmal wöchentlich. Es dauerte nicht lange, da wurden es zwei Mal die Woche, dann drei Mal und dann bot man mir sogar an, dieses Pferd fest zu mieten und ich ritt sieben Tage pro Woche ganz für mich alleine.

Es war, als hätte ich mein eigenes Pferd und ich war sehr erstaunt, was in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier alles möglich war. So etwas hatte ich mit meinen Fischen nicht erlebt.

Wir lernten alles über das Dressurreiten gemeinsam und ritten dann sogar Turniere.

Wir wurden sogar platziert und das, obwohl mein erstes Pferd ein Haflinger war, der noch nie zuvor Dressur geritten wurde und vor unserer Bekanntschaft nur vor den Planwagen gespannt wurde.

Auch der Besitzer meiner Stute war sehr stolz auf uns.

Er erzählte mir von dieser Tatsache nämlich erst nach unserem ersten erfolgreichen Turnier. Rosi, wie die Stute hieß war damals wie ich fünfundzwanzig Jahre alt. Ein beachtliches Alter für ein Pferd.

Meine Mutter war fassungslos von der Verantwortung, die ich für dieses Tier übernommen hatte und freute sich.

Eine Katze

Als ich eines Tages meine Freundin besuchte, hatte diese ein kleines Katzenbaby von ungefähr sechs Wochen.

Ich konnte nicht von dem kleinen Kater lassen und sie bot mir an, sie würde mir auch ein Kätzchen von dem Bauernhof ihrer Tante besorgen.

Ich zögerte lange.

Schließlich lagen mir noch die Worte meiner Mutter im Ohr:

„Ein Tier bedeutet sehr viel Zeit und sehr viel Verantwortung!“

Doch ich hatte ja nun schon das Pferd und es wurde von mir Tag ein Tag aus sehr gut versorgt.  Und das, obwohl ich eine weite Strecke zu dem Stall fahren musste, in dem es stand.

Meine Freundin und ich vereinbarten bezüglich der Katze, dass wir das Schicksal entscheiden lassen würden.

„Wenn ihr eine kleine Katze fangen könnt, dann nehme ich sie mit allen Konsequenzen und bin ihr Leben lang für sie da!“, versprach ich.

„Wenn ihr keine fangen könnt, dann bemüht Euch nicht unnötig, dann soll es nicht sein und ist auch in Ordnung.“

Am nächsten Abend war ich kellnern, um meine Reiterkasse ein wenig aufzubessern.

Schließlich kaufte ich alles für meine Rosi, weil sie nichts Ordentliches hatte.

Sie bekam einen sehr schönen gebrauchten Sattel, eine Trense, ein Halfter und Satteldecken. Ich kaufte Putzzeug und Führstricke und natürlich viele Leckerchen und jede Woche einen großen Sack Karotten.

Ich spürte schon, dass meine Freundin ein Kätzchen gefangen hätte und mein zukünftiges Haustier bei ihr zu Hause sitzen würde.

Ich aß an diesem Abend nicht mehr mit den Kollegen zusammen, sondern eilte sofort nach Hause und rief noch um ein Uhr morgens bei meiner Freundin an.

„Habt ihr eine?“, fragte ich vorsichtig in den Hörer hinein.

„Ja!“, kam es aus der Hörmuschel zurück.

Ich jauchzte vor Freude.

„Ist es auch eine so süße schwarz-weiße?“, wollte ich weiter wissen.

„Nein!“, antwortete sie mir.

„Es ist eine ganz schwarze.“

„Was? Eine ganz schwarze? Du nimmst mich auf den Arm! Eine schwarze Katze ist mein Kindheitstraum.“

„Ich weiß! Sie ist wirklich ganz schwarz!“, beteuerte man mir am Telefon.

„Komm doch vorbei und überzeuge dich selbst! Du kannst auch bei uns schlafen.“

Gesagt, getan.

Ich nahm meinen Einkaufskorb, legte ein weiches Handtuch hinein, kramte etwas zum Waschen und Anziehen für den nächsten Tag zusammen, eilte zu meinem alten Auto und raste über die Autobahn, um mein erstes Familienmitglied in Empfang zu nehmen.

Man erwartete mich schon.

Noch auf dem Weg, das Kätzchen suchend, rief ich „Passt der Name Strolchi zu ihr?“.

„Klar!“, antwortete mir meine Freundin.

Ich schlich ins Wohnzimmer und sah ein kleines schwarzes Fellbündel mitten auf dem großen Sofa sitzen.

„Nein! Sie heißt nicht Strolchi, sondern Mogli!“, beschloss ich, als ich sie sah.

„Sie geht auch schon aufs Katzenklo!“. erzählte mir meine Freundin stolz.

Doch da riss ich die fast schlafende Katze auch schon an mich und überschüttete sie mit Streicheleinheiten.

Sie wirkte fast ein wenig verstört.

So viel Liebe zu nachtschlafender Zeit.

Sie krabbelte auf meine Schulter und ließ sich dort häuslich nieder.

Ich konnte hüpfen und Purzelbäume schlagen, sie bewegte sich nicht von der Stelle. Sie blieb auf meiner Schulter.

Schließlich ist sie von meiner Schulter zurück auf das Sofa gekrabbelt.

Sie war sehr müde.

Ihr kleiner Kopf fiel langsam zur Seite, bis das kleine Kätzchen vor Müdigkeit umfiel.

Sie erwachte noch während des Fallens, richtete sich wieder auf und fiel wieder mit ihrem kleinen Körper auf das Sofa.

Am nächsten Morgen frühstückten wir gemeinsam.

Natürlich konnte ich die Finger nicht von meinem neuen Familienmitglied lassen.

Ich nahm sie auf die Hand und sie krabbelte über meinen Arm wieder auf direktem Weg auf meine Schulter.

Allerdings wollte sie da nicht bleiben und balancierte weiter auf die Schulter meiner Freundin.

Dort verlor sie den Halt und purzelte durch die Luft und landete zielsicher mit dem Rücken auf einer frisch gestrichenen Buttersemmel, die sich meine Freundin gerade schmierte.

Mogli sah uns ein wenig verstört an.

Natürlich mussten wir fürchterlich lachen, denn der „Cat-Burger“ war erfunden und die zweite Seite des Brötchens legten wir ihr auf den Bauch.

Nur ihr kleines Köpfchen, die vier Pfoten und ihr Rattenschwänzchen schauten am Rande der Semmel noch heraus.

Mogli war eine ganze Weile beschäftigt, die Butter aus ihrem Fell zu lecken. Wahrscheinlich kommt daher auch ihre heutige Leidenschaft für Butter. Wenn sie ein Stück Butter erspäht, ist dieses vor ihr nicht sicher.

Auch von einer Porzellanbutterdose mit Deckel lässt sie sich nicht abschrecken. Der Butterdosendeckel fällt dann klirrend zu Boden und zerspringt in tausend Scherben, aber Mogli hat ihre Butter.

Nach dem Frühstück fuhren wir in ein kleines Zoofachgeschäft und kauften alles, was eine Katze braucht.

Wir verließen das Geschäft mit Katzenmilch, Katzenfutter, Fressnäpfen, Katzenkörbchen, Katzenklo, Katzenstreu, Katzenhalsband, Katzenleine und jede Menge an Spielmäusen und anderen interessanten Gegenständen für kleine Kätzchen.

Auch einiges an Katzenliteratur hatte ich gekauft, um mehr über Haltung, Pflege und Angewohnheiten zu erfahren.

Ich packte Mogli in meinen extra für sie ausgepolsterten Einkaufskorb und legte ihr sicherheitshalber die neu erstandene Leine an, damit sie sich im Auto nicht verselbstständigen konnte.

Mogli war ein sehr neugieriges Kätzchen und versuchte ständig aus dem Fenster zu sehen, doch sie war noch zu klein, um etwas erspähen zu können. Das schien sie sehr zu ärgern. Deshalb maunzte sie mit ihrem zarten Stimmchen die ganze Fahrt über.

Endlich Zuhause angekommen, begann ich mit der Katze auf der Schulter, der Leine am anderen Ende der Katze in der Hand die Katzenutensilien aus meinem Auto zu laden und in meine Erdgeschosswohnung zu schaffen.

Zum Glück hatte ich einen Zugang von meiner Terrasse aus.

Das Katzenklo fand ihren Platz im Bad. Das Körbchen wurde im Wohnzimmer deponiert, die Fressnäpfe in der Küche, die Katzenbücher auf dem Wohnzimmertisch, damit ich sofort beginnen konnte, mich mit allen eventuellen Katzenkrankheiten auseinander zusetzten, die das arme Tier einmal bekommen könne sowie mit Erziehungstipps und allem, was man als frisch gebackenes Katzenfrauchen unbedingt wissen musste.

Als alles verstaut war und das Katzenklo bezugsfertig, nahm ich Mogli, die bereits begonnen hatte, meine kleine Zweizimmerwohnung zu inspizieren und setzte sie auf ihr Klo, welches sie auch sofort benutzte.

Ich hatte große Panik, dass das Tier erst noch stubenrein werden müsse, aber der Tipp aller Katzenbesitzer war, setze sie sofort auf das Klo, dann geht sie dort immer wieder hin. Aber bei meiner Freundin hat sie das Katzenklo ihres Bruders auch gleich benutzt.

Ich war sehr stolz auf meine kleine sechs Wochen alte Katze, die praktischerweise auch schon stubenrein war.

Nachdem sie den Weg zum Klo nun jederzeit finden würde, rührte ich ihr die erste Portion Katzenmilch an, die sie in ihrem Alter noch bekommen musste, gab ihr ein wenig zu fressen, damit sie sich etwas heimischer fühlte und stellte ihr ein Schälchen Wasser dazu.

Als Mogli vor ihren neuen Näpfen saß, hatte ich die Befürchtung, doch zu große Näpfe gekauft zu haben, da sie fast darin zu verschwinden drohte, wenn sie fraß oder trank.

Die Näpfe waren weiß und lauter bunte Pfoten liefen über den Rand.

Ich dachte, dass ich nie einen Farbtopf stehen lassen dürfe, damit meine Wohnung nicht auch durch so bunte Pfoten-Abdrücke geziert würde.

Der nächste Schritt war nun einen Tierarzt in der Umgebung ausfindig zu machen, denn das Tier musste ja erst einmal gründlich untersucht und geimpft werden.

Gesucht, gefunden! Der Termin war vereinbart.

Mogli war wirklich sehr neugierig und ihre Lieblingsbeschäftigung war es, mich von allen Seiten wie einen Berg zu erklimmen.

Außerdem wollte sie alles fressen, was auch ich aß.

Das gefiel mir dann doch etwas weniger und ich war sehr beschäftigt, mein Essen vor meinem neuen Mitbewohner zu verteidigen.

Allerdings ließ ich ihr immer eine Kleinigkeit übrig, damit sie nie ganz leer ausging. So lernte sie abzuwarten, bis ich zu Ende gegessen hatte.

Der erste Tierarztbesuch

Der große Impf-Tag kam schneller, als es Mogli lieb war.

Ich packte sie ins Auto und fuhr mit ihr drei Ortschaften weiter zu dem Tierarzt, den ich für sie ausgesucht hatte.

Als dieser die Tür geöffnet hatte und uns in seine Praxis hinter dem Haus führte, schaute er sich Mogli gründlich an.

Er war sehr angetan von meinem neuen Familienmitglied und beglückwünschte mich zu diesem netten Fund.

Allerdings stellte er fest, dass Mogli Milben im Ohr hatte, wie sie fast alle jungen Kätzchen haben, die auf einem Bauernhof geboren wurden.

Sofort machte ich mir große Sorgen um das Tier.

Der Tierarzt hat mir erklärt, dass ich Moglis Ohren mit Baby-Öl und Wattestäbchen zu reinigen hatte.

Da ich noch absolut keine Erfahrung als Krankenschwester für Tiere hatte, demonstrierte er mir die Reinigung in seiner Praxis und gab mir auch ein Medikament mit, welches sie bekommen sollte.

Mogli wurde geimpft, nachdem sich der Tierarzt dicke bissfeste Handschuhe für kleine Raubtiere angelegt hatte, bekam einen Impfpass auf ihren Namen ausgestellt und wurde in allen weiteren Punkten für gesund erklärt.

Stolz und besorgt zugleich verließ ich die Tierarztpraxis mit Katze, Impfpass, Medikamenten und Wurmkur.

Ich setzte Mogli zu Hause ab und fuhr sogleich wieder los, um die benötigten Utensilien zu besorgen, die für Moglis Parasitenbekämpfung nötig waren.

Ich kaufte eine Flasche Baby-Öl, die für eine Zehnlingsgeburt und deren Nachkommen ausgereicht hätte und auch heute noch mein Regal im Keller ziert.

Am nächsten Morgen überfiel ich sie sofort nach dem Aufstehen mit Wattestäbchen und Baby-Öl.

Beim Tierarzt sah das alles viel einfacher aus. Außerdem waren wir dort zu dritt, um die kleine Mogli zu bändigen.

Ich war ihr ganz alleine ausgesetzt und verzweifelte bereits beim ersten Behandlungsversuch.

Mogli wollte sich weder die Ohren säubern lassen noch festgehalten werden.

Nach einem einstündigen Versuch und mehreren Kratzern hatte ich den Dreh raus. Ich hielt sie so fest im Nacken, dass ich problemlos ihren kleinen Kopf drehen und festhalten zugleich konnte und auch noch eine Hand frei hatte, um ihr die Ohren zu putzen, wenn auch unter lautstarkem Protest.

Das funktionierte allerdings nur, weil sie noch so klein war.

Mir schwante fürchterliches bei dem Gedanken, dass die Katze wachsen würde und ich sie bei eventuellen Krankheiten alleine behandeln müsste.

Im Laufe der folgenden Woche bekam ich Übung darin und das Ohrenritual war nur noch eine Sache von wenigen Sekunden.

Die Gesundheitshürde war bewältigt.

Nur die, mit meinen Vermietern und dem Passus „Keine Haustiere“ im Mietvertrag noch nicht.

Mutig, aber mit zittrigen Knien wandelte ich kleinlaut mit Mogli auf der Schulter ins Nachbarhaus und stellte meinen Familienzuwachs vor.

„Du weißt doch, dass du keine Haustiere halten darfst!“, belehrte mich meine Vermieterin.

„Aber ich bin doch so alleine und könnte wirklich etwas Gesellschaft vertragen.“, bat ich.

„Ausnahmsweise! Aber nur diese eine! Nicht, dass Du mit noch mehr Tieren hier ankommst!“. Mahnte mich meine Vermieterin sicherheitshalber im Voraus.

Es war gut gegangen. Das Haustier war genehmigt und der Vertragspassus somit außer Kraft gesetzt.

Allerdings machte ich rasch Bekanntschaft mit dem ersten Menschen in meinem Leben, der keine Katzen mochte. Und das war meine Nachbarin.

Als sie wie gewohnt bei mir vorbei schneite und Mogli ihren Weg kreuzte, schrie sie auf und lief panisch aus meiner Wohnung.

So war es vorbei mit unseren gemütlichen Treffen in meiner Küche.

Verstehen konnte ich jedoch nie, wie man vor so einem kleinen Pelzgesicht so große Angst haben kann.

Der erste Diebstahl

Zum gleichen Zeitpunkt, zu dem ich mein Kätzchen von den Milben befreite, musste ich auch meine Haflingerstute Rosi schonen.

Rosi war so alt wie ich zum damaligen Zeitpunkt. Wir waren beide fünfundzwanzig Jahre alt.

Was für mich noch recht jung war, war für Rosi bereits ein beachtliches Alter.

Sie wurde immer schlapper, so dass ich sehr auf sie achten musste und damit ich mit meiner Reiterei weiterkam, besorgte mir einer unserer Reitlehrer ein neues Pferd. Gauner sollte er heißen, siebzehn Jahre alt sein und in seiner Vergangenheit M-Springen gegangen sein und natürlich auch in der Dressur gut beritten.

So fuhr ich erwartungsvoll in den Stall um mein neues Mietpferd, welches mir auch ganz alleine sieben Tage die Woche zur Verfügung stehen sollte, zu begutachten.

Ich machte Luftsprünge, als ich ihn auf der Weide stehen sah, so schön war er. Allerdings schien er ein richtiger Rabauke zu sein, da er sich von den anderen Pferden auf der Koppel nichts gefallen ließ.

Trotzdem verliebte ich mich sofort in ihn.

Trotz Liebe hatten wir diverse Unfälle, wo ich meinen Gauner hätte erschlagen können, aber dazu komme ich später noch.

Das Pferd musste ja auch noch ordentlich gefeiert werden. So lud ich die Eigentümer, die sich auch dazu bereiterklärt hatten, mich zu jedem Turnier zu fahren, auf dem ich mit ihrem Pferd starten würde, zum Essen zu mir nach Hause ein.

Ich kochte eines meiner Leibgerichte. Hühnchenbrust in Sahnewermutsauce mit Tomaten-Lauch-Gemüse und Rösti.

Wie sich noch bevor der Besuch kam herausstellte, zählte dies nicht nur zu meinen Leibgerichten, sondern auch zu Moglis.

Ich hatte so weit alles vorbereitet, dass ich das Mahl nur noch in den Ofen schieben musste, bevor meine Gäste kamen.

Ich hatte die Raine auf der Arbeitsplatte in der Küche stehen, die Röstisstanden zum Brutzeln vorbereitet da und ich säuberte mich gründlich unter der Dusche.

Das Duschen ist sehr amüsant geworden, seit ich Mogli habe, denn sie streckte immer ihren Kopf durch den Duschvorhang und beobachtete mich.

Anfangs war es mir ein wenig peinlich, aber schließlich waren Mogli und ich nun eine Familie und vor der Familie geniert man sich normalerweise nicht.

Sie fand es außerdem sehr spannend, auf dem Rand der Duschwanne zu balancieren.

Wenn zu viel Wasser aus dem Duschvorhang herausspritzte, kam es schon einmal vor, dass sie ausrutschte und zu mir in die Dusche purzelte und dann schnell das Weite suchte, da sie das Wasser wie alle Katzen natürlich nicht sehr mochte.

So war es auch an diesem Tag und ich dachte mir nichts Böses dabei.

Als ich mich fertig gemacht hatte und mehr oder weniger zufällig in die Küche kam, sah ich Mogli, als sie sehr gierig die Sahnewermutsauce aus der Raine verspeiste. Eine Hühnerbrust, die in etwa Moglis Größe hatte, hat sie bereits unter das Sofa gezerrt, was die verräterische Spur an Sauce dorthin verriet.

Am liebsten hätte ich ihr einen Schubser verpasst, so dass sie gleich ganz hineingefallen wäre, aber das Essen hätte ich meinem Besuch dann nicht mehr vorsetzen können.

So packte ich sie an ihrem Nackenfell, schüttelte sie so fest, dass mir selbst ganz schwindlig davon wurde schrie sie an und hoffte, dass ihr das für die Zukunft eine Lehre sein würde.

Ich rettete von dem Essen, was noch zu retten war und mein Besuch hat glücklicherweise nichts davon bemerkt.

Nun hatte ich zu lernen, Katze und Essen im Auge zu behalten. Und da Mogli jede Menge Unsinn im Sinn hatte, lief ich nun ständig bewaffnet mit einer Wassersprühflasche mit mir herum. Anfangs stand diese immer griffbereit parat. Leider aber immer dort, wo ich nicht war. So blieb mir nichts anderes, als diese ständig mit mir herumzuschleppen.

Mogli war von da an des Öfteren etwas feucht hinter den Ohren oder anderen Körperstellen.

Neu, oder mit Perwoll gewaschen?

Wenige Tage nach dem Vorfall mit der Sahnewermutsauce besuchte mich meine Freundin, von der ich Mogli bekam mit Moglis Bruder Gismo, dem schwarz-weißen Kater, von dem ich so entzückt war.

Sie schienen sich beide sehr zu freuen und kämpften spielerisch miteinander.

Meine Freundin beschloss, die Katzen anzuleinen und mit ihnen an der Leine zum Bauernhof Milch holen zu gehen.

Ich hielt das für eine lustige Idee. Schließlich hatte ich schon von Katzen gehört und auch schon solche kennen gelernt, die mit ihren Menschen spazieren gingen und nicht von ihrer Seite wichen.

Wir dachten, dass dies ja ganz nett wäre und die Katzen das ja irgendwie lernen müssten.

Gesagt, getan.

Gismo bekam sein Katzengeschirr an, mit dem er ja bereits ausführliche Erfahrungen hatte und ich legte Mogli das mit Strasssteinen besetztes Halsband mit der Katzenleine an.

Die ersten fünf Meter gingen auch beide Katzen brav mit uns mit. Dann legte Mogli die Bremse mittels der Hinterfüße ein und weigerte sich, auch nur einen Schritt weiter zu laufen. Mit allen möglichen Tricks versuchte ich, sie zum Gehen zu bewegen.

Dann lief sie wieder ein paar Schritte, bis sie wieder bremste. Gismo machte das zu meiner Erleichterung auch nicht besser. So legten wir diese Wegstrecke statt in den üblichen fünf Minuten in knapp einer Stunde zurück. Die Leute, die uns begegneten bewunderten unsere Ausdauer und wahrscheinlich zweifelten sie auch ein wenig an unserem Verstand.

Als wir die Wegstrecke endlich bewältigt hatten, unsere Milch vom Bauern bekommen hatten und für die ersten hundert Meter des Rückweges eine weitere halbe Stunde benötigt hatten, beschlossen wir dann doch unsere kleinen Katzenbabys zurückzutragen, da die Milch an dem heißen Sommertag bereits drohte, sauer zu werden.

Zu Hause angekommen schwor ich mir, dass dies der erste und letzte Versuch war, mit Mogli Gassi zu gehen.

Vor lauter Erschöpfung riefen wir den Pizzaservice und bestellten eine Pizza.

Wir begannen hastig zu essen, bis es an der Türe klingelte und meine Nachbarin uns in ein Gespräch verwickelte.

Bis wir wieder in die Küche zurückkehrten, um unsere Pizza fertig zu essen (ich hatte eine Spinatpizza mit Ei) hatte es Mogli doch tatsächlich fertiggebracht, meinen gesamten Pizzabelag zu fressen.

Ich wusste nicht mehr, ob ich weinen oder lachen sollte, doch dies erledigte mein Magen für mich, indem er Mogli böse anknurrte.

Heutzutage gibt sich Mogli allerdings nicht mehr nur mit dem Pizzabelag zufrieden. Heute frisst sie auch den Teig.

Einen neuen Versuch des schweren Diebstahls machte sie allerdings, als ich einmal gerade Handwäsche im Waschbecken hatte und da neben dem Muttergriff, Wasser eine der größten Strafen für Katzen ist, griff ich Mogli in ihrem Nackenfell, schleppte sie geradewegs ins Bad zum Waschbecken und behandelte sie wie meine Handwäsche. Natürlich achtete ich darauf, dass ihr Kopf nicht unter das Wasser gelangte.

Als ich sie an ihrem Nacken wieder herausfischte schien sie allerdings ein wenig geschrumpft zu sein, denn ihr schwarzes Fell klebte an ihrem Körper und sie schimpfte wie ein Rohrspatz in allen Tonlagen.

Ich rubbelte Mogli trocken, wickelte sie in eine dicke Decke, da sie vor lauter Nässe am ganzen Leib zitterte und ich fragte trocken: „Mogli, bist du neu oder mit Perwoll gewaschen?“

 

Aufgepasst

Natürlich hatte ich während Moglis Eingewöhnungsphase auch sehr viel Spaß mit ihr.

Einer ihrer Lieblingsplätze entpuppte sich beispielsweise auf dem Wäscheständer, wenn mein Badteppich zum Trocknen darauf lag.

Den Badteppich liebte sie auch sehr, wenn er auf dem Platz lag, wo er hingehörte.

Stunden lang konnte sie sich darin einrollen und mit den Hinterpfoten dagegentreten, als wäre er ein böser Feind.

Mogli spielte auch eifrig verstecken mit mir.

Sie versteckte sich hinter der Türe oder hinter der Waschmaschine und wenn ich vorbeikam, stürzte sie sich wie besessen auf meine Füße und kämpfte mit ihnen.

Meine Füße interessierten sie auf eine ganz eigenartige Weise.

Wenn ich beispielsweise im Bett lag, lauerte sie meinen Füßen auf und wenn ich nur einen Zeh bewegte, stürzte sie sich auf mich und biss mir in den Zeh hinein.

Das fand ich eigentlich ganz lustig. Nur, wenn es mitten in der Nacht passierte, während ich in den schönsten Träumen schwelgte, da war der Angriff auf meine Füße sehr unangenehm.

Eine andere Lieblingsbeschäftigung von Mogli war, auf den Fensterbänken zu balancieren.

Leider war sie damals noch sehr ungeschickt und etliche Dinge zerbrachen bei ihren Balanceakten.

Ihr Nackenfell wurde in dieser Zeit sehr strapaziert.

Wenn ich abends die Rollos heruntergezogen hatte, fand sie das auch sehr spannend. Da baumelten doch plötzlich so schöne Schnüre herunter, die sich tagsüber außerhalb ihres Sichtfeldes bewegten.

Erst berührte Mogli vorsichtig die Rollo-Schnüre mit der Pfote so, dass sie zu schaukeln begannen. Dann schlug sie immer fester danach, bis sie sich wild darauf stürzte und hineinbiss.

Anfangs befürchtete ich, das Rollo könnte hinauf schnallen und die Katze mit aufrollen, doch das passierte glücklicherweise nie.

Ich hatte einen kleinen nostalgischen Puppenwagen in meinem Wohnzimmer stehen. Als ich eines Tages durch die Küche ins Wohnzimmer kam, saß Mogli darin und schaute frech heraus. Der Puppenwagen war nun also auch der ihre.

Zum Glück hat sich auch mit ihren eigenen Spielsachen beschäftigen und nicht nur mein ganzes Hab und Gut in ihren Besitz genommen.

Ihre Spielmäuse waren meist in der ganzen Wohnung verteilt und wenn ihren Weg bei der Jagd nach den Mäusen ein Stuhlbein kreuzte, so wurde eben das bekämpft.

Allerdings kam kein Spielzeug der Welt gegen den Spielplatz Bad an.

In meinem Regal fand sie meinen Haarreif, der mit kleinen goldenen Perlen verziert war. Dieser flog meist in hohem Bogen durch das Bad.

Sich an die Handtücher zu hängen und mit diesen dann auf den Boden zu plumpsen schien auch eines ihrer liebsten Spiele zu sein.

Die Toilette hat Mogli auch schon immer brennend interessiert. Sie hat immer versucht unter den Toilettendeckel zu gucken. Ob ich darauf saß, oder nicht.

Als ich wieder einmal beim Badputz war, und der Toilettendeckel offenstand, beobachtete ich Mogli, als sie ihren Hals streckte und einen vorsichtigen Blick in die Schüssel warf. Sie konnte wohl zu wenig sehen und fasste Mut und sprang auf die Klobrille.

Nachdem sie immer noch nicht begreifen konnte, was da in der Schüssel vor sich ging, hing sie plötzlich kopfüber hinein, stützte sich in der Toilettenschüssel mit den Vorderpfoten ab um die Kloschüssel von innen zu inspizieren.

Der Spielplatz Bad entpuppte sich als der interessanteste Spielplatz der ganzen Wohnung und ich hatte jede Menge Mühe aufzupassen, dass sie mir nicht einmal versehentlich in die Waschmaschine spazierte.

Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er einmal die Waschmaschine laufen hatte und sich über zwei sehr eigenartige Knöpfe darin gewundert hat, welche er keinem Kleidungsstück zuordnen konnte. Als die Maschine den Schleudergang beendet hat und er die Waschtrommel öffnete, taumelte ihm die Nachbarskatze entgegen.

Passiert ist ihr zum Glück nichts. Ihr war nur sehr schwindlig.

Nachts war Moglis liebster Platz in der Besucherritze meines großen Bettes und träumte schnurrend von ihren Schandtaten des Tages.

Ich war sehr froh darüber, denn so konnte sie nichts anstellen und ich hatte sie gewissermaßen im Auge. Auch im Schlaf.

Haare fressende Parasiten

Eines Tages kam ich in den Stall, um mein Pferd Gauner zu bewegen. Da entdeckte ich eine seltsame Stelle an seinem Brustkorb. Ich zeigte diese seiner Eigentümerin, aber die war nicht sehr beeindruckt davon. So bat ich den Tierarzt eigenmächtig, einen Blick darauf zu werfen und was stellte er fest?

Mein Pferd hatte Haarlinge.

Haarlinge sind Parasiten, die sich von Tierfell ernähren und ich bekam eine Tinktur, mit der ich ihn täglich an dieser Stelle abzuwaschen hatte.

Natürlich habe ich sofort Gauners Eigentümer davon unterrichtet und sie waren über meine Beobachtung dann doch recht froh.

Allerdings sollten sich die ärztlichen Behandlungen in der nächsten Zeit mehr auf mich beziehen und weniger auf meine Schützlinge.

Es passierte schon bald darauf, dass Gauner sich erschreckte, als ich gerade mit seiner Morgentoilette beschäftigt war.

Er sprang aus dem Stand und ohne jegliche Vorwarnung auf meinen Fuß. Und das mit seinem vollen Gewicht. Da so ein Pferd nicht gerade ein Leichtgewicht ist, schmerzte mein Fuß sehr und ich hatte Mühe, meine Reitstiefel auszuziehen und hielt eine volle Stunde den Abspritzschlauch mit eiskaltem Wasser darauf, bis ich endlich einfüßig zu meinem Auto hüpfen konnte, um mich zur nächstgelegenen Notaufnahme begeben zu können.

Eine satte Quetschung hatte mein Gauner an meinem Fuß verursacht. Das fand ich alles andere als nett, wo er doch die ganze Fürsorge bekam, die man einem Pferd nur zukommen lassen konnte.

Ich versorgte ihn wöchentlich mit einem ganzen Sack Karotten, behandelte sein Fell täglich, damit sich die Parasiten in seinem Fell nicht weiter ausbreiten konnten und tat, was man für ein Pferd nur so alles tun konnte.

Und was machte er?

Er sprang auf meinen Fuß.

Gefallen lassen wollte ich mir das nicht. So zwängte ich mich am nächsten Tag unter Schmerzen in meine Reitstiefel, um ihm zu zeigen, dass er mich nicht so leicht außer Gefecht setzen konnte.

Ich beschloss, mit ihm auf dem Viereck im freien zu arbeiten und es funktionierte so weit ganz gut. Zumindest so lange, bis er plötzlich feststellte, dass am Rande der Bahn ein Baum stand, der für ihn sehr gefährlich sein könnte.

Er stellte sich auf die Hinterbeine und hüpfte rücklings die Bahn zurück.

Ich setzte meine gesamte Kraft ein, um ihn vorwärtszubewegen. Vorbei an dem Baum bekam ich ihn aber nicht mehr.

Entweder spielte er Zweibeiner, oder er jagte wie vom Affen gebissen kreuz und quer durch die Bahn, bis er beschloss, rückwärts zur Weide zu laufen.

Keine Zügel, kein Gewichtseinsatz, keine Sporen und keine Gerte konnten ihn dazu bewegen, wieder in die richtige Richtung, nämlich vorwärts, zu laufen.

Glücklicherweise bekam das der Bauer mit. Dieser versuchte, mich mit aller Kraft zu unterstützen.

Als auch das alles nichts half, nahm er seine Mistgabel zur Hilfe, da er gerade beim Ausmisten der Ställe war und aus dem gemütlichen Rückwärtsritt wurde ein wilder Rodeo-Ritt vorwärts.

Dies wiederholte sich mehrfach und als ich nicht aufgeben wollte, schien Gauner es sich doch plötzlich anders überlegt zu haben und lief lammfromm seine Figuren und sogar an dem vorher so angsteinflößenden Baum vorbei.

Das ging so lange gut, bis er beschloss, sich vor ein paar Strohballen neben dem Baum zu ängstigen und das Spiel begann von vorne.

Jedenfalls war ich sehr stolz, mich auf dem Pferd gehalten zu haben. Als er sich dann zum zweiten Male beruhigt hatte, und meine Kräfte nun endgültig am Ende waren beendeten wir unser Training mit einem Positiverlebnis für uns beide und ich fuhr nach Hause zu Mogli.

Leider war die eine Quetschung im Fuß nicht die Einzige, die mir Gauner verpasst hatte und ich wurde Stammkunde in dem nahen gelegenen Krankenhaus.

Gauner sprang mir doch tatsächlich noch zwei weitere Male mit seinem vollen Gewicht auf den Fuß.

Doch schon bald sollte ich ein Erfolgserlebnis haben.

Unser erstes Turnier stand an und ich fuhr schon sehr früh am Morgen in den Stall. Die Mähne hatte ich ihm schon am Vorabend eingeflochten, so dass er nur noch geputzt und auf Hochglanz poliert werden musste.

Da sah ich das schwere Scheunentor zufallen und befürchtete schlimmstes. Doch Gauner sah sich erst nach mir um und sprang dann auf die andere Seite.

Das war das Erfolgserlebnis des Tages. Ich war so glücklich, dass es mir ganz egal war, wie wir unser Turnier bestreiten würden.

Die Eigentümer standen auch pünktlich mit dem Pferdehänger auf dem Hof und alles Weitere verlief nach Plan.

Gauner ließ sich vorbildlich in den Hänger verladen und auf dem Turnierplatz auch brav wieder ausladen.

Er graste genüsslich und sabberte mir auch gleich mit seiner grünen Pferdespucke die weiße Reithose voll.

Doch das war mir egal. Schließlich hatte ich an diesem Morgen mein größtes Erfolgserlebnis. Nämlich keine weitere Quetschung am Fuß oder an sonstigen Körperteilen.

In der Dressur belegten wir den zweiten und den vierten Platz und der Tag drohte noch besser aufzuhören, als er begonnen hatte.

Leichtsinnigerweise hatte ich uns aber auch noch zu dem Springturnier angemeldet.

Bereits der dritte Reiter stürzte so schwer, dass er in einer Vakuummatratze mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert wurde und meine Nervosität stieg sehr an. Zumal ich wusste, dass sich Gauner beim Springen gerne verselbstständigte.

Es kam, wie es kommen musste.

Es Hupte, Gauner und raste los.

Und mit los rasen meine ich, dass er eine Geschwindigkeit von ungefähr achtzig Stundenkilometern erreichte, und es kam mir noch sehr viel schneller vor.

Da gleich das erste Hindernis mit ihm sehr schwierig zu reiten war, da er in der Linkskurve sehr schwierig zu biegen war und kurz nach dem Hindernis der Zaun stand hob ich die Hand und lenkte ihn daran vorbei, da wir sonst bestimmt gleich nach dem Hindernis den Zaun überquert hätten. Das Rennen war gelaufen.

Doch obwohl ich den Ritt abbrechen wollte, fand ich die Bremse nicht.

Wir rasten kreuz und quer über den Platz und ich war sehr bemüht, ihn in dieser Geschwindigkeit an den Hindernissen vorbeizulenken, denn die Springlust hatte ihn schon gepackt. Da öffnete so ein Idiot am Ausgang das Tor und ließ den nächsten Reiter auf den Platz.

Gauner fasste die Gelegenheit beim Schopf und rannte durch die offene Schranke und diesen toröffnenden Idioten fast um.

Ich schrie, dass die Leute Platz machen sollten, und Gauner jagte über die angrenzenden Felder auf die Hauptstraße zu, bis er sich nach unendlichen Anstrengungen dann doch bremsen ließ, weil es ihm dann gerade in den Sinn kam.

Ich ritt ihn mit wackelnden Knien zurück zu seinem Hänger, rutschte erschöpft von seinem Rücken und wir fuhren in den heimatlichen Stall zurück, wo er seine Zöpfchen in der Mähne wieder entfernt bekam und nach den Anstrengungen kalt abgebraust wurde, bis meine Knie wieder zu zittern aufhörten.

Ein Hund

Wieder einmal besuchte mich meine Freundin, die Moglis Bruder beherbergte und brachte den Kleinen auch mit, doch die beiden Vierbeiner vertrugen sich immer weniger. Es begannen richtige Machtkämpfe zwischen den beiden. Mogli beanspruchte ihr Revier für sich alleine und wollte keinen Verwandtschaftsbesuch mehr dulden. Wir waren entsetzt, welche Feindseligkeit sich die Geschwister plötzlich entgegenbrachten. Früher hatten sie sich aneinander gekuschelt und miteinander geschmust – und plötzlich haben sie sich nur noch angefaucht.

Jeder wollte seinen Menschen für sich alleine haben Mogli war auch nicht bereit, ihr Katzenklo, ihre Fressnäpfe samt Inhalt sowie ihre komplette Wohnungseinrichtung zu teilen. Über diesen Zustand waren wir nun alles andere als erfreut. Ändern konnten wir aber auch nichts mehr daran.

Als meine Mutter bald darauf zu Besuch kam, um meine Mogli endlich einmal kennen zulernen, war sie begeistert über die Verantwortung, die ich für das Tier übernommen hatte und wie ich doch in der Lage war, für dieses Tier zu sorgen.

Ich fand, dass dies überhaupt nicht der Rede wert sei und gar nicht anstrengend. Mir war gar nicht bewusst, für wie verantwortungslos meine Mutter mich hielt.

Meine Mutter jammerte mir wieder einmal vor, dass sie unbedingt wieder einen Hund haben müsse, wenn meine Oma einen Platz im Pflegeheim hätte, da sie sich leider nicht mehr selbst versorgen konnte und die Kräfte meiner Mutter auch schon am Ende waren.

Damals war ich erleichtert, als sie wieder abreiste, denn mit Mogli schien sie nicht wirklich warm zu werden. Wohl, weil sie kein Hund war.

Sie hat mir zu einem späteren Zeitpunkt einmal gebeichtet, dass Mogli damals so dürr und nach ihrem Geschmack alles andere, als schön war.

Aber Hauptsache, sie mag sie heute.

Eines Tages lernte ich einen wunderschönen Münsterländer namens Bruno kennen.

Bruno war zwei Jahre alt und sein Fell war gemustert wie das einer Kuh.

So einen Hund hätte ich auch gerne gehabt. Und da fiel mir ein, dass ja auch meine Mutter gerne einen Hund hätte und meine Oma inzwischen im Pflegeheim war.

So durchforstete ich alle Zeitungsanzeigen, bis ich auf eine Anzeige stieß, in welcher ein Münsterländer, sechs Wochen alt, abzugeben war.

Sofort bin ich damals zu meinem Vermieter gelaufen und habe gefragt, ob sie mir einen Hund in der Wohnung erlauben würden, doch mit einem Hund im Haus waren sie nicht einverstanden, doch ich hätte so gerne einen Hund gehabt. Jedoch waren sie mit einer vorübergehenden Einquartierung bis Weihnachten einverstanden, sofern ich ihn nach meinem Weihnachtsurlaub nicht mehr mitbringen würde.

Sofort habe ich mich ans Telefon geklemmt, angerufen und einen Termin vereinbart, an welchem ich das Tier besehen durfte.

Allerdings wollte ich mich auf das Kennenlernen mit dem Tier vorbereiten. So rief ich meinen kompletten Freundeskreis an und holte diverse Namensvorschläge ein.

Die schönsten schrieb ich mir auf. Es waren Beethoven, Bello, Rex, Rolfi und viele mehr.

Doch plötzlich kam mir in den Sinn – was ist, wenn es kein Rüde war, sondern ein Weibchen? Ich hatte ausschließlich Namen für männliche Hunde und keinen für ein Weibchen. Der einzige Name, der mir einfiel, war der Name Bella. So wiederholte ich meine Anrufe, bis mir jemand den Namen Deika nannte. So hatte ich auch diese beiden auf meiner Liste notiert.

Als ich für das Namensproblem gewappnet war, machte ich mich sofort auf den Weg, die notwendigen Utensilien für das künftige Familienmitglied zu besorgen.

Ich suchte ein besonders schönes Körbchen mit einer weichen Körbchen-Einlage aus, besorgte Welpen-Futter, eine Leine und ein Halsband und was natürlich nicht fehlen durfte – Fachliteratur über die Haltung von Hunden, Hundekrankheiten, Erziehung und Rasse und natürlich jede Menge Hundespielzeug.

Der Hund zieht ein

Natürlich bin ich sofort nach Emsdetten gefahren, wo das Hundebaby auf mich gewartet hat. Als ich den Hof endlich gefunden hatte, stieg ich aus meinem Auto und läutete. Sogleich hörte ich wildes Hundegebell.

Die Noch-Besitzerin des Hundewelpen öffnete mir die Türe und führte mich zu dem Hundezwinger, in welchem zwei aufgeregte Welpen an den Gittern scharrten und auch die Hundemama sah mich neugierig an.

Die Bäuerin öffnete die Türe des Zwingers und das Dreiergespann kam auf mich zugelaufen.

Der kleine braune Münsterländerwelpe sprang in eine Pfütze und danach direkt in meine Arme.

Die Bäuerin schämte sich sehr, doch ich beruhigte sie, und teilte ihr mit, dass ich im Besitz einer Waschmaschine sei und ich die Sachen schon wieder sauber bekäme.

Dreck verschmiert mit dem Welpen auf dem Arm war die Liebe ruck zuck besiegelt.

Die Bauersfrau gab mir noch einen Sack voll Futter, damit sich der Magen des kleinen Hundewelpen nicht so schlagartig umstellen musste, welches ich ihm unter das Futter mischen sollte, welches ich für das Tier auswählen würde.

Ich legte dem Hundebaby das Halsband an, welches ich ausgesucht hatte und stellte entsetzt fest, dass es viel zu groß war. Da musste es wohl erst noch hineinwachsen.

Dann setzte ich meinen Hund auf eine Decke auf den Beifahrersitz, doch die Bäuerin brachte eine Kiste, in welche ich das Tier setzen sollte. Ich stieg neben meinen eingeschachtelten Hund ein und wir traten gemeinsam die Heimfahrt an.

All die neuen Gerüche und die Landschaft, die an uns vorüber fuhr fand das Hundebaby sehr aufregend und ich teilte ihm mit, dass es nun Bella heißen würde und sie auf diesen Namen hören solle.

Da stellte Bella plötzlich fest, dass ihr Bruder und ihre Mutter ja gar nicht mehr da waren und es begann ein unglaubliches Hundegeheul und ich übte mich im Trösten.

„Bella gefällt dir nicht?“, fragte ich vorsichtig.

„Deika gefällt mir auch viel besser!“

Sehr aufmerksam sah sie mich an und war somit getauft.

Deika fand es sehr spannend, wie die Landschaft an ihr vorbeifuhr, doch die lange Autofahrt mit den neuen Eindrücken war sehr anstrengend für sie, so dass sie bald einschlief.

Zwischendurch wurde Deika immer wieder wach und sah aus dem Fenster, um festzustellen, wo wir waren. Da wir immer noch im Auto fuhren, setzte sie ihren Hundeschlaf fort, bis wir an dem Geschäft angelangt waren, in welchem ich das viel zu große Halsband erstanden hatte.

Um die richtige Größe des Halsbandes festzulegen, musste Deika sicherheitshalber mitkommen. Sofort war sie hellwach und ihre Augen wurden riesengroß, als sie die interessanten Düfte der Tierhandlung wahrnahm. Die Abteilung mit den Hunde-Leckerchen hat es ihr besonders angetan.

Zum Protest, da sie nichts für ihren Bauch bekam, sondern nur für ihren Hals drum herum hat sie sofort an der Kasse eine Pfütze hinterlassen, worüber ich mich sehr schämte. Doch die Verkäuferin wischte sie weg, was Deika wiederum sehr entsetzte und dann gab ihr die Dame auch noch ein paar Leckerchen, was mich sehr bedenklich stimmte. Eine Belohnung für etwas, was sie gut gemacht hatte, war ja in Ordnung, aber eine Belohnung für eine Pfütze … ich ahnte schreckliches, was mich noch alles erwarten würde.

Auf der restlichen Heimfahrt schien es, als würde Deika sich den Weg ganz genau einprägen, damit sie das Geschäft mit dem vielen Hundefutter jederzeit auch alleine wieder finden würde.

Hund und Katze lernen sich kennen

Noch im Auto erzählte ich Deika von Mogli und erklärte ihr, dass Familienmitglieder nicht gefressen werden und dass sie sich mit ihr vertragen müsse.

Kaum aus dem Auto draußen, nahm sie die Spur eines Hasen auf, der erst vor kurzem hier vorbeigekommen war.

Ich sperrte die Haustüre auf und als Mogli Deika erspähte, war sie mit einem Satz auf dem höchsten Schrank der Wohnung und beobachtete den Neuankömmling misstrauisch.

Deika machte sich als erstes über das Katzenfutter her, welches sie in Moglis Näpfen vorfand und Mogli knurrte von ihrem Schrank herunter.

Da hatte Deika sie auch schon entdeckt und setzte sich vor den Schrank und besah das kohlrabenschwarze Kätzchen.

„Familienmitglieder werden nicht gefressen!“, mahnte ich nochmals.

Doch Deika freute sich, Moglis Bekanntschaft zu machen und wedelte freudig mit dem Schwanz.

So nahm ich Mogli von ihrem Schrank herunter und hielt sie Deika vor die Nase.

„Familienmitglieder werden nicht gefressen!“, wiederholte ich mahnend, doch Deika freute sich so sehr, Mogli kennen zu lernen, dass sie das arme Kätzchen abschleckte, bis sie am Kopf nur noch so triefte. Als ich Mogli frei ließ, war sie mit einem Satz wieder zurück auf ihrem neuen Aufenthaltsort und putzte sich, um die Hundespucke wieder aus ihrem Fell zu bekommen.

Bei der ersten Raubtierfütterung begann Deika lauthals zu bellen. Sofort schimpfte ich sie, bis sie still war. Dann hat sie nie wieder gebellt, wenn es Futter gab. Dieses tägliche Ritual begeistert sie aber trotzdem auch heute noch sehr. Trotz Bellverbot.

Gleich bekam Deika noch einmal geschimpft, denn als aller erstes machte sie sich daran Moglis Napf plündern, bevor sie sich über ihre eigenen her machte. Die Eigentumsverhältnisse waren aber rasch geklärt.

Gleich am nächsten Tag nahm ich sie mit in den Stall zu Gauner, damit sie auch das letzte Mitglied unserer kleinen Familie kennen lernte und neugierig beschnüffelte sie das große Tier und Gauner stupste sie vorsichtig mit seiner großen Schnauze.

Irgendetwas war anders mit Deika an diesem Tag. Irgendetwas gefiel mir nicht an ihr. Jedoch wusste ich nicht genau, was es war. Da der Tierarzt gerade im Stall war, holte ich ihn sofort zu Deika und ließ ihn einen Blick auf den Bauch meines Welpen werfen.

„Die Kleine hat eine Darmentzündung!“, hat er mir mitgeteilt und zog auch gleich eine Spritze aus seiner Tasche.

Ich hielt Deika fest, legte sie auf den Rücken und streichelte sie. Doch als der Tierarzt die Spritze in den Bauch rammte, begann sie so laut zu jaulen, dass der ganze Stall zusammengelaufen kam, um zu sehen, welches Tier hier geschlachtet würde.

Als Deika nach den schlimmen Schmerzen der gemeinen Spritze wahrnahm, dass viele Leute um sie standen mit Leckerchen und viele Streicheleinheiten bekam, war sie schon wieder besänftigt und die Spritze wurde verziehen.

Während ich Gauner ritt, musste Deika in Gauners Box, die mit dickem Stroh ausgelegt war warten, was ihr überhaupt nicht gefiel und sie protestierte die ganze Stunde lang, die ich auf Gauners Rücken außerhalb ihrer Sichtweite verbrachte, lauthals.

Nach dem Ritt saßen ein paar Reiter im Aufenthaltsraum der Reithalle zusammen bei einem Bier, zu welchen ich mich ein Weilchen gesellte und da Deika sich immer noch lauthals beschwerte, dass sie nicht dabei sein durfte, erhielt sie eine Sondergenehmigung und durfte zu uns ins Warme.

Die Runde der zusammensitzenden Menschen wurde von Deika, als sehr interessant eingestuft und als der Arm eines Reiters herunterhing, in dem sich eine Bierflasche befand, steckte sie auch sofort ihre Zunge hinein. Bier schien ihr sehr gut zu schmecken.

Deika als Verräterin

Bei einem Telefonat mit meiner Mutter hat Deika sich verraten, da sie lauthals mit Mogli kommunizierte und ich ihr das Maul nicht rechtzeitig zuhalten konnte.

„War das ein Hund?“, fragte meine Mutter überrascht.

„Nein, nein! Kein Hund!“, sagte ich.

„Du kannst mir doch nichts erzählen! Da hat doch ein Hund gebellt!“

So kam meine Mutter doch noch auf die Überraschung, welche ihr zu Weihnachten blühen sollte und dass ihr geplantes Weihnachtsgeschenk vier Pfoten und ein haariges Gesicht hatte und bellte.

Sofort solle ich das Tier zurückbringen, was ich natürlich nie tat, denn eigentlich war ich ganz froh, dass meine Mutter sie nicht wollte, denn ich hatte das Tier schon so sehr in mein Herz geschlossen, dass eine Trennung von Deika mein Todesurteil gewesen wäre.

Nächtelang hat Deika mich wachgehalten, in dem ich Pfützen und Haufen auf meinen diversen Teppichen entfernt habe. Im Zweistundentakt habe ich mir den Wecker gestellt, um an allen Pfosten der Umgebung ihr Bein zu heben, damit sie verstand, dass sie hier ihre Geschäfte machen sollte, doch sie musste immer nur dann, wenn ich gerade wieder eingeschlafen war und wenn wir im Haus waren und nicht draußen.

In ihrem Körbchen wollte Deika auch nicht bleiben, obwohl ich ihr in ihrer ersten Nacht alle Schlaflieder, die ich kannte, vorsang.

Das gefiel Deika gut, aber schlafen wollte sie nicht in einem Körbchen im Flur.

So wanderte das Hundekörbchen ins Schlafzimmer, aber sie wollte in meinem Bett schlafen und hat mich mit viel Mühe immer wieder wach geguckt. Das konnte sie besonders gut.

Irgendwann brauchte ich allerdings meinen Schlaf und habe mich erweichen lassen. Mogli schlief in Kopfhöhe in der Besucherritze, dann halt auch noch der Hund. So klopfte ich auf das Bett und erhielt somit die Erlaubnis, dass sie herauf kommen durfte, aber Deika war noch klein und das Bett war noch viel zu hoch für sie, so dass ich sie auch noch herauf geben musste.

Sofort hat sie sich wohl gefühlt in meinen Kissen und am nächsten Morgen bin ich auf der anderen Seite meines großen Bettes aufgewacht, da Deika ganz schön drängeln konnte und ich meinen Platz in meinem Bett eisern verteidigen musste.

So viele Opfer habe ich gebracht, so schöne Zeiten schon mit Deika erlebt. Die größte Liebeserklärung an meine Mutter war es, Deika stubenrein zu bekommen, die ersten Versuche der Hundeerziehung angedeihen zu lassen. Deika würde auf alle Fälle bleiben. Wir müssten uns halt eine neue Wohnung suchen. Schließlich habe ich mit Deikas Adoption die Verantwortung für sie übernommen und hatte für sie zu sorgen, solange sie lebt.

Nachdem meine Mutter mitbekam, dass ich keinerlei Anstalten machte, Deika wegzugeben, einigten wir uns, dass ich an Weihnachten zu Hause bliebe, da sie mich mit Hund nicht bei sich haben wollte.

So ging Benno mit seinem Herrchen auf die Jagd und schoss uns eine Ente als Weihnachtsbraten und wir kauften einen Weihnachtsbaum, den ich mit Kugeln schmückte, für welche sich Deika und Mogli sehr begeisterten. Lauter Bälle, die so wunderbar glänzten und an einem Baum hingen und nur darauf warteten, dass man sie zum Spielen holte.

Als Mogli eine Christbaumkugel vom Baum holen wollte, zerbrach sie unter ihrer Pfote und sie sah den zerbrochenen Ball überrascht und verständnislos an.

Auch Deika machte einen Versuch, mit ihrem Maul einen Ball vom Baum zu holen, doch auch dieser zerbrach sofort. Danach ist nie wieder auch nur eine einzige Kugel durch einen der beiden zerbrochen. Die Kugeln, die in den nächsten Jahren kaputt gingen, taten dies ausschließlich nur durch meine Hand.

Zwei Tage vor Weihnachten rief mich meine Mutter an und ich durfte sie nun doch besuchen. Mit Hund und mit Katze.

So packte ich alles, was die beiden brauchten wie Hundekörbchen, Katzenklo, Fressnäpfe und ausreichend Spielzeug in mein Auto und fuhr voll beladen nach München.

Mogli unterhielt Deika und mich die ganze Fahrt über mit schrecklichem Miauen, das mal ganz hilflos klang und ein andermal vollkommen aggressiv. Der reinste Katzenjammer.

Nur in Frankfurt hat sie eine zehnminütige Schweigepause wegen Heiserkeit eingelegt.

Meine Mutter begrüßte uns freudestrahlend und ich erklärte ihr sofort, dass ich Deika definitiv wieder mit nach Hause nehmen würde und ich ihr ein anderes Weihnachtsgeschenk besorgt habe. Der Hund war nun der meine und bliebe es auch, obwohl sie viel Spaß mit Deika und Mogli hatte.

An Heiligabend beschloss Fred, der Mann meiner Mutter, Deika ein wenig Eierlikör zu geben und sie dankte es ihm mit einer großen Pfütze auf dem neuen Perserteppich.

Da meine Oma zwischenzeitlich leider in das nahe gelegene Pflegeheim umsiedeln musste, besuchten wir sie mit Deika und da sie die Weihnachtsplätzchen nicht mehr beißen konnte, die wir ihr mitbrachten, zeigte Deika sich als dankbarer Abnehmer.

Leider konnte Deika nicht unterscheiden, dass sie die Plätzchen haben durfte, die meine Oma ihr gab und die auf dem Tisch passe waren. So schlich sie sich in der Nacht ins Wohnzimmer und plünderte den gesamten Plätzchenteller.

Die Heimreise nahte und ich machte mir große Sorgen um unsere Wohnung. Schließlich war ein Hund nicht erlaubt.

Es dauerte auch keine Woche nach unserer Rückkehr, als das Telefon läutete und ich die Mitteilung erhielt, der Hund müsse weg.

„Der Hund bleibt!“, teilte ich entschlossen mit.

„Ich ziehe aus!“

So begab ich mich wieder einmal auf Wohnungssuche mit Hund und mit Katze.

Wir haben auch schnell eine neue Bleibe gefunden und zogen in ein modernisiertes Bauernhaus, welches nur noch zum Wohnen genutzt wurde und sich ein Hühnerstall auf dem Gelände befand.

Bei der Renovierung half Deika tatkräftig mit und verschleppte alle Pinsel und Besen, in die man so schön hineinbeißen konnte – und beim Einzug, dauerte es nicht lange, bis unser neuer Vermieter mit einem angefressenen Schuh vor der Türe stand …

Ein Huhn muss her

Wir hatten uns alle drei schnell in unserem neuen Zuhause eingelebt und Mogli hat Vögel und Mäuse in ihrem Leben außerhalb der Wohnung kennen gelernt.

Nur die beiden Pfauen, die ebenfalls auf dem Grundstück lebten, haben ihr ein wenig Angst eingejagt.

So hatte ich ein Pferd, welches auch als Esel durchgehen würde, einen Hund und eine Katze. Beinahe waren meine Bremer Stadtmusikanten vollzählig. Es fehlte nur noch ein Huhn zur Vollständigkeit.

Der Gedanke, ein Huhn in unserer kleinen Familie aufzunehmen, gefiel mir immer besser. Immer frische Eier, das war schon ein feiner Gedanke. So fuhr ich los und besorgte ein Huhn, das den Namen Elschen erhielt.

Elschen lebte bei den Hühnern meiner Vermieter und schon bald präsentierten diese mir freudig mein erstes Ei von meinem Huhn.

Ich besuchte Elschen oft in ihrem Hühnerstall, aber es wollte nichts von mir wissen. Deika besuchte Elschen und ihre Hühnerkollegen auch täglich. Allerdings außerhalb des Hühnerstalles.

Deika begeisterte sich sehr für Elschen und versuchte, sich unter dem Zaun zu Elschen hindurchzugraben.

Wenigstens wusste ich jetzt, wo ich meinen Hund nun finden konnte, wenn er einmal außerhalb meiner Sichtweite geriet.

Mogli saß auch oft vor dem Hühnerstall, war aber von den großen Hühnern nicht ganz so begeistert, wie Deika.

So hat sich Mogli aus Langeweile einen neuen Platz zum Trinken auserkoren. Die Gießkanne, aus der sie bis heute noch am liebsten trinkt.

Bald kam uns vor unserer neuen Wohnung ein Reh besuchen, das neugierig durch die Terrassentüre schielte und damit Deika das Reh besser sehen konnte, machte sie einen Satz, über Mogli hinweg. Doch das Reh erschrak und verschwand wieder.

Unser kleines Familienglück war übergroß und Mogli und Deika teilten sich inzwischen sogar das Hundekörbchen zum Schlafen.

Im nächsten Frühjahr wurde Mogli rollig und schrie von früh bis spät und kroch bäuchlings durch die Wohnung.

Da ich Angst hatte, dass sich unsere kleine Familie schlagartig vergrößern könne, fuhr ich mit ihr zum Tierarzt und ließ sie kastrieren.

Als ich sie wieder nach Hause holen durfte, war sie ganz schön sauer, doch Deika tröstete sie in ihrem Körbchen.

Bald wurden die Fäden wieder gezogen und sie konnte die Gegend erneut unsicher machen.

Bald starb meine Oma und wieder ging es mit Sach und Pack nach München.

Da wurde Deika ein richtiger Freund. Denn jedes Mal, wenn meine Mutter und ich besonders traurig waren, machte sie sich zum Pausenclown. So, dass wir gar nicht anders tun konnten, als zu lachen.

Weit weg von meiner vierbeinigen Familie

Eines Tages habe ich einen neuen Job gefunden und musste für vier Wochen auf eine Schulung nach Frankfurt.

Elschen war gut versorgt in ihrem Hühnerstall, Gauner war auch in guten Händen, für Mogli spielten meine neuen Vermieter Türsteher, um sie nach Belieben rein in die Wohnung und wieder hinaus zu lassen und Deika wurde werktags bei einer Bekannten untergebracht, die selbst auch einen Hund und somit auch Hundeerfahrung hatte.

Am Wochenende fuhr ich nach Hause zu meinen Vierbeinern.

Als ich bei der Hundesitterin am Küchentisch saß und wir alles besprachen, tranken wir Kaffee und Deika musste schon immer alles probieren, was ich in der Hand hielt.

Beim Umzug musste sie unbedingt die Farbe probieren, die im Eimer am Boden stand und war ganz entsetzt, dass diese nicht schmeckte. Diesmal war der Kaffee an der Reihe. Ihr Pflegefrauchen erklärte ihr, dass der Kaffee heiß sei und er ihr sowieso nicht schmecken würde, doch Deika gab keine Ruhe. So hielt sie ihr die Tasse mit der Vermutung hin, dass sie ihr Gesicht angewidert abwenden würde, doch Deika schlabberte die Tasse mit dem heißen Kaffee fast leer.

Fassungslos sahen wir uns an. Kaffee zählt auch heute noch zu Deikas beliebtesten Getränken. Am liebsten trinkt sie ihn jedoch schön süß und mit Sahne.

Jeden Freitagabend erfuhr ich all die Geschichten, was Deika unter der Woche alles angestellt hat.

Den Hund ihrer Hundesitterin hat sie schon am ersten Abend aus seinem Körbchen vergrault und das Körbchen für sich beansprucht.

Die Katze, welche ebenfalls an dem Pflegeplatz wohnte, hat die Mäuse gefangen und Deika hat sie auch sogleich genüsslich verspeist. Mit den Kindern des Pflegefrauchens gab es größere Diskussionen um das Spielzeug, das Deika natürlich auch haben wollte. Die Kinder wollten es ihr aber nicht kampflos überlassen.

Doch glücklicherweise gingen auch die vier Wochen vorüber und ich blieb wieder zu Hause bei meinem Klein-Zoo.

Allerdings musste ich tagsüber ins Büro und Deika musste nun lernen, alleine zu Hause zu bleiben.

Wenn ich abends nach Hause kam, wurde ich über Deikas Jaul-Arien unterrichtet und von einer verwüsteten und verunreinigten Wohnung überrascht.

Müll und Klobürste fand ich im Bett, die Matratze zerbissen, die Bücher angefressen und die Fotoalben zerfetzt und angeknabbert.

Ferner überraschten mich diverse Pfützen und Haufen und meine Nerven lagen schon nach kurzer Zeit brach.

So zog ich los und besorgte eine lange Kette, an welcher Deika dann eben vor dem Haus bleiben sollte. Das tat mir zwar in der Seele weh. Fast mehr, als ihr selbst. Aber auch angekettet unterhielt sie die gesamte Nachbarschaft und es dauerte nicht lange, bis sie aus ihrem Halsband schlüpfte und die Nachbarn besuchte.

Abends fand ich Deika wieder in der erneut verwüsteten Wohnung vor, wohin sie meine Vermieter gebracht hatten, da sie den Kopf zur Kaffeezeit bei Ihnen hineingesteckt hat und wohl auch eine Tasse Kaffee mit ihnen trinken wollte.

So machte ich ein weiteres Loch in Deikas Halsband, damit es enger saß und band sie erneut an den wunderschönen Platz, den ich ihr zwischen Hühnerstall, Bäumen und Gartenzaun an einem schattigen Plätzchen ausgesucht hatte. Die Länge der Kette war ideal und es konnte eigentlich nichts passieren.

Abends fand ich Deika wieder in der Wohnung vor. Wieder hatte sie diese verwüstet und man berichtete mir, dass sie über den Gartenzaun springen wollte und die Kette nicht gereicht hatte, der Hundekörper aber schon darüber war und sie wieder einmal von meinen Vermietern gerettet wurde.

Man bot mir einen Platz zwischen den großen Gewächshäusern an, wo ich ihr einen Freilauf bauen durfte.

Gesagt, getan.

Ich kaufte einen zwei Meter hohen Maschendraht und bat ein paar handwerklich geschickte Leute um Hilfe.

Den ganzen Tag haben wir geschraubt und gehämmert und als ich meinen fleißigen Arbeitern ein Abendessen machte, sperrte ich Deika zum Test schon einmal hinein.

Es dauerte nicht lange, da stand sie vor der Türe und wollte auch eine Brotzeit haben.

Als wir prüften, wie sie wohl hinausgekommen sein konnte, stellten wir fest, dass sie sich den Maschendrahtzaun von unten an aufgeknotet hatte, bis sie hindurch schlüpfen konnte.

Blöd war sie nicht, meine Deika.

So schrauben und hämmerten wir auch noch den gesamten Sonntag und nun war der Hundefreilauf absolut ausbruchsicher.

Dachten wir!

Es dauerte eine Stunde, bis Deika vor der Türe stand.

Sie war über den Zaun hinübergeklettert.

Ich schimpfte, wagte aber trotzdem einen Versuch am nächsten Tag.

Ich fütterte sie im Freilauf und spielte mit ihr darin, aber schon am Vormittag lud sie sich bei meinen Vermietern zur Brotzeit ein.

Ich war ratlos und suchte den Rat bei Fachleuten auf dem Hundeplatz auf.

Diese rieten mir einen Hundetransportkorb, wo ich sie den ganzen Tag einsperren hätte sollen. Doch dazu war ich nicht bereit. Das war Tierquälerei.

So klapperte ich alle Bauernhöfe der Umgebung ab und suchte einen Zwinger mit Dach oder einen Stall, der bis oben hin zu war.

Nach drei Tagen fand ich auch einen Zwinger mit Dach, der nicht weit von unserer Wohnung entfernt war.

Doch die Nerven der Zwingerbesitzer lagen nach drei Wochen absolut blank.

Deika war vom ersten Tag an, sobald ich außer Sicht war die Gitter des Zwingers hinaufgeklettert und bellte ohne Unterbrechung, bis ich abends wieder kam, um sie abzuholen.

Nach drei Wochen teilte man mir mit, dass sich die Hundezwingerbesitzer sich nun selbst wieder einen Hund zulegen würden und sie den Zwinger bräuchten. Sie haben nicht einmal die vereinbarte Miete verlangt, so froh waren sie, dass Deika ihre Nerven nicht mehr strapazierte. Einen Hund haben wir auf diesem Grundstück bei unseren Spaziergängen allerdings nie gesehen …

Zwei Tage die Woche durfte ich Deika nun mit ins Büro nehmen, die anderen drei Tage durfte sie die Wohnung verwüsten.

Irgendwann ist sie aber doch stubenrein geworden und hat das Interesse an der Verwüstung verloren. Schließlich verursachte dies Abend für Abend großen Ärger.

Eine neue Umgebung

Irgendwann sind wir drei dann zurück nach München gezogen und haben eine Wohnung im ersten Stock eines Neubaus gefunden, in welcher die beiden Pelzgesichter erlaubt waren.

Elschen musste ich bei ihrer Hühnerfamilie zurücklassen, da Hühner in Wohnungen leider nicht erlaubt sind.

Mogli hat sich pünktlich vor dem Umzug einen Wurm zugelegt, den wir auch sogleich medizinisch bekämpft haben. Allerdings war die Bekämpfung nur gegen eine Wurmart und nicht gegen alle. So kam es, dass ein anderer Wurm mit uns umgezogen ist und kaum haben wir die neue Wohnung bezogen, machte dieser sich bemerkbar und musste bekämpft werden, was wir auch erfolgreich erledigten.

Dass Mogli nun wieder Hauskatze spielen sollte, gefiel ihr gar nicht. Im freien gefiel es ihr viel besser mit Mäusen und Vögeln, die sie jagen und gelegentlich auch fangen konnte.

So sprang sie eines Tages vom Balkon und war ziemlich entsetzt, dass sie auf selbem Wege nicht mehr zurückkam. Sie konnte es nicht fassen und versuchte es noch ein zweites Mal, nachdem ich das verzweifelte Kätzchen wieder nach oben geholt habe. Dann hat Mogli kapituliert und sich neue Spielplätze innerhalb der Wohnung gesucht.

So entdeckte sie die Klospülung, auf die man so wunderbar steigen und sie mit beiden Pfoten hinunter drücken konnte und es dann in der Schüssel plätscherte und rauschte.

Bei Moglis ersten Versuch dieser Art, war es spät in der Nacht und ich dachte an Einbrecher. Nicht an mein Kätzchen.

Nachdem Mogli die Spülung von nun an auch tagsüber pausenlos betätigte, kam ich ihr eines Tages auf die Schliche, als ich sie in flagranti erwischte.

Deika trank am liebsten aus dem Waschbecken, wenn ich mir die Hände wusch und auch das Badewasser schmeckte ihr gut, wenn ich darin lag.

Vorzugsweise machte Mogli es sich nun in meinem Kleiderschrank bequem. Dort hatte sie ihre Ruhe und konnte sich ausruhen.

Bemerkt habe ich dies, als ich eines Abends nach Hause kam und Mogli nur miauen hörte, sie aber nirgendwo fand.

Erst, als ich mich umzog, um mit Deika in den Stall zu fahren, da fand ich sie.

Später suchte sie sich den Platz unter meiner Bettdecke aus. Und wenn ich das Bett aufschüttelte, flog sie in hohem Bogen durch das Schlafzimmer.

Ein halsbrecherischer Ritt

Als wir eines Tages ausgeritten sind, hätten Deika und ich uns beinahe gemeinsam den Hals gebrochen.

Da Gauner mir nicht gehörte und ich ihn somit zurücklassen musste, musste ich ein neues Pferd finden. So bin ich eines Tages mit Fritzl, dem Pferd einer Bekannten ausgeritten. Deika hatte inzwischen auch gelernt, brav beim Pferd zu gehen und auch ohne Leine durch eine Horde Hühner zu laufen.

Ein Huhn hatte sie schon einmal gefangen und ich habe gehofft, dass es diesen Schreck überleben würde, da Vögel sehr empfindlich sind.

Deika hat es gefangen und ihm den Hintern gerupft.

Der Bauer war zum Glück ganz locker und hat uns nicht geschimpft. Das Huhn hatte einen kahlen Po.

„Dann kommt es halt in die Suppe, wenn es den Schreck nicht überlebt!“, hat er mich zu beruhigen versucht.

Damit so etwas nicht mehr passieren konnte, da uns auf unserem Weg oft mehrere Hühnerscharen begegneten, habe ich Deika an die Leine genommen und eine Leine quer um mich gelegt, so dass die Leine lang genug war. Das klappte auch ganz gut und ich war stolz auf meine gute Idee.

Allerdings traf ich unterwegs auf ein paar Reiter aus unserem Stall und wir setzten unseren Ausritt gemeinsam fort.

Als sie losgaloppieren wollten, sagte ich, dass ich zurückbleiben würde. Nicht, dass etwas passieren würde mit Deika an der Leine.

Leider hat mich eine Reiterin nicht im Schritttempo überholt, wie ich gebeten hatte, sondern galoppierte hinter mir scharf an, so dass sich Fritzl erschreckte und durchging.

So hingen Deika und ich Hals an Hals. Verbunden mit der Lederleine, welche mir vom Körper nach oben um den Hals gerutscht ist.

Der Schreck saß tief und die einzige Lösung, die ich sah, war, mich vom Pferd fallen zu lassen.

Dummerweise hatte sich mein Fuß beim geplanten Fall im Steigbügel verheddert und Deika und ich wurden noch etliche Meter an den Hälsen gefangen hinterher gezerrt, bis endlich das Metallteil der Leine brach und ich meinen Fuß aus dem Steigbügel befreien konnte.

Fritzl blieb mit Unschuldsmiene stehen und wartete, bis ich mit Deika angehumpelt kam.

Deika ist bei diesem Unfall glücklicherweise nichts passiert. Doch ich fand mich Stunden später in der Notaufnahme wieder.

Als ich nach ein paar Wochen wieder laufen konnte und die Krücken ablegen durfte, fuhr ich mit Deika an den nahe gelegenen Baggersee und wir drehten ein paar Runden im kühlen Wasser, was Deika immer sehr begeisterte.

Bereits bei unserem ersten Ausflug mit dem Münsterländer Benno sprang sie sofort ins Wasser, was mich natürlich sofort in helle Aufregung versetzt hatte. Doch Bennos Herrchen freute sich, denn Benno war wasserscheu und die Enten, die sein Herrchen schoss, musste er immer selbst aus dem Wasser holen.

So schwamm ich mit meinem Hund, der plötzlich einem Seehund glich um die Wette.

Auch als Rettungshund eignete Deika sich gut, denn wenn ich mich an ihrem Schwanz festhielt, zog sie mich eifrig zurück an Land.

Dreizehn Hunde für mich?

Eines Tages hatte sich Deika mit dem wunderschönen kleinen Münsterländer des Hufschmiedes aus dem Staub gemacht und eine ganze Weile haben sich die beiden nicht mehr blicken lassen.

Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, doch der Ausflug der beiden Verliebten war während Deikas Läufigkeit.

Der Rüde war wunderschön und von derselben Rasse, der Deika angehörte. Die Welpen wären traumhaft schön geworden. Außerdem war der Rüde preisgekrönt und in der Züchtung aktiv.

Doch eine Hündin kann dreizehn Welpen auf einmal austragen und was in aller Welt sollte ich mit vierzehn Hunden (Deika eingerechnet) und einer Katze? Trennen könnte ich mich bestimmt von keinem einzigen.

Meine Wohnung wäre definitiv zu klein für so eine vierbeinige Großfamilie. Ich müsste schon wieder umziehen und ein großes Haus mieten und die Böden am besten fliesen lassen, damit ich nur noch ausspritzen müsste, wenn dreizehn Hundewelpen ihre Bächlein und Haufen platzieren würden.

So rief ich verzweifelt bei meinem Tierarzt an und fragte verzweifelt: „Gibt es Schwangerschaftstests für Hunde?“

So etwas wurde bisher leider noch nicht erfunden. Vielleicht eine Anregung für die Veterinärmedizin?

So musste ich mit Deika zu einem Spezialisten und ihr wurde der Bauch rasiert, um eine Ultraschallaufnahme von ihrem Innenleben zu machen. Zum Glück fand man nicht ein einziger Welpe in ihrem Bauch. Nur das, was in den Bauch gehörte.

Mit der Läufigkeit bei Hunden ist es sowieso so eine Sache. Das passiert zwei Mal im Jahr und es ist, wie wenn unsereiner seine Periode bekommt. Nur, dass das ganze sechs Wochen lang dauert und es keine Tampons für Hunde gibt.

Beinahe hätte ich ein Patent angemeldet auf meine neuartige Erfindung.

Als erstes habe ich Deika eine alte Unterhose von mir verpasst und Binden gekauft und eingeklebt. Die Seiten meines Wäschestückes habe ich aufgeschnitten und zusammengebunden, da ihr Hinterteil doch etwas schmaler ist, als das meine.

Die Binde hat sie sich sofort wieder heraus gezupft.

Dann habe ich ein altes T-Shirt von mir umfunktioniert zu einer Unterhose für Deika und ein Loch für den Schwanz hineingeschnitten. Da hat sie sich die Binden durch die Hosenbeine, die einmal meine Ärmel waren, herausgeholt.

Letztendlich bin ich in einen Drogeriemarkt gegangen und habe Windeln verlangt und Deikas Umfang mit meinen Händen angezeigt.

Auch in die Windel wurde, wie bei den beiden Vorgängermodellen ein Loch für den Schwanz geschnitten und das Ganze mit Thesa um den ganzen Bauch herum fixiert. Das hielt. Aber da sie sich die betreffende Körperstelle immer noch nicht reinigen konnte, hat sie sich in unbeobachteten Momenten, immer wieder daran gemacht, die Windel an entsprechender Stelle aufzubeißen, bis sie sich endlich putzen konnte. Wenn ich abends nach Hause kam, hatte sie die Windel mit dem Tesafilm nur noch um ihre Hüfte baumeln und trug sie als Röckchen.

Doch immerhin hielt dieses Modell ein paar Stunden. Für eine längere Haltbarkeit hätte ich es wohl aus Stahl schweißen müssen.

Ein unvergesslicher Muttertag

Da mir die Wohnung, die ich nach meiner Rückkehr in die Heimat bezogen hatte, doch zu sehr in Stadtnähe lag beschloss ich, wieder auf das Land zu ziehen und so zog ich wieder einmal um und am Muttertag kam mich meine Mutter besuchen.

Ich backte für sie einen australischen Teekuchen, der mit Früchten und Eis serviert wurde und setzte mich auf den Balkon, bis der Kuchen ausgekühlt war. Nur zehn Minuten wollte ich mich ausruhen, bis meine Mutter kommen sollte.

Kaum saß ich drei Minuten, da hörte ich ein verräterisches Scheppern aus der Küche.

Bis ich die Küche erreichte, war der australische Teekuchen verschwunden und Deikas Bauch auf mysteriöse Weise angeschwollen.

Die Schimpforgie, die Deika über sich ergehen lassen musste, viel etwas kürzer aus, da ich nicht mehr viel Zeit hatte, einen neuen Kuchen zu backen und als meine Mutter eintraf, war der Kuchen im Ofen und sie schimpfte Deika sicherheitshalber nochmals.

Aber das war nicht der einzige Kuchen, der von Deika gestohlen wurde. Aber irgendwann gewöhnte ich mir ab, Lebensmittel in erreichbarer Nähe für Deika oder Mogli stehen zu lassen. Nach dem fünften Kuchen, den Deika gestohlen hatte, ließ ich diese nur noch auf den Hängeschränken der Küche auskühlen. Dort waren sie sicher, sofern es sich nicht um Streuselkuchen oder Käsekuchen handelte, denn dafür interessierte sich Mogli sehr.

Doch die Rache folgte schon bald. Da ich auf einer Party eine Tierärztin kennen lernte, erklärte mir diese, dass Hündinnen eine längere Lebenserwartung hätten, wenn sie kastriert würden. So vereinbarte ich sofort einen Termin und trug das arme Tier nach der Operation in die Wohnung, da die Narkose noch ein Weilchen wirkte.

Ganz schön entsetzt hat Deika mich angesehen, als die Tierärztin ihr die Spritze gab.

Damit sie den Geruch von mir, dem Leittier der Familie hatte, damit sie sich nicht verlassen fühlte, habe ich ein paar Nächte in ein T-Shirt hineingeschwitzt und habe ihren Kopf daraufgelegt, als ich sie bei der zwischenzeitlich wirkenden Narkose zurück ließ.

Nach dem Eingriff in Deikas Weiblichkeit wurde sie noch ein paar Tage zum Gassi gehen die Treppe hinauf und hinunter getragen und natürlich auch in das Auto hinein und heraus gehoben.

Erst, als sie von der Tierärztin die Erlaubnis erhielt, wieder selbst ein- und auszusteigen und die Treppen zu gehen, hatte sie sich bereits an den Luxus, gehoben und getragen zu werden, gewöhnt. So musste ich ihr etwas schärfer klarmachen, dass sie nun ihren Körper wieder alleine tragen müsse.

Eine Anhäufung von Tierarztbesuchen

Ein paar Monate, nachdem Deika die Kastration gut überstanden hatte, waren wir im Wald Gassi und plötzlich war Deika verschwunden und kam trotz Rufen nicht wieder.

Ich war stink sauer und als Madame sich doch endlich bequemte, wieder aufzutauchen, zog ich sie im Nackenfell nach Hause.

Eine Freundin betrachtete Deikas Nackenfell oft misstrauisch und stellte immer wieder fest: „Oh, hast wohl wieder nicht hören können!“, und bewertete dies als stark ausgeleiert.

Ich verbannte Deika in ihr Körbchen und machte mir etwas zu essen.

Als ich am Tisch saß, konnte sie es sich doch nicht verkneifen, mir beim Essen zuzusehen und ich beschloss, nun doch nachgiebig zu sein. Doch da stellte ich entsetzt fest, dass Deika wankte, als wäre sie betrunken und dass sie sich kaum auf ihren Beinen halten konnte. Sie zitterte am ganzen Leib.

Sofort rief ich die Auskunft an, da ich noch keine an meinem Wohnort nahe gelegene Tierärztin hatte. Ich wählte die Nummer, erreichte sie und fuhr sofort hin.

Dummerweise hatte ich damals noch kein Handy und ich konnte die genannte Adresse nach der Beschreibung nicht finden und Deika schäumte bereits aus dem Maul.

Endlich hatte ich die Praxis gefunden, nahm Deika auf den Arm und schleppte sie in die Tierarztpraxis.

„Eine Vergiftung!“, diagnostizierte die Tierärztin und spritzte ihr ein vermutetes Gegenmittel.

„Wird sie es schaffen?“, fragte ich verzweifelt.

Deika und ich hatten uns damals erst zwei Jahre und ich hing so sehr an ihr. Sie durfte nicht sterben.

Die Tierärztin konnte mir keine Antwort geben.

Zwei Stunden lag ich mit Deika auf einer Decke im Wartezimmer auf dem Boden und redete auf sie ein, dass sie kämpfen müsse und sie sah mich müde und traurig an.

Nach zwei Stunden wurde Deika nochmals untersucht und wir durften nach Hause fahren. Erst, wenn sie die Nacht überstanden hat, hätte sie es geschafft.

Die Tierärztin und ich legten uns jeweils das Telefon auf unsere Nachtkästchen, damit ich sofort anrufen konnte, wenn etwas mit Deika wäre.

Sicherheitshalber holte ich Deika in mein Bett, damit ich jede Veränderung sofort bemerken würde und habe mich fest bemüht, nicht einzuschlafen und hielt Deika fest in meinen Armen und wachte über ihren Schlaf. Doch irgendwann hat mich die Müdigkeit übermannt. Jedoch wachte ich bei der kleinsten Bewegung von Deika auf und machte mir schlimmste Vorwürfe, doch eingenickt zu sein.

Am nächsten Morgen war ich über glücklich, dass es Deika wieder besser ging. Und da erfuhr ich, dass Deika bereits die zwölfte Hündin in dieser Gegend war, die man vergiftet hatte. Deika war die einzige Hündin, die den Giftanschlag überlebt hatte.

Sofort erstattete ich Anzeige, hing am Ort des Geschehens Zettel an fast jedem Baum auf, beim Metzger und anderen öffentlichen Häusern, um andere Hundebesitzer zu warnen. Und ich ging zu allen Häusern, von denen ich wusste, dass dort Hunde wachten.

Den Giftleger hat man leider nie gefunden. Die Polizei wusste zwar, wer es war, aber die Beweise fehlten.

Eine Woche später machte ich mit Deika und Fritzl einen Ausritt. Ich war richtig erschöpft von den Ereignissen der Vergiftung. Deika war das Gegenteil von mir. Wieder topp fit. Zum Glück.

Doch leider entdeckte Deika, aufgeweckt, wie sie war, ein Huhn auf der anderen Seite der Hauptstraße noch vor mir und schon war sie wieder weg.

Ein Auto kam.

Ich schrie aus voller Kehle nach ihr.

Deika drehte sich um.

Im richtigen Moment.

Sie erwischte mit ihrer Schulter die Mitte des Vorderrades eines Mercedes.

Eine Millisekunde früher oder später und Deika wäre unter dem Reifen gelandet.

Sofort bremste die Autofahrerin. Ich sprang vom Pferd und ließ es stehen und stürmte zu Deika.

Sie sah verwirrt zwischen dem Auto und mir hin und her, kam aber sofort zu mir gelaufen.

Das war das letzte Mal, dass Deika nicht mehr hörte, denn immer, wenn sie nicht folgte, passierte etwas ganz Grauenhaftes. Erst die Vergiftung, dann ein Auto.

Kaum war die Autofahrerin weitergefahren, begann Deika zu humpeln.

Wie sollte ich mit einem humpelnden Hund, der getragen werden musste auf ein Pferd steigen und nach Hause kommen?

Nach etlichen gescheiterten Versuchen legte sich das Humpeln bei Deika glücklicherweise wieder und wir gingen alle drei zu Fuß zurück zum Stall.

Sofort wurde sie von einer anderen Hundebesitzerin untersucht und diese diagnostizierte lediglich einen schweren Schock, der bei Tieren tödlich sein konnte.

Wieder wachte ich über Deika mehr, als über meinen eigenen Augapfel und wieder hatte ich eine Tierärztin in Rufbereitschaft.

Recht schnell war Deika wieder munter und das Zweiergespann aus Hund und Katze bestehend, hatte wieder nur Blödsinn im Sinn.

So hat Deika, während ich arbeiten war, die Türe der Abstellkammer geöffnet, Mogli ist auf das oberste Regal gesprungen, hat das Katzenfutter hinuntergeworfen und die beiden haben ausgiebig Brotzeit gemacht.

Schließlich musste ich die Klinke der Abstellkammer mit einer anderen Türklinke zusammenbinden, damit sie diese nicht mehr aufbekommen konnten.

Als ich einkaufen war, haben sie es trotzdem geschafft, die Tür zu öffnen, um ihr Brotzeitritual fortzusetzen.

Als ich nach Hause kam, fand ich überall Blutflecken. Doch ich fand nicht, woher diese kamen.

Mehrfach habe ich Mogli untersucht, doch erst beim dritten Mal, muss sich die Wunde wieder bei einem falschen Griff meinerseits wieder geöffnet haben.

Da ich die Abstellkammer etwas umdekoriert hatte und das Regal, in welchem sich das Futter befand, mit Konserven zugebaut habe, um den beiden die unerlaubte Brotzeit zu erschweren, sind die Dosen unter Mogli weggerutscht, als sie wie gewohnt auf das Regal sprang und haben die Katze mit sich zu Boden gerissen. Die fallenden Dosen haben eine Flasche auf dem Boden umgestoßen, welche zerbrach und Mogli fiel direkt mitten hinein in die Scherben.

Sofort habe ich wieder bei der Tierärztin angerufen, bei der wir nun schon Stammgäste waren, habe ein verschwitztes Reit-T-Shirt zwecks des Heimatgeruchs aus der Wäsche gezogen und dann wurde Mogli unter Narkose ein Abnäher in den Bauch genäht.

Wieder war sie stock sauer, als sie aus ihrer Narkose erwachte. Aber Deika kümmerte sich rührend um ihre Katze.

Sie bewachte ihr Kätzchen, putzte sie und folgte ihr auf Schritt und Tritt, bis ihr Bauch wieder zusammengewachsen war, die Fäden gezogen wurden und Mogli wieder auf neue Ausflüge in Abstellkammern und Schränken wandern konnte.

Zwiebel

Nach all den Strapazen habe ich eine verspätete Einweihungsfeier für meine Wohnung gegeben, zu der ich auch gleich Deikas vielfach neu erlangte Geburtstage feierte. Sie hatte wohl wie eine Katze mehrere Leben. Wahrscheinlich hat sie sich all diesen Gefahren nur ausgesetzt, damit sie öfter Geburtstag feiern darf.

Hierzu war auch ein Hund mit seinem Frauchen eingeladen und ich habe ein großes Buffet gemacht, das von Deika schwer bewacht wurde.

Der andere Hund durfte sich dem Buffet keinen Schritt nähern, denn Deika lag genau in der Mitte davor.

Bald darauf klagte mir eine Freundin ihr Leid.

Sie hatte einen Hund in Pflege genommen, die Besitzer kamen später zurück als geplant und sie musste über das Wochenende dringend auf eine Fortbildung.

So ließ ich mich erweichen und nahm das arme Herrenlose Tier mit nach Hause und bald darauf wusste ich, warum das arme Tier von niemandem gewollt wurde, als es sich mit kräftigem Durchfall auf meinem Teppich entleerte.

Das gefiel mir gar nicht. Dem armen Tier mit dem bedauernswertem Namen Zwiebel auch nicht. Deika und Mogli auch nicht. Vor allem, weil ich für Zwiebel Haferschleim kochte, und die beiden sicherheitshalber auch nichts anderes zu fressen bekamen.

Außerdem schadete Zwiebel die Haferschleimdiät ganz und gar nicht. Er war nämlich vollkommen verfettet.

Besonders Clever war Zwiebel auch nicht, denn dauernd lief er gegen Stuhlbeine, verstand nicht, was man ihm sagte, was allerdings auch an einer schlechten Erziehung liegen könnte und beim Gassi gehen mussten Deika und ich dauernd auf ihn warten.

Da meine Vermieter nicht damit einverstanden waren, dass vorübergehend ein zweiter Hund bei uns wohnen sollte, rief ich am Sonntagmittag bei Eva an, um ihrem Anrufbeantworter mitzuteilen, dass ich den Hund keine zwei Wochen nehmen könne, sondern ihr nach dem Wochenende wieder bringen müsse. Sie sollte gleich Bescheid wissen, wenn sie am Sonntag spät abends zurückkäme.

Eva ging am Sonntagnachmittag persönlich an ihr Telefon, obwohl sie doch eigentlich auf Fortbildung sein sollte?

Sofort brachte ich ihr Zwiebel wieder, da ich mich ganz schön ausgenutzt fühlte. Allerdings hatte ich ihn in den drei Tagen vom Durchfall befreien können und gerochen hat er auch besser, da ich ihn einer mehrfachen Wäsche unterzogen hatte und das Tier wieder richtig gepflegt aussah.

Neuer Familienzuwachs

Da eben diese damalige Freundin, die mir den armen kranken Zwiebel aufgeschwatzt hatte auch ein paar Wellensittiche hatte, bei welchen ihr Mann immer die Käfigtüre offen gelassen hat und die Katze schon ein paar der Vögel gefressen hatte, fragte sie an, ob ich nicht den einen übrig gebliebenen Wellensittich adoptieren wolle.

Eigentlich wollte ich keine weiteren Haustiere, doch die Verantwortung, dass die beiden armen Tiere gefressen würden, konnte ich auch nicht übernehmen. So holte ich mit Deika unser neues Familienmitglied ab.

Allerdings saßen dann zwei Wellensittiche im Käfig. Sie hatte noch einen zweiten besorgt, damit der Vogel nicht so alleine sei.

Zwei waren mir eigentlich zu viel. Ich hatte mich bereit erklärt, den einen Vogel zu retten.

Wieder erklärte ich Deika, dass Familienmitglieder nicht gefressen werden, und nahm Käfig, Futter und Vogelsand an mich.

Deika war hell auf begeistert von dem Familienzuwachs und sie ließ die beiden nicht mehr aus den Augen.

Erst hatte ich den Vogelkäfig auf einem Tisch zwischen den Sofas deponiert. Das war ganz nett, hatte aber einen Haken. Ich sah nämlich Deika nicht mehr. Sie lag nur noch unter das Sofa gequetscht und ihren Kopf in Richtung Käfig reckte, damit sie dem Federvieh ganz nah sein konnte.

So hing ich das Ding schließlich an die Decke und konnte meinen Hund nun wenigstens wieder sehen, denn sie stand nun stets auf ihren Hinterbeinen davor oder hüpfte, wie ein Känguru und manchmal saß sie auch nur vor dem Käfig.

Dieses Problem war gelöst.

Dann kam Ostern und ich bekam viele Osternester mit vielen Schokoladenostereiern geschenkt. Das heißt, eigentlich hätte ich sie geschenkt bekommen, wenn Deika sie mir nicht gestohlen hätte.

Ich war einkaufen und als ich wieder kam, waren alle Osterkörbchen gierig geplündert, der Inhalt unter das Sofa geschleppt, wo ich dann alle Papiere und das Ostergras fand. Das schmeckte ihr nämlich nicht.

Da Deika damit den Geschmack an den Osterleckereien gefunden hatte, hat sie mit Mogli auch gleich wieder die Abstellkammer geknackt und alle Schokoladenvorräte vernichtet und das waren nicht wenige. Damals konnte ich es mir noch erlauben, das süße Zeug zu essen.

Heute sage ich bei einem solchen Diebstahl, der zum Glück nur noch selten passiert zu Deika: „Wirst halt du fett!“

Weihnachtliche Freuden

Bereits das letzte Weihnachtsfest und dessen Vorbereitungen waren für meine beiden Pelzgesichter ein aufregendes Erlebnis.

Das Backen der Weihnachtsplätzchen war vor allem bei Deika sehr beliebt und sie wachte stets zu meinen Füßen – in der Hoffnung, dass ich mich ungeschickt anstelle und der Teig vor ihrer Nase landet.

Da ich Deikas Vorlieben für Süßes nur zu gut kennen lernen durfte, gab ich zu ihrem Leid jedoch besonders acht, dass alles auf der Arbeitsfläche in meiner Höhe blieb, wo es auch hingehörte.

Als das süßte Weihnachtsgebäck im Ofen war, bewachte sie diesen intensiv und ihre Nase war kaum zu bremsen bei all den Wohlgerüchen.

Als ich sie beobachtete, konnte ich mir ihre Träume bei ihrem Gesichtsausdruck geradezu bildlich vorstellen. Sie musste träumen, dass sich die Ofentür öffnete, sich die Plätzchen erheben würden und eines nach dem anderen direkt in ihr gefräßiges Mäulchen hinein fliegen würde.

Ihr Traum erfüllte sich leider oder Gott sei Dank nicht.

Natürlich ging das Weihnachtsfest nicht diebstahlfrei von statten, denn als ich eines Abends noch kurz weg war, führte eine Walnussspur vom Wohnzimmertisch direkt in ihr Körbchen.

Ich hätte sie durchaus als Nussknacker beschäftigen können. Nur hätte ich von dem Inneren der Nüsse wohl nichts mehr abbekommen.

Bald darauf hat sie mir ein ganz besonderes Geschenk bereitet.

Wieder, als ich vom Einkaufen kam, erwartete mich eine ganz besondere Überraschung, denn ich habe die Wohnungstüre kaum aufbekommen.

Endlich drin, erwartete mich ein Meer von Schaumstoffecken, mit welchen die Einlage von Deikas Hundekörbchen ausgefüllt war.

Die Betonung liegt hierbei auf WAR!

Es war ihr langweilig geworden, die Abstellkammer war endlich einbruchsicher, da knabberte klein Deika gelangweilt an der Einlage ihres Körbchens herum, bis das ganze Innenleben zum Vorschein gekommen ist. Das hatte sie neugierig gemacht und sie hat immer mehr daran gezupft und die Schaumstoffkugeln komplett herausgeholt.

Deika hat sich sehr gefreut, dass sie nun plötzlich so viel Körbchen hatte, worauf man schlafen konnte, denn die ganze Wohnung war voll damit und ich watete knietief hindurch.

Was in so einer Körbchen-Einlage alles Platz hatte, das hat selbst mich überrascht.

Jedoch wurde Deikas neuer Bodenbelag restlos entfernt und in viele Müllsäcke verfrachtet, die mein Auto vollkommen ausfüllten und Deika war vorerst einmal Körbchenlos.

Trotzdem durfte sie einen Feiertagsausflug auf den Wallberg machen und dort hat sie innerhalb kürzester Zeit den kompletten Hang umgeackert und den Schnee platt gewalzt.

Das hat sie so sehr angestrengt, dass sie sich zur Abkühlung bäuchlings in den Schnee legte und da dies zur Kühlung nicht ausgereicht hat, hat sie auch sogleich die ganze Nase noch in den Schnee gesteckt.

Und Deika hatte großes Glück, denn einen ganzen Hügel umzuarbeiten und Schneebälle und Schneeflocken zu fangen ist eine große Anstrengung und Anstrengung macht bekanntlich großen Hunger.

Auf einer Bank saßen ein paar Ausflügler, die gerade Brotzeit machten.

Ganz selbstverständlich hat Deika sich zwischen sie auf die Bank gesetzt und die freundlichen Wanderer haben sogar ihre Brotzeit mit ihr geteilt.

Frauchen ist krank

Da es Winter war, hat mich leider auch mal wieder die Grippe erwischt.

Müde und vollkommen schlaff schleppte ich mich in die Küche und wen sah ich da auf einem sonnigen Plätzchen mitten auf dem Küchentisch mit dem Bauch in einem herumstehenden Sieb hängend liegen?

Deika!

Als sie mich entdeckte packte sie sofort das schlechte Gewissen noch bevor ich schimpfen konnte und kroch mit hängendem Haupt über die Küchenbank herunter in ihr Körbchen.

Schimpfen konnte ich nicht mehr, denn ich musste schallend lachen.

Da es für Deika ganz schön fade sein musste mit ihrem kranken Frauchen, das immer nur ganz kurz mit ihr Gassi ging, da sie sich selbst kaum auf den Beinen halten konnte, belohnte ich Deika nach meiner Genesung mit einem ausgiebigen Spaziergang.

Da Deika ja immer zu Übertreibungen neigt, gab sie sich mit normalen Stöckchen nicht mehr zufrieden, denn sie kam mit einem halben Baumstamm aus dem Gebüsch zurück und brachte ihn mir.

Ob es an meiner Grippe lag und Deika Entzugserscheinungen hatte, was die Sache mit dem Stöckchenwerfen betraf?

Fliegende Leckerchen

Wieder einmal sind wir umgezogen, da mein Job mich in eine andere Gegend verschlagen hat.

Begeistert waren meine beiden Pelzgesichter erst einmal nicht davon, aber Deika wäre von dort am liebsten nie wieder weg gezogen, denn wir hatten eine kleine Wohnung mit Garten und über uns sehr nette Nachbarn mit welchen sich Deika und ich sehr schnell angefreundet haben.

Warum Deika sie so sehr liebte?

Sie brachten Leckerchen zum Fliegen.

Wenn Deika auf der Terrasse lag und sich die Sonne auf den Bauch schienen ließ, flogen Hunde-Leckerchen direkt in ihren Schlund hinein.

Manchmal haben sie Deika auch auf einen kleinen Fahrradausflug mitgenommen.

Einmal, als es zuvor geregnet hatte, war Deika von Pfütze zu Pfütze gesprungen, was Rosi nicht mitbekommen hatte. Ganz verzweifelt rief sie ihrem Mann zu, er solle langsamer fahren, ob er nicht sähe, wie Deika schwitzen würde.

Hundeerfahrung hatte sie damals noch keine. So wusste sie nicht, dass Hunde ausschließlich über die Zunge schwitzen und nicht wie Pferde über die Haut.

Jedenfalls kam Ralf nach diesem Ausflug sehr belustigt über seine Frau zurück.

Als ich einmal in Urlaub geflogen war haben die beiden auf meine beiden Pelzgesichter aufgepasst und da ich immer sicherheitshalber eine Dose Sauerkraut zu Hause hatte, falls ich mir bei einem Bruch eines Glases mit Inhalt nicht sicher war, ob Deika, die sich ja bekanntlich auf alles stürzt, was fressbar ist, eine Scherbe mit verschluckte, da ich zu langsam war und sie so gierig, sollte sie dieses bekommen, da es sich um Fremdgegenstände wickelt und so gefahrlos wieder ausgeschieden werden konnte, wies ich Rosi sicherheitshalber auch auf diese Gefahr hin mit dem scherzenden Hinweis, sie solle auf ihre Schlüssel aufpassen, da sie baff war, was Deika so alles verschlucken konnte.

Schlüssel waren es allerdings nicht, was Deika gefressen hatte. Scherben zum Glück auch nicht. Dafür hat Deika sich, als Rosi beim Einkaufen war über einen Sack Rennmausfutter hergemacht.

Voll Panik hat Rosi damals beim Tierarzt angerufen und ängstlich gefragt, was sie nun tun solle, und was passieren würde.

Der Tierarzt hat nur gelacht und gemeint, sie solle Deika besser nicht von der Leine lassen. Es könne sein, dass sie durch das Rennmausfutter nun etwas schneller sein könnte als gewöhnlich.

Rosi ließ Deika vorerst nicht mehr von der Leine und unser Tierarzt amüsierte sich prächtig.

Mogli und der Staubsauger

Es kam dann eine Zeit, in der Mogli mir wieder ein paar Sorgen bereitete, denn sie verrichtete ihr Geschäft plötzlich überall. Nur nicht auf dem Katzenklo. Zumindest, was die kleineren Geschäfte anging.

Der Tierarzt stellte Blasensteine fest.

Sie wurde ein Weilchen medikamentös behandelt und musste auf ein Diätfutter umsteigen, was die Bildung dieser Kristalle verhinderte.

Das ärgerliche daran war nur, dass sie nun sehr viel weniger zu fressen bekam als vorher, da sie sonst zu fett würde. Aber sie hat sich auch daran gewöhnt. Sie fing halt dann ein paar Mäuse mehr.

Dummerweise hatte sie sich angewöhnt das gekippte Fenster als Ein- und Ausgang zu benutzen, da es ihr nie schnell genug gehen konnte, bis ich zur Türe kam. So zierten all meine gekippten Fenster Keile, da es schon viele Katzen gegeben hatte, die sich bei einem Ein- und Ausstieg auf diese Weise tödliche Quetschungen zugezogen hatten.

Dann dachte ich, endlich einmal alle Probleme gelöst zu haben, da versteckte sich Mogli plötzlich immer panisch vor dem Staubsauger, was sie früher noch nie getan hatte. Sie versteckte sich auf dem obersten Küchenschrank.

Woran ich das merkte?

Als ich gerade noch Essen auf dem Herd hatte, zischte es plötzlich in der Pfanne.

Mogli hatte vor lauter Angst in die nicht vorhandene Hose gemacht. Oben, auf dem Küchenschrank. Und nun lief alles von dort herunter und tropfte in meine Bratpfanne mit einem Lachssteak darin und es lief auch in die Schränke hinein.

Zum Glück gibt es nicht allzu viele Pannen mit Mogli und dem Essen, aber einmal, als sie noch ganz klein war und ich Besuch erwartete, da hat sie sich ein Stück Hühnchenbrust aus dem Topf geholt und unter das Sofa gezerrt. Das Fleischstück war beinahe größer als sie.

Es weihnachtet sehr

Es stand Weihnachten vor der Tür und die Nachbarn neben uns hatten sich ein kleines Kätzchen zugelegt.

Mogli erbeutete Mäuse zu jeder Jahreszeit und auch zu Weihnachten ließ sie sich die Jagd nicht nehmen. Auch, wenn sie mit dem Sprung aus dem Fenster direkt in einem hohen Schneehaufen landete, musste sie los.

Woher sie die Mäuse hatte, war mir allerdings ein Rätsel.

Wie gewohnt lag Mogli ihre Mäuse auf die Fußmatte, doch Gina, die kleine Nachbarskatze stellte sich nicht so geschickt an und klaute die von Mogli gefangenen Mäuse.

Da Mogli ihre Beute immer sezierte und die Galle heraus nahm, fand ich immer nur die Galle auf der Fußmatte liegen und die Nachbarskinder freuten sich über die Geschicklichkeit ihres Kätzchens.

Als wir von dort wieder weggezogen sind, wunderten sie sich allerdings, dass Gina keine Mäuse mehr fing.

So weit war es aber noch nicht. Erst wurde es Weihnachten und ich versteckte die Weihnachtsgeschenke, was Deikas Neugierde für die schönen Päckchen sehr schürte.

Während ich arbeiten war, fand sie die Geschenke und packte ein Päckchen nach dem anderen aus, da sie ebenso aussahen wie die, die sie immer bekam. Nur der Inhalt enttäuschte sie ein wenig, denn für Parfümfläschchen und diverse Dekorationsgegenstände hatte sie absolut keine Verwendung. Als ich abends nach Hause kam, sah sie mich sehr enttäuscht an.

Doch an Weihnachten bekam auch Deika ihre Päckchen, die sie dann auch auspacken durfte. Vor lauter Freude zerfetzte sie das Papier gierig und holte ihre Spielsachen zum Vorschein und zeigte sie der ganzen Familie freudig und zu guter Letzt bekam sie auch eine kleine Schüssel Punsch, den sie gierig aufschlabberte. So war das Weihnachtsfest gerettet.

Ein trauriges Ereignis

Weihnachten war nun vorüber und Deika hatte Sylvester auch mit Begeisterung hinter sich gebracht.

Sie liebt Feuerwerke und möchte auch heute noch am liebsten den bunten Bällen am Himmel hinterherjagen.

Leider folgte am 6. Januar ein trauriges Ereignis.

Ich hatte mich müde auf das Sofa gelümmelt und faulenzte so vor mich hin, da tat es einen Schlag und Bazi, unser Wellensittich, gab schrillste Töne von sich.

Als ich irgendwann entnervt aufstand, stellte ich fest, dass Muckerl, Bazis Gefährtin leblos und steif auf dem Boden des Vogelkäfigs lag.

Muckerl hatte es im wahrsten Sinne des Wortes vom Stangerl gehauen.

Wie sollte ich einen von Deikas Lieblingen nun aus dem Käfig holen, ohne, dass sie es bemerkte? Ich wollte ihr diesen Schock unbedingt ersparen und ich brachte sie hinauf zu ihren Lieblingsnachbarn.

Doch wo sollte ich Muckerl beerdigen?

Der Boden im Garten war gefroren und selbst, wenn ich trotz alledem mit viel Mühe ein Vogelgrab ausgehoben hätte, Deika hätte es gefunden und sie hing sehr an den beiden Vögeln.

So blieb mir nichts anderes, als Muckerl in der Biotonne zu beerdigen und legte eine Blume auf das Vogelgrab.

Zwei Wochen später hat Bazi einen dicken Knubbel am Allerwertesten bekommen. So fuhr ich mit dem Vogel zum Tierarzt, nachdem ich Deika wieder zu den Nachbarn nach oben brachte, damit sie den Abtransport des Vogelkäfigs nicht mitbekam.

Bazis Knubbel identifizierte sich als böses Geschwür, welches nur operativ entfernt werden konnte.

Was sollte ich tun? Einen Vogel operieren, der schon einen halben Herzschlag bekam, wenn man ihn in die Hand nehmen wollte? Er würde spätestens bei der Pflege nach der Operation sterben.

Lassen konnte man es auch nicht, da er nach hinten Übergewicht bekam.

„Was würdest du tun, wenn es dein Vogel wäre?“, fragte ich die Tierärztin verzweifelt.

Sie gestand, sie würde ihn einschläfern, wozu ich mich auch schweren Herzens entschloss.

Ich fühlte mich wie eine Richterin über Leben und Tod. Ich schwankte mit meiner Entscheidung hin und her, bis die Tierärztin sagte, dass es das Beste für ihn sei. Sie legte ihn mir in die Hände und gab ihm die Todesspritze und mir ein Glas Wasser, da ich lt. tierärztlichem Befund drohte umzukippen. So weinte ich über den Verlust meines zweiten Vogels und fühlte mich weiterhin schrecklich, diese Entscheidung treffen zu müssen und ließ den Käfig gleich bei der Tierärztin, dass diese ihn weiterverschenkte an jemanden, der sich einen Vogel zulegen wolle und brachte das restliche Zubehör am nächsten Tag vorbei.

Nie wieder Tiere, die in einem Käfig leben müssen, habe ich beschlossen. Es muss grauenvoll sein, sein Leben in Gefangenschaft fristen zu müssen.

Ein neuer Umzug

Eines Tages bin ich mit meinem damaligen Freund zusammengezogen und nicht nur, dass ich diese Entscheidung noch am Umzugstag bereut hatte, es wollte mit den schlechten Omen einfach nicht aufhören.

Wir sind in ein kleines Reihenhaus gezogen und der Vermieter hat uns mit Hund und Katze allen Mietern mit Kindern vorgezogen, da Tiere die Wohnung meist weniger verwüsteten als die kleinen Zweibeiner, was ich ihm auch glaubhaft versicherte.

Eines Tages, als wir beide zur Arbeit waren, musste Deika die Küchentüre zugefallen sein, als sie noch in der Küche war und sie hörte draußen die Kinder spielen und wollte zu ihnen.

So hat sie sich daran gemacht, sich im wahrsten Sinne des Wortes durchzubeißen, da sie die Türe nur öffnen konnte, wenn sie nach außen aufging. Nicht aber, wenn sie nach innen zu öffnen war.

Als erstes hatte sie sich an der Türklinke zu schaffen gemacht, die sie erfolgreich abmontierte. Dann an der Vorrichtung des Schlüsselloches und letztendlich am Holz.

Wäre ich später nach Hause gekommen, hätte sie sich bereits hindurch gefressen.

Da war ich das erste Mal froh, dass es die Erfindung der Hundehaftpflichtversicherung gab, denn ich rief sofort unseren Vermieter an und erkundigte mich nach der Firma, welche die Türen eingebaut hatte und ließ Türstock und Türe erneuern. Ein Schaden von zweieinhalb tausend Euro.

Mogli war während des Umzuges neugierig in eine Umzugskiste gesprungen, um festzustellen, was sich darin befand. Dummerweise stand die Kiste leer und nur halb auf einer anderen, so dass diese mit Mogli herunterfiel und über ihr auf dem Boden aufkam.

Ich hörte lediglich verzweifeltes Miauen, fand aber keine Katze, bis ich begann in jeden der Umzugskartons nachzusehen, bis ich endlich an der angelangt war, welche sich über Mogli gestülpt hatte.

Bald wurde Moglis Geduld belohnt und ich ließ sie ins Freie, um auf Mäusejagd zu gehen.

Leider stand sie eines Tages zum falschen Zeitpunkt am falschen Ende einer Kuh. Nämlich da, als die Kuh einen Kuhfladen fallen ließ, der dummerweise direkt auf meinem Kätzchen landete.

Eilig kam sie nach Hause geeilt und mein damaliger Freund erkannte das Malheur schon von weitem, da er an einem krankhaften Putzfimmel litt und schrie auf, so dass ich sie noch an der Terrassentüre abfangen konnte.

So verschwand ich mit Mogli in der Dusche, die laut protestierte, hinterher aber vorbildlich roch.

Vierbeiniger Logierbesuch

Gelegentlich bringt mir meine Freundin Angelika ihre Hasen in Pflege, wenn sie verreisen. Für Deika ist das immer eine große Bereicherung in ihrem Hundeleben und sie hoppelt dann mit den Langohren um die Wette und küsst sie, bis sich ihre Ohren zu Wasserfällen verwandeln.

Lediglich vor Mogli haben die beiden Häschen großen Respekt. Mogli ist ihnen nicht ganz geheuer. Mit langem Hals reckten sie sich in Richtung des Katzenkörbchens und ergriffen die Flucht bereits beim bloßen Geruch der Katze, doch Deika vertrauten sie.

Mücke und Lisa, wie die beiden hießen, bekamen ihr eigenes Hasenzimmer und wenn sich die Türe dort hin öffnete, hatte Deika das Erlebnis eines Hasenkinos und da Mücke so gerne bunte Blumen fraß, brachten wir ihr diese in den buntesten Farben von der Wiese, welche wir beim Gassigehen überquerten, mit.

Als die beiden Langohren an einem schönen Frühlingstag mit ihren Käfigen in den Garten durften, näherte Mogli sich vorsichtig dem Hasenverlies. Da sprang Mücke an die Gitterstäbe ihres Käfigs und schlug Mogli in die Flucht.

Als die beiden von ihren Menschen wieder abgeholt wurden, legte ich ein paar Ostereier in die Käfige und machte sie damit zu richtigen Osterhasen.

Bald nach dem Hasenbesuch rief Angelika mich an und rief entsetzt anstatt einer Begrüßung ins Telefon: „Lisa ist ein er!“

Lisa hatte Mücke im Käfig immer öfter belästigt und so fuhr sie mit ihr zu unserem Tierarzt und der hat festgestellt, dass Lisa gar keine Lisa war, sondern ein Lisarich. Als Weibchen hatte sie das Langohr erstanden und nun wurde er entmannt.

So lebt Angelika mit einem Transvestiten-Hasen und war trotzdem glücklich mit ihm, bis er von einem großen Vogel aus dem Garten geraubt wurde, als sie dort frei laufen durften um bunte Blumen aus dem Blumenbeet zu fressen.

Leider hat Angelika Mücke heute auch nicht mehr, da sie eines Tages in Nachbars Garten ausrückte, um die große weite Welt der bunten Blumen noch genauer zu erkunden und fraß giftige bunte Blumen und starb noch auf dem Weg zum Tierarzt in ihren Armen.

Nur ganz kurz Gassi gehen

Eigentlich wollte ich mir eines Abends einen ruhigen und faulen Fernsehabend gönnen, denn den ganzen Tag habe ich geschrieben und meine literarischen Ergüsse zu Papier gebracht.

„Gehst du noch mit Deika Gassi?“, fragte ich meinen damaligen Freund hoffnungsvoll.

„Mmmmm.“, hörte ich vom Sofa.

Was „Mmmmm“ bei ihm bedeutete, das war mir bestens bekannt, denn die arme Deika hatte dann meist das Nachsehen, wenn ich mich nicht sofort mit ihr auf den Weg machte.

„Na komm Deika, Gassi gehen!“, rief ich.

Ein quietschendes Gähnen hörte ich aus ihrem Körbchen und schon stand sie neben mir.

„Wir gehen aber nur ganz kurz!“, sagte ich zu ihr.

„Frauchen ist Hundemüde!“

Ich öffnete die Türe und draußen war sie.

Einige Häuser weiter waren drei Pferde auf die benachbarte Wiese gezogen, die jeden Sommer dort standen. Wir gingen den Weg entlang und ich hörte die älteste Haflingerstute auf mich zu galoppieren.

Ich drehte mich zu ihr um, da wieherte sie.

So blieb mir nichts anderes übrig, als umzukehren und sie ausgiebig zu begrüßen.

Die Stute blies mir mit ihren großen Nüstern in mein Ohr. Erst in das eine, dann in das andere. Sie legte ihren großen schweren Kopf auf meine Schulter und knabberte mit ihren Lippen vorsichtig an meiner Backe. Sie hat mich im vergangenen Jahr nicht vergessen und Deika auch nicht, denn sie blies auch sie mit ihren großen Nüstern an.

„Ich bin so müde!“, flüsterte ich ihr leise ins Ohr.

„Wir besuchen dich morgen wieder. Nicht böse sein!“, sagte ich und schlenderte weiter des Weges.

Keine fünfzig Meter weiter wartete die Doppelgängerin von Mogli auf uns, um ein Weilchen mit Deika zu spielen. Wieder warten.

Als wir endlich weiterkamen, galoppiert eine Kuhherde auf uns zu, die mir neugierig ihre Köpfe entgegenstreckte.

Ich ging zu der ersten Kuh und streichle ihr den Nasenrücken. Auch sie blies mich mit ihren großen Nüstern an und ließ ihre Zunge um mein Handgelenk kreisen.

Als ich weitergehen wollte, wurde sie böse und verdrängte die anderen Kühe vom Zaun. Ich ignorierte sie, da lief die gesamte Kuhherde neben mir her.

Ich streichelte wieder, ging weiter, wurde verfolgt. Das ging so lange, bis die Kühe von ihrem Stromzaun abgehalten nicht mehr weiterkonnten.

In einem Garten in der Nachbarschaft waren indische Laufenten eingezogen. Deika war nicht mehr vom Zaun loszureißen. Ich zerrte an ihrem Halsband, versuchte sie zum Weitergehen zu bewegen. Erfolglos. Ich war zu müde an diesem Abend. Zu schwach. So wartete ich, bis sie sich lösen konnten und wir unseren ganz kurzen Spaziergang endlich fortsetzen konnten.

Als wir endlich weiterkamen, wartete eine schwarz-weiße Katze am Wegesrand. Sie schnurrt und strich mir um die Beine und fordert mich auf, sie zu streicheln.

Ich gehorchte und gab auch dieser Katze ihre Streicheleinheiten.

Fast zu Hause angekommen, trafen wir Sheela mit ihrem Frauchen auf dem Fahrrad. Sheela und Deika konnten sich nicht trennen und liefen um die Wette, kreisten sich gegenseitig ein, kugelten zusammen über die Wiese.

Ich ließ sie, denn sie hatte in der Nachbarschaft nicht einen Hund zum Spielen.

„Wo wart ihr denn?“, wollte mein damaliger Freund von mir wissen, als ich endlich unsere Eingangstüre passierte.

„Nur kurz Gassi!“, entgegnete ich.

Hunde und Kosmetiksalons

Einmal habe ich eine sehr eigenartige Beobachtung gemacht.

Mit dem festen Vorsatz, nicht mehr alle Wege mit dem Auto zu erledigen, beschloss ich, mich mit meiner Hündin Deika zu Fuß auf den Weg zur Post zu machen.

Diesen Weg bin ich noch nie gelaufen und kenne die Geschäfte auf diesem Weg nicht.

Eines dieser Geschäfte war ein Kosmetiksalon, wobei ich mir ursprünglich gar nichts dachte. Nur Deika war nicht mehr von diesem Kosmetiksalon loszureißen. Sie stand in der Türe, ihre Nase erschnupperte all die Wohldüfte. Hörte nicht mehr, roch nur noch.

Eigentlich kennt Deika diese Düfte ganz gut. Sie kennt sie von den Bea-Pflegeabenden, in denen ich mir von Vollbad, über Gesichtsmaske und Haarkur, untermalt mit schöner Musik, alles gönne, was mir gut tut.

Mit Gewalt musste ich sie wegzerren von diesem Beautysalon. Ob sie sich bei dem Erschnuppern dieses Geruches daran erinnert hat, wie entspannt ihr Frauchen nach dem Ausleben dieser Düfte ist und nun dieses Ergebnis selbst einmal testen wollte?

In Badeschaum suhlen und ihr Ganzkörperfell mit einer Haarkur pflegen. Danach würde sie sich eine Gesichtsmaske auflegen und alle meine Cremes in ihr Gesicht schmieren. Ein wenig schwierig dürfte dies sein mit dieser Ganzkörperbehaarung.

Was dies wohl bewirken würde? Falten und unreine Haut sieht man unter so viel Pelz doch sowieso nicht.

Ich hatte es schließlich geschafft, sie diesen Düften zu entreißen und konnte meinen Weg fortsetzen. Auf dem Rückweg hatte dieser Laden zum Glück schon geschlossen. Deika ging hoch erhobenen Hauptes daran vorbei.

Zum Glück, denn wenn sie sich über all die Töpfchen hergemacht hätte, wäre das ein teures Vergnügen für mich geworden.

Ob ich Deika zu Weihnachten nicht ein Beautywochenende schenken sollte?

Ich überlege, ob ich nun meine Wege trotzdem noch zu Fuß zurücklegen soll. Nicht, dass aus meinem kleinen drolligen Hund noch ein Luxusköter wird.

Der Fressball

Kürzlich war ich mit Mogli beim Tierarzt.

Mit Mogli zum Tierarzt ist eine regelrechte Tourtour, denn sie mag es nicht, wenn sie in ihrem Transportkorb Auto fahren muss. Viel lieber würde sie frei im Auto herumtoben, auf der Hutablage liegen, die Fußpedale inspizieren. Da dies zu gefährlich ist, bleibt sie im Transportkorb. Punktum!

Richtig sauer war Mogli. Nicht nur sauer, auch ganz schön aggressiv.

So saß Mogli trotzig in ihrem Transportkorb auf dem Rücksitz und protestierte die gesamte Fahrt über lauthals. Mal bittend, mal bettelnd, mal sauer, mal trotzig und zwischendurch auch richtig böse.

Ich amüsierte mich sehr und drehte das Radio lauter, denn das Protestgeschrei ist mir wohl bekannt. Auf einer langen Autofahrt von Bocholt nach München war ich einmal neun Stunden unterwegs und Mogli legte lediglich in Frankfurt eine zehnminütige Schweigepause wegen Heiserkeit ein. Deikas und meine Nerven hingen nur noch an einem Faden.

An diesem Tag wollte ich keine neun Stunden unterwegs sein und zwang meine Nerven zur Ruhe.

Doch auch Mogli hatte Durchhaltevermögen.

Doch als sie bemerkte, dass alles Schreien, Jammern, Wimmern und Brüllen nichts half, da machte sie …, da roch ich …,

Es stank erbärmlich.

Ein Trotzhaufen.

Ein stinkender Trotzhaufen.

Ich öffnete das Fenster, doch auf den Wiesen hatten sie geodelt.

Die Katze überstank das Odelfeld.

Ein kleines Stinktier.

Ein Scheißkerlchen.

Mit ausgestrecktem Arm trug ich Mogli in die Tierarztpraxis, doch der Gestank wich nicht und zu meinem Glück wehte der Wind vom Katzentransportklo genau in meine Nase.

Blass um die Nase betrat ich die Praxis und endlich konnte das Malheur entfernt werden. Selbst Trixie, die Tierärztin stellte fest: „Stinkt ja wie eine Große, die Kleine.“

Unter brummelnden Protest wurde sie geimpft und noch bevor sie sich versehen konnte, war die Spritze schon wieder verschwunden. Das machte sie noch wütender und war froh, dass sie nach dem lästigen Wiegen, Herztöne abhören und allem, was sonst noch zu allem Katzenjammer dazugehört, endlich wieder in ihre Transportbox zurückzukönnen. Fauchender weise versteht sich.

Trixie zeigte mir einen Ball, in welchen man Futter hineinsteckt und das Loch so weit zudreht, dass nur ein einziges Bröckchen wieder herausfällt. Das sollte helfen gegen gieriges Schlingen beim Fressen. Und Mogli kann ganz schön rein hauen, wenn es um das Futtern geht.

Ich hoffte, dass das Bällchen meine Katze beschäftigen würde und verstummen ließe.

Mogli hat nämlich ein sehr lautes Organ und immer, wenn sie Hunger hat, lässt sie uns eine Kostprobe davon nehmen.

Stundenlang, wenn es sein muss.

Sofort fuhr ich in die nächste Zoohandlung und kaufte einen solchen Fressball.

Zu Hause angelangt stand Mogli schon wieder laut schreiend vor ihrem Futternapf und verwöhnte mein Trommelfell mit ihren schrillen Tönen.

Sofort füllte ich den Ball und legte ihn ins Wohnzimmer und verschwand, damit Mogli mich miauender Weise nicht einholen konnte.

Eine Weile später schlich ich auf Zehenspitzen ins Wohnzimmer und beobachtete ein friedliches kleines schwarzes Kätzchen, welches dem Fressens-Duft in dem Bällchen frönte und diesen mit ihrer kleinen schwarzen Katzennase vorsichtig durch das Wohnzimmer schob und sich immer wieder vergewisserte, ob nicht ein Stück Futter herausgefallen war.

Martin wollte sich ihrem Futterball nähern. Da sperrte sie ihr kleines Mäulchen auf und fauchte ihn so an, dass es ihm die Frisur verwehte.

So beschäftigt sich unser Kätzchen wieder leise, wenn es Hunger hat und unsere Ohropax können meistbietend veräußert werden.

Allerdings gibt es ein kleines Problem mit dem Fressball.

Er ist rund und er bewegt sich.

Die Katze auch.

Mit dem Fressball.

Ich mich jetzt auch.

Auf Knien.

Auf der Suche nach dem Fressball, um ihn zu suchen, wenn die Kleine Hunger hat.

So sieht man mich nun täglich auf allen vieren durch die Wohnung robben auf der Suche nach dem Katzenspielzeug und all das, nur, damit die Katze schweigt.

Und noch ein Fressbällchen

Deika wurde sehr eifersüchtig auf Mogli und ihr Fressbällchen.

Dauernd bellte sie Mogli böse an, wenn sie ihren Futterball mit der Nase durch die Wohnung schob und die daraus kullernden Leckerchen fraß. Zuletzt jagte sie sie sogar durch die ganze Wohnung.

So beschloss ich ganz spontan den Weg zur Zoohandlung einzuschlagen und auch für Deika ein Fressbällchen zu kaufen.

Ich prüfte Farben, Größe, Verschluss, damit Deika den Ball nicht gleich aufbekommt.

Es war eine längere Entscheidungsfindung, als ich gedacht hatte und eilte dann im Eiltempo nach Hause, damit ich noch zum Arbeiten kam.

Im leeren Zustand hat Deika sich nicht sehr für den Ball interessiert.

Als ich den Ball füllte, wollte sie das Futter gleich aus der Hand oder noch besser in den Napf und wurde unruhig vor lauter Fresssucht.

Ich legte den Ball auf den Boden und verschwand hinter der Tür und lurte heimlich um die Ecke.

Deika ist kein blöder Hund. Im Gegenteil.

Es hatte nicht lange gedauert, da hatte sie auch schon begriffen, was sie damit tun sollte.

Sie nahm den Ball, schüttelte sich, dass die Leckerchen nur so durch das Wohnzimmer flogen. Deika flog einem jeden hinterher und fraß die feine Ballfüllung. Dann hatte sie herausbekommen, wo die Leckerchen genau herauskamen und hatte es innerhalb von zehn Minuten geschafft, die Öffnung zu vergrößern, damit noch mehr herauskam. Das war kein Zufall, denn ich hatte das Loch ganz zu gedreht. Deika hat es sofort immer wieder geöffnet.

Da ihr die Öffnung allerdings auch rasch zu klein wurde und Deika schon immer zu der Gattung dem Gierschlunde gehörte, setzte sie alles daran, das Loch aufzubeißen. Den Ball zu schälen, wie einen Tennisball oder eine Orange.

Ziemlich schnell war der Ball voll scharfer und gefährlicher Kunststoffspitzen von der Knabberei meines Hundes.

So machte ich wieder einen Spaziergang zu der Zoohandlung und reklamierte. Schließlich konnte ich Deika nicht zehn von den Fressbällen pro Tag kaufen.

Wie sich heraus stellte, werden Hundespielsachen von Leuten erfunden, die absolut keine Erfahrung mit Haustieren haben.

Man lässt doch auch keine Kannibalen Rezepte für Gemüseeintöpfe schreiben und keine Schneider Häuser bauen.

So hat Deika kein Fressbällchen mehr. Wird auch nie wieder eines bekommen. Kann nicht die Freuden unserer Katze teilen. Arme Deika! Arme Welt!

Die Katze mit der Macke

Mogli hat eine Macke.

Die hat sie noch nicht immer, sondern erst neuerdings.

Wie sie aussieht, die Macke?

Aussehen tut sie nass und riechen tut sie gar nicht gut.

Die Leidtragende?

Nicht nur wir. Auch Deika.

Unser liebes Kätzchen Mogli hat sich neuerdings angewöhnt, ihre Notdurft in ihres Hundes Körbchen zu machen.

Warum?

Das wussten wir bis vor kurzem noch nicht.

Täglich habe ich das Hundekörbchen gewaschen. Mindestens einmal pro Tag.

Deika war ganz traurig, weil sie nun nicht mehr in ihrem weichen Bett, sondern auf dem harten Teppich schlafen musste. Aus Mitleid gab ich ihr meine Decke und fror, damit Deika weicher liegen konnte und sich nicht ausgestoßen fühlte.

Kaum lag Deikas Körbchen wieder da und hatte es kurzfristig verlassen, war Mogli auch schon wieder drin und Deika schaute mich mit traurigen Hundeaugen an.

Eines Nachts wurde es uns zu bunt und wir studierten die halbe Nacht sämtliche Fachbücher. Jetzt schläft Deika wieder weich und trocken und unsere Nasen werden geschont.

Warum Mogli sich Deikas Körbchen als Katzenklo auswählte?

Mogli hat ein neues Katzenklo bekommen.

Eines Mit Katzenklappe.

Der Einbau von Katzenklappen, haben wir gelesen, kann bei einer Katze große Angst auslösen, denn durch Katzenklappen kommen andere Katzen in die Wohnung. Katzenfeinde. Meinen sie.

Mogli war wohl der Überzeugung, dass nun aus ihrem Katzenklo lauter feindlich gesinnte Katzen und Kater kämen. Lauter Katzen, die unsere Wohnung bevölkern wollten. Ihr Böses wollten und ihr Futter.

Wir haben weiter gelesen, dass sie den Lieblingsplatz Ihres Beschützers beschmutzen, um den Eindringlingen zu klar zu machen, wenn sie daran vorbei kämen, dass diese ihre Beschützer sind.

Moglis Hund musste sie Retten. Einen anderen Ausweg gab es für Mogli nicht. So teilte sie es in Katzensprache mit, dass sie ihren eigenen Hund hat und dieser sie beschützen würde, was immer auch geschah.

Wir klebten die Katzenklappe an den Deckel des Katzenklos und führen nun wieder ein ruhigeres Leben. Eines ohne Katzenmacke. Mogli führt nun wieder ein angstfreies Leben und Deika ein trockenes.

Der Halswickel

Kürzlich hatte mich wieder einmal ein Virus erwischt. Ich habe jetzt einen Hausarzt, der mich mit sehr wirkvollen Hausmittelchen behandelt. Gegen meinen Virus hatte er mir Kartoffelwickel verschrieben. Ich sah ihn etwas verwundert an. Fuhr etwas verwirrt nach Hause und kaufte auf dem Heimweg einen Sack Kartoffeln.

Zu Hause angekommen machte ich mich auch sogleich ans Werk.

Ich holte die Kartoffeln heraus und Deika und Mogli kamen auch sogleich sehr hoffnungsvoll angaloppiert. Die beiden hatten Hunger.

Die beiden haben immer Hunger.

Ich legte die Kartoffeln in den Schnellkochtopf und Mogli begann ihr Hungerlied: „Miau, Miau, Miauuuuuuu!“

Mogli erklärt damit immer, dass sie sofort etwas zu essen haben müsse, da Mogli nie etwas zu Essen bekommt.

Ich ließ sie hungern, denn rohe Kartoffeln mag sie nicht.

Deika war nicht ganz so penetrant. Dennoch hungrig.

Als die Kartoffeln gekocht waren, begann das Hungerdrama der beiden Pelzgesichter von neuem. Penetrantes Miauen und verhungerte Blicke.

Ich wickelte die Kartoffeln in ein Küchentuch und legte mir das heiße Gut um den Hals und einen dicken Schal darüber. Genauso, wie es mir mein Arzt empfohlen hatte.

So legte ich mich auf das Sofa, um die Wundermedizin wirken zu lassen und schaltete den Fernseher zur Unterhaltung ein.

Deika und Mogli saßen vor mir und sahen mich sehr hungrig an und starrten auf meinen Hals.

Deika tropfte Speichel aus dem Maul. Ihr Blick war starr auf meinen Hals gerichtet.

Ich wagte es kaum, die beiden aus den Augen zu lassen. Sie sind ein sehr diebisches Kleinvolk, wenn es um Essbares geht. Sie müssen alles in ihren gierigen Schlund bekommen, was man fressen kann.

Ich fürchtete, sie könnten mir jeden Moment meinen Halswickel vom Halse reißen, um das Eingewickelte zu vertilgen.

Schweißperlen liefen mir über die Stirn. Vom Anblick meiner beiden hungrigen Tiere und von der Hitze der Kartoffeln.

Trotzdem schlief ich versehentlich ein. Erwachte mit Hals und mit Halswickel. Die beiden saßen immer noch triefend, sabbernd und hungrig neben mir.

Ich entfernte den Wickel, das Hungerduett stimmte ein und die Kartoffeln landeten endlich im Hunde- und im Katzennapf.

Gierig stürzten sie sich darauf. Endlich hatten Sie ihr Festmahl und ich behielt meinen Hals.

Ich wünschte, die Ärzte würden bei solchen Verordnungen erst einmal die Frage nach Haustieren stellen. Die Gefräßigkeit und Hemmschwelle der Tiere ist recht unterschiedlich. Nicht, dass noch jemand bei solch einer Verordnung seinen Hals verliert.

Der gestohlene Nikolaus

Es war Nikolausabend. Schon Wochen zuvor habe ich einen Schokoladennikolaus für Martin, den Mann meines Lebens gekauft. Einen weißen Schokoladennikolaus, denn weiße Schokolade isst Martin am liebsten.

Den ganzen Nachmittag habe ich Plätzchen gebacken, denn was ist ein Nikolausteller ohne selbst gebackene Plätzchen.

Martin kam natürlich zu früh nach Hause und die letzten Plätzchen mussten ihren Guss noch trocknen. Ein unfertiger Nikolausteller. So föhnte ich sie, damit Martin zu seinen süßen Genüssen kommen konnte und ich überreichte ihm seinen Nikolausteller mit Plätzchen, Nüssen, Äpfeln, Marzipankartoffeln und einem weißen Schokoladennikolaus.

Martin hat sich sehr gefreut und alle Plätzchen am Stück verdrückt. Der Nikolaus blieb bis zuletzt. Den wollte er sich für einen besonderen Moment aufbewahren.

Eines Abends, kurz nach dem Nikolausabend gingen wir abends weg. Als wir wieder kamen, sahen wir, dass Deika eine volle Nussschale verputzt hatte. Überall lagen Nussschalen herum, in die wir traten. Das ist eine schmerzvolle Angelegenheit, wenn einem diese Überraschung barfuß widerfährt. Und was sahen wir mit Schrecken?

Dazwischen lag Schokoladennikolauspapier.

Das Papier von Martins weißem Schokoladennikolaus.

Wir hatten ihn hoch oben platziert. Dort, wo Deika ihn normalerweise nie hätte erreichen dürfen. Doch ihre Gier macht ihr vieles möglich.

Der Ärger, den sie bekam – nicht auszudenken!

Herrchen war böse, weil sie seinen ersten weißen Schokoladennikolaus des Lebens stibitzt hatte und ich war böse, weil man Geschenke nicht einfach fressen darf.

So machte ich mich am nächsten Tag auf den Weg in das Geschäft, wo ich den weißen Nikolaus erstanden hatte und als mir auch sogleich der Filialleiter über den Weg lief hielt ich ihn auf, brachte ihn fast zu Fall und flehte ihn an: „Haben sie noch weiße Schokoladennikoläuse? Der Hund hat ihn gefressen und jetzt ist die Katastrophe groß.“

Sofort machte er sich auf die Suche. Ließ seine Schokoladennikolausfachverkäufer ausrufen und schickte sie ins Lager auf die Suche. Er selbst suchte auch mit und fand noch eine Lage Schokoladennikoläuse.

Jeden einzelnen nahm er in die Hand. Alle möglichen Geschmacksrichtungen. Nur kein weißer Nikolaus.

Doch ich hatte Glück. Der letzte Nikolaus, den er in die Hand nahm war ein weißer Schokoladenmann. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Teilte dem Nikolausfinder mit, er habe meinen Tag gerettet und den des Hundes. Stürzte mit dem Schokoladengut zur Kasse und nach Hause.

Stolz überreichte ich Martin den Nikolaus und berichtete von meinen Tagesaktionen auf der Suche nach der geformten Schokolade. Nun war ihm sein Schokoladenmann noch wertvoller als je zuvor mit den Strapazen, diesen wiederzubeschaffen.

Die armen Schokoladenfachverkäufer. So aufgebracht, wie sie suchten, sie waren bestimmt der Meinung, es handle sich um ein Kind. Ich hatte mich etwas undeutlich ausgedrückt, denn sonst hätte bestimmt niemand so eifrig gesucht.

Vielen Dank liebe Schokoladennikolausretter! Ihr habt mir meinen Tag gerettet.

Martin, der Kleine, nimmt seinen Nikolaus nun mit ins Bett, damit er nicht mehr gestohlen werden kann. Und so schmelzen sie beide dahin in der Wärme des Ofens. Ich bin gespannt, wer ihn schneller vernichtet, den Nikolaus. Martin, der Hund oder der Ofen?

Moglis Weihnachtsgeschenk

Weihnachten stand vor der Türe und Heiligabend rückte immer näher und näher. Alle Geschenke hatte ich und Mogli sollte auch wieder einmal ein Geschenk bekommen.

In den letzten Jahren ist sie dabei meist etwas zu kurz gekommen, denn sie hatte bereits Spielmäuse, Bälle und anderes Katzenspielzeug in allen Farben, Formen und Größen.

Eine extra Leckerei gab es selbstverständlich jedes Jahr.

Deika hatte es da meist besser. Für sie gab es immer irgendein interessantes Spielzeug, einen großen Hundeknochen vom Metzger oder aus der Zoohandlung. Nun sollte Mogli auch wieder einmal ausführlich bedacht werden.

So begab ich mich unsicher in die Zoohandlung.

Ich begutachtete Spielmäuse aus echtem Mäusefell. Davon hatte sie schon etliche.  Langweilig, aber treffend. Katzenfutter mit Mäusegeschmack gab es auch nicht. Ich überlegte, ob ich ihr nicht ein paar Mäuse fangen sollte und ihr ein entsprechend Katzengerechtes Weihnachtsmahl bereiten sollte. Da nahm ich trotzdem eine der Spielzeugmäuse in die Hand mit der Überlegung, Moglis Mäusevorrat aufzubessern. Aus echtem Mäusefell schien sie nicht zu sein. Und als ich mich zu einer Verkäuferin umdrehte, um zu erfragen, ob so etwas für eine Katze denn wirklich interessant sein könne, quietschte es aus meiner Hand. Ich hatte eine Maus gefunden, die für Katzen interessante Mäusegeräusche von sich gab.

Entdeckt und gekauft.

Als ich mit dem Auto nach Hause fuhr, quietschte das Mäuseding bei jedem Huckel, über den ich fuhr und als ich die Stufen zu unserer Wohnung hinauf ging, quietschte das Fellbündel bei jedem Schritt, den ich tat. So stieg ich für die letzten Stufen in den Aufzug um und so begrenzte sich das Quietschen auf jedes Anfahren und Abbremsen. Vorsichtig schlich ich mich hinein, doch Deika begrüßte mich so stürmisch, dass die Maus fiepte. Mogli wurde unruhig und suchte den gesamten Flur nach dieser Maus ab.

Nur mühsam schaffte ich es, die Maus im Schlafzimmer zu verstecken, denn Mogli folgte mir dicht auf den Fersen.

Doch so war ich mir sicher, dass dieses Weihnachtsfest ein voller Erfolg würde. Auch für unsere Katze. Ich hoffe nun, dass sie durch Anwesenheit dieser Maus nicht komplett außer Kontrolle gerät und sie nicht den Weihnachtsbaum als Turngerät in Beschlag nimmt. So wird doch ein wenig Unsicherheit bleiben. Doch was wäre ein Weihnachtsfest ohne Überraschungen. Schließlich ist es jedes Jahr aufs Neue die Überraschung, dass Deika Schokoladennikoläuse, Weihnachtsplätzchen und Nüsse stiehl.

Das Meer muss mit

Eines Tages wurden wir von meiner Freundin Ina eingeladen, sie in ihre Ferienwohnung auf Norderney zu begleiten. Ihren Hund Rambo hatte sie auch dabei und da durfte natürlich auch Deika nicht fehlen.

Als die beiden sich vor vielen Jahren kennen lernten, war Deika absolut nicht begeistert davon Hundebesuch in ihrem Revier zu bekommen, denn Rambo erdreistete sich doch tatsächlich dazu, aus ihrem Napf zu trinken und mit ihrem Spielzeug zu spielen und von ihrem Frauchen gestreichelt zu werden. Was zu viel war, das war einfach zu viel und alles an Spielzeug, welches ich Rambo, der damals noch sehr klein war, brachte, hat sie ihm sofort wieder weg genommen, zurück in ihr Körbchen getragen und intensiv von seinen Gerüchen gereinigt.

Zwischenzeitlich sind die Grenzen gesteckt und sie dulden sich und manchmal spielen sie sogar zusammen, wenn sie sich treffen, was leider nur sehr selten der Fall ist, da Ina in Münster lebt und wir in München.

So trafen wir uns auf Norderney und Rambo ließ Deika anstandslos in sein Revier eindringen.

Noch am ersten Abend machten wir einen ausführlichen Strandspaziergang und Rambo war sehr beschäftigt damit, die Wellen zu umlaufen, da das Meer immer sehr freundlich auf in zukam und Rambo keine nassen Füße bekommen wollte.

Deika, die eigentlich eine große Wasserratte ist, war das Meer im ersten Moment auch ein wenig unheimlich, da die Wellen immer in den Sand hinein liefen, um sie zu begrüßen. Doch ihre Angst hat sie schnell bewältigt und hat sogar in dem salzigen Wasser nach Steinen getaucht.

Deika hatte so viel Spaß in ihrem Meer, das sie beschloss, es mit nach Hause zu nehmen und begann es leer zu trinken.

Allerdings war das Meer sehr groß und sie schlabberte so viel sie konnte, doch das Meer wollte wohl nicht mit ihr mit kommen und unbedingt wieder aus ihr heraus. Doch Deika blieb eisern, denn was sie sich in ihren kleinen Pelzkopf setzte, das musste sie auch zu Ende bringen. Zu ihrer großen Enttäuschung blieb sie jedoch erfolglos.

Wer von den beiden abends am meisten erschöpft war, ließ sich nicht feststellen, denn die beiden Hunde schnarchten um die Wette und träumten von dem bereits erlebten und dem, was sie wohl am nächsten Tag erwarten würden. Und als wir wieder zu Hause waren, da träumten sie von ihrem nächsten Besuch am Meer, welches sie zurück lassen mussten.

Widmung

Kurz nach Fertigstellung dieses Manuskriptes verstarb Deika.

Ich widme ihr dieses Buch in Erinnerung an all die schönen Erlebnisse, die ich mit ihr hatte.

Am 23. September 2006 um 15.27 Uhr verstarb meine geliebte Hündin in meinen Armen.

Sie wurde in ihrer letzten Woche wegen einer Darminfektion behandelt und gepflegt.

Zuletzt wurde aufgrund der Verschlechterung ihres Zustandes ein Tumor im Endstadium diagnostiziert.

Die letzte Nacht verbrachte ich an ihrem Körbchen und streichelte sie, bis zum Termin am nächsten Tag, an welchem ich sie einschläfern lassen musste.

Ich trauere unendlich um mein geliebtes Tier.

Danksagung

Ich danke allen Menschen, die für Deika und mich in ihren letzten Stunden da waren. Ich danke ihnen für all ihr Verständnis, ihre Hilfe, ihre Freundschaft und ihre Trauer um meine geliebte Hündin Deika.