
Teil 5
Strolchi möchte endlich die Welt erobern, doch ausgerechnet seine Katzenleiter steht ihm im Weg. Während er seine Menschen mit nächtlichen Partys und kreativer Wohnungsgestaltung beschäftigt, plant er einen Besuch im Friseursalon. Und dann erlebt er ein Wiedersehen, bei dem längst nicht alles so läuft, wie er es sich vorgestellt hat.
Die Mitwirkenden in diesem Band
Strolchi
AssiraDie Geschichte dieses Bandes
Mit viereinhalb Monaten hat Strolchi ein ernstes Problem: Seine Menschen halten ihn für einen Clown. Dabei arbeitet er doch mit aller Kraft daran, ein richtiger Löwe zu werden! Er frisst fleißig, trainiert seine Kampfkünste und misst sich regelmäßig mit seiner besten Freundin Assira. Dass dabei gelegentlich eine Zimmerpflanze, ein Blumentopf oder ein anderes völlig überflüssiges Einrichtungsstück im Weg steht, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen.
Überhaupt wird Strolchis Beitrag zur Verschönerung des Hauses viel zu wenig gewürdigt. Da gestaltet er die Treppe mit frischer Blumenerde, verteilt Sonnenblumenblätter nach künstlerischen Gesichtspunkten und sorgt dafür, dass auch der Inhalt der Mülleimer endlich einmal zur Geltung kommt. Doch statt Anerkennung erntet er Beschwerden.
Offenbar haben Menschen und Katzen sehr unterschiedliche Vorstellungen von Innenarchitektur.
Auch bei Tisch herrschen unhaltbare Zustände. Seine Menschen essen regelmäßig die köstlichsten Sachen, während Strolchi sich mit dem begnügen soll, was bereits in seinem Napf liegt. Dabei ist er noch im Wachstum! Wie soll aus einem kleinen Kater jemals ein stattlicher Löwe werden, wenn man ihm nicht einmal eine anständige Portion Schnitzel gönnt?
Wenigstens Assira versteht ihn. Mit ihr kann er spielen, kämpfen, kuscheln und sich bei Bedarf auch ihr Hundebett aneignen. Dass sie größer ist und mehr Futter bekommt, findet er allerdings ausgesprochen ungerecht.
Und dann ist da noch diese Katzenleiter.
Eigentlich haben seine Menschen sie extra für ihn gebaut, damit er nach draußen kann. Unten warten andere Katzen, die Welt ist voller aufregender Gerüche, und Strolchi möchte unbedingt dabei sein. Nur hat die Sache einen kleinen Haken: Die Leiter sieht von oben wesentlich vertrauenswürdiger aus, als sie sich beim Betreten anfühlt.
Strolchi ist schließlich ein zukünftiger Löwe und kein lebensmüder Bergsteiger!
Während er überlegt, wie er die Welt vielleicht auf einem bequemeren Weg erobern könnte, ergeben sich im Haus genügend andere Beschäftigungsmöglichkeiten. Frauchen putzt, und Strolchi hilft. Dass sie ihn dabei beinahe mit einem grauen Putzlappen verwechselt, ist allerdings eine Frechheit. Schließlich besitzt er ein ausgesprochen wertvolles Fell!
Auch seine sprachliche Entwicklung macht Fortschritte. Strolchi beherrscht Laute, für die Frauchen nicht einmal passende Buchstaben findet. Dabei hat er längst verstanden, dass man mit der richtigen Tonlage erstaunlich viel erreichen kann. Und weil seine Tagebücher inzwischen sogar in eine andere Sprache übersetzt werden, beschäftigt ihn eine wichtige Frage: Warum machen Menschen die Verständigung eigentlich so kompliziert? Katzen kommen schließlich überall mit Miau zurecht.
Doch Strolchi hat größere Pläne, als nur die menschliche Sprachverwirrung zu lösen.
Er möchte zum Friseur!
Genauer gesagt zu seinem Flaschenfrauchen, bei dem er aufgewachsen ist. Dort soll man ihm endlich die Ohrhaare aufdrehen. Eine pinkfarbene Haarspülung wäre ebenfalls nicht schlecht. Und Prosecco gehört selbstverständlich dazu. Warum Frauchen immer allein dorthin geht, ist ihm vollkommen unverständlich.
Dann bekommt er tatsächlich Gelegenheit zu einem Besuch in seinem früheren Zuhause. Er trifft Chango und seinen Halbbruder Gandalf wieder. Doch plötzlich stellt sich heraus, dass eine Rückkehr an einen vertrauten Ort ganz anders sein kann, als man sie sich vorgestellt hat. Und dass ein anderer Kater es wagt, sich in Strolchis Tasche breitzumachen, verbessert die Stimmung nicht unbedingt.
Zu Hause dagegen ist Strolchi eindeutig der Chef. Jedenfalls aus seiner Sicht.
Besonders nachts, wenn seine Menschen schlafen, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Eine Rolle Klopapier, eine Fanpostkiste und ein paar unbeaufsichtigte Leckerchen reichen bereits für ein ausgezeichnetes Unterhaltungsprogramm. Dass zerbrechliche Gegenstände bei solchen Veranstaltungen grundsätzlich ein gewisses Risiko tragen, sollte inzwischen allgemein bekannt sein.
Strolchi denkt deshalb schon über eine größere Party nach. Mit den Katzen aus der Nachbarschaft. Und Papphütchen. Unbedingt Papphütchen!
Allerdings entwickelt sich das Familienleben auch ohne zusätzliche Partygäste zunehmend turbulent. Frauchen verletzt sich, Strolchi übernimmt wichtige Büroaufgaben, und bei all dem Stress muss schließlich irgendjemand dafür sorgen, dass ausreichend geschlafen wird. Seine Fanpostkiste eignet sich dafür hervorragend.
Außerdem rückt ein bedeutsamer Tag näher: Strolchi wird fünf Monate alt!
Ein Anlass, den seine Menschen seiner Meinung nach viel zu wenig würdigen. Überhaupt ist ihre Einstellung zu Geburtstagen dringend verbesserungsbedürftig. Strolchi hat schließlich Wünsche. Viele Wünsche. Sehr viele Wünsche.
Und nebenbei wächst eine Liste, über die seine Menschen vermutlich weniger begeistert sind als er selbst.
