
© Texte, Bilder und Cover: Beatrice Kobras
Der Reichtum des Lebens
An einer lauen Spätsommernacht, an der sich weiße Wolken über das Himmelszelt ausbreiteten und die Bäume ihnen ihre Äste weit entgegenstreckten, ließ eine Nachtigall sich nieder, auf einem hohen Ast. Sie streckte sich und reckte sich, bis ein Mädchen aus dem danebenstehenden Haus trat. Es richtete seinen Blick in den Himmel und seufzte: „Och, keine Sterne heute Nacht.“. Da erhob sich die Nachtigall vom Baume und flog hinunter zu dem Mädchen.
„Warum bist du nur so traurig?“. Das Mädchen blickte die Nachtigall an und antwortete ihr: „Ach weißt du, kleine Nachtigall, ich traf einen Jungen und er ist sehr weit weg von hier. Er suchte den schönsten und größten Stern am Himmel und er schenkte ihn mir. Jeden Abend um diese Zeit wollten wir uns treffen dort oben mit unseren Blicken, und nun sind all die Wolken dort.“. „Das ist ein schönes Geschenk“, antwortete die Nachtigall. Und das Mädchen erwiderte: „Das schönste überhaupt.“.
„Warum so genügsam?“, fragte die Nachtigall. „Genügsam?“, fragte das Mädchen. „Es ist das schönste Geschenk, das man bekommen kann.“. „Die anderen Mädchen gehen aus, lassen sich umgarnen und beschenken und du hast nur diesen einen Stern so weit weg von hier?“.
„Aber was gibt es Schöneres?“, fragte das Mädchen. „Zu wissen, zu spüren, dass es jemanden gibt, der genau jetzt den Blick nach oben richtet und an einen denkt?“. „Nein!“, antwortete die Nachtigall. „Etwas Schöneres, das gibt es wirklich nicht.“ Sie reckte ihren Kopf nach oben, doch die Wolken schwanden nicht. „Was würdest du dir wünschen, hättest du nur einen Wunsch frei?“, fragte der Vogel und sah das Mädchen erwartungsvoll an. „Nicht nur seinen Blick zu treffen dort hoch oben, sondern ihn. Selbst nur für einen kurzen Augenblick.“. „Nur ihn zu treffen dort oben auf dem Stern?“, fragte die Nachtigall nochmals nach. „Kein Reichtum?“.
„Aber Liebe ist doch Reichtum!“, erwiderte das Mädchen. „Sie ist der Reichtum des Herzens. Man kann sie nicht kaufen und nicht stehlen. Sie ist ein Geschenk. Das größte aller Geschenke.“. Die Nachtigall spürte, es war ihr voller Ernst. Es war die Reinheit ihres Herzens, die die Nachtigall überzeugte und sie berührte. So breitete sie ihre Flügel aus und sang ihr schönstes Lied. Da verzogen sich die Wolken und zwei weiße Tauben bahnten sich ihren Weg. Die eine flog weiter, die andere ließ sich vor dem Mädchen nieder.
„Komm! Ich fliege dich ins Glück!“. Ohne zu überlegen stieg das Mädchen auf den Rücken der Taube, und als sie sich erhoben und in Richtung Himmel flogen, gesellte sich die zweite Taube mit dazu. Und als das Mädchen ihren Blick in seine Richtung nahm, da sah es ihren Liebsten auf dessen Rücken. Die Blicke des Paares trafen sich und ihre beiden Augenpaare glänzten mehr, als alle Sterne des Himmels zusammen. Von ihrem Stern kamen sie nie wieder zurück. Sie lebten in dem Augenblick, der niemals endete. Nur der Stern, er glänzte noch heller und strahlte noch schöner. Und die Nachtigall, sie singt ihre Geschichte noch heute.
Hör ganz genau hin und richte deinen Blick in den Himmel, dann wirst Du die Reinheit der Liebe spüren, für einen ganzen Augenblick.
Dienstag
Seit Wochen passierte grundsätzlich an jedem Dienstag eine kleine Katastrophe. Mal Große, die ihr Herz zerrissen, mal Kleine, wie morgendliches kaltes Duschen. Wenn sie nur diesen einen Tag der Woche aus den Kalendern streichen könnte, das würde vieles leichter machen, da war sie sicher. Keine Dienstage mehr von Traurigkeit erfüllt und auch kein kaltes Wasser.
„Wo kämen wir hin, wenn du bald alle Tage aus der Woche streichen würdest?“, wurde sie gefragt. „In eine friedlichere Welt!“, hat sie geantwortet. Doch alleine konnte sie dies nicht entscheiden. So zog sie los durch alle Häuser dieser Stadt, läutete an jeder Tür und fragte, ob man was dagegen hätte, die Dienstage aus den Kalendern streichen und erhielt unterschiedlichstes an Antworten. Bei den Armen war es der nächste Zahltag. Sie konnten nicht darauf verzichten, denn dann wären sie ohne Brot die nächste Zeit. Bei den großen Reichen ging es nicht. Sie hatten wichtige Termine, die ihren Angestellten die Arbeit schaffte. Würden diese Dienstage wegfallen, gäbe es große Katastrophen auf der Welt.
Ein kleiner Junge war an einem Dienstag mit seinem besten Freund verabredet, der aus der Stadt gezogen war, den er nun besuchen wollte – nächsten Dienstag. Einem jungen Mädchen war ihr Herz zersprungen an einem Mittwoch und hasste diese Tage nun. Und da der Schmerz so tief saß, war sie auch für die Streichung der restlichen Tage einer jeden Woche. Kinder würden nicht geboren, Alte, Kranke, könnten nicht gehen von dieser Welt. In armen Ländern wäre es ein Tag, an dem sie nicht hungern müssten. Verliebte könnten sich nicht finden, wenn dieser Tag nun fehlte. Würden alle Dienstage nun ab sofort gestrichen, wäre es für vieles gut, doch auch für vieles eine noch größere Katastrophe. Wo war hier die Ausgewogenheit?
Es war Nacht geworden an diesem Dienstag und sie zog über eine lange hohe Brücke, auf dessen Brüstung ein Verzweifelter stand und in den Abgrund starrte. „Hast du etwas dagegen, wenn ich die Dienstage aus den Kalendern streiche?“, fragte sie. „Ja!“, schrie er, denn sonst könnte ich heute nicht springen und müsste weitermachen mit dem beschissenen Leben. „Wäre das so schlimm?“, fragte sie den Verzweifelten, der ihr Herz berührte. „Ich habe alles verloren, es geht nicht weiter!“. Und er setzte sich auf die Brüstung dieser Brücke und berichtete sein Leid. Doch sie konnte ihm Mut machen, ihm neue Wege zeigen, ihm das Leben in schönsten Farben schildern.
„Und du willst diese Tage streichen?“, hat er zum Schluss gefragt. „Du gabst mir mein Leben wieder. Hast mir Mut gemacht und meine Augen mir geöffnet. Auf diesen Tag möchte ich nicht verzichten, denn jetzt weiß ich, was wirklich wichtig ist im Leben. Das Leben besteht nicht nur aus schönen Tagen. Auch die Schlechten machen Leben aus. Und wenn wir uns sehr traurig fühlen oder gar verzweifelt, wir können doch noch fühlen und auch empfinden.“.
So blieb der Dienstag im Kalender stehen und sie schlenderten von dannen in eine neue Welt, die sie nun mit andren Augen sahen und Verzweifelten die Hoffnung gaben.
Allein im Mondschein
Es war ein rauschendes Fest dem Ende zu gegangen und ein wunderschönes Mädchen in prächtigem Ballgewand hat sich auf den Weg nach Haus begeben. Alleine ohne Kutscher und Begleiter. Es war eine prachtvolle Sternennacht. Der Mond war rund und voll und erhellte diese klare Nacht, die ihren Mantel schützend über die schlafende Welt legte. Der Weg führte sie durch einen Wald, über Wiesen und auch über Felder. Und auf einer schönen Waldeslichtung warf sie sich rücklings auf den Boden und beobachtete das große Sternenmeer. Schon lang ist ihr nicht mehr so gut gegangen wie an diesem Abend. Die Ballgäste hatten sie umschwärmt, ihre Tanzkarte war vollgeschrieben und sie konnte keine Minute auch nur rasten. Sie hat sich prächtig amüsiert. Doch keiner der anderen Besucher und der Verehrer war der, den sie für ihr Leben je genommen hätte. Sie wusste, was sie im Leben wollte, und es gab nur einen, der sie seit langem interessierte. Sie sah ihn des Öfteren, jedoch nur nachts. Am Tag ist er ihr noch nie begegnet. Doch er war es, dem all ihre Gedanken je gehörten, ob sie wachte oder schlief.
In der Ferne hörte sie aus dem Dorfe Glockenleuten. Langsam richtete sie sich auf und blickte in die Ferne, bis sie ein dunkler Umhang streifte, sie seine Gegenwart empfand und einen Stich in ihrem Hals verspürte, der grenzte zwischen Leidenschaft und Schmerz. Ein Gefühl, das sie nicht kannte und sie fest die Augen schloss. Und als sie ihre Lieder wieder öffnete, da stand er vor ihr und reichte ihr die Hand, um sie des Weges zu geleiten. Ein Gefühl des Glücks durchströmte sie und sie fühlte sich ganz wie in Trance. Er führte sie zu einem Schloss, auf dem ein großer Ball noch in vollem Gange war, dessen Musik bis draußen tönte. An einer großen Fackel blieb er stehen, berührte ihr schwarzes Haar und hauchte ihr liebevoll ins Ohr: „Du wirst die Königin der Nächte sein.“ Und geleitete sie hinein in einen großen Ballsaal, durch welchen das Licht des Mondes zart und weich fiel und große Kerzenleuchter rings herum das Umfeld warm erleuchteten. Er tanzte mit ihr die ganze Nacht, bis sich der erste Sonnenstrahl mit dem Gesang eines Vogels durch die Fenster zwängte. So reichte er ihr seine Hand, griff nach einem Kerzenleuchter und geleitete sie zu einer prächtigen goldnen Tür, die in die Katakomben führte.
„Nun wirst du auf ewig bei mir sein.“, sprach er zu ihr und geleitete sie hinab ins Reich des Dunklen.
Der Schmetterling
Es war ein kleiner Schmetterling, der versehentlich mit einer Mail durch das große Netz der Daten kam. Er befreite sich beim Öffnen dieser Mail und flog schnurstracks mitten durch das Herz in den Bauch der Empfängerin hinein. Dieser Platz gefiel dem Schmetterling sehr gut und nährte sich durch viele Mails. Er wuchs und wurde größer, streckte seine Fühler aus. Doch er war so sehr allein und sendete Signale.
Es dauerte nicht lange, da bekam er Antwort auf die Signale und mit vielen Mails des Absenders, von dem er kam, da kamen mehr von seiner Art. Einfach so herbeigeflogen und auch sie wurden größer und vermehrten sich. Unendlich breiteten sie sich aus, beflügelten die Trägerin, gaben Kraft und viel Gefühl. Sie halfen, den Absender herbeizuholen und haben es geschafft. Sie umgaben das Paar mit ihren bunten Flügeln in den schönsten Farben der Natur, die vielfältiger waren, als der Regenbogen, der die beiden voneinander an Entfernung trennte. Sie suchten den Eingang durch sein Herz, doch es blieb ihnen verschlossen. Nur von außen konnten sie es ein ganz klein wenig nur berühren. Sie versuchten es durch eine Mail, durch die auch sie gelandet waren, wo sie sind, doch prallten ab. Sie hoben die Versenderin auf den hohen Regenbogen, wo sie blicken konnte nach dem Versender ihres ersten Schmetterlings. Sie suchte nach ihm auf der höchsten Stelle dieses Bogens, doch die Pforte, die zu ihm führte, die konnte sie nicht durchdringen und überwinden. Sie blieb für sie verschlossen.
„Willst Du sie nicht für mich öffnen?“, fragte sie immer und immer wieder. „Ich versuche es, doch ich kann es nicht!“, war seine Antwort. Sie hätte es ihm zeigen können, sie hätte ihm dabei helfen können, doch sie tat es nicht. Er musste aus eigener Kraft diese steile Anhöhe erklimmen, sonst wäre das Ergebnis ohne Wert und nicht von Dauer. So streckte sie die Arme aus und zeigte allen Schmetterlingen den Weg zurück und schickte sie mit schwerem Herzen fort. Nur einen Einzigen hat sie behalten, der in ihrem Herzen wohnen darf. Er trägt den Namen der Erinnerung an eine Zeit der Hoffnung, der Träume und der Wünsche, eine Zeit der Kraft und grenzenlosen Energie, in der sie den Regenbogen noch erklimmen konnte. Nun hat fast alles wieder seine alte Ordnung, nur die Einsamkeit, die bleibt.
Doch da ist ja noch der Schmetterling der schönen, viel zu kurzen Zeit, der daran erinnert, dass es noch viele dieser Sorte gibt, die eines Tages wiederkommen werden von heute unbekanntem Ort und unbekanntem Sender zu einer andren Zeit. Und vielleicht, irgendwann wird auch von einem anderen die höchste Stelle des Regenbogens noch erklommen, von dem aus man zusammen über Wolken zu den Sternen wandern kann und sich zu zweit an deren Glanz erfreuen und die Einsamkeit für immer enden lassen, umgeben von den Schmetterlingen in schönsten Farben und Facetten dieser Welt.
Astrojo
Der kleine Jo wohnte mit seinen Eltern auf dem Lande. Er war kein Kind wie jedes andere. Er war pausbackig und auch sonst recht rund mit Sommersprossen und dünnem blonden Haar. Meist, wenn es dunkel wurde, krabbelte er auf den Dachboden und betrachtete durch die große Dachluke von seinem Elternhaus den Mond und all die Sterne auf unsrem großen Himmelszelt. Dabei träumte er stets vor sich hin, vergaß jedes Gefühl für Raum und Zeit und hörte auch nicht, wenn ihn seine Eltern riefen. Daher nannten ihn all seine Freunde kurz und knapp nur Astrojo.
Astrojo lebte in seiner eigenen Welt und sein Zimmer mochte er nie aufräumen. Seine Eltern versuchten alles. Sie versuchten ihn zu belohnen oder zu bestrafen, sie versuchten es mit guten und mit bösen Worten, doch Astrojo interessiert sich nur für seine Sterne. Für nichts anderes, was ihn umgab. Auch waschen mochte Astrojo sich nicht. Seine Haare hingen ihm in Strähne in sein Gesicht. Auch ein starker Windstoß konnte seine Haare nicht zum wehen bringen, denn sie kleben fest an seinem Kopf. Riechen tat er auch nicht gut und wunderte sich immer, warum er allein spielen musste. Nicht einmal mit List und Tücke, geschweige denn mitziehen und zerren brachten seine Eltern ihn auch nur in die Badewanne. Nichts wäre Astrojo lieber, als irgendwo allein mit seinen Sternen sein.
Eines Tages sagten seine Eltern: „Jo, wenn du es so willst, dann musst du allein leben und glücklich werden mit deinem Gestank und Deinem fettem Haar.“. So zog Astrojo in eine große Stadt, in das oberste Stockwerk des höchsten Gebäudes, um seinen Sternen noch näher sein zu können. So lehnte er nun Nacht für Nacht an seinem Fenster, bis die Sonne wieder am Himmel erschien und die Sterne im Licht des Tages verschwunden waren.
Eines Tages traf Astrojo drei Freunde. Sie unterhielten sich mit ihm. Trotz, dass sein fettiges Haar schon triefte und alle Menschen ihn längst auf der Straße mieden, da ihn eine starke Duftwolke umhüllte und ihn eine Schar von Fliegen auf all seinen Wegen stets begleitete. „Ich zeig euch meine Sterne!“, teilte Astrojo freudig mit, da er sich so freute, die drei bei sich zu haben. Doch als sie seine Wohnung betraten, trauten sie ihren Augen nicht. Es war schrecklich, was sie sahen. So viel Schmutz haben sie noch nie zuvor gesehen.
Das Zimmer war mit einer zehn Zentimeter dicken Staubschicht bedeckt. Das schmutzige Geschirr stapelte sich in hohen Türmen auf der Spüle und es hatte sich schon dicker Schimmel angesetzt. Aus einer Ecke spross ein Fliegenpilz und Spinnweben hingen zwischen seinen Schränken.
Als einer seiner neuen Freunde auf die Toilette ging, hob das Mädchen den Klodeckel nach oben und fand eine vor Schmutz schwarze Toilettenschüssel vor. Moos und Pilze gedeihten in Dusche und Waschbecken. Eine Kakerlake kreuzte ihren Weg und sagte: „Guten Tag!“. Dann verschwand sie in der Wand.
„Das ist kein Bad, das ist ein Busch-Klo!“, schrie das Mädchen. So blickten sich die Freunde an und beschlossen, ihm zu helfen. Sie spuckten in die Hände und hoben den einst weißen Flokati Teppich hoch, der nun von Staub mehr als nur ergraut war. Sie wollten ihn nach unten bringen, um ihn auf dem Hof gehörig auszuklopfen. Die dicke Staubschicht löste sich jedoch sofort von dem Teppich die seine Freunde übel husten ließ. Doch durch die nur leichte Bewegung tanzten die Staubflocken eng durch das gesamte Zimmer. Es blieb nur, den Teppich aus dem Fenster zu befördern und man sah nur noch eine dicke Staubwolke. Man konnte die Hand nicht mehr vor Augen sehen. Jos neue Freunde rannten nun zur Tür und liefen hustend, keuchend, röchelnd nach draußen, da sie zu ersticken drohten. Von diesem Zeitpunkt lehnte Astrojo wieder allein an seinem Fenster und sah nachts in die hellen Sterne. Lediglich eine Kakerlake gesellte sich gelegentlich zu ihm, um ihm Gesellschaft zu leisten, denn seine Freunde hat er nie wiedergesehen. Nur der Flokati Teppich auf dem Innenhof und die Fußspuren der Flucht auf dem verstaubten Boden seiner Wohnung erinnerten an den einzigen Besuch, den er im Leben je bekommen hatte.
Bruno der Bär
Bruno lebte mit seiner Familie in den Bergen und Wäldern Italiens und wollte endlich einmal etwas von der Welt sehen. Immer nur die Bienenstöcke ausräubern, das machte ihm keinen Spaß mehr. Oft saß er versteckt am Rande der Wälder und beobachtete das Treiben in den Städten und Dörfern. Dann sah er Menschen, die in Cabrios fuhren, und der Pelz auf ihren Köpfen im Wind wehte. Er sah sie in Eisdielen sitzen, in Cafés und Pizzeria. Das Geschehen außerhalb des Waldes hat Bruno sehr neugierig gemacht, doch seine Eltern warnten ihn. Sie selbst hatten einen Ausflug in die Stadt gemacht, da sie das Leben der Menschen kennen lernen wollten und auch Eis und Pizzas probieren, doch die Menschen liefen vor ihnen davon und begannen sie zu jagen und beinahe hätten sie es nicht mehr in ihre Höhle geschafft. Doch Bruno war sehr neugierig und die Erfahrungen seiner Eltern interessierten ihn nicht. So machte er sich eines Nachts, als seine Eltern schliefen heimlich aus dem Staub. Vorsichtig schlich er aus der Höhle hinaus, doch er trat auf einen Ast und erstarrte.
Sein Vater brach sein Schnarch-Konzert ab, gähnte, drehte sich um und setzte seinen friedlichen Schlaf fort. Als Bruno außerhalb der Höhle war, rannte er so schnell er konnte. Als die Sonne aufging, rannte Bruno immer noch, damit seine Eltern ihn nicht von seinem Ausflug abhalten konnten. Und als er stehen blieb, fand er sich auf dem Gipfel eines Berges wieder. Bruno streckte sich und reckte sich und gähnte vor Müdigkeit und blickte in das Tal hinab und mit seinen empfindlichen Ohren horte er Musik von weit her, die ihn sehr neugierig machte. Er nahm den Geruch von fremdartigen kulinarischen Genüssen war und seine Neugierde wurde geweckt. Rasch setzte Bruno seinen Weg fort, um den Geheimnissen der Gerüche auf den Grund zu gehen.
Als Bruno im Tal angekommen war, die Musik immer lauter wurde, blickte er neugierig aus dem Wald hinaus und sah ein großes Zelt, aus dem er Stimmen hörte. Vorsichtig schlich er sich zum Zelt und spähte durch eine Ritze. Bruno sah Menschen, die trompeteten und ein gelbes Getränk mit viel Schaum darauf aus großen Behältern mit einem Henkel daran tranken und gebratene Hühner aßen und ganz kurze Hosen hatten sie an und sprangen in der Mitte des Zeltes umher und schlugen sich auf ihre Schenkel und Fußsohlen.
Plötzlich erschreckte sich Bruno, und schrie vor Schreck auf. Zu ihm war ein Kleinkind gekrabbelt, das ihn an dem Fell seiner Füße zupfte, die unter dem Zelt hervorschauten. Durch das Brüllen des Bären erschrak auch das Kind und schrie aus voller Kehle und alle Menschen, die in dem Zelt waren, setzten in die Schreie des Kindes und des Bären ein und warfen ihre Maßkrüge nach dem Bären, um ihn von dem Kind zu schützen. Bruno schnappte sich schnell einen der fliegenden Krüge und flüchtete zurück in den Wald. Die Menschen folgten ihm, haben ihn aber schon bald aus den Augen verloren, so dass er sich gemütlich unter einen Baum setzen konnte und den kläglichen Rest mit der großen Tatze aus dem Bierkrug naschte, bis er mit der Pfote stecken blieb, da er diese zu einer Faust geballt hatte, damit er auch den letzten Tropfen mit seinem Fell aufnehmen konnte.
Dass er seine Tatze nicht mehr herausbekam, machte ihn so wütend, dass er mit seinem Arm so lange um sich schlug, bis der Bierkrug in hohem Boden davonflog und kurz darauf hörte er einen menschlichen Schrei. Wo sich Menschen befanden, da musste noch mehr von dem feinen Inhalt seines Kruges sein. So lief er in die Richtung, aus der er den Schrei gehört hatte und sah eine kleine Berghütte mit zwei Menschen davor. Auch diese erschreckten sich vor ihm und liefen davon. So schlich Bruno sich vorsichtig in die Berghütte hinein und suchte mit seiner feinen Nase das Gebräu, welches er aus seinem Krug genascht hatte. Bier fand er leider nicht. Dafür aber eine Menge anderer Leckereien, über die er sich her machte.
Die Sachen der Menschen schmeckten ihm viel besser als die Bienenstücke, die er im Wald fand. So machte er sich auf den Weg, um noch mehr von den menschlichen Lebensmitteln zu finden. Von dem Berg aus entdeckte Bruno einen See und sah, wie die Menschen sich darin vergnügten und im Wasser herumtollten. Eine kleine Erfrischung hätte ihm auch gutgetan und lief nun in die Richtung des Sees, um sich ein kleines Bad zu gönnen.
Sein Weg führte ihn über eine Straße, die in eine Stadt führte. Dort sah er große Fenster, in welchen Kleidung und Schuhe und andere Sachen ausgestellt waren, die er bisher nur an den Körpern der Menschen gesehen hatte. Nie hinter einem Fenster. Und wieder flüchteten die Menschen vor Bruno, als sie ihn bei seinem Schaufensterbummel entdeckten. Das stimmte Bruno traurig, denn er wollte doch so gerne die Menschen kennen lernen und mit ihnen zusammen aus ihren großen Krügen trinken. So kam er an einem Eiscafé vorbei und erinnerte sich an sein Zuhause und während die Menschen panisch aus dem Café flüchteten, nahm er auf einem der Bistrostühlen Platz und löffelte einen Eisbecher nach dem anderen leer, die die Menschen auf ihrer Flucht auf den Tischen zurückließen.
Bruno wurde traurig und fühlte sich so einsam. Alle Menschen flüchteten vor ihm. Niemand wollte ihm Gesellschaft leisten. Plötzlich hört Bruno lautes Hunde-Gebell und sieht eine Truppe Menschen anmarschieren und eine Herde vor ihnen her. Da bäumt Bruno sich auf, wird wütend und macht sich auf den Weg in den Wald zurück, ohne sein Bad nehmen zu können. Doch er drehte sich nochmals um und brüllte so laut er nur konnte und Menschen und Hunde blieben zurück. Nur einer der Hunde lief ihm hinterher. „Du nimmst die falsche Richtung!“, rief der Hund. „Da musst du lang! In der Richtung bist du in Sicherheit!“.
Bruno folgte den Worten des Hundes und tatsächlich kam er auf diesem Wege in die Tiefe des Waldes. Die Menschen waren voller Angst vor dem Bären und feierten den Hund, der zurückkam als Helden, der den Bären in die Flucht geschlagen hatte, doch er hatte nur zu viele schlechte Erfahrungen mit seinem Herrn, der ihn immer schlug und wollte den Bären vor den Hieben der Menschen schützen. Das hatte er sich zur Aufgabe gemacht. Doch das Extramahl, das er für die falsch verstandene Tat der Menschen bekam, das schlug er auch nicht aus.
Die Menschen schmiedeten immer neue Pläne, um den Bären zu fangen. Sie bauten Fallen, ließen ihn durch ihre Hunde aufspüren. Doch der geprügelte Hund verhalf ihm immer wieder aufs Neue zur Flucht, bis sie eine dressierte Bärendame einsetzten und in den Wald schickten, um Bruno zu finden.
„Hallo Bärchen!“, sagte die Bärendame, als sie Bruno fand und blinzelte mit ihren langen Bärenwimpern. Bruno stutzte und sagte verwirrt: „Hallo.“. Und schon schlug sein Herz höher. Bruno nahm auf dem Baumstamm neben der Bärendame Platz und die beiden sahen sich in die Augen und schlossen diese nicht einmal mehr, um zu blinzeln, da sie beide Angst hatten, es könne sich nur um einen Traum handeln.
Noch während die beiden Bären sich ansahen, stand plötzlich der Hund vor ihnen, der Bruno schon ein paar Mal den richtigen Weg gezeigt hatte. „Schnell!“, rief der Hund aufgeregt. „Ihr müsst weg! Die Menschen kommen! Los folgt mir!“.
Da rannte der Hund voraus und führte die Bären zurück über die Berge und durch die Wälder, bis sie dort ankamen, von wo Bruno aufgebrochen war. Dort fanden sie eine Höhle, in der sie bis heute in Frieden leben und ihren Bärenjungen von ihrem Abenteuer erzählen. Der Hund war bei ihnen geblieben, damit sein Herr ihn nicht mehr schlagen konnte und wachte über die Bärenfamilie.
Petz, der jüngste Sohn ist an den Geschichten seines Papas sehr interessiert und er muss immer wieder von seinem Ausflug erzählen und immer wieder schwärmt Bruno von dem Bier, das er bei den Menschen auf der anderen Seite der Berge gefunden hatte. Und nachts, wenn alle schlafen, arbeitet Petz an einem geheimen Plan, wie auch er einmal das Bier der Menschen probieren kann und es für seinen Papa in großen Fässern nach Hause schaffen kann.
Das Gold des Waldes
Es war ein Mädchen, das lebte abseits eines Dorfes und hatte ihr kleines Haus direkt auf der Lichtung eines Waldes. Sie genoss die Ruhe und die Abgeschiedenheit und es gab für sie nichts schöneres, als die Tiere des Waldes zu beobachten, wenn sie ein wenig scheu und auf der Hut aus dem Schutz der Bäume hervortraten und sich neugierig auf der Wiese vor ihrem Haus umsahen.
Im Sommer grasten Rehe in ihrer Sichtweite und ein Häschen schnupperte an all den bunten Blumen. Doch nun war der Winter nicht mehr fern. Der Herbst war angebrochen und verfärbte das Laub der Landschaft in seinen schönsten Farben. Und die Abendsonne hüllte die Berge in ein warmes Licht und die Tannen des Waldes warfen ihre Zapfen ab. Es war Zeit, für den Winter vorzusorgen. Im Dorf rauchten längst die Schornsteine und ihre Bewohner legten die Holzscheite in den Ofen, die sie am Abend nach getaner Arbeit wärmten. Doch die Holzscheite, die dort verheizt wurden verkauft und kosteten viel Geld. Das war das, was Marie nicht hatte. So beschloss sie eines Tages, in den Wald zu gehen und das vom Boden aufzuklauben, was die Bäume von sich warfen und sonst niemand wollte. Es war die einzige Möglichkeit für sie, nicht mehr so zu frieren.
An einem Morgen machte sie sich auf den Weg und bepackte sich mit Taschen und einem großen Korb. Es war unglaublich, was der Boden des Waldes für Schätze bereithielt, mit welchen sie den Winter überleben würde. Sie sammelte Äste, Zweige und unendlich viele Tannenzapfen. Zerzaust und verschwitzt kehrte sie zurück und schüttete all die Schätze ihres Waldes im Keller ihres Hauses auf. Doch als Marie am nächsten Morgen wieder losmarschierte bepackt mit Korb und Taschen, viel ihr ein Tannenzapfen auf den Kopf. Als sie den Blick nach oben wandte, sah sie ein Eichhörnchen auf einem Ast. Es stemmte die Vorderpfoten in die Hüfte und rief empört: „Hey, nimm uns unser Futter nicht!“. „Euer Futter?“, fragte Marie verwundert. „Ja! Unser Futter!“, bestätigte das Eichhörnchen. „Oh, das tut mir leid! Das wollte ich nicht!“, bestätigte sie voll schlechtem Gewissen. „Ich dachte, ihr nagt nur an den Zapfen oben in den Bäumen!“, fuhr sie fort. „Na und!“, sagte das Eichhörnchen. „Da unten ist unsere Notration! Such dir eine andere Stelle in diesem Wald! Das ist mein Baum!“, sagte das Hörnchen und zeigte auf die umliegenden: „Und der, der, der und der auch!“. Verschämt flüsterte Marie: „Verzeihung!“. So ging das Mädchen tiefer in den Wald. Doch als es sich erneut bückte, um einen der Tannenzapfen aufzuheben, hörte sie von hoch oben aus dem Baum: „Meins!“. „Entschuldigung!“, sagte sie und ging weiter. Auch beim nächsten Tannenzapfen hörte sie: „Meins!“ und beim nächsten: „Auch meins!“. „Aber so viel kannst du doch den ganzen Winter nicht verspeisen!“, flehte sie das Hörnchen an. „Na und?“, antwortete dieses ignorant. „Alles meins!“.
„Aber ich werde erfrieren, wenn du mir keinen dieser Tannenzapfen gibst!“. „Na und!“, antwortete das Eichhörnchen. Erst als sie eine tiefe Schlucht im Wald erreichte, sagte ihr das Eichhörnchen: „Was da unten ist, das kannst du meinetwegen haben!“. Marie blickte den Steilhang hinunter und überlegte, wie sie dort herunterkommen könnte und anschließend wieder hinauf. Das Eichhörnchen beobachtete sie kritisch. So setzte sie sich auf den Hosenboden und rutschte einfach hinunter. Wieder zu ihrem Haus zu kommen, das war ein Problem, dem sie sich auch noch später widmen konnte. Solange sie die Möglichkeit hatte, etwas zu sammeln, was sie am Abend wärmen würde, war nun das Wichtigste. So hob sie jeden Zapfen auf, den sie ergattern konnte und fand auch wieder einen Weg nach Haus.
Am nächsten Morgen taten ihr alle Knochen weh. Doch sie wusste, würde sie bis zum Winter nicht genug zusammentragen, würde sie den Frühling nicht erleben. So machte sie sich wieder auf den Weg. Als sie den Wald betrat, erblickte sie bereits das Eichhörnchen, das die Arme mahnend vor seinem Brustkorb verschränkte. „Ja, ja! Keine Sorge! Ich nehme dir dein Futter nicht!“. So ließ sie sich abermals die Schlucht hinunter. Wenigstens fror sie nicht, während sie die Tannenzapfen sammelte und anschließend war sie so müde, dass sie gleich zu Bette ging und sehr fest schlief vor Überanstrengung und Müdigkeit. So durchschritt sie den stark bemoosten Wald unterhalb der Schlucht und bückte sich nach einem Tannenzapfen, der nahe eines Baumstammes lag. Doch es schien, als würde er festgehalten werden, dort unten an dem Boden. So zog Marie, bis sie ihn endlich in den Händen hielt und in ihren Korb legte. „Hey!“, hörte sie es aus dem Moos her rufen. „Das ist meiner!“.
Als sie ganz genau zu Boden sah, sah sie ein kleines Männchen. „Oh, entschuldige!“, bedauerte sie. „Ich wollte dir den Zapfen nicht entreißen!“. „Dieser Zapfen wärmt mich den ganzen Winter über!“, teilte ihr das Männlein mit. Und als Marie ganz genau nach unten blickte, sah sie etwas, was sie erst für Nebel hielt. So gab sie ihm den Zapfen wieder zurück. Und als sie den nächsten aufklauben wollte, der ebenfalls am Waldboden im Moos festgewachsen schien, sah sie ein anderes Männchen. Sie wollte nicht für ihr eigenes Überleben andere Bewohner des Waldes schädigen. So hatte sie an diesem Tag nicht einen einzigen Tannenzapfen sammeln können.
Plötzlich tat sich vor ihr der Boden auf. Das Moos klaffte zurück, die Tannenzapfen flogen und vor ihr, den kleinen Männchen, dem Eichhörnchen, das über sie oberhalb der Schlucht wachte, tat sich der Geist des Waldes auf. „Das Gold des Waldes reicht für alle! Es ist für jeden genau so viel da, wie jeder braucht!“. Mahnend blickte er das Eichhörnchen auf seinem Ast an. „Auch für dich ist nur genug da. Du musst das Mädchen nicht in diese gefährliche Schlucht hinab schicken!“. Das Eichhörnchen ließ beschämt den Kopf fallen. „O. K.! Du kannst haben, was auf dem Boden liegt!“. Marie traute ihren Ohren nicht. „Ab morgen sammelst du dort oben. Auch du wirst genügend für den Winter finden!“, teilte ihr der Geist des Waldes mit und das Eichhörnchen machte sich von dannen.
Es dämmerte bereits. Und Marie machte sich langsam auf den Heimweg und war dankbar, dass sie nun die auf dem Boden liegenden Tannenzapfen mit sich nehmen durfte. Den Blick auf den Boden gerichtet, entdeckte sie eine Ansammlung von Pilzen. Sie betrachtete sie eine Weile und erfreute sich an dessen Anblick, bis plötzlich ein kleines Männlein darunter hervorgetreten kam.
„Du warst sehr sorgsam und wolltest niemandem etwas nehmen, was er zum Überleben brauchte. Aus diesem Grunde möchte ich dir etwas sehr wertvolles schenken!“, sprach es und hielt Marie einen glänzenden Tannenzapfen entgegen. „Der ist ja aus purem, reinem Gold!“, rief sie vollkommen überwältigt. „Ja, das ist er!“, bestätigte das Männlein, das unter diesen Pilzen wohnte. „Du hast nicht nur an dich gedacht, sondern auch an alle anderen Bewohner dieses Waldes, die die Tannenzapfen genauso brauchen, wie auch du. Nun kannst du diesen für teures Geld verkaufen, oder du steckst ihn mit der Spitze in den Boden vor deinem Haus und brauchst in deinem ganzen Leben nie mehr zu frieren.“, sprach er und hielt ihn ihr entgegen.
„Nie mehr frieren?“, fragte Marie. „Das wäre das wertvollste, was ich mir vorstellen kann!“. So ging sie rasch nach Hause. Steckte den goldenen Tannenzapfen mit der Spitze in die Erde vor ihrem Haus und ging zu Bett. Als der Morgen anbrach, schien Marie vollkommen geblendet von den Sonnenstrahlen, die es sich zur Aufgabe machten, die Welt zu wecken. Und als sie vor ihrem Hause trat, war aus dem goldenen Tannenzapfen ein mächtig großer Baum gewachsen.
„Nie mehr frieren!“, erinnerte sie sich der Worte des Männchens am Pilz. Und genau in dem Moment vielen viele Tannenzapfen und Holzscheite vor ihre Füße. Marie traute ihren Augen nicht. Es war so viel, wie sie für den gesamten Winter brauchte. Nun heizte sie an jedem Abend und saß mit einer Tasse Tee vor ihrem Feuer und war so dankbar, dass sie diesen Schatz des Waldes für sich bekommen hat. Doch plötzlich erschien das Männchen von dem Pilz direkt neben ihr. „Hast du keine anderen Wünsche?“, fragte es. „Ich muss nicht frieren, dafür bin ich dir sehr dankbar!“. „Du bist sehr bescheiden und dein Herz sehr rein. Der Baum wird dir drei weitere Wünsche erfüllen!“, sprach es und war weg.
„Drei Wünsche?“, fragte Marie, doch sie erhielt keine Antwort mehr. So trat sie vor ihr Haus, direkt vor den Baum und sprach: „Ich habe also drei Wünsche frei?“. In diesem Moment fielen drei goldene Tannenzapfen von dem Baum direkt vor Maries Füße. „Ich wünsche mir, dass das Eichhörnchen genug Futter hat und den Winter gut übersteht!“, sprach Marie und der erste Tannenzapfen schoss wie eine Rakete in die Höhe. „Ich wünsche mir, dass keines der Männchen unten in der Schlucht im Winter frieren muss!“, sprach sie und der nächste Tannenzapfen ging vor ihr in rasender Geschwindigkeit in die Luft. „Ich wünsche mir, dass jedes Lebewesen dieses Waldes, dieser Welt, den Winter gut übersteht!“. Als dies ausgesprochen war, schoss der nächste Zapfen weit davon und das Männchen stand wieder vor ihr. „Ja hast du denn keine Wünsche, ganz allein für dich?“. „Nein!“, sprach Marie. „Dann sag es diesem Baum, wenn du einen findest. Er wird dir jeden Wunsch ein ganzes Leben lang erfüllen!“. Mit diesen Worten war er verschwunden.
Nun vergingen viele Jahre, an welchen Marie vor ihrem Feuer saß, der Baum wuchs und recht gedieh und keines der Tiere und Wesen im Wald je Hunger leiden mussten. Doch eines Tages stand Marie vor ihrem Haus, hörte Musik aus dem Dorf und Lachen. Sie hörten, wie Menschen feierten und dachte: „Wie gern wäre ich nicht mehr allein und würde mit ihnen tanzen und feiern.“. In diesem Moment fiel ein goldener Tannenzapfen zu Boden, der sogleich in rasender Geschwindigkeit nach oben scholl.
„Oh nein, ich wollte nicht undankbar sein!“, sprach sie. Und sogleich fuhr vor ihrem Hause eine Kutsche vor, aus welcher ein Prinz stieg und sie nach dem Wege fragte. „Willst du mich begleiten und dort mit mir tanzen und feiern?“, fragte er. So stieg Marie in seine Kutsche. Als sie am Festplatz angekommen waren, verbeugten sich alle vor dem Prinzen und sahen, wer ihn zum Fest begleitete.
„Das arme Mädchen aus dem Walde!“, raunte es durch alle Reihen. „Wie ist sie an den Prinzen gekommen?“. Marie zog den Kopf ein, doch der Prinz ließ sich nicht beirren und tanzte nur mit ihr die ganze Nacht durch. Und am Ende fragte er: „Willst du mich auf mein Schloss begleiten?“. „Aber das geht nicht!“, stotterte Marie. Und in diesem Moment regnete es alle goldenen Tannenzapfen von ihrem Baum über dieses Dorf. Das Männlein aus dem Pilz-Wald erschien und auch der Geist des Waldes.
„Geh mit ihm!“, riefen sie. „Greif nach deinem Glück!“. „Aber ich bin doch nur ein armes und einfaches Mädchen!“, rief Marie zurück. Der Prinz reichte ihr die Hand. „Hör auf dein Herz! Greif nach deinem Glück!“, hörte Marie von diesen Wesen, die niemand außer ihr wahrnehmen konnte. Der Dorfbevölkerung stockte der Atem. Dieses Mädchen, das niemand kannte, sollte zur Prinzessin werden?
„Komm mit mir!“, wiederholte der Prinz seine Worte. „Komm mit auf mein Schloss!“.
Marie erblickte das Eichhörnchen, das sie mit den Bewegungen seiner Pfoten aufforderte, dem Prinzen zu folgen.
„Und was ist mit meinen Freunden?“, fragte Marie entsetzt. „Sie können immer bei dir sein!“. Und plötzlich saß das Eichhörnchen in einer goldenen Nussschale mit einem Gespann von Elfen.
„Mein Haus? Mein Baum?“, fragte sie noch weiter. „Du kannst jederzeit zurückkehren!“, antwortete der Prinz.
Marie ging mit ihm und verbrachte ihr Leben mit ihrem Prinzen an jenem Ort, den sie von ihrer Waldlichtung aus zwischen den Bäumen sehen konnte und sich immer fragte, wie wohl das Leben dort oben auf diesem Schloss auf diesem Hügel sein würde.
Das Käse-Rad
Es war einmal ein junger Schweizer, der in der Weihnachtszeit zu jeder nur passenden Gelegenheit ein Käsefondue verschlang. Und weil er wusste, dass es da jemanden gab in einem Land, der Käsefondue über alles liebte, und man es dort nicht ohne weiteres bekam, da schrieb er vor diesem Mahl, das er nun bald wieder mal verzehren würde. So kam es, dass er bald jeden Tag dieses Mahl zu sich nahm. Und da sich solch Gedanken rächen, tat dies auch seine Waage. Täglich zeigte diese mehr an, täglich wurde dieser schwerer. Sein Körper nahm langsam Rundung an, die einem Rad aus Käse glichen. Und eines Tages, als er erwachte, da lag er eine Etage tiefer in seinem Bett. Es war entzweigebrochen. So lag er mitten drin dazwischen.
Er versuchte sich zu erheben, doch es wollte nicht gelingen. Und mit müh und Not konnte er dem Bettgestell entrinnen. Mühevoll bewegte er sich aus seinem Trümmerhaufen, der einst sein Bett war nun hervor. Und es schien ihm, als würde er nur rollen. Und als er angekommen war in seinem Bad, sich auf die Waage schleppte, da konnte er die Anzeige darauf nicht mehr erkennen. Und als er in den Spiegel sah, da sah er nur ein großes Käse-Rad. Das Wasser rann ihm schier im Munde bei dessen Anblick. Doch als er sich umsah in seinem Bad, da konnte er nicht eines nur erblicken. Er wundere sich, blickte in den Spiegel und an sich herunter. Und da sah er einen großen Käseklumpen. Der Klumpen hatte eine Nase, Augen und einen Mund und als er ganz genau hinsah, da erkannte er seine eigenen Züge in dem Gesicht von Käse. So war er zu dem geworden, was er so gern verzehrte.
Von nun an rollte er wohin er konnte als lebensgroßes Käse-Rad. Doch noch hatte er Glück, es war noch Winter. Doch was sollte im Sommer werden, wenn es warm und wärmer wurde? Dann würde er dahin schmelzen nicht mehr nur Käse sein, sondern auch Fondue. Oder was sollte werden, wenn eine Verfrorene die nur die Heizung aufdrehen würde?
Auch wenn es hieß „Man ist, was man isst“ wollte er als Käse enden, gar als Fondue? Er würde dahin schmelzen, sich mit seinem Land vereinen. So grübelte er und studierte und schwor bei Gott, niemanden mehr mit seinem und dessen Laib-Mahl so zu quälen, wenn er nur seinem Schicksal als Käse-Rad entrinnen könne. Und so entwickelte er sich plötzlich zurück vom Käse-Rad zum Menschen und quälte niemanden mehr mit den Gedanken an dessen Leibgericht.
So wandelte sich auch sein Bett zurück vom Trümmerhaufen in ein Bett, er konnte wieder laufen und musste nicht mehr rollen und auch seine Waage zeigte ihm wieder, was er wog. Und von diesem Tage an nahm er dieses Gericht nur noch in Gesellschaft derer ein, die sich dafür auch verzehrten.
Und die Moral von der Geschichte – quäl keinen mit dem was Du hast und ein anderer so leicht nicht haben kann.
Das Tor zum Glück
Der Winter neigt sich langsam seinem Ende, die Sonne erwärmt endlich die Erde, die letzten Schneeflocken, die auf den Blättern ruhen formen sich zu Tropfen, lassen sich zu Boden fallen, versickern in der sich langsam erwärmenden weichen Erde. Tulpen, Krokusse und Schneeglöckchen nehmen ihre gesamte Kraft zusammen, arbeiten sich langsam in die Höhe, strecken vorsichtig die ersten Spitzen aus dem Boden, nehmen die Sonnenstrahlen in sich auf und recken sich ihr ganz langsam entgegen. Die Tiere erwachen aus ihrem tiefen Winterschlaf, strecken sich und recken sich, reiben ihre noch ganz kleinen Äuglein, als sie ihre Höhlen verlassen und in das Sonnenlicht blinzeln. Dort wärmen sie ihre noch kalten Bäuche in der warmen Sonne, deren Strahlen immer stärker werden. Kinder kommen aus den Häusern, spielen Fangen und Verstecken, und bringen Lachen in die verschlafene Welt. Sie klettern auf die Bäume, die ihre Blätter vorsichtig sprießen lassen, die bald in vollem Grün sein werden und von bunten Blüten über und über bedeckt sein werden.
Die Menschen verlassen freudig ihre Häuser, lassen sich in den Bann von der Natur ziehen, sich einhüllen in das warme Licht der Sonne. Die Welt hat nun einen ganz besonderen Duft. Es duftet nach feuchter frischer Erde, die das alte Laub des Herbstes in sich aufnimmt. Es riecht nach frischem Grün, nach Hoffnung, nach Zukunft, Zuversicht und neuem Glück.
Tiere jeder Gattung finden sich und ziehen nun zu zweit des Weges. Die Menschen scheinen zufriedener, führen Gespräche und manche ziehen nun auch zu zweit und Hand in Hand von dannen, nachdem sie sich gefunden haben. Ein Bettler sitzt mit seinem Hund am Boden und ergötzt sich an dem Sonnenlicht. Einst hat er alles verloren, was ihm jemals wichtig war. Er hatte großen Reichtum, alles, was ein jedes Menschenherz begehrt, doch eines Tages kehrte er allem strickt dem Rücken, hat sein Glück auf andere Art gefunden und freut sich nun auf eine andere Weise an einem jeden Moment eines jeden Tages.
Ein Mädchen steht im Schatten, am Rande von einem Bach und beobachtet, wie die Welt in neuem Glanz erwacht. Sie beobachtet die frisch Verliebten und bewundert den Bettler in seinem neuen Glück. Ihr Leben schwand im letzten Herbst und ihr Leben wurde grau wie auch der Himmel, als der Sommer ging. Ihr Herz verkümmerte wie die Blätter an den Bäumen im Herbst, die ihr Grün verloren, deren Farben trüber wurden. Auch ihr Leben wurde trüb.
Ihr Leben, wie die Umwelt erkaltete, wie der Winter, der seinen Frost auf der Welt verbreitete. Genauso verbreitete sich der Frost in ihrem nur noch kümmerlichen Leben.
Zwei Tauben ließen sich nun vor ihr in der Sonne nieder und gurrten gemeinsam ihr Lied. Traurig ließ sie sich auf dem kühlen Boden ihres schattigen Platzes sinken. „Wo ist mein Leben nur geblieben?“, dachte sie ein wenig lauter als gedacht. „Mach die Augen auf!“, hörte sie eine Taube gurren. „Warum kann ich dich verstehen?“, fragte das Mädchen fassungslos. „Mit dem Herzen kann man alles sehen und verstehen!“, hörte sie von links. Und als ihr Blick in diese Richtung fiel, sah sie neben sich ein kleines Häschen sitzen.
Ein zweites Häschen hoppelte an ihr vorbei und rief: „Komm mit!“ und das Mädchen folgte ihm. Es verließ ihren Schattenplatz und lief hinter dem kleinen Hasen über die frische, satte Blumenwiese.
„Wo geht es hin?“, fragte das Mädchen, das nun schon etwas außer Atem war. „Vertrau uns!“, mümmelte der kleine Hase. „Uns?“, fragte das Mädchen erstaunt und sah sich um. Da sah sie, wie sich viele Tiere um sie scharten und sie begleiteten. Rehe, Hasen, Vögel, Füchse. Menschen waren nicht zu sehen.
Plötzlich war das Mädchen sehr geblendet, blieb stehen, rieb sich die Augen vor dem hellen Licht. „Was bleibst du stehen?“, gurrte die Taube und piekte sie mit ihrem Schnabel in die Seite. „Autsch!“, rief das Mädchen. „Lass das!“. „Du musst hier durch!“, erklärte ihr der Hase. „Was ist das? Ich kann nichts sehen! Es ist so unwahrscheinlich hell.“. „Du musst nur vertrauen mit deinem Herzen! Dann wirst du es schon sehen.“. „Geh!“, flüsterte der kleine Hase. „Da findest du dein Glück! Es ist das Tor zum Glück. Zu deinem Glück.“. Und die Taube piekte sie abermals um sie zum Gehen zu bewegen und gurrte: „Hab keine Angst! Vertraue! Dort wirst Du alle Deine Träume finden. Du musst nur den Mut für diesen einen Schritt finden.“. „Geh hindurch und deine Träume werden wahr!“, sagt zu ihr ein kleiner Fuchs. „Du musst dich nur noch trauen.“. „Ich kann nichts sehen, es ist so hell!“. „Vertraue!“, wiederholt der Fuchs.
Vorsichtig, doch ängstlich und ein wenig zitternd vor dem Unbekannten, machte sie diesen Schritt und betrat das Tor des Lichtes, das Tor zum Glück. Ungeachtet dessen, was ihr Angst machte. Sie vertraute den Tieren, die ihr Gutes wollten und auf sie einredeten.
Schnell gewöhnten sich ihre Augen an die ihr so fremde Helligkeit. Da stand ein Wesen ihresgleichen und streckte ihr seine Hand entgegen. „Gemeinsam sind wir stark. Sieh nur all die Tiere, die ihr Gegenstück gefunden haben. Willst du allein das Leben bis zum Tod beschreiten? Hab den Mut und reich mir Deine Hand. Lebe deinen Traum und lass ihn zu. Du bist deines eigenen Glückes Schmied. Du musst dir das Glück nur selbst erlauben!“. Mutig ging das Mädchen auf den Jungen zu, der wie ein Prinz auf seinem Schimmel wirkte, und griff vorsichtig nach seiner Hand, die er ihr entgegenreichte. Nun schritten sie gemeinsam durch die Weiten dieser Welt und gingen von nun an gemeinsam durch ihr Leben. Sie fanden ihr Glück mit Vertrauen und Zusammenhalt. Nichts auf dieser Welt hätte sie voneinander trennen können.
Noch heute hört man alle Tiere dieser Welt die Geschichte dieses Mädchens erzählen, das mit ihrem Herzen vertrauen, sehen und auch hören lernte.
Das Wintermärchen
Es ist Ende Januar und der Winter ist doch noch angebrochen. Jedenfalls stellte ich das fest, als ich bei nur leichter weißer Schicht schnell in ein paar dünne Schühchen schlüpfte und mit dem Auto für ein Stündchen wegfuhr. Doch kaum passierte ich den nächsten Ort, lagen dort schon 10 cm von dem weißen kalten Nass. Je weiter ich mich von zu Haus entfernte, umso höher lag der Schnee. Das mit den dünnen Schühchen war wohl eine recht blöde Idee. Doch ging es in der Eile schneller.
Jetzt ein Autounfall oder von der Straße abgekommen – ich würde barfuß auf dem Felde stehen. Wie blöd man sein muss, um diese Jahreszeit, selbst wenn alles grünt, in dünnem Schuhwerk aus dem Haus zu gehen, ist mir bislang unklar. Wie schnell kommt man von der Straße ab und schaut dann blöd, wenn man keine Winterstiefel trägt. Doch Schönheit muss leiden sagte meine Oma stets. Langsam dämmert mir diese Bedeutung.
Termin beendet, Rückweg eingeschlagen. Regen! Was für ein Glück! Was kann jetzt noch schief gehen? Jedenfalls nix bis zum Ortsausgang. Denn da ist das weiße Nass zurück, wird höher, dichter, die Straße ist kaum noch zu erkennen.
Zu Hause angelangt, wate ich in dünnem Schuhwerk von der Garage hin zum Hauseingang. Blöd. Auch blöd, dass in dieser Woche wir dran sind, den gesamten Hof vom Schnee stets zu befreien. Den gesamten Winter hat es nicht geschneit. Nur jetzt, wo wir ihn vom Hof entfernen müssen, da schneit es, wie seit Jahren nicht. Natürlich trage ich grad einen Gips am Arm, was die Sache nicht erleichtert.
Wer spricht eigentlich stets vom Wintermärchen? Das können nur die Leute sein, die nicht bei jedem Wetter raus müssen. Rentner! Arbeitslose! Und solche, die nicht selbst räumen müssen. Kaum stellt man sich gedanklich auf den Frühling ein, kommt er daher der Winter mit Kälte, Nässe, Schneeräumen. Doch der Tag wird kommen, an dem der Frühling einkehrt und den Winter bis zum nächsten Kälteeinbruch voll und ganz vertreibt. Dann klappt es vielleicht einmal mit weißer Weihnacht. Aber bis dahin vergeht noch eine ganze Zeit. Sehen wir einmal, was uns dieser Sommer bringt. Ich hoff, er tut es nicht dem Winter gleich.
Kobold Basti in der Pähler Schlucht
Nahe dem Ammersee in Bayern gibt es eine Schlucht, die sich aus dem Schmelzwasser von Gletschern vor tausenden von Jahren bildete. Man nennt sie die Pähler Schlucht, da sie am Ortsrande von Pähl liegt, wo die Menschen dieses kleine schöne Dorf vor langer Zeit errichteten. Man gelangt über einen steilen Hang auf einen wunderschönen Weg, an dem im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen und den Boden mit ihrem goldenen und roten Laub verzieren. Man trifft auf Felsen, Höhlen, einen kleinen Bach und am Ende findet man einen gigantisch schönen Wasserfall.
Manchmal huscht ein abgefallenes Blatt rasch über den Boden dieser Schlucht. Manchmal kann man Wasser spritzen sehen. Es ist Basti, der kleine Kobold, der als die Gletscher schmolzen, an einen Baumstamm festgeklammert, des Weges aus dem Eis getrieben kam. Als sich das Wasser zu einem reißenden Fluss bildete, das von den schmelzenden kalten Bergen kam, konnte er gerade noch Halt an einem vorbeitreibenden Stamm finden. Denn sein Haus war abgerutscht und trieb nun ebenso im Strom.
Basti prustete und pustete, da er viel Wasser schluckte und es auch in seiner Nase war. Ganz verzweifelt war er und wusste nicht, wie ihm geschah. Nur an seinem dicken Ast hielt er sich fest. Er schloss die Augen, trieb im Wasser und wartete ab, was nun geschah.
Plötzlich endete diese rasante Fahrt. Es war ihm kühl und um ihn windig. Zwar hörte er noch das Wasser rauschen, doch er befand sich jetzt im Trockenen. Als er die Augen wieder öffnete, hing er über einem Abhang, von dem das Wasser in den Abgrund stürzte. „Oh weh, oh weh!“, jammerte er an seinem Ast, an dem er nun mit seinem Hosenboden festhing.
Da kam ein Wolf vorbei und schleckte sich sein Maul. Basti bangte, dass er ihn fressen würde. Und der Wolf schlug mit seiner Pfote auf den Ast. Basti dachte nur noch laut: „Mein letztes Stündlein hat geschlagen!“ Der Ast, an dem er mit seinem Hosenboden hing, war nun in des Wolfes Maul. Und als er versuchte, den Ast an Land zu ziehen, löste sich die Hose von dem Ast und Basti fiel.
Er schloss die Augen, hatte große Angst und wartete, bis sein kleiner Koboldkörper auf den harten Boden in der Tiefe schlug. Doch es machte nur einen leichten Rumps und er spürte weiche Federn unter sich. Ob er nun ein Englein war?
Vorsichtig öffnete Basti seine Augen und er fand sich auf dem Rücken eines wunderschönen Eisvogels, der ihn durch die Lüfte trug und ihn zu einer Höhle flog, wo er ihn sachte absetzte.
Basti stieg von seinem Rücken. Klopfte sich die Hose aus, an der noch blaue Federn hingen. Doch, als er aufsah, war der Vogel weg, bei dem er sich bedanken wollte. Er kratzte sich am Kopf und überlegte, was geschehen war. „Oh weh, oh weh, was tut mir mein Hosenboden weh!“. Er sah sich um und sah vor sich einen Fuchs mit dichtem rotem Schweif, der rasch in einen Eingang dieser Höhle lief. Vorsichtig schlich Basti hinterher und stand dann in einem Fuchsbau. „Willkommen!“, sagt der Fuchs „Fühl dich wie zu Haus in meinem Bau! Hier ist es trocken, warm und auch vor Wind geschützt!“. „Wwwwwillst du mich zum Abendessen fressen?“, fragt Basti ängstlich. „Aber nein!“, antwortet der Fuchs. „Du bist mir viel zu klein! Komm her und trockne deine Kleider! Der Weg hieraus ist steil!“.
„Hier gibt es einen Weg heraus?“, will Basti von dem Füchslein wissen. „Wo es einen Weg hineingibt, führt auch ein Weg heraus!“. „Das klingt logisch!“, stellt der Kobold Basti fest. „Aber jetzt bleib erst mal hier und komme wieder mal zu Kräften!“, lädt der Fuchs zum Bleiben ein. „Ich zeig dir, was es hier alles gibt!“. „Es gibt was, außer diese Höhle und das Wasser?“, fragt Basti ungläubig. „Es gibt hier eine ganze Menge!“, antwortet der Fuchs. „Am andren Ende ist ein Schloss. Dort lebt der Geist Namens Maximilian.“.
„Ein Geist?“, fragt Basti mit weit aufgerissenen Augen nach. „Ein Geist, der keiner Menschenseele was zu leide tut. Er ist ein guter Geist und hütet einen großen Schatz.“. „Einen Schatz?“, wiederholt Basti. „Einen Schatz!“, bestätigt ihm der Fuchs. „Einen sehr geheimen Schatz!“.
„Ein Schatz!“, jubelt Basti. „Kobolde lieben Schätze! Zeigst du mir den Weg dorthin?“. Er läuft gleich in Richtung Ausgang und will los. Doch das Füchschen stoppt ihn: „Halt kleiner Wicht! Der Weg führt vorbei an einer Hexe.“. „Eine Heeeexe?“, zittert Basti jetzt. „Ja ist das denn wahr?“. „Denkst du etwa, ich würde lügen? Und wie es diese Hexe gibt. Sie ist wahrhaftig hässlich, böse! Es ist Hexe Alexandria! Sie fing einst sämtliche Kinder ein, sperrte sie hinfort und nie wieder wurden sie gesehen! Auch Kobolde sind klein und in Gefahr vor ihr!“. „Wwwwas? Wwwwwirklich? Ddddda hab ich jetzt aber ganz schön Angst!“.
„Schon viele Kobolde sind hier verschwunden! Du machtest bereits ihre Bekanntschaft auf Deinem Weg hier her. Du hattest Glück, dass ich in der Nähe war.“. „Wwwwar das der Wolf, der an meinem Baumstamm zerrte?“, fragt Basti ängstlich. „Es war der Wolf und auch der Vogel. Sie kann sich in jedes Tier verwandeln!“, grinste der Fuchs den Kobold an. „Wwwwwoher weißt du das denn?“, fragt Basti nun den Fuchs.
Es macht einen Knall, weißer Rauch steigt auf und der Fuchs verwandelt sich in eine Hexe. Hexe Alexandria, die nun vor ihm steht und schallend lacht: „Hihihihihihihihihi…..“. Doch Basti ist nicht auf den Kopf gefallen. Als die Hexe auf ihn zuläuft, stellt er ihr sein kleines Bein. Erst kurz vor dem Ausgang, dass diese in die Tiefe stürzt und Basti erst mal flüchten kann.
Sie flattert auf in Gestalt des Eisvogels. Er sieht sie als den Wolf wieder. Doch Kobolde können sich unsichtbar machen, so dass ihn die Hexe nicht mehr sehen kann. Das jedoch weiß diese Hexe nicht. Nur einer kann ihn so erblicken. Es ist der Geist mit dem Namen Maximilian.
„Gäääääähn!“, entkommt es Maximilian, dem Geist im Schoss. „Was ist das für ein Spektakel? Wer macht denn diesen schauerlichen Krach? Wer weckt mich und stört meinen Schlaf?“. „Die Hexe treibt wieder ihr Unwesen und hat einen kleinen Kobold aufgeschreckt, der durch das Wasser der sich erwärmenden Berge angeschwommen kam.“, antwortet ein kleines Mäuschen mit Zauberhut und Zauberstab. „Gääääähn! Woher weißt du das denn, Zuckigucki?“, fragt Geist Maximilian müde. „Na wer ist denn die Zaubermaus hier?“, fragt Zuckigucki jetzt zurück. „Dann pass du mal mit deiner Zauberkugel auf ihn auf! Ich schlaf noch eine Runde.“. „Und ich übe noch ein wenig zaubern!“, sagt Zuckigucki und schiebt leise nach: „Bis jetzt kann ich ja nur heiße Luft zum Stinken bringen!“.
In der Schlucht sieht man nun gelegentlich viel Laub aufwirbeln, in das der kleine Kobold Basti springt. Manchmal platscht es im inzwischen abgesunkenen Wasser, wenn es warm ist, und die Sonne scheint. Basti versteht es inzwischen aufs Beste, sich vor der Hexe zu verstecken, indem er sich rasch unsichtbar macht und wie ein Äffchen von einem Baum zum nächsten springt, wo ihm die Hexe auch nicht folgen kann. Doch plötzlich taucht vor ihm das Pähler Schloss in seiner vollen Größe auf. Es ist oben, an dem Abhang und Basti unten und ist ziemlich neugierig, denn es fallen ihm die Worte ein, welche die Hexe ihm in Fuchsgestalt erzählte. Der Geist Maximilian wohnt ja dort. „Ob er wirklich harmlos ist?“, fragt sich der Kobold Basti. „Herausfinden kann ich es nur, wenn ich hinaufklettere und nachsehe. Doch ein Geist, der kann mich sehen, auch wenn mich andere Wesen nicht immer sehen können, wie die Hexe. Doch Maximilian kann.“, überlegt er weiter. Doch von der Neugierde getrieben, klettert er die steile Wand hinauf, bis er vor dem Tore steht.
Vorsichtig klopft Basti an das Tor. Er hört erst nichts, dann ein lautes „Pfffffffffffffffups.“. „Heeeeeee!“, hört er nun eine dunkle Stimme, die nur dem Geist gehören kann. „Bringst du wieder Luft zum Stinken?“, poltert es von innen und Ketten rasseln. „Nur ein Fehlversuch!“, hört er eine leise helle Stimme. „Es stinkt hier ja wieder mal bestialisch!“, schimpft Geist Maximilian. „Ich geh schon ….“, fiepst Zuckigucki und öffnet das große Tor, vor dem Basti steht und von dem Gestank zurückgeworfen wird.
„Puuuuuh, das stinkt aber!“, entkommt es ihm und Zuckigucki sieht ihn. Zieht den Zauberhut zum Gruß: „Willkommen auf Schloss Pähl!“, begrüßt er ihn. „Empfängt Ihr jeden Gast mit dem Gestank?“, fragt Basti angewidert. „Nein!“, entgegnet Zuckigucki und blickt verschämt nach unten. „Ein missglückter Versuch mit meinem Zauberstab!“, ergänzt er schüchtern. „Dann zaubere doch Häschen aus dem Hut!“, ruft Basti, der schon ganz grün in seinem Gesicht ist. „Häschen aus dem Hut? Gute Idee! Darauf bin ich noch nicht gekommen!“, antwortet Zuckigucki und dreht sich um zu gehen, als er durch Maximilians Bauch hindurchgeht, der eben an dem Tor erschienen ist.
„Aaaaaah!“, gähnt Maximilian. „Du bist also Kobold Basti!“. „Wwwwoher weißt du denn das?“. „Ich sah dich in Zuckiguckis Zauberkugel. Tritt ein und komme in mein Schloss. Wir heißen dich willkommen.“. „Aber hier stinkt es!“, ruft Basti böse. „Ja, Zuckigucki kann nur heiße Luft zum Stinken bringen. Mehr schafft er einfach nicht!“.
Nach einer Weile lüften, tritt Basti ein und nimmt an einem großen Holztisch platz. „Du hütest einen Schatz?“, will er nun vom Geiste wissen. „Einen großen Schatz!“, bestätigt dieser. „Kobolde lieben Schätze! Passen auch drauf auf! Darf ich mit dir auf deinen Schatz aufpassen?“. „Es ist kein gewöhnlicher Schatz! Es ist ein ganz Besonderer! Kein Gold! Keine Juwelen.“. „Du hütest einen Schatz, der kein Schatz ist?“, fragt Basti ganz verständnislos. „Was kann das sein?“. „Komm mit und folge mir!“, fordert Maximilian Basti auf und öffnet die Türe eines alten Küchenschrankes, der jedoch kein Geschirr verbirgt, sondern einen Höhlengang. Der Geist schwebt voraus, Basti hüpft auf seinen kleinen Beinen hinterher. Gefühlte tausend Stufen später, findet sich Basti in einer Tropfsteinhöhle wieder. Vor ihm ein riesig großes Nest mit einem übergroßen Ei.
„Darf ich vorstellen?“, fragt Maximilian. „Hugo! Hugo vom Drachenstich!“. „Hugo? Hugo vom Drachenstich?“, fragt Basti. Ein Ei mit einem Namen?“. Es wurde vom Gletscher angespült. Es lag ganz oben auf. Seither wird es von mir behütet, denn Hugo ist zu großem vorbestimmt. Kommt es hier raus, wird er schlüpfen. Bis dahin wird er noch kühl gehalten, denn ich muss ihn vor der Hexe schützen.
Plötzlich hören sie lautes Poltern. Die Hexe Alexandria kommt auf ihrem Besen die gefühlten tausend Stufen herabgeschwebt. „Aaaaaaaaaaaaaaaaah! Der Schatz!“, kreischt sie. „Da ist er! Ich habe ihn! Ich werde ihn mir holen!“. Alexandria steigt vom Besen ab und bleibt mit ihrer Hexen-Hakennase an einem Tropfsteinhöhlen-Zapfen hängen und alle lösen sich und bleiben um sie stecken. Keine Maus hätte mehr durch den Zwischenraum gepasst. So war Hugo vor ihr sicher. Der Geist schnappt sich das Drachen-Ei, Basti hüpft ganz oben drauf und geschwebt von Maximilians Kraft gleitet das Ei samt Basti oben drauf durch Geisterhand nach draußen. Zuckigucki ist erstmalig ein Zauber geglückt. Und tausend Häschen hoppeln aus seinem Hut und wärmen das große Drachen-Ei. Schwupp die wupp ist Hugo da, den Basti auf seinem weiten Weg zum Drachenstich in Furth in Wald begleitet. Zuckigucki lässt die Kinder frei, die sich im Hexenhaus befinden und rasch in das Dorf nach Haus zu ihren Eltern laufen. Von dem Ausflug dieser Drei und Hugo wird man noch über Jahrhunderte hinweg sehr große Dinge hören. Basti hält sich im Hintergrund. Doch ist er als Hugos Beschützer klein und fein doch stets im Hintergrund dabei.
Casimir das Schlossgespenst
Es war im Jahre 2012, da wurde ein kleines Schlossgespenst von seinen Spukkollegen, mit denen es gemeinsam seinen Spukauftrag erfüllte, einfach so vergrault. Es war nicht gruselig genug. So waren die anderen Gespenster zu ihm noch viel gemeiner, als sie es zu den Schlossbesuchern waren. Ja, Mobbing, wie man es nennt in dieser Zeit, gibt es sogar bei Gespenstern.
Als Casimir seinen Auftritt haben sollte in seinem weißen Spukgewand, bestaubte man ihn mit Kohlenstaub, dass man ihn nicht mehr sah und er nur noch hustete und die Menschen, die sich vor ihm erschrecken sollten, Mitleid mit ihm hatten und ihn trösteten, anstatt vor ihm davonzulaufen. So kam es eines Tages, dass sich Casimir geschlagen gab und um Mitternacht in eine dunkle Höhle in den Bergen zog. Am Tage schlief es, des Nächtens machte es gelegentlich mal „Buh!“. Aber es war ja niemand da, der sich vor ihm erschreckte. In einer klaren Vollmondnacht verließ Casimir die Höhle. Der Wind wehte ziemlich stark. Und plötzlich wehte ihm eine Zeitungsseite mitten ins Gesicht. Casimir hat sich ganz furchtbar erschrocken. „Aaaaaaaaaaaaaaaah!“, schrie er und flog davon, doch sah nichts, denn die Zeitung verdeckte ihm die Sicht. Als er sich von ihr befreit hat, betrachtet er sie misstrauisch. Ein Wanderer hat sie wohl zurückgelassen. „Dass man jemanden nur so erschrecken kann!“, schimpft Casimir noch vor sich hin und wirft die Zeitung weg.
Da kommt der Uhu angeflogen, mit dem er sich angefreundet hat. Denn der Uhu ist ebenso nachts munter, wie er. „Guten Abend!“, grüßt der Uhu. „Wie sehen Sie denn aus Herr Casimir?“. Casimir erklärt den Vorfall mit der Zeitung. „Ah! Ja. Die Menschen schmeißen alles weg. Keine Rücksicht! Warten Sie!“, fährt der Uhu fort. „Sie haben Druckerschwärze auf Ihrem weißen Geisterkleid!“, und der Uhu hebt seinen Flügel mit dem Federkleid, um Casimir von den Druckbuchstaben zu befreien. Doch Herr Uhu hält inne.
„Moment!“, sagt er und zieht seine Brille aus der Westentasche. „Was steht hier geschrieben?“. Der Uhu legt seine Stirn in Falten und strengt seine alten Augen an, um das Kleingedruckte auf dem Gespenst zu lesen: „Schloss Höhenried sucht Schlossgeist!“. „Ein Schloss sucht einen Schlossgeist?“, ruft Casimir ganz aufgeregt. „Da muss ich aber sofort hin! Im Wald mitten in den Bergen ist es für mich zu langweilig. Denn ein Gespenst muss spuken. Und ein Schlossgespenst muss in einem Schloss spuken. Mit Schlüsseln scheppern und Kettenrasseln und durch die Wände gehen und ganz fest Buh rufen!“. „Jaaaa!“, sagt Herr Uhu. „Das mag wohl sein.“. „Auf Wiedersehen Herr Uhu!“, ruft Casimir. „Ich schwebe sofort hin! Lassen Sie es sich wohl ergehen Herr Uhu. Vielleicht sieht man sich mal wieder!“. Und schneller als Herr Uhu sich versehen kann, ist Casimir verschwunden. „Gehaben Sie sich gut!“, spricht Herr Uhu noch zum Abschied nach. Doch das hört Casimir nicht mehr. „Weg ist er!“, sagt Herr Uhu zu sich selbst. „Er war ein netter Genosse. Ein angenehmer Kerl. Ich glaube, ich werde ihn sogar vermissen mit seinen Buh-Rufen im Wald.“.
Casimir ist in Lichtgeschwindigkeit in Schloss Höhenried schon angelangt. Die Chefin des Hauses wollte gerade das Schloss verlassen und nach Hause gehen. Und als sie das Tor öffnet, kommt Casimir gerade so hindurchgerauscht und lässt sich vor ihr nieder.“. „Guten Tag!“, ruft er noch völlig außer Puste. „Guten Tag!“, antwortet die Chefin aus dem Schloss. „Was kann ich für Sie tun? Wir schließen gerade.“. Casimir ist völlig aufgeregt und sagt: „Ich möchte spucken!“. „Sie möchten was?“, fragt die Dame. „Spucken!“, sagt Casimir. „Äääääh – Spuken meine ich! Sie suchen doch einen Schlossgeist?“. „Eigentlich suche ich einen Schlosswart.“, sagt die Schlosschefin. „Oh!“, sagt Casimir und zieht sein Gespensterhemd hervor, dass er lesen kann, was von der Stellenausschreibung in der Zeitung auf ihn abfärbte. „Ich dachte, es hieße Schlossgeist!“.
„Sie sind ein ausgebildetes Schlossgespenst?“, fragt die Schlosschefin. „Das ist interessant. Ich dachte, Schlossgespenster gibt es nicht.“. „Ja haben sie denn keines?“, fragt Casimir verwundert. „Nein, ein Schlossgespenst haben wir noch nicht!“. Die Dame bittet Casimir herein und in ihr Büro. „Nehmen Sie doch bitte Platz! Sonntag ist mein Name!“, stellte sie sich vor. „Angenehm! Casimir!“, sagt Casimir wohlerzogen, als er sich ihr gegenübersetzt.
„Nun sagen Sie mir, was Sie können!“, will Frau Sonntag von ihm wissen. „Spucken!“, antwortet Casimir. „Nein! Spuken!“, korrigiert er sich. Wenn er aufgeregt ist, verspricht er sich bei diesen Worten stets. „Ich kann mit dem Schlüssel klappern!“, erklärt Casimir und schnappt sich den Schlüsselbund, der auf dem Schreibtisch liegt und klappert. „Und ich kann mit Ketten rasseln. Haben Sie hier Ketten? Und ich kann Buh rufen und Leute erschrecken. Und mit dem Kopf durch die Wand kann ich!“. „Mit dem Kopf durch die Wand?“, fragt Frau Sonntag etwas verwirrt. „Ja, mit dem Kopf durch die Wand!“, bestätigt Casimir und steckt seinen Kopf durch die Wand neben seinem Stuhl. „Der Rest klappt noch nicht!“, gesteht er kleinlaut ein. „Das übe ich schon 200 Jahre!“.
„Können Sie Ihren Kopf auch wieder zurücknehmen?“, will Frau Sonntag wissen. „Dann könnte ich Sie besser verstehen. Sonst muss ich in den Raum nebenan, damit wir unsere Unterhaltung fortsetzen können.“.
Casimir zieht seinen Kopf zurück und entschuldigt sich. „Tschuldigung!“, sagt er verschämt. „Ich versuche es mit Ihnen!“, teilt Frau Sonntag dem Gespenst mit. „Ihre Anwesenheit könnte zusätzliche Gäste anziehen. Morgen bekommen Sie ihren Vertrag. Kommen Sie um 10 Uhr wieder!“. „Nein!“, ruft Casimir. „Da ist es ja Tag! Ich bleib gleich hier!“. Und bevor man sich versehen kann, ist er unterwegs, das Schloss zu besichtigen. Fluchs ist er im Nebenzimmer, dem grünen Salon mit dem Chinesenturm. Er schwebt weiter in das Kaminzimmer, an dem Englein auf dem Kamin in Stein gehauen sind. Casimir besichtigt den Spiegelsalon mit dem geschliffenen Glas in den geschlossenen Fensterläden und wischt sich die Druckerschwärze des Stellenangebotes ab. Das venezianische Turmzimmer hat es ihm besonders angetan mit der beeindruckenden goldenen Tür, die auch aus Venedig stammt. Er schwebt in den ersten Stock hinauf durch alle Übernachtungszimmer, den Frühstücks- und Seminarraum mit schönsten Antiquitäten und in die Wäschekammer im Dachgeschoss und allen Gästezimmern.
„Meeeeeein Schloss!“, ruft er überglücklich. „Buh! Buh! Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuh!“ Mit diesen Rufen schwebt er auch durch den Kräutergarten, den Brunnenhof und die Arkaden. Glücklich lässt er sich auf dem Balkongeländer des ersten Stockes nieder und blickt über den Starnberger See, der zum greifen nahe ist uns sich der Vollmond in ihm spiegelt.
„Gratulation mein Freund!“, hört er eine ihm bekannte Stimme. „Wie ich sehe, haben Sie den Job!“. Herr Uhu war neugierig und ist Casimir gefolgt. „Jaaaaaaaaa!“, ruft Casimier erfreut. „Jetzt kann ich endlich wieder spucken!“. „Spuken!“, korrigiert Herr Uhu. „Sag ich doch!“. „Nein, Sie sagten wieder spucken. Da ist ein großer Unterschied. Aber ich hoffe, Sie verwechseln das nicht in der Ausübung von Ihrer Pflicht.“.
„Buh, buh, buuuuuuh!“, ruft Casimir und schwirrt davon und wirbelt den gesamten Staub im Schloss auf. Und dies tut er seit dieser Nacht jede Nacht in Schloss Höhenried mit Leidenschaft und Pflichtbewusstsein. Inzwischen mit unbefristetem Vertrag.
Der Server
Es war einmal ein kleiner Server, der lebte in der großen Welt der virtuellen Daten. Und eines Tages, es war ein warmer Sommertag, mitten im August, da hatte er ein plötzlich großes Mailaufkommen. Zwei hatten sich gefunden in der großen Datenwelt. Täglich wurden diese E-Mails mehr, täglich wurden sie intensiver und direkter, bis endlich nach drei Monaten ein Treffen in dieser großen Datenwelt vereinbart wurde. Der Server wurde traurig, sein Speicher begann zu klopfen, wenn wieder eine Nachricht dieser Adressen ihn durchlief. Er begann zu fühlen, er war plötzlich sehr bewegt.
Erst wartete der kleine große Server gespannt auf neue Nachricht, er sog die Daten in sich auf und er stellte fest, es fehlte etwas in seinem Leben. Seinem arglosen kleinen Serverleben. Täglich wurden es mehr Mails dieser beiden Menschen und der Server fragte sich, was tu ich hier. Er überlegte: Wo kamen diese Mails nur her? Es wurden Bilder ausgetauscht, Musikdateien, Links, zwei Leben schienen sich zu vereinen durch die große Datenwelt. Und da kam er, dieser Tag, den der Server so sehr fürchtete. Die beiden Mailversender wollten sich endlich einmal treffen.
Stündlich gingen Mails umher. Stündlich war er nun gefordert, die Mails durch seinen Speicher durchzulassen. Stündlich bekam er mehr Informationen dieser beiden Leben. Und plötzlich großes Schweigen.
Der Server wurde panisch. Hektisch durchforstete er alle diese Mails. Und da war es, da war der Grund. Es war der Tag, an dem sie sich trafen, an dem er viele Straßen überquerte, durch viele Städte fuhr, durch zwei Länder, nur um mit ihr den Abend zu verbringen. Die Sekunden vergingen für den Server nur wie Stunden. Stunden wurden wie zur Ewigkeit. Keine dieser Mails, die ihn berührten durchflossen seinen Speicher.
Erst viele – unzählig viele Stunden später, da durchfloss ihn ein Gruß zur guten Nacht. Wie gern wär er dabei gewesen bei dem Treffen dieser beiden. Wie gerne hätte er so etwas erlebt. Und zum Glück – jetzt flossen wieder Mails. Wieder mehr und noch direkter und sein Serverherz wurde warm und weich, er scannte jede Nachricht und schloss sie in sein Herz, den Speicher ein.
Doch oh weh, nach gar nicht langer Zeit darauf, da wollten sie sich wiedersehen. Wieder diese Ruhe um ihn herum? Wieder warten auf die Nachrichten? Wieder Stunden, die er nicht fühlen konnte, was ihm plötzlich so sehr fehlte? Er musste es verhindern, er musste doch dabei sein, nur auf diesem Wege konnte er empfinden. Er musste diese drohende Stille in ihm ohne Mails verhindern. So holte der Server ganz tief Luft, bis ein Stück seiner Platine zersprang. So konnte er jede Nachricht nun für sich behalten. Sie in sich aufsaugen und sich daran verzehren, bis ein Techniker es bemerkte und ihn reparieren würde.
Die gesamte Schweiz hat er nun stillgelegt und nahm nur E-Mails dieser beiden an. Doch plötzlich kam ihm wieder der Gedanke – wo kamen diese E-Mails her? Gab es vielleicht noch einen anderen Server, der sie versandte? Doch da näherte sich ein Techniker, der ihn reparieren wollte. Würde er ihn näher an sich lassen, würde er es nie erfahren. So legte er einen Schalter um und stellte sein Gehäuse unter Strom. Und eilig tastete er sich durch die dunkle Kabelwelt. Er irrte umher, tastete sich vorsichtig hervor, bis er ein kleines Lichtlein sah. Und da sah er ihn, den kleinen Server, der in seiner vollen Schönheit vor ihm strahlte, als eine Nachricht ihn verließ und diese prompt bei ihm gelandet war. Das musste er sein, der Server, der diese Nachrichten versandte. Das musste er sein, von dem all dies kam, was ihn bewegte. So schlossen sie ihre Platinen zusammen und kein Rucken und Zucken von Kabeln oder Technikern konnte sie mehr trennen.
Nun flossen alle Daten schneller, rascher, kamen in Lichtgeschwindigkeit zu ihren Empfängern. Vor allem solche, durch die sie sich gefunden hatten. Und wenn es spät des Nächtens ist und sich nur noch sehr Verliebte schreiben, dann sollte man ein waches Auge haben und ein helles Ohr, denn dann sieht und hört man Funken sprühen, die im großen Datenmeer bevorzugt die Empfänger wechseln.
Der Wachdrachen
Es war ein Prinz, der in den fernen Bergen lebte auf einem Schloss, um das herum nur schwarze Dürre herrschte, denn er hatte sich ein Haustier zugelegt, einen Drachen, der sein Schloss bewachen sollte. Doch das Tierchen übertrieb. Kaum näherte sich des Prinzen liebstes Frauenwesen, schoss der Drachen im Galopp durch die Schlossmauern hindurch und knurrte dies Geschöpf gar böse an. Dann holte es tief Luft und verbrannte die ganze Erde um die Schöne. Der Prinz konnte das Tier nicht bändigen. Das ganze Schloss hat es ihm schon ruiniert, das ganze Land verwüstet. Und morgens bestand die Drachen-Lady auf ihren großen, bis zum Rand gefüllten Napf. Sie hat ihn zu ihrem Leibeigenen gemacht, der ihren großen Bauch zu füllen hatte. Und hat er es einmal nicht gemacht, dann ist das dicke Drachenweib aufgesprungen und hat getobt und sich die Schuppen einzeln ausgerissen. Hat er dann schnell den Napf gefüllt, da herrschte Ruhe.
Die stärksten Ritter seines Landes haben versucht, den Drachen zu erzwingen. Doch alle samt hat das dicke, schuppige Getier unsanft in die Flucht geschlagen. An seine Liebste hat er nicht kommen können. Die einzige Methode war, sich mit Gewehr und der Uniform der Jagd zur Beutejagd davon zu schleichen. So war der Napf, groß wie ein See, am nächsten Morgen voll. Nur dieses hat sie ihm gestattet. Doch seine Angebetete konnte es nicht ertragen, wie er von der unersättlichen Drachen-Lady gehalten wurde, wie ein Sklave.
Um ein paar stille Stunden mit ihm zu haben, hat sie die Jäger des Landes eingeschalten, die den ganzen Tag lang Beute machten und der Prinz glücklich und samt Drachenfutter stets zurückkehren konnte. Doch wehe, er kehrte erst in der Dunkelheit zurück, da stapfte ihm das Tier schon wutentbrannt entgegen.
Das Mädchen hat es nicht ertragen können, wie dieses Tier den ihr liebsten Menschen hielt. So machte sie sich auf in ein abgelegenes, unentdecktes Stückchen Land, in welchem sie ein Schloss erbaute. Täglich saß sie nun auf den Stufen des Palastes und hielt Ausschau nach dem geliebten Prinzen. Doch nirgendwo sah sie ihn des Weges kommen. Zwischenzeitlich wurde er vom Drachenmädchen sogar auf die Jagd begleitet. Und witterte der Drachen nur die Spur von ihr, auf der sie nach ihm suchte, so schnaubte der Drache nur und bekam unkontrollierbare Wutanfälle. Sie mussten eine Lösung finden. So sandten sie alle Männer seines Dorfes aus, um einen Drachenmann zu finden, der ihr verfressens Drachenherz erobern würde. Doch jeder Drache, der in des Schlosses Nähe kam, wurde mit ihrem bösen Blick verbannt. Sie setzte sich in die Hocke und blickte den jungen Prinzen wutschnaubend und böse an. Ein andrer Drache war die Lösung also nicht. Wollte er sich bei der Dämmerung auf den Weg zu seiner Liebsten machen, hakte des Drachens Kralle in seiner Gürtelschlaufe ein und beförderte ihn sofort zurück. Langsam rissen auf diese Weise auch alle seine Hosen. Lief er panisch weg, packte die Drachen-Lady ihren Prinz am Schopf und setzte ihn zurück an den Rande ihres Drachenkörbchens. Es schien ihm kein Entkommen.
Erst, als es der Prinzessin reichte und sie sich aufmachte, ins halb zerstörte Schloss, um ihren Prinzen zu befreien, dem Drachenweib den Marsch zu blasen, stürzte das übergroße Schuppentier auf die Prinzessin zu. Dem Prinzen blieb nichts, als sein Mädchen zu beschützen und richtete sich vor der Drachen-Lady auf. Er verwies den Hausdrachen des Schlosses, sogar des ganzen Landes. So folgte er seiner Prinzessin in das neue Schloss, welches als ihr Liebesnest schon längst errichtet war. Vom Drachen war nie mehr wieder eine Spur zu sehen. Nur, wenn man in der Nacht ganz tief in die Stille hört, dann hört man hinter vielen Bergen ganz weit weg wütendes Gebrummel.
Von Drachen wurde das Paar nie mehr belästigt und lebten glücklich im neuen kleinen Schloss. Nur Hunde, Katzen, Vögel, Hasen und Rehe haben bei ihnen ein Zuhause gefunden. Und wer ganz genau hinhört, der hört selbst am Tage die Nachtigallen das Liebeslied der beiden singen, das die Geschichte von ihnen erzählt, wie sie sich fanden, vom Drachen, der ihn vor ihr beschützte und wie sie sich aus den Klauen von diesem Tier befreiten. Und manch einer erkennt beim Klang von diesem Lied, dass auch er einen Wachdrachen zu Hause hat und weiß nun, wie er sich befreit und von einem glücklichen Leben nun nicht mehr ausschließlich nur träumen muss.
Der Zeck
Es war an einem sonnig schönen Tag, da lag ein Mann auf einer großen Blumenwiese. Es war an diesem selben schönen Tag, da war ein Zeck nicht weit von ihm in dieser Wiese. Der Mann lag mit seinem Körper das Gras ganz systematisch platt. Nichts Böses hat er sich dabei gedacht. Direkt vor dem Zeck plumpste er im Grase nieder und versperrte ihm den Weg. Die Pläne es Zeckenmannes waren nun durchkreuzt. Sein Weg beschwerlich, ein großes Hindernis vor ihm. Doch diesen Menschen zu überqueren war sehr viel kürzer, als um ihn herum zu gehen. Mit dem Fuße angesetzt, dabei ihn zu erklimmen, da erhob sich dieser Mann, der sich nun ungeplant erhob und zu seiner Liebsten lief, die ihm entgegenrannte. Der Wind hätte den Zeck fast weggeweht. Mühsam konnte er sich in den Windschatten begeben, plötzlich bremste der Mann abrupt, als er sein Ziel erreichte und vor lauter Schreck hat der Zeck sich festgebissen.
Auf Hunden waren solch wilde Ritte doch sehr viel leichter. Man hatte so viel Haare, an denen man sich festhalten konnte. Eine kleine Mahlzeit zwischendurch und weiter durch das Fell gewandert. So blieb er eine Weile länger, als er es gewohnt war auf dem nackten Menschen, in dessen Nacken er sich festgebissen hat. Auch als er schlief, blieb er mit seinem Kiefer ganz fest an ihm kleben. Ein paar Worte hat der Mensch des Zeck im Schlaf von sich gegeben. Der Zeck ließ nun seinen Nacken los, krabbelte auf seine leicht behaarte Brust und lauschte den Worten des Menschen, die ihm im Sturme nun entgegenwehten. „Verflixt, du stürmst aus deinem Schlund!“, hat der Zeck so vor sich hin geschimpft. „Was?“, tönte es ihm nun entgegen. Im Schlaf konnte er mit diesem Menschen Kommunizieren. So begannen sie sich etwas auszutauschen und beide erfuhren von ihren so unterschiedlich schweren Leben, sie erfuhren von ihrem Leid und ihrer Freud und so wurden sie in nur einer Nacht recht dicke Freunde.
Das Zeckenleben unterschied sich nicht sehr von dem menschlichen und sie schlossen einen Deal. Der Zeck entlastete den Menschen und dafür durfte er sich etwas nähren von seinem Blut. So teilte der Zeck das Leben dieses Menschen und ging überall mit ihm. Gemeinsam lagen sie im warmen Bad, auf dem sich der Zeck auf den Kopf des Mannes rettete, dann genoss er den warmen Wind des Föhnes, der über das Haupt des Menschen wehte, sie fuhren zusammen in seinem Auto und so weite Wege hat der Zeck in seinem ganzen Leben nicht zurück gelegt. Der Mensch zeigte ihm die Welt, die er sehr aufmerksam entdeckte und nachts lagen sie gemeinsam zur Ruh in einem Bett.
Dem Zeck ist es noch nie zuvor so gut gegangen in seinem langen Zeckenleben. Doch eines Tages war sein Mensch sehr müde. Und er musste in sein Büro.
Der Zeck war dankbar, was er ihm so alles zeigte, was er im Leben nie entdecken könne, würde er es ihm nicht zeigen. So versetzte er ihn in leichten Schlaf in dem Büro und tat, was sein Mensch normalerweise täte. So war er später wieder fit und konnte ihm noch sehr viel mehr von dieser Welt noch zeigen. Sein Mensch schlief mit offenen Augen und er tat seine Arbeit im Büro und der Zeck fand große Freude dran. Er hüpfte langsam von einer Taste zu der anderen, ganz so wie sein Mensch es mit seinen Fingern tat. Und als er ihn pünktlich zu Feierabend erwachen ließ, war er erstaunt, was er im Traum so alles schaffte. Und ganz aus diesem Grund trennten sie sich niemals wieder. Und als der Mensch an einem Abend pünktlich zu seinem Feierabend wiedererwachte, da hat der Zeck sein Leben vollkommen umgekrempelt. Er hat gelöst, was ihn noch störte, hat sein Leben ins bessere gewandelt. Und in seinem Job, in dem keiner ihn bisher anerkannte – der Zeck hat unglaubliches geleistet. Unglaubliches hat er vollbracht. So wurden die beiden ein unzertrennlich gutes Team. Doch dies blieb ihr beider kleines Geheimnis. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie auch heute noch ein wirklich gutes Team, wo einer im Schlaf des anderen die Arbeit macht.
Die Affen sind los
Charly saß in einem Café und dachte nach, bis eine Frau mit einem Kind zu ihm an den Tisch kam und fragte: „Ist hier noch frei?“. „Bitte!“, sagte Charly und bot ihr und ihrem Sohn die beiden freien Stühle an seinem Tisch an. Die Frau bestellte sich einen Cappuccino und einen großen Eisbecher für ihren Sohn, über den er sich gierig her machte. Charly sah ihm fasziniert zu, wie der Große Berg Eis in seinem kleinen Mund verschwand. Der Junge putzte sich den Mund mit seinem Ärmel ab und fragte: „Warum hast du so viele Haare am Körper?“. Charly sah den Jungen überrascht an und erklärte ihm: „Weißt du, ich bin ja eigentlich gar kein Mensch!“. „Kein Mensch?“ Fragte der Junge und rückte dicht zu seiner Mutter. „Nein!“, sagte Charly. „Ich lebte im Wald mit meiner Familie, den Affen.“. „Du bist ein Affe?“, fragte der Junge. Charly nickte und begann seine Geschichte zu erzählen.
„Ich lebte glücklich im Urwald mit meiner Familie. Wir lausten uns, wir spielten, wir pflückten Bananen von den Bäumen und waren sehr glücklich. Doch plötzlich begannen meine Haare auszufallen.“ Erklärte Charly. „Du hattest noch mehr Haare?“, fragte der Junge. „Einen richtig dichten Pelz!“, bestätigte Charly. „Und was ist dann passiert?“, fragte der Junge mit großen neugierigen Augen. „Dann sah ich aus, wie ich jetzt aussehe und sie haben mich nicht mehr erkannt und mich für einen Menschen gehalten. Dann haben sie mich verbannt.“. „Verbannt?“, fragte der Junge nach. „Sie sind auf mich losgegangen und haben mich aus dem Urwald gejagt.“, bestätigte Charly. „Dann habe ich mich in der Nähe der Menschen aufgehalten und sie beobachtet. Dann habe ich gelernt, wie sie zu laufen und habe die Gewohnheiten der Menschen studiert und ihre Sprache gelernt.“. „Wow!“, staunte der Junge.
„Was machst du jetzt?“, wollte der Junge weiter wissen. „Jetzt tu ich das, was die Menschen tun. Ich ziehe mich an wie sie, ich tue, was sie tun und ich spreche wie sie. Und ich denke laufend an zu Hause.“, sagte Carly. „Aber du passt hier viel besser her, als in den Dschungel!“, sagte der Junge. „Mein Herz ist dortgeblieben.“, sagte Charly.
„Warst du schon einmal von zu Hause weg?“, wollte Charly von dem Jungen wissen. „Ja, als ich im Krankenhaus war!“, antwortete der Junge. „Du hast ganz schön geweint und wolltest unbedingt sofort nach Hause!“, sagte die Frau. „Erinnerst du dich?“. Der Junge nickte stumm und wünschte sich insgeheim, dass er nie wieder fort müsse von zu Hause.
Plötzlich ging die Türe des Caféhauses auf und die Menschen, die dort saßen kreischten und stiegen auf ihre Stühle und Tische und in der Tür stand ein Affe. „Chita!“, rief Charly auf und wiederholte seinen Satz in der Sprache der Affen. Da schrie Chita auf, fiel Charly um den Hals und klammerte sich an ihn. Sie lauste ihn und ließ ihn nicht mehr los. Der Junge saß mit offenem Mund da. „Sie hat mich wiedererkannt!“, erklärte Charly dem Jungen. „Sie war meine Gefährtin!“, erklärte er weiter. Da wurde die Türe erneut aufgestoßen und eine ganze Horde Affen kam hereingesprungen.
Die Gäste des Caféhauses kreischten und ein alter Mann schrie verzweifelt: „Die Affen sind los!“. Da stürmten die Affen auf Charly zu, rissen ihm das Menschengewand vom Leib und forderten ihn auf, mit ihnen zu kommen. „Sie holen mich zurück!“, erklärte Charly dem Jungen. „Ich darf wieder nach Hause!“, sagte er. „Danke, dass du mir zugehört hast!“, sagte Charly zu dem Jungen und verschwand mit den Affen. „Ich werde die Torte und den Cappuccino vermissen!“.
Von nun an machte der Junge mit seiner Mutter jede Woche einen Ausflug in den Dschungel und Charly wartete auf ihn, damit er sich nicht verirrte im Dschungel. Dann nahm er den Kleinen mit nach oben auf seinen Baum und dort verspeisten sie gemeinsam eine Torte und tranken Cappuccino, was seine Mutter vorbereitet hatte. Und die anderen Affen kamen vorbei und lausten den kleinen Jungen und Charly war glücklich, wieder zu Hause zu sein.
Der Server und der Paradiesvogel
Sie wollte eine Freude machen mit einem kleinen Server-Märchen und stellte es ins Internet. Doch dieses kleine Server-Märchen handelte von ihm, dem Server, als er eines Tages vor Neid und Missgunst den Kontakt ganz unterbrochen hat. In diesem Märchen, da erkannte er sich wieder und war geplagt von großer Pein. So entschied er kurzer Hand, dass keiner sich daran erinnern sollte und niemand noch davon erfahren. So hat er ganz tief Luft geholt, bis seine dicken Serverbacken beinah platzten und hat das kleine Server-Märchen so in sich festgehalten. Viele Techniker hatten dran zu kämpfen, doch der Moment kam schon am nächsten Tag, da wollten seine Backen beinah platzen. Und in dem Moment griff rasch ein Mensch zu, der den Fehler dann behoben hat und die Daten dorthin holten, wo man sie einst haben wollt. Der Server wurde rot vor Pein und drohte nun fast durchzuglühen. Da kam der kleine Paradiesvogel durch das Datennetz geflogen, der das Märchen zieren sollte. „Was ist mit dir, du kleiner armer roter Server?“, hat er besorgt gefragt. Und während dieser Zeit wurde versucht, der Vogel auf die Seite hoch zu laden. Doch dieser hatte großes Mitleid mit dem kleinen Server, den sein Gewissen plagte. Und so hat er kurzer Hand seine Datei gewandelt und das Hochladen damit hinausgezögert. Gemeinsam fest umschlungen manipulierten sie nun den Bereich, in dem sie in der großen Datenwelt gemeinsam in Erscheinung treten sollten. Sie ließen Tags nicht zu und nicht den Namen seines Schreibers, damit man nur nichts finden konnte. Doch auch sie, die Schreiberin, sie ließ nicht locker und kopierte die Dateien und gab nicht auf, bis endlich nach nächtelanger Arbeit das Werk vollbracht war und ein ganzes Märchenbuch im Netz war, das von dem Server schrieb und auch vom Vogel.
Die kleine Wolke
Langsam schwebte die kleine Wolke hinter ihrer Mutter und ihren Geschwistern her. Sie ließ sich die Sonne in ihr kleines weißes Gesicht scheinen und genoss den wunderschönen Tag inmitten des strahlend blauen Himmelszelts. „Kleine Wolke, komm, schließ auf und trödle nicht herum!“, rief Mutter Wolke, als die kleine Wolke sich wieder einmal langsam vom leichten Wind hinterher treiben ließ. „Schließ auf, schließ auf! Zusammenbleiben!“, maulte die kleine Wolke und ließ sich von einem heftigen Windstoß wieder zu ihren Geschwistern treiben. „Ihr müsst unbedingt zusammenbleiben!“, predigte Mutter Wolke. „Hier oben am Himmel lauern überall große Gefahren!“.
„Was sollen hier oben schon für Gefahren lauern?“, fragte sich die kleine Wolke im Stillen. Dort unten auf der Erde, da ging es schon anders zu. Dauernd prallte irgendein Auto gegen einen Baum oder gegen ein anderes Auto. Bremsen quietschten, wenn ein Kind seinem Ball hinterherrannte, der vor ihm auf die Straße rollte und laute Sirenen dröhnten von der Erde in den Himmel hinein. Aber hier oben, da war die Welt noch in Ordnung. Die kleine Wolke kniff die Augen zusammen und steuerte in entgegengesetzter Richtung gegen den Wind und sah ihren Eltern und ihren Geschwistern nach. „Ha!“, rief die kleine Wolke. „Jetzt will ich hier oben mal etwas erleben!“. So ließ die kleine Wolke ihre weichen Glieder locker und ließ sich vom Wind umhertragen. Doch plötzlich wurde es ganz dunkel um die kleine Wolke. Ihre Augen brannten und das Atmen fiel ihr schwer. Sie keuchte und hustete und rang verzweifelt nach Luft.
„Rara! Rara!“, rief ein vorbeifliegender Rabe. „Wa…, wa…, was war denn das?“, fragte die kleine Wolke verängstigt. „Hast dich wohl verflogen?“, fragte der Rabe. „Nein! Es war sooo langweilig, immer nur hinter Mama, Wölkchen und Wolki hinterher zu schweben.“, erklärte die kleine Wolke.
„So so, langweilig!“, krächzte der Rabe. „Wolltest was erleben!“. „Genau!“, schmollte die kleine Wolke beleidigt. „Na dann pass mal ein bisschen besser auf dich auf!“, riet der Rabe. „Achtung!“, rief der Rabe und flog im Sturzflug davon. Die kleine Wolke sah ihm noch verwundert nach, als direkt vor ihrer kleinen Stupsnase ein Flugzeug empor in den Himmel schoss und stinkendes Kerosin spritzte in ihr kleines weißes Gesicht. Und als die kleine Wolke an sich heruntersah, da sah sie, was sie nun von ihrem kleinen Ausflug hatte. Ihr weißes Gewand war voller Ruß und Kerosinflecken. Und während sie auf eine Regenwolke zusteuerte, um den Schmutz von ihrem Gewand zu waschen, wurde sie von einem Fallschirmspringer mitgerissen.
Als sich die kleine Wolke endlich von dem Fallschirmspringer losreißen konnte, da sah sie ihre Familie wieder vor sich, die ihr Verschwinden noch nicht bemerkt zu haben schienen. So flog die kleine Wolke hinterher, als wäre nichts gewesen, bis sich Mutter Wolke umdrehte. „Na, hast wohl einen kleinen Ausflug gemacht?“, fragte sie und sah die kleine Wolke strafend an. „Nie!“, leugnete die kleine Wolke. „Das sehe ich!“, sagte Mama Wolke und schwebte zur kleinen Wolke hinüber und begann den Ruß und das Kerosin von ihr zu putzen. „Es ist gefährlich hier oben!“, sagte Mutter Wolke mitfühlend. „Die Menschen blasen ihre ganzen gefährlichen Abgase in den Himmel hinauf, und wenn wir nicht um sie herum schweben, dann nehmen wir all das Gift auf, und wenn wir es auf der Erde regnen lassen, dann bringen wir es ihnen wieder zurück auf den Boden und alles geht kaputt auf der Erde. Und es ist doch so schön, auf die blühenden Wiesen zu sehen, die Felder und Wälder. Wenn Du nicht achtgibst, dann werden wir eines Tages auf eine rußige tote Erde blicken müssen und das wäre kein schöner Anblick für uns hier oben!“.
„Ach so ist das!“, verstand die kleine Wolke und entfernte sich nie wieder von ihren Wolkengeschwistern, denn niemand verstand es so gut wie Mutter Wolke, die Gefahren der Schornsteine, Flugzeuge und Fallschirmspringern zu umschweben und für ein ruhiges Leben am Himmelszelt zu sorgen.
Die Verschwörung
Es war einmal ein kleiner Server, der zwei verband, ihre Emails versandte und empfing. Doch eines Tages brach der Kontakt in dieser Form und wurde wieder Freundschaft. Auch, wenn es wirklich doch ganz anders war. Sie suchte Zerstreuung, Ablenkung. Kontaktete mit anderen und nahm eines Tages die Einladung von einem Fremden an, die in dem Wechsel von zwei Jahren war. Doch sie schrieb ihm, ob er Zeit auf einen Kaffee hätte, denn sie käme bereits am nächsten Tag schon in sein Land. Und als er dies gelesen hatte, da wurde es ihm ganz anders, war besorgt und zugleich von Eifersucht geplagt. Sie solle kommen und nichts tun, was sie nicht wolle. Von überall wollte er sie holen, würde sie in Not geraten. Doch in Not war sie schon lange. Schon seitdem er sie von sich und ihrem Herz gestoßen hatte. Und mit der Antwort, die sie ihm geschrieben hatte, da hat der Server dann gestreikt, die Zähne fest in sich gebissen und lang hat keiner es gemerkt bis man ihn dann reparierte.
„Soll er doch zappeln, bis er was merkt!“, hat der Server zu sich selbst gesagt. „Soll er sich doch sorgen, wenn er mag!“. Waren sie es nicht, die beiden Server, die sie noch verband? Und erst am nächsten Morgen gaben sie die Nachricht frei. Zu spät für sie, noch etwas zu empfangen. Es tat dem kleinen Server weh. Doch wie sollte anders er begreifen, was er empfand, was er sich nicht eingestehen wollte? So war sie nun auf dem Weg zu einem Fremden und wär viel lieber an einen andren Ort gefahren. Doch der Server zog noch andere in seinen Bann und versandte gleich um Mitternacht zum Jahreswechsel noch eine Nachricht auf ihr Handy. Und als sie diese Nachricht fand, da wusste sie, was sie doch wirklich wollte. Ließ ihre Begleitung dieses Abends dann zurück und fuhr an den wunderschönen Ort, an dem ihr Herz schon lange war. Und so schlossen sich die Server der Computer und der Handys rasch zusammen und feierten ein großes Fest und verschworen sich für alle Zeit, für das Wertvollste zu kämpfen, was zwei Liebende verband.
Draußen im Walde
Es war ein wunderschönes Mädchen, das die Sonne früh morgens in ihrem Bett von den ersten Sonnenstrahlen weckt. Aufgrund der frühen Stund ist sie vollkommen träge, doch es beginnt endlich das Frühjahr. Der Schnee ist zwischenzeitlich weggeschmolzen, der Himmel nicht mehr mit dicken Wolken voll behangen, die ersten Vöglein zwitschern und die Natur erwacht in voller Pracht. Nichts kann sie mehr drinnen halten. Fluchs packt sie ein paar Sachen ein und läuft in ihren so geliebten Wald. Als sie dort eintrifft, hört sie einen Specht und wie der Wind ganz zart die Blätter dort bewegt. Auf einer Lichtung fällt sie ins Gras und nimmt den Duft des Waldes auf. Die Erde riecht so frisch, die Rinde an den Bäumen trocknet, die ersten Blumen fangen an zu blühen. Ein Frühlingsmorgen, wie im Bilderbuch. Nichts ist zu hören außer den Geräuschen der Natur. Auf ihrem Finger findet ein Schmetterling seinen Platz, dessen Flügel in schönsten Farben in der Sonne strahlen. Langsam sinkt sie voll und ganz ins Gras.
Es dauert nicht sehr lange, da ist sie eingeschlafen. Zugedeckt mit den ersten warmen Sonnenstrahlen. Umgeben von ihrem so geliebten Wald mit allen Bäumen, der Lichtung und seinem frischen grünen Gras, auf dem die ersten Blumen blühen. Was könnte so viel schöner sein als dieser wunderschöne Tag. In ihren Träumen sieht sie einen Mann in grün gekleidet, wie er entlang des Weges schreitet. Er hat sie nicht entdeckt. Er sieht nett aus und sehr sympathisch. Und als sie genau hinsieht, da prüft er alle Futterkrippen, die Reh und Hirsch das Überleben in diesem harten Winter ermöglichten. Als er zufrieden mit seiner Arbeit ist, nähert sich ganz vorsichtig ein Reh und bald folgt ihm ein zweites. Es ist der Förster dieses wunderschönen Waldes und die Tiere scheinen ihm sehr dankbar, wie er für sie und den Rest des Waldes sorgt. Sie scheinen beinah zutraulich. Plötzlich, als sich ihre Blicke treffen, scheint es, dass sich auch beinah alle Schmetterlinge dieser Welt um sie beide herum verabredet haben. Es ist ein wirres und wunderschönes Geflatter. Sie sind aus ihren Bäuchen emporgestiegen. Der Förster schreitet auf das Mädchen zu, beugt sich über sie und streicht über ihr zartes schönes Gesicht. „Du bist das Mädchen, auf das ich gewartet habe!“. Da erwacht das schöne Mädchen und als sie ihre Augen öffnet, sieht sie direkt in das Gesicht des Försters, der sich über sie gebeugt hat und ihr nun in die Augen sieht umgeben von unendlich vielen Schmetterlingen. Und als sie überlegt, was wahr ist und was Traum, da küsst er sie. Er nimmt sie an die Hand und sie schlendern gemeinsam, Hand in Hand, aus diesem traumhaft schönen Wald.
Ein Strohhalm namens Jonathan
Der kleine Strohhalm Jonathan lebte mit seinen Eltern, seinen Geschwistern, Cousinen und Cousins auf dem Heuschober eines großen alten Bauernhauses. Dort konnten sie ein unbeschwertes Leben führen, bis ihr großer Tag kam und sie zu den wichtigen Aufgaben eines Strohhalmlebens gerufen wurden. Den ganzen Tag spielten die kleinen Strohhalme ringelreih, verstecken oder fangen und freuten sich des Lebens. Die Strohhalmeltern waren manchmal sehr müde, denn auf so viele kleine Strohhalme zu achten, war nicht sehr viel leichter, als einen Sack Flöhe zu hüten. Die Strohhalmeltern mussten besonders auf den kleinen Jonathan aufpassen, der sich am liebsten an einem kleinen Guckloch platzierte und sich von den Windstößen durch die Luft wirbeln ließ. Jonathan saß auf einem Holzbalken, stützte sein Kinn in seine Hände und stöhnte. Er stöhnte so laut und so lange, dass ein Holzwurm aus dem Balken heraus gekrochen kam. „Was ist los, kleiner Strohhalmjunge?“, fragte der Holzwurm. „Ach, Tag ein Tag aus dasselbe. Immer mit denselben Strohhalmen verstecken spielen, sich immer an denselben Stellen vom Wind tragen lassen. Ich möchte weiterfliegen. Sehen, was da draußen, unterhalb des Heuschobers passiert.“ Antwortete Jonathan. „Aber das ist gefährlich!“, warnte der Holzwurm. „Meine Eltern haben sich in ein altes Spinnrad gefressen, das auf diesem Heuschober hier herumstand. Eines Tages kamen Menschen hier herauf und holten das Spinnrad. Meine Eltern kamen nicht mehr heraus und wurden auch von den Menschen mitgenommen. Seither hat sie keiner von uns jemals mehr gesehen.“.
„Das ist mir egal!“, sagte Jonathan trotzig und traurig zugleich. Es öffnete sich das Fall-Tor des Heuschobers, ein Windstoß erfasste Jonathan und wirbelte ihn durch die Luft, wie er noch nie durch die Luft gewirbelt ist. Da ergriff er die Gelegenheit, legte sich senkrecht, hielt ganz still und schwebte letztendlich auf den Hof des Bauernhofes.
„Jonathan! Jonathan!“, hörte er seine Eltern nach ihm rufen, doch ein Rückzug war nun nicht mehr möglich. Jonathan landete mitten auf dem Boden. Noch während er dort saß und wartete, dass ein kleiner Luftzug käme, der ihn zu einem neuen Ort tragen würde, damit er sein neues Umfeld erkunden konnte, galoppierte eine Horde Pferde an ihm vorbei. Durch diese Geschwindigkeit wurde er erneut aufgewirbelt und hielt sich an dem Schweif eines Pferdes fest. Jonathan benötigte seine ganze Kraft, um sich an dem Pferdeschweif halten zu können. Das Pferd schlug mit seinem Schweif wild um sich, um die Bremsen zu verjagen, die sich an seinem Körper weideten.
Jonathan war von diesem wilden Ritt so erschöpft, dass er den Schweif des Pferdes auch während dessen Abendessen an seinem Trog nicht mehr losließ.
Erst, als das Pferd satt war, ergriff Jonathan den nächsten Windstoß und ließ sich an das Ohr des Pferdes wehen. „Psst! Du!“, flüsterte Jonathan in das große Pferdeohr. „Was ist, wer spricht da?“, fragte das Pferd. „Ich bin hier oben an deinem Ohr. Ich heiße Jonathan und bin ein kleiner Strohhalm!“, erklärte Jonathan. „Was willst du und wo kommst du her?“, fragte das Pferd. „Ich komme von oben, vom Heuschober und möchte ein großes Abenteuer erleben.“, erklärte Jonathan weiter. „Abenteuer?“, fragte das Pferd. „Na dann bleibe am besten hier sitzen und warte auf den nächsten Windstoß. Lass dich von ihm dort oben auf meine Boxentüre wehen. Von dort aus kannst du alles sicher beobachten. Nur pass auf, dass du nicht herunterfällst!“, mahnte das Pferd.
Jonathan war so aufgeregt von den neuen Eindrücken, dass er nicht bemerkte, wie sich ein Windstoß von hinten näherte. Er hatte große Mühe, seine neue von dem Pferd empfohlene Aussichtsplattform zu erreichen. So saß er auf seinem neuen Aussichtpunkt und beobachtete, was im Stall so alles vor sich ging. Jonathan sah, wie Mäuse eilig die Stallgasse überquerten, gejagt von Katzen, die sich ihre Mäuler schleckten. Er sah Menschen, die ihren Sattel auf den Rücken ihres Pferdes warfen, um sich von ihnen spazieren tragen zu lassen. Er beobachtete das ganze geschäftige Treiben sehr ausführlich.
Eines Tages empfand Jonathan das wilde Treiben im Stall allerdings auch nicht mehr als sehr aufregend. Er wusste nun, was alles in einem Stall passiert. Und wieder saß er stöhnend auf seinem Balken und dachte an seine Geschwister, mit denen er jetzt so gerne gespielt hätte. Noch während Jonathan mit offenen Augen von seinen Geschwistern träumte, setzte sich eine Fliege neben ihn. „Was hast du, kleiner Strohhalm? Warum sitzt du hier so traurig und allein?“, fragt die Fliege. „Ach!“, seufzt Jonathan. „Ich bin ausgezogen, um ein großes Abenteuer zu finden, doch hier ist es auch nicht anders, als oben, auf unserem Heuschober.“, erklärt Jonathan. „Und deswegen bis du so traurig?“, fragt die Fliege weiter. „Mir fehlen meine Eltern und meine Geschwister!“ weinte Jonathan.
„Ach, sei keine Memme!“, sagt die Fliege. „Ich dachte, du bist ausgezogen um ein großes Abenteuer zu erleben? Was hast du denn schon auf so einem ollen Heuschober? Da passiert doch nichts. Hier unten ist das wahre Leben. Lass dich hinunterfallen und setze deinen Weg fort. Es gibt so wunderbare Kuhfladen und Pferdeäpfel, die gar köstlich duften. Lass dir nicht das Beste im Leben entgehen!“ Versucht die Fliege Jonathan wieder aufzumuntern und fliegt von dannen. Direkt auf einen großen Pferdeapfel. „Na komm!“, rief sie. „Komm herunter! Sei kein Feigling!“.
Da schließt Jonathan die Augen und lässt sich von seinem Balken auf den Boden der Stallgasse fallen. Als Jonathan die Augen öffnet, sieht er eine junge Frau mit großen Stiefeln auf sich zukommen und zack, hält er sich an einer kleinen Wölbung des Stiefels zwischen Sohle und Absatz fest und lässt sich hinaustragen. Zurück auf den Hof. Dort stehen nun Autos herum. Autos haben sie auf dem Heuschober immer nur gehört, aber nie gesehen. Auf diesem Auto ist vorne auf der Motorhaube ein Reifen mit einem Kreuz darin. Dorthin lässt sich Jonathan als nächstes wehen. Er setzt sich auf den Reifen und rutscht darauf herunter. Er schlägt einen Salto und schwebt auf das Kreuz im Reifen zu, benutzt es als Leiter und wiederholt das Spiel, bis er plötzlich von einem orkanartigen Windstoß erfasst wird. Das Auto hat sich in Bewegung gesetzt und fährt mit Jonathan an der Spitze des Weges.
Kaum hat Jonathan seinen ersten Schreck überwunden, turnt er weiter in dem Stern. Nur achtet er darauf, dass er sich gut festhält und nicht davon geweht wird. „Jippie! Auf zu neuen Abenteuern!“, ruft Jonathan mit wehendem Haar. Jonathan ist traurig, als die Fahrt beendet ist. Er findet sich mitten in der Großstadt wieder. Lauter Autos brausen an ihm und seinem neuen Turngerät vorbei. Es ist laut und es stinkt. So viele Menschen hat er auch noch nicht gesehen. Jonathan lässt sich zu Boden sinken und setzt sich auf den Bordstein. An ihm eilt eine Ratte vorüber.
„Schnell! Bringt Euch in Sicherheit! Die Straßenkehrmaschine kommt!“, ruft sie und ist genauso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Alle Tiere, die Jonathan gar nicht wahrgenommen hatte, eilen hastig von dem Bordstein. Jonathan bemerkte erst, was die Ratte meinte, als er sich in dem rotierenden Bürstenkopf der Straßenkehrmaschine wiederfand. Dieses Spiel war selbst Jonathan zu viel. Er wechselte seine Gesichtsfarbe und wurde abwechselnd grün und weiß im Gesicht. Jonathan nahm allen Mut zusammen, ließ das Bürstenhaar der Kehrmaschine los und wirbelte orientierungslos über einen Zaun in einen Garten hinein. In dem Gras des Gartens fühlte sich Jonathan schon etwas sicherer, aber der Lärm der vorbeifahrenden Autos machten ihn wieder traurig und er dachte an das schöne ruhige Leben auf dem Heuschober seines Bauernhofes.
Jonathan sitzt im Gras, schlägt mit den Fäusten auf den Boden, weint immer mehr und hält sich die Ohren zu, bis er vor sich einen Igel sieht, dessen Lippen sich bewegen. Vorsichtig nimmt Jonathan die Hände von seinen Ohren und sieht den Igel traurig an. „Na, kannst du mich jetzt hören?“, fragte der Igel. „Ja!“, schniefte Jonathan und wischte sich den Rotz von der Nase. „Hast Heimweh, willst wieder nach Hause.“, stellte der Igel fest. „Woher weißt du das?“, fragte Jonathan. „So ein kleiner Strohhalm mitten in der Großstadt, ganz allein mit vielen Tränen? Was sollst du denn anderes wollen, als nach Hause?“, sagte der weise Igel. „Ja, ich will nach Hause.“, antwortet Jonathan. „Nach Hause auf unseren Bauernhof, auf den Heuschober zu meinen Eltern, meinen Geschwistern, Cousins und Cousinen.“.
„Heute ist es schon spät!“, sagte der Igel. „Du kommst am besten mit in mein Nest, dort kannst du die Nacht verbringen. Aber laufen musst du schon allein, wenn du von meinen Stacheln nicht aufgespießt werden willst.“, bot der Igel an. Jonathan überlegte nicht lange und trottete neben dem Igel in sein Nest. Schlafen konnte Jonathan nicht bei dem Krach und dem Gestank.
Als die Sonne am Himmel erwachte, sprang Jonathan aus seinem Nest aus Blättern, zog den Igel am Barthaar und rief: „Jetzt ist morgen. Bring mich nach Hause. Bring mich bitte wieder nach Hause.“. Verschlafen rieb sich der Igel die Augen und blinzelt Jonathan an. „Jetzt wirst du dich erst einmal waschen und kämmen. Du willst doch, dass dich deine Eltern auch wiedererkennen.“. Jonathan tat, was der Igel ihm aufgetragen hat und hüpfte freudig wieder zurück.
„Nach Hause! Nach Hause!“, rief er. Der Igel brachte Jonathan zur Straße zurück und wie es der Zufall wollte, kam die junge Frau, an dessen Stiefel sich Jonathan am Vortag zum Auto hat bringen lassen. Schwups hat er sich zwischen Absatz und Sohle gehängt und beschloss, den Heimweg gemütlicher anzutreten. Innerhalb des Autos. Schließlich hatte er in der Zwischenzeit genug Anstrengung und er wusste nicht, was er noch alles anstellen musste, um in seinen Heuschober zurück zu gelangen.
Bei der langen Autofahrt sind Jonathan die Augen zugefallen und er schafft es gerade noch rechtzeitig, sich an dem Stiefel festzuhalten, um auch wieder aus dem Auto herauszukommen. Da war Jonathan seinem Zuhause schon wieder ein ganzes Stück näher. Er sah seinen Hof, seinen Bauernhof, seinen Heuschober. Hörte, wie die anderen Strohhalme fangen spielten. „Die Gelegenheit wird kommen, dass ich wieder auf meinen Heuschober zurückkomme. So lange kann ich warten. Schließlich bin ich den anderen schon wieder ganz nah.“, sagte Jonathan zu sich selbst. Er setzte sich auf einen Stein und wartete mit großen leuchtenden Augen. Er spürte einen Luftzug und hielt sich gut fest, damit er nicht mehr davon geweht werden konnte und kurz darauf setzte sich eine Krähe neben ihn.
„Mein Freund, der Igel schickt mich.“, sagte die Krähe. „Ich soll dich das letzte Stück deines Weges tragen, weil du so ein netter Kerl bist, hat der Igel gesagt.“, erklärte die Krähe weiter. „Komm, setz dich auf meinen Rücken und halte dich gut fest!“. Jonathan fiel die Kinnlade herunter und starrte die Krähe mit offenem Mund an. „Na los, steig auf! Ich habe heute auch noch etwas anderes zu tun, als auf dich zu warten!“, mahnte die Krähe ungeduldig. Die Krähe stupste Jonathan mit ihrem Flügel auf ihren Rücken. „Festhalten!“, rief sie und nahm mit ihren großen Füßen Anlauf, um Jonathan nach Hause auf den Heuschober zu bringen.
„Aus der Baaaaaaaahn!“ Schreit die Krähe eine Horde Gänse an, die gerade ihre Startbahn kreuzten. Doch schon hat sie abgehoben, noch bevor die Gänse reagieren konnten und den beiden verwirrt hinterher blickten. Erst da realisierte Jonathan, dass er auf dem Weg nach Hause war und rief voller Begeisterung: „Juhuuuuuuuuu! Ich bin wieder da!“. Die Krähe passierte das Schlupfloch im Heuschober, drehte eine extra Runde mit Jonathan auf dem Rücken und alle Strohhalme jubelten ihm zu. Selbst der Holzwurm kam aus seinem Balken geschlüpft.
„Respekt, Respekt!“, sagte der Holzwurm zu sich selbst. „Der kleine Strohhalm ist der Erste, der wieder zurückkommt, von denen, die den Heuschober hier verlassen haben. Vielleicht haben meine Eltern ja ein neues Zuhause gefunden?“. „Bestimmt, bestimmt!“, sagte die Fliege, die sich neben dem Holzwurm niedergelassen hat, da sie von dem Spektakel angelockt wurde.
Jonathan setzte sich stolz vor die anderen Strohhalme und berichtete von seinen Erlebnissen. Die Strohhalme, der Holzwurm und die Fliege hörten ihm gespannt zu, während die Krähe sich auf den Weg machte, um ihre wichtigen Aufgaben zu erledigen.
Engel weinen nicht
Es war eine sternenklare Winternacht. Der Mond erhellte mit seinem runden Gesicht und die Erde und die kleinen Sternchen strahlten mit all ihrer Kraft. Der Wind spielte um die Bäume und über die schneebedeckten Wiesen. Der Schnee wehte eine zarte Schicht des Schnees über die Erde. Die Eulen riefen aus den Wäldern und die Füchse zogen frierend über das Land. Ein leises Rauschen zog in Richtung Himmel, an dem gerade eine kleine Wolke hinüberschwebte. Ein leises „Autsch!“, war zu vernehmen und eine Sternschnuppe, die in Richtung Erde fiel, zu sehen.
Erschrocken sah er auf, der kleine Amor, der auf dem Ast eines Baumes saß und mit seinem Bogen spielte. Einer seiner Pfeile war ihm ausversehen ausgekommen. Der kleine Amor war traurig und verzweifelt zugleich. Er hatte die Aufgabe, eine bestimmte Frau und einen bestimmten Mann zu treffen, mit seinem Pfeil, doch es gelang ihm schon den ganzen Tag nicht. Schon ganz früh am Morgen wachte er vor ihren Häusern, um sie nur nicht zu verfehlen. Sie begegneten sich mehrfach, doch der kleine Amor hatte nur eine herumstreunende Katze getroffen, die nun schreiend vor dem Hause saß.
Bei einem weiteren Versuch traf er einen Hund, der nicht mehr von einer Bank zu trennen war, die von dem Pfeil des kleinen Amors auch getroffen wurde und ein Rentnerpärchen, die sich vor Gericht bekämpften, die nun Hand in Hand durch die Straßen zogen. Nur das Paar, welches immer noch keines war, welchem sein Auftrag galt, die traf er nicht. Traurig zog er in den Wald hinein und zupfte an seinem Bogen herum, bis sich ein Pfeil ganz unplanmäßig und ganz ausversehen gelöst hatte.
Die Sternschnuppe, die kurz danach zu Boden ging, als sich klein Amors Pfeil verselbstständigt hatte, ging nicht weit von seinem Hochsitz zu Boden. Amor hörte ein Schluchzen und Weinen. So kletterte er von seinem Baum hinab und lief zu der Stelle, wo er die Geräusche vernahm. Schon von weitem sah er einen hellen goldenen Strahl, der ihn so sehr blendete, dass er die Augen zusammenkneifen musste, bevor er sich nähern konnte. Da sah er einen kleinen Engel, dessen Flügel es waren, die ihn so blendeten.
„Warum sitzt du hier auf dem Boden und weinst, kleiner Engel?“, fragte der kleine Amor besorgt. „Ach weißt du,“, sagte der kleine Engel „ich saß auf meiner Wolke und plötzlich hörte ich ein leises rauschen. Meine Wolke geriet ins Wanken und ich fiel hinunter.“, antwortete der kleine Engel. „Nun sitze ich hier und weiß nicht, wo meine Wolke ist und wie ich wieder zu ihr hinaufkommen soll.“, sagte der kleine Engel weiter.
Der kleine Amor wurde Rot in seinem Gesicht. „Ich fürchte, ich bin schuld an Deinem Unglück!“, gab er verstohlen zu. „Ich hatte einen schlechten Tag. Keinen Erfolg. Alles lief schief. Da setzte ich mich auf einen Baum nicht weit von hier, und spielte an meinem Bogen herum. Dabei hat sich ein Pfeil gelöst und ich glaube, dass dieser der Grund war, warum Deine Wolke ins Wanken geriet und Du heruntergefallen bist.“, berichtete der kleine Amor.
„Oh je, das ist ja schrecklich!“, sagte der kleine Engel. „Ich werde Dir helfen, Deine Wolke zu finden. Ich werde Dir helfen, wieder dort hinauf zu kommen! Das verspreche ich Dir hoch und heilig, so wahr ich der kleine Amor bin!“, versprach der kleine Amor. „Warte hier!“, rief er und war auch schon verschwunden.
Sein Weg führte ihn zu der alten weisen Eule. Dort klagte er sein Missgeschick. „Ein Engel, der durch deinen Pfeil vom Himmel fiel?“, fragte die Eule entsetzt. „Ja!“, antwortete der kleine Amor mit hoch rotem Gesicht. „Ein Engel, der vom Himmel fiel, der kommt nicht mehr zurück dorthin, woher er kam.“, erklärte die weise Eule. Der kleine Amor begann zu weinen und sah in die Richtung des Engels, die hell erleuchtet war. Die Eule wollte dem kleinen Amor helfen und rief die Tiere des Waldes zusammen, die sich im Kreis um die Eule und den kleinen Amor versammelt hatten. „Ein Engel vom Himmel …“, flüsterte es durch die Reihen. „Ooooh …!“, raunte es weiter.
Sie berieten drei Nächte lang, da sie sich am Tage vor den Menschen verstecken mussten und versteckten auch den kleinen Engel, der von Amor bewacht wurde, damit ihn niemand fand. Doch sie fanden keine Lösung, den kleinen Engel zurückbringen zu können. Der kleine Engel war verzweifelt, und weinte bitterlich in einer kleinen Baumhöhle.
„Pssst!“, machte der kleine Amor, doch der Engel hörte nicht. „Pssst!,“ machte er noch einmal. Doch da war es zu spät. Ein Reiter auf einem strahlend weißen Schimmel kam des Weges und hatte das Schluchzen des kleinen Engels vernommen. Der Reiter war ein Prinz und stieg ab und schaute, woher das Weinen kam, bis er vor dem Baum stand, in dem sich der kleine Engel versteckt hielt. Der Prinz ging um den Baum herum und sah den kleinen Engel in seiner Baumhöhle in seiner strahlenden Schönheit.
Der kleine Amor wurde nervös. Er hatte doch die Aufgabe, den kleinen Engel zu beschützen. Auf ihn aufzupassen. Ihn zu verstecken. Wieder einmal hatte er versagt und fuchtelte nervös mit seinem Bogen herum. Der Prinz kniete sich vor den Engel, berührte sein Gesicht und wischte ihm die Tränen ab. In diesem Moment löste sich wieder ein Pfeil des kleinen Amors und schoss mitten durch das Herz des Prinzen und des kleinen Engels hindurch.
„Engel weinen nicht!“, sagte der Prinz. Nahm den kleinen Engel in seine Arme und stieg mit ihm auf sein Pferd. Sie ritten auf sein Schloss, wo sie ein sehr glückliches Leben verbrachten. Und der kleine Amor wachte vor ihrem Tor, damit niemand ihrer Liebe etwas antun konnte.
Es war einmal …
Es war einmal ein armer Rittersmann, der auf einem langen Feldzug hart gekämpft hat und alles verloren. Er war in einer andren Zeit gelandet und arbeitete und lernte, bis er eines Tages in der Zeit des Internets auf ein armes Mädchen stieß. Unbedingt wollt er sie treffen und kennenlernen. Er wusste: Sie ist´s. Doch was bekam er zur Antwort: „Du nicht!“. Er dachte, ja Du kennst mich doch gar nicht. Weißt ja gar nicht, wer ich bin. Wie kannst Du es wagen, einfach zu mir „Du nicht“ zu sagen. So zog er aus in das ferngelegene Furth im Wald, um ihr den Further Drachen zu erlegen, der seit Jahrhunderten sein Unwesen dort treibt. Allerdings trieb er es nur der Sage nach. In Wirklichkeit hieß er Fanny und war ein zartes nettes Drachenmädchen, das von den Bewohnern gehütet und gefüttert wurde und niemand durfte ihm Leid antun. Fanny war schon über hundert Jahre alt und Weise. So holte sich der Ritter Rat bei ihr.
„Ritter Max!“, sagt Fanny leise, Du musst nur energisch sein und Deine Liebe ihr beweisen. Sie flüsterten und tuschelten bis in das frühe Morgengrauen. Als Fanny müde eingeschlafen war, da band er ihr ein Seil um ihren Fuß und machte sich auf den Weg zu der Frau seines Begehrens. Zu Fuß versteht sich.
Ein Leichtes wäre es gewesen, Fanny auf einen LKW zu laden und über die Autobahn zu fahren. Oder auf dem Bahnhof auf einen Güterzug zu laden. Doch Ritter Max schwang sich das Seil über die Schulter und zog das schwere Drachenmädchen Fanny über die Autobahn durch das Fünfseenland. Und als er endlich angekommen war, ließ er das schwere Drachen-Ei fallen, das wie ein Donner auf den Boden schlug. Fanny drehte sich um und schnarchte.
Das Mädchen sah den Ritter samt dem Drachen und war beinah beleidigt, denn kaufen lassen wollte es sich nicht. Es wollte einen Mann, der zu ihr hält. Ritter Max weckte das Drachenmädchen und schickte es zurück von hier in seine Drachenhöhle. „Ich hab es doch gesagt!“, sagte Fanny zu dem wacken Ritter. „Wenn sie wer ist, dann will sei einen Kerl, der zu ihr hält und keinen, der Drachen über Autobahnen zerrt.“. „Und was soll ich jetzt noch tun?“, fragte Ritter Max ganz kleinlaut. „Komm herein und stärke Dich!“, fordert ihn das Mädchen auf. „Was veranlasst Dich, einen Drachen diesen weiten Weg an seinem Bein hier her zu zerren?“, will sie weiterwissen. „Weil ich weiß, dass Du die Rechte bist!“, lässt er sie wissen und zieht sie an sich, um sie mit zittrigem Leib zu küssen. Und wenn sie nicht gestorben sind, so küssen sie sich auch noch heute.
Fritzchen in der Kaffeetasse
Es war Fritzchens erster Schultag, der ihm nicht so gut gefiel, wie er es sich erwartet hatte. Es begann damit, dass es an diesem Tage regnete. Zwar hatte er einen bombastisch schönen Schulranzen mit Fußballspielern drauf und eine dunkelblaue Schultüte mit einem Fußball drauf, doch hatte er große Angst, dass es dort hineinregnet und alles darin zu einem großen Brei aufweicht und sich ganz ekelig vermischt. Darin waren nämlich Spitzer, Stifte, ein Band für seinen Schlüssel, den er bald bekommen sollte, Süßigkeiten, Füller, Federmäppchen und ein Portemonnaie mit einem Notfall-Zehnerl und einer neuen Tasse für Kakao. Das war an diesem Tag sein ganzer Stolz. Doch nun goss es in Strömen. Und Fritzchen war besorgt, was nun bei der Vibration durch seinen Gang in seiner Schultüte passieren würde.
Nach einer langen Rede des Schuldirektors in der Aula, wurden sie ihrer Klassenlehrerin zugeteilt und schritten durch die langen Gänge in das Klassenzimmer, in welchem sie in diesem Jahr die meiste Zeit verbringen würden. Es roch ein wenig muffig und Lärm hallte durch den langen Gang. In ihrem neuen Klassenzimmer angelangt, durften sie sich alle ihre Plätze suchen. Neben Fritzchen nahm ein kleiner dicker Junge Platz, der gleich sein Pausenbrot auspackte, seinen Mund aufriss und gleich hineinbiss. „Heeee!“, sagte Fritzchen. „Das ist ein Pausenbrot! Und wir haben jetzt noch keine Pause!“. „Mir egal!“ erklärte der dicke Junge schmatzend. „Mein Vater ist der Dorfmetzger und der sagt, wer arbeitet, der muss auch essen!“. „Aber wir arbeiten doch nicht!“, stellt Fritzchen fest. „Aber bestimmt gleich!“, ahnt der dicke Junge.
Die Lehrerin fordert die Kinder auf, den Inhalt ihrer Schultüte auf ihrem Schreibpult aufzubauen und zu erklären, für was es zu gebrauchen ist. Fritzchen kramt seinen ganzen Stolz heraus. Auch seine neue Kakaotasse. Da fällt ihm zu Hause seine Mutter ein. Denn den dicken Jungen neben sich, den findet er recht blöd. Der denkt nur ans Essen. Und in seiner Schultüte ist auch nur essen. Etwas anderes scheint ihn nicht zu interessieren.
Fritzchens kann seinen Blick nicht mehr von seiner Tasse schweifen lassen, die einen kleinen Maulwurf zeigt. Eine solche Tasse hat seine Mutter auch. Nur größer ist die ihre. Und seine Mutter hat auch keinen Kakao darin, sondern fast einen Liter Kaffee. Wie gerne würde Fritzchen in ihrer Kaffeetasse wohnen. Dann müsste er jetzt nicht neben dem dicken schmatzenden Jungen sitzen, sondern könnte bei ihr sein. So viele spannende Sachen haben sie nämlich immer gemacht. Seine Mutter spielte mit ihm Fußball, auch im Matsch und meistens gewann er. Selbst, wenn seine Mutter ein Tor mehr schoss und Verstärkung von seiner Schwester hatte und vom Hund, der auch ein Mädchen war und damit die Mädchenmannschaft sehr viel größer. Aber heute hatte sie ihn samt Hund einfach auf dem Hinweg dagelassen mit Schultüte und Tasse. Dabei predigte sie immer, er soll nicht mit Fremden reden und die Lehrerin war fremd und die andren Kinder auch.
Was würde seine Mutter jetzt wohl machen? Eins war sicher! Sie war auf der Suche nach ihrer Kaffeetasse. Denn diese nahm sie im Lauf des Vormittags stets mit sich. Sie nahm sie mit ins Bad zum Duschen, damit sie diese sofort wiederhatte, wenn sie aus der Dusche stieg. Sie nahm sie auch mit ins Schlafzimmer, wenn sie sich anzog. An den Schreibtisch um zu arbeiten, ins Wohnzimmer um zu bügeln, in die Küche, um das Essen vorzubereiten, auf den Balkon, um auszurasten. Immer war die Kaffeetasse bei ihr. Fritzchen auch. Er ließ sie kaum aus seinen Augen. Und nun? Nun war seine Mutter zu Haus mit ihrer Kaffeetasse und er in diesem fremden Klassenzimmer neben diesem fetten Jungen, der nichts anderes im Sinn hatte, als Essen. So beschloss Fritzchen, ab sofort will er in einer Kaffeetasse wohnen. Ganz fest kniff er seine Augen zu und fand sich plötzlich in der Tasse wieder. Er war ganz klein. Klar! Wie hätte er darin sonst auch Platz gehabt. Und er strahlte, dass sein Wunsch in Erfüllung gegangen war.
„Hallo!“, rief Fritzchen, doch es hallte in der großen Kaffeetasse. „Haaaaallo!“, versuchte er es dann erneut. Doch niemand konnte ihn erhören. Niemand nahm ihn wahr. Nur sein Echo hallte in der Tasse: „ooooooooo“. Das Echo fand Fritzchen ziemlich lustig und rief: „Wie heißt der Bürgermeister von Weeeesel?“. „Eeeeesel!“, antwortete ihm die Tasse. Fritzchen klopfte sich vor Vergnügen auf die Schenkel, bis er plötzlich etwas roch. Und bevor er sich versah, schwamm er in einem großen Kaffeemeer.
„Hallo!“, rief er. „Hallo!“. Doch der Kaffee nahm der Tasse sein ganzes Echo. „Heeeee!“, rief Fritzchen nun. „Ich hab doch meine Schwimmflügel nicht dabei!“. Er prustete und paddelte. Doch es war sein großes Glück, dass er immer Kaffee trinken wollte und nicht durfte, weil seine Mutter sagte, dass das nichts für Kinder ist. Jetzt hatte er so viel, dass er drin schwimmen konnte. Doch bei Gelegenheit würde er seine Mutter bitten, ihn vielleicht doch mit viel Milch und noch mehr Zucker zu trinken. Ein wenig Bitter war er schon so schwarz, wie sie ihn trank. Vor allem hätte er auf einem Zuckerwürfel vielleicht etwas Halt finden können. Vielleicht würde er demnächst doch in Papas Tasse ziehen. Der trank den Kaffee so, wie Fritzchen es sich wünschen würde. Doch was geschah nun? Plötzlich gab es einen hohen Wellengang. Seine Mutter hob die Tasse an um daraus zu trinken.
„Heeeee! Maaaaami!“, rief Fritzchen ganz verzweifelt. „Ich bin hiiiiiiiier und guck mal wie ich ohne Flügerl schwimmen kann. Du kannst mich doch jetzt nicht verschlucken!“. Doch Fritzchen hatte Glück, denn das Telefon hat geklingelt und seine Mutter stellte die Tasse wieder hin. „Ich glaub, ich such mir doch ´ne andere. Vielleicht die, aus der der Papa immer trinkt.“ So krabbelte er aus der Tasse seiner Mutter raus und ließ sich in Papas Kaffeetasse nieder. Die war leer. Denn Papa hatte sie schon ausgetrunken und war längst aus dem Haus. So schleckte Fritzchen am Boden der Tasse den süßen Milchkaffee aus. Doch irgendwie passierte nichts mehr, denn seine Mutter schleppte nur ihre Kaffeetasse mit und nicht die leere von seinem Vater. Das war nun schon ein wenig langweilig. So versuchte er hinaus zu klettern. Doch ohne Kaffee, der bis oben schwappt, war das sehr schwer und gar nicht möglich. Außerdem waren die Innenwände dieser Tasse nass und feucht, sodass er immer wieder abrutschte.
„Mist!“, sagte Fritzchen. „Das wird ganz schön langweilig!“. Doch kaum hatte er dies ausgesprochen, hörte er ein lautes Brummen. Eine Mücke war in die Tasse reingeflogen und gleich folgte auch die zweite. Das Brummen empfand Fritz als absolute Ruhestörung. Es war sehr laut, wenn man so klein war und in einer Kaffeetasse wohnte. Und die Mücken waren groß. Groß, wie Dinosaurier. Sie flogen und brummten in der Kaffeetasse herum und stärkten sich gelegentlich mit dem süßen Nass, das Fritzchen nicht ganz schaffte aufzulecken. „Mann!“, rief Fritzchen entnervt. „Jetzt hört doch mal auf zu brumseln!“. Doch die Mücken ließen sich nicht stören. Brummten und brumselten vor sich hin und wäre ein Polizist vorbeigekommen in Fritzchens Größe, hätte er Anzeige wegen zu lauten Brumseln erstattet. Doch so kleine Polizisten gab es nicht. Er überlegte schon eine Brumsel-Polizei zu gründen, als er plötzlich seinen Namen hörte: „Fritzchen! Fritzchen!“, hörte er eine nette Stimme und das Schmatzen seines Banknachbarn.
„Willst du uns nicht zeigen und erzählen, was in Deiner Schultüte ist?“, hörte er die nette und freundliche Stimme seiner Lehrerin. „Eine Kaffeetasse!“, sagte Fritzchen stolz. „Und in der wohne ich!“, teilte er mit. Die Klasse lachte. Doch er wusste, dass er wenn er in der Tasse wohnt, immer bei seiner Mama ist. Selbst, wenn es manchmal gefährlich ist. Aber seine Mutter würde ihn nie verschlucken. Und ihr war es egal, ob er klein oder groß war. Denn als das Telefon geläutet hat, hat sie gesagt, dass sie ihren Zwerg ganz schön vermisst. Und dass es im Haus ganz ungewöhnlich still war.
Herz zu verschenken
Es war eine kalte schneelose Winternacht im Dezember, an dem der Vollmond sein fahles Licht durch die kahlen Bäume sandte. „Oh, was gäbe ich, wenn mein Herz so kahl sein würde, wie diese Bäume, so kalt, wie diese Nacht und so fahl, wie das Licht des Mondes.“, sagte ein Mädchen, das vor die Tür getreten war. Sie hatte ihr Herz verloren, das brannte und pochte, das schmerzte, als würde man einen Dolch in ihm drehen und auch wenden. Das Leben, es schien so aussichtslos, es war so schmerzhaft und erschien so sinnlos mit diesem Schmerz. Wenn sie es los werden könnte, ihr brennendes Herz, sie gäbe es, ohne nur lang zu zögern. Da hörte sie eine leise tiefe Stimme neben sich: „Gibst du es mir?“. Als sie sich umsah, erblickte sie ein kleines Teufelchen, das aus der Unterwelt emporgestiegen war. Nur äußerlich umgab ihn Hitze. Nur um ihn herum war es so warm. Doch in sich, da fühlte er nur Frost und Kälte. So gerne würde er fühlen können. So gerne würde er empfinden können, und auch von innen her erhitzen.
„Du willst es haben, mein leidendes Herz?“, fragte das Mädchen ungläubig. „Ja bitte.“, flehte das kleine Teufelchen mit seinen Hörnern auf der Stirn. „Weißt du, wie sehr es schmerzen kann?“, wollte das Mädchen wissen. „Was kann schlimmer sein, als die äußerliche Hitze?“, fragte der kleine Teufel. „Wenn das Herz so sehr schmerzt, wie meines.“, antwortete das Mädchen. „Ich nehme es.“, bot der kleine Teufel an. „Ich kann es dir nicht geben, es wäre nicht fair. Du hast es nicht verdient.“. „Warum nicht?“, wollte der kleine Teufel wissen. „Weil ich meinem Feind den Schmerz nicht wünschen würde, der mich umgibt.“. „Lass mich dich erlösen!“. Das Mädchen erklärte, wie es fühlte, wie ihr Herz schrie nach diesem Einen, doch das kleine Teufelchen gab nicht nach, beharrte auf das, was sie umgab, und ihm so unendlich vieles wert war.
„Ich schenk dir Diamanten für Dein Herz und Edelsteine. Ich gebe dir alles, was du nur begehrst.“. „Nein, das will ich alles nicht. Ich möchte nur, dass es nicht mehr schmerzt.“. „Dann gib es mir!“. „Bist du dir wirklich sicher?“. „Gib es mir!“, flehte der kleine Teufel. „Du sollst es haben! Ich schenke es dir!“. Und so wechselte das blutende und schmerzende Herz seinen Besitzer. Und mit ihm ging Leid und schmerzvolle Erinnerung. Dem kleinen Teufel wurde warm von innen. Er begann innerlich zu glühen, fühlte Einheit mit dem Äußeren, das ihn umgab und dem Mädchen wurde leichter. So trennten sich ihre Wege und das Mädchen lebte leicht und frei, hatte kein Gewissen mehr, ging über Leichen.
Doch der kleine Teufel fühlte nicht nur die Wärme von ganz innen. Er fühlte Wehmut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Dass es so ein großer Schmerz sein konnte, der so ein kleines Herz umgab? Was war sein Leben früher leicht und unbeschwert gewesen. Und nun hatte er so große Last zu tragen. Das Herz war schwer, wie viele Tonnen, die nun in seiner Brust verweilten und glühte um vieles mehr als das Feuer in seiner Welt. Er fand die Idee nun lange nicht mehr gut, sich ein Herz zu stehlen. So begab er sich auf eine lange Reise, um das Mädchen zu finden, dessen Herz er trug. Doch kaum hatte er sie aufgespürt, war sie wieder verschwunden.
„Bitte, nimm dein Herz zurück!“, flehte er im Stillen. „Warum sollte ich?“, hörte er die Stimme neben sich. „Ich kann es nicht ertragen.“. „Nach nicht mal einem Tag kannst du den Schmerz nicht mehr ertragen, der mich umgab?“. „Die Last ist groß und schwer!“, antwortete er. „Ich weiß!“, sagte das Mädchen. „Nimm dein Herz zurück!“, flehte der kleine Teufel nun erneut. „Du wolltest fühlen, wie ich fühlen konnte. Du wolltest die Wärme tief innen fühlen, die ich fühlte. Du sagtest, es wäre das, was du im Leben suchtest.“. „Es war ein Irrtum!“, rief der kleine Teufel ganz verwirrt. „Was du mir alles dafür geben wolltest …“. „Ich gebe dir alles, was du nur haben willst, wenn du es zurücknimmst, dein schmerzendes und so sehr blutendes, verletztes Herz.“ Das Mädchen wollte nicht. Es war froh, dass es ihr Herz nun endlich los war. Doch ließ sie sich erweichen. Und bald fühlte es den Schmerz, das Leid, die Qual erneut. Sie waren nicht gegangen. Sie waren stärker da. Doch sie erkannte, dass auch diese Art Gefühle das wertvollste der Welt war. Denn sie zeigten einem, dass man lebte und dies das Leben wertvoll machten.
Karlchen, die Ameise
Es war ein warmer Sommertag, als Karlchen traurig aus seinem Bau gekrochen kommt und er sich erschöpft auf einem Kieselstein niederlässt. „Hallo Karlchen!“, ruft der Herr der Mücken. „Hallo Mück!“, antwortet Karlchen. An diesem Tage hat er sich allein im Bau versteckt, als das ganze Gefolge ausrückte um Vorräte zu sammeln. Karlchen war müde, wollte nur noch schlafen, nicht schleppen, die Füße von einem Kiesel baumeln lassen, was er auch zwischenzeitlich tat, doch bereits in dem großen Ameisenbau plagte ihn nun das absolut schlechte Gewissen und das Füße baumeln lassen auf dem Kieselstein, das war nun nur noch halb so aufregend. Plötzlich, als er noch die Ellenbogen auf die Knie stützte und seinen Kopf in den Händen vergrub, legte sich ein großer dunkler Schatten über ihn und den Bau. Und er verdunkelte ein noch viel größeres Gebiet drum herum. Als Karlchen aufblickte, erkannte er noch zwei Riesen, die nur zwei Füße hatten, aufrecht gingen und der anderen ängstliche Menschen nennen.
Das waren sie also, die so gefürchteten Menschen in dem Wald, die mit ihren großen Füßen alles niedertrampelten, die wo sie gingen nur Verwüstung hinterließen. Und sie waren hier bei ihm, bei seinem Bau und außer ihm war keiner da. Karlchen fürchtete, sie würden sich nun über seinen Bau hermachen. Und noch während er überlegte, was er tun sollte, wurde etwas Großes von den beiden Menschen in die Luft gewirbelt und langsam näherte es sich dem Boden. Karlchen lief und rannte, doch das Etwas legte sich über ihn und über den ganzen Boden und drückte die Grashalme platt, zwängte die herumliegenden kleinen Äste weiter auf den Boden, drückte die Blüten der Blumen ab, zermalmte den Klee. Egal, in welche Richtung Karlchen rannte, egal, wohin es ihn verschlug, von irgendetwas wurde er stets aufgehalten, was ihn nicht weiterkommen ließ. In seiner Verzweiflung rief er nach dem Mück, der ihm kurz vorher begegnete.
„Mück!“, rief Karlchen nun aus vollem Halse. Die Waldmücke hatte aus sicherer Entfernung bereits beobachtet, was mit Karlchen, seinem Ameisenfreund geschah. Sofort ist er umgedreht und mit heftig schlagenden Flügeln nun bei ihm angekommen. Er ließ sich am Rand der Decke nieder, auf der die Menschen lagen und ihren Picknickkoffer öffneten. Er spähte, ob er unterhalb der großen Decke Karlchen irgendwo entdecken konnte. Doch er war nicht mehr zu sehen und wenn er seinen Namen rief, dann kam die Antwort ziemlich dumpf zurück.
Mück musste ihn retten, seinen Freund, fing an, seine Flügel weiter auszufahren, reckte den Kopf, streckte seinen Rüssel vor und flog auf direktem Wege auf diese Menschen zu. Rasch hatte es sich im Wald herumgesprochen, dass Karlchen in Gefahr war und Mück alles gab, um ihn zu retten. So kamen alle Mücken des Waldes angeflogen und mit ihnen kamen auch die Bremsen und die Zecken. Allesamt folgen sie schnur stracks auf die beiden Menschen zu und attackierten, so sehr sie konnten. Zu acht setzten sie sich nebeneinander auf den Arm der Menschin und als sie sie entdeckte, als sie sich an ihrem Blute labten, holte sie aus und Schatten legte sich nun über all die Mücken, die sich in Reih und Glied an ihrem Blut zu schaffen machten, die Haut gleichzeitig durchbohrten und auch die Fettschicht und nun ein wunderbares Mahl an diesem Tage zu sich nahmen. Drei hinten an seiner Wange, andere regelrecht verteilt.
Wild schlugen sie nun um sich und die Menschen griffen nach einer Flasche, um damit im Wald zu sprühen. Roger hat es unvorbereitet getroffen, hat eingeatmet, als er in den Strahl gekommen war und ist einfach abgestürzt. Er hatte sich ein Ruhepäuschen verdient, bis er wieder zu sich kam, er war der eifrigste der Sauger. Bei jedem neuen Sprüher aus der Antimückenflasche, rief derjenige, der sie kommen sah: „Luft anhalten!“ und sie schwirrten auseinander, bis die Luft im wahrsten Sinne des Wortes wieder rein war. Dann kamen sie zurück und jedes Mal hatten sich neue Stechkollegen an diesem Ort mit eingefunden und haben ihren Rüssel mit ihnen angesetzt. Ihre beider Körper waren nun bedeckt von fliegendem Getier, das ihre Haut durchbohrte. Sie sprangen auf, rissen ihre große weiße Decke mit, die sie benutzten, um die Mücken zu vertreiben und da war Karlchen endlich wieder frei.
Tief schnaufte er jetzt durch, dankte seinem Freund, dem Mück. Und während er sich umblickte, da sah er die große Verwüstung. Zerknickte Äste, Grashalme, die flach am Boden lagen, Blumen ohne Blütenblätter. Doch es war noch etwas da, was Karlchen sah. Er sah einen riesig großen Picknickkorb, den die Menschen hier vergaßen.
Die schönsten Leckereien trug er in sich und gerade, als Karlchen den höchsten Aussichtspunkt erklomm, um die Vorräte genauer zu begutachten, da sah er, wie sein Stamm langsam zurückkehrte. Jeder Ameiserich ein großes Stück auf seinem Rücken. Karlchen setzte sich nun auf den Rand des großen Picknickkorbes und ließ die Füße baumeln.
„Mensch, Karlchen, wie bist Du denn an diese Vorräte gekommen?“, fragte der Ameisenkönig erfreut und überrascht. „Er ist zu mir gekommen!“, antwortete Karlchen frech. Das Wichtigste war, dass seine große Familie über den Winter kommen würde und das Schönste daran war – er war ursprünglich als Außenseiter verschrien, doch diesen großen Vorratskorb, den hat er seiner Familie ganz allein beschoren.
So können sie alle gemeinsam auf Kieselsteinen sitzen, die Füße baumeln lassen, das Ameisenleben in vollem Zug genießen. Denn manchmal, wenn man gar nicht damit rechnet, dann kommt einem das Glück schon auch mal zugeflogen.
Mein Freund, der Miesmuschel-Schorsch
Karlchen besuchte eine Klosterschule und kurz, bevor seine Eltern ihn am letzten Schultag vor den großen Ferien abholen kamen, hat er sich seine erste Watschen eingefangen, die nicht von seinen Eltern kam. Es war der Religionslehrer Bruder Jacob, beim Abschlussgottesdienst, welcher mit der Einstellung des kleinen Karlchens zu Gott und der Kirche nicht einverstanden war, denn Karlchen hustete laut, als der Pfarrer den Weihrauchkessel an ihm vorbei schwenkte. Leicht eingenebelt röchelte er: „Drogen haben mir meine Eltern verboten!“ und rannte hustend und keuchend aus der Kirche. Bruder Jacob war ihm gefolgt, hat ihm eine heruntergehauen und geschrien: „Wenn du dich im nächsten Schuljahr nicht besser benimmst und ein besserer Junge wirst, dann wirst du dein blaues Wunder erleben. Nur eine besonders gute Tat kann dein schlechtes Benehmen sühnen!“. „Nur damit du es weißt!“, schrie der Bruder weiter. „Das tut mir mehr weh als dir! Und vergiss nächstes Schuljahr nicht wieder laufend deinen Schulranzen!“.
Als Karlchen seine Eltern begrüßte und sie in die Arme schloss, sagte er nichts von der Ohrfeige, die er sich eingefangen hatte und Bruder Jacob schritt hoch erhobenen und vor allem roten Hauptes eiligen Schrittes dicht an ihm vorbei und schrie: „Schreckliches wird dir widerfahren! In der Hölle wirst du schmoren nach dem jüngsten Tage!“. Da wurde dem kleinen Karlchen doch etwas mulmig. „Was sagte der Bruder?“, wollten Karlchens Eltern wissen. Karlchen zuckte die Schultern und meinte nur: „Hm.“.
Karlchen fuhr mit seiner Familie zur Erholung an die Ostsee. Gelangweilt warf er vom Steg aus, Steine in das Meer, fing Quallen und warf sie den Mädchen auf ihre Bäuche, als sie sich sonnten. Doch immer wieder hörte er die Worte des Bruders in seinen Ohren hallen: „In der Hölle wirst du schmoren nach dem jüngsten Tag! Nur eine besonders gute Tat kann dich erlösen!“.
Karlchen saß auf dem Steg, planschte mit den Füßen im Wasser und überlegte sich, wie es in der Hölle wohl sein könnte. Ob es dort wärmer wäre als im Hochsommer? Ob der Teufel sein Freund sein könnte? Ob es ihm gefallen würde? Schließlich kamen nur die Braven in den Himmel. Und die waren Karlchen schon immer zu langweilig. „Plopp!“, machte ein Stein, den Karlchen in das Wasser warf. „Plopp!“, machte der Nächste. „Autsch!“, hörte Karlchen plötzlich dumpf aus dem Wasser. Karlchen warf noch einen Stein. „Autsch!“, war wieder aus dem Wasser zu hören. Doch nach dem nächsten geworfenen Stein schoss eine Gestalt vor ihm aus dem Wasser.
„Rette Schorsch! Oder du wirst in der Hölle verkommen!“, schrie die Gestalt. „Dafür werde ich sorgen du Rüpel. Lass dir das von Neptun gesagt sein!“, schrie die Gestalt ihn weiter an und verschwand ebenso schnell im Wasser, wie sie emporgekommen war. Erschrocken lief Karlchen davon und blieb im Haus und wollte nicht mehr an den Strand. Mochte auch den Mädchen keine Quallen mehr auf die Bäuche werfen. Ob er in der Hölle so gequält würde, wie sein Umfeld sich von sich gequält fühlte? Die schrecklichsten Phantasien schossen ihm durch seinen Kopf und nur mit viel Mühe konnten ihn seine Eltern überreden, sie am Abend in ein Fischrestaurant zu begleiten.
In dem Restaurant standen viele Aquarien herum, in welchem die Fische schwammen, die man später verzehren konnte. In einem Becken waren die Hummer, in einem anderen die Krebse und daneben die Miesmuscheln. „Rette Schorsch!“, hörte Karlchen es leise aus dem Aquarium blubbern.
„Rette Schorsch!“, blubberte es bei den Hummern. „Rette Schorsch!“ blubberte es nun aus allen Behältnissen. Das war Karlchen unheimlich. Doch er konnte seinen Eltern schließlich nicht sagen, dass er sich vor Fischen und Hummern fürchtete. So setzte er sich vor das Becken mit den Krebsen. Einer der Krebse krabbelte direkt auf Karlchen zu und starrte ihm in die Augen. Karlchen rückte zur Seite, doch die Augen des Krebses verfolgten ihn, wohin er auch ging.
„Rette Schorsch!“, hörte er es wieder aus dem Aquarium. Da näherte sich einer der Köche mit dem Netz und angelte einen Fisch aus dem Aquarium.
Als Karlchen ihm nachgeschlichen war, sah er, wie der Koch ihm den Kopf abschlug, ihn ausnahm und ihn in die Pfanne legte. „Blubb!“, höre Karlchen es aus dem Aquarium. „Blubb!“, machte es noch einmal. „Blubb, blubb!“, machte es wieder.
„He, Junge!“, blubberte es aus dem Aquarium. „Rette Schorsch!“, blubberte ihn ein großer alter Karpfen an. „Der in der Pfanne war schon alt und krank. Das Ende war die Erlösung für ihn. Er hat so sehr gelitten an Schuppenflechte und Rheuma und Gicht. Aber rette Schorsch!“. Karlchen schüttelte den Kopf und konnte nicht glauben, was geschah. Er ging auf die Toilette und ließ sich kaltes Wasser über den Kopf laufen. „Rette Schorsch!“, hörte er es aus der Toilettenschüssel. „Rette Schorsch!“, klang es durch den Wasserhahn. „Wer zum Teufel ist Schorsch?“, schrie Karlchen. „Miesmuschel-Schorsch!“, hallte es nun aus allen Wasserlöchern. „Und hüte dich!“, hallte es weiter. „Hüte dich vor Luzifer dem schwarzen Krebs! Er hat dich im Visier!“. „Was ist mit Miesmuschel-Schorsch?“, fragte Karlchen in die Toilette hinein. „Schorsch ist bestellt worden!“, blubberte es zurück. „Schorsch soll das Meer retten! Rette Schorsch! Nimm dich in Acht!“, hallte es nun unaufhörlich in den Toilettenräumen.
Karlchen ging wieder nach oben zu den Aquarien. Der Krebs behielt Karlchen fest in seinem unheimlichen Blick. „Wer ist Schorsch?“, flüsterte Karlchen in die Runde. „Iiihhcccch!“, bibberte es aus dem Miesmuschelbecken. „Du?“, fragte Karlchen entsetzt, als er das am ganzen Körper schlotternde Miesmuschelbaby sah. „Jahaaa!“ antwortete Schorsch ängstlich.
„Vertrau uns!“, blubberte es aus den umliegenden Becken. „Lass ihn. Iss ihn!“, sagte der Krebs, der ihn immer noch fest im Blick hatte. Da reichte es Karlchen von seinem unheimlichen Blick und seiner Aufdringlichkeit. „Das ist mein Freund der Miesmuschel-Schorsch!“, schrie Karlchen und angelte Schorsch mit seinem Schulranzen, den er an diesem Abend in das Restaurant mitnehmen musste, da seine Eltern von ihm verlangt hatten, für die Schule zu lernen, aus dem Becken und rannte mit Schulranzen und Miesmuschel-Schorsch zum Meer, wo er ihn frei ließ.
„Danke Karlchen!“, sagte Schorsch und sprang ins Wasser. Da tat sich vor Karlchen das Meer auf und Neptun erschien vor ihm. „Das werde ich dir nie vergessen!“ sagte Neptun sanft. Ich werde dich beschützen vor Luzifer in Krebsgestalt!“, versprach er und verschwand mit hohem Wellenschlag.
Als Karlchen in das Restaurant zurückkam, war es still in den Aquarien, aber alle Fische, Krabben, Hummer und Miesmuscheln zwinkerten ihm zu. Luzifer hob die Schere und schnippte Karlchen bedrohlich zu. „Das wirst du büßen!“, rief er. Doch da stand schon der Koch hinter ihm und fischte den laut protestierenden Luzifer aus seinem Becken heraus und warf ihn in einen Topf mit kochendem Wasser. Alle Fische, Miesmuscheln, Krebse und sonstige Meeresbewohner aus den Becken jubilierten und sprangen aus ihren Becken und liefen direkt in das Meer zurück. Die Fische erhoben sich aus den Aquarien und flogen in Richtung Meer und die Gäste des Fischrestaurants sahen mit weit geöffneten Augen und Mündern hinterher und Karlchen rief: „Jippie!“, und lief den Meerestieren hinterher.
Von nun an durfte Karlchen in jeden Sommerferien an die Ostsee reisen, um seinen Freund den Miesmuschel-Schorsch zu besuchen, der ihm von seinen Abenteuern und dem Leben im Meer berichtete.
Puh findet einen Freund
Es war ein altes Schlösschen, welches schon mehr einer Ruine glich und sich mitten in einem Wald befand. Efeu rankte sich über das Gemäuer und die Lichtung, Gras und Unkraut wucherten auf der Lichtung, auf der es sich befand bereits meterhoch. Auf einem verbliebenen Fenstersims lehnte Puh, das Schlossgespenst und ließ sich die Sonne auf seinen Bauch scheinen und genoss den sonnigen Sommertag in vollen Zügen. So ließ es sich aushalten, dachte er, bis es plötzlich im Gebüsch raschelte und ein großer weißer Hund mit schwarzen Flecken seine Nase hindurch streckte. Puh erschreckte sich zu Tode, denn hier her hatte sich noch nie etwas anderes, als vielleicht einmal ein Reh verirrt. Erschrocken sprang er auf und schwebte mit enormer Geschwindigkeit auf das Tier zu und rief: „Puh!“. Stellte sich vor ihn und stemmte die Fäuste in seine Hüften. Doch der große Hund erschrak nicht, streckte Puh seine große schwarze Nase entgegen und beschnüffelte ihn ausgiebig.
„He!“, rief Puh. „Ich habe Puh gerufen!“. Der Hund legte den Kopf schief und fragte: „Na und?“. Puh war erbost, dass er in seiner Ruhe gestört wurde. „Du musst erschrecken, wenn ich Puh rufe!“, erklärte der Geist. „Warum?“. „Weil ich ein Gespenst bin und man sich erschreckt vor Geistern!“.
Dem Hund gefiel der kleine Geist und streckte ihm rasch seine kleine Nase entgegen und leckte ihm mit seiner nassen Zunge mitten durchs Gesicht. „Iiiiih!“, rief Puh. „Was soll das denn?“. „Ich mag dich!“. „Gespenster mag man nicht! Vor denen erschrickt man!“, erklärte Puh. „Mag dich trotzdem!“, erklärte der Hund und wiederholte seine feuchte Liebesbekundung. „Wäääh! Lass das!“. Doch da sprang der Hund auf das Schlossgespenst zu, warf ihn zu Boden und leckte sein ganzes Gesicht ab, dass Puh nur so triefte. Puh war kitzlig und konnte nicht anders, als zu lachen. „Hör auf, das kitzelt!“, lachte Puh. Gelacht hatte er seit mehreren hundert Jahren nicht mehr, doch es tat so gut, war so befreiend und er bemerkte, wie einsam er war in seiner Schlossruine.
„Wie heißt du?“, fragte Puh den großen Hund. „Assira!“, antwortete dieser. „Darf ich bei dir bleiben?“. „Hast du denn kein Herrchen?“. „Nicht mehr!“, antwortete Assira. „Hat er dich geschlagen?“, wollte Puh wissen. „Nein!“, sagte Assira traurig. „Warum bist du dann nicht mehr bei ihm?“. „Er ist gestorben und sie haben ihn in einem Loch verscharrt auf dem Platz, den Menschen Friedhof nennen und dort haben sie mich vertrieben.“. Das machte Puh traurig und stimmte zu, dass Assira bei ihm blieb. Von diesem Tag an war Puh nicht mehr einsam. Sie streckten ihre Bäuche gemeinsam in die Sonne und gelegentlich machten sie einen Ausflug in den Wald, um gemeinsam Spaziergänger zu erschrecken, indem sie auf sie zu eilten und im Chor riefen sie dann „Puh!“, eilten davon und lachten die ganze Nacht über ihre Streiche und die dummen erschrockenen Gesichter, die sie tagsüber zu sehen bekamen. Oder Puh schlich sich heimlich an Picknickkörbe, die er verschwinden ließ und Assira sie verputzte. Von nun an lebten sie glücklich und zufrieden. Und solltet ihr ein leises Puh im Walde hören, dann erschreckt euch nicht. Wahrscheinlich sind es Assira mit Puh, die auf der Jagd nach Picknickkörben sind, da Assira keine Beeren mag, die dort nur wachsen. Doch lauscht am Abend in den Wald hinein, dann könnt ihr sie lachen hören in ihrer alten Schlossruine.
Schatzsuche
Es war eine Frau, die ihr Leben hart zu meistern hatte. Große Schwierigkeiten, die sie umgaben. Traurig und allein schlenderte sie durch diese Welt, nur mit dem Wissen, es würde eines Tages alles besser werden. Schlimmer konnte es nicht kommen. Plötzlich mit einem großen Donnerschlag stand ein Wicht vor ihr im Wald. Klein, mit spitzem Ohr und altmodischem Gewand. Wie aus dem Nichts kam er aus dem Unterholz mitten durch das Laub geschossen. „Wohin des Weges?“, fragte er mit leichtem Krächzen in der Stimme. Die Frau blickte um sich herum und sah, wie sich Nebel um sie beide hüllte. „Meine Probleme lösten!“, hat sie ihm geantwortet. „Ich löse sie für Dich!“, sagte der Zwerg im Laub. „Du willst meine Probleme lösen?“, fragte die Frau ganz überrascht. „Ja!“, strahlte der Gnom. „Oder was würdest du dir am meisten wünschen?“.
„Meine Probleme, die löse ich allein! Denn darin wachse ich und lerne einiges fürs Leben. Die Suppe, die ich mir einbrocke, die löffle ich alleine aus.“. Der kleine Wicht blickte sie nun mit offenen Augen und offenem Mund ungläubig an.
„Doch das Leben könnt grad so viel leichter sein!“. „Das wird es, wenn ich diese Dinge löse, denn dann weiß ich, dass ich alles schaffen kann.“. Der Gnom legte seinen Kopf ein wenig schief und sah die Frau verwundert an. „Und was würdest du dir am meisten wünschen?“, fragte er sie noch einmal. „Was ich mir am meisten wünschen würde?“, fragte die Frau nochmals zurück. „Dass ich die Liebe finde.“. „Dass du die Liebe findest?“. „Die Liebe gibt unendlich viel an Kraft. Die Liebe beflügelt. Die Liebe lässt einen unmögliches bewältigen und macht das Leben leicht und schwerelos und erst richtig lebenswert.“. Das leuchtete dem Zwerg im Walde ein. So schnippte er in seine Finger und plötzlich war er weg.
Die Frau blickte sich um, rieb sich ihre Augen und war nicht sicher, ob ihr ein Wachtraum widerfahren war, als sie neben sich hinter ein paar Bäumen das Schnauben eines Pferdes hörte und noch leises Hufgetrappel. Bevor sie sich versah, tauchte mitten in dem dichten Nebel ein weißer Schimmel auf und auf ihm saß ein märchenhafter Prinz. In dem Moment, als sie sich in die Augen blickten, war es um sie geschehen. „Ich war auf der Suche nach dem größten Schatz auf Erden!“, sprach er zu der Frau. „Endlich habe ich ihn gefunden!“. So half er ihr zu sich hinauf auf sein schönes weißes Ross und sie galoppierten gemeinsam auf sein großes Märchenschloss.
Noch heute erzählt man sich die Geschichte von der Suche nach dem größten Schatz, mit dem der Prinz bis zu seinem letzten Tage lebte. Und wenn man heute durch die Ruinen seines Schlosses schlendert, dann kann man noch ihr beider Lachen hören und die Paare, die dort gemeinsam sind, werden auch zusammen alt.
Zacharias, der Volksfesthund
Zacharias gähnte, reckte sich und streckte sich und stellte sich nach seinem wunderbaren Traum, den er geträumt hatte auf seine vier Pfoten und sah sich nach allen Richtungen um. Es war nichts Besonderes. Es war wie immer. Er befand sich vor dem Wohnwagen seiner Menschen und diese Bauten viele Sachen auf einem großen Platz auf. Ein großes Zelt, in dem sich die Menschen dann trafen und miteinander tranken und aßen und sangen. Buden, in denen Fisch gebraten und verkauft wurde und solche, an denen süße Leckereien angeboten wurden, was die kleinsten der Menschenkinder am liebsten mochten.
Es wurde außerdem ein Autoskooter, ein Karussell mit Tieren aus Holz, ein Kettenkarussell, eine Schiffschaukel und Buden, an denen die Menschen ihre Geschicklichkeit testen konnten und mit Spiekern auf Luftballons zielten. Noch war es ruhig auf dem Platz und die Menschen gingen ihrer Arbeit nach, um nach zwei Wochen alles wieder abzubauen und zum nächsten Platz zu fahren, wo sich wieder neue Menschen amüsieren konnten. Das Schaustellerleben war ein hartes Leben. Auch für einen Hund war es nicht leicht. Das einzige, was gleichblieb, war sein Herr und sein Wohnwagen. Alles andere wechselte. So legte sich Zacharias wieder vor seinen Wohnwagen und träumte von den kommenden beiden Wochen, in welchen er wieder in Saus und Braus und mit den tollsten Leckereien leben konnte. Zacharias nahm einen unbeschreiblichen Duft war. Er rannte, schleckte sich die Schnauze, bis er aufwachte und seinen Herrn sah, der ihm seinen vollgefüllten Hundenapf vor die Schnauze hielt. Gierig verspeiste Zacharias das gebrachte Mahl und sein Herr setzte sich auf die Veranda des Wohnwagens und nahm sein Essen zu sich. Morgen sind wir fertig! Sagte Karl, der an uns vorbeilief.
Am nächsten Morgen sah Zacharias eine wunderschöne Hundedame an dem Platz mit ihrem Frauchen vorbeikommen. „Hey!“ Rief er der Hündin zu. „Komm heute Abend vorbei! Da geht es los und wir können zusammen feiern!“. Doch die Hundedame stolzierte mit ihrem Frauchen weiter ihres Weges, ohne ihn zu beachten. Das stimmte Zacharias traurig und er konnte den ganzen Tag nichts anderes mehr denken, als an diese wunderschöne Hündin. Von nun an wartete Zacharias jeden Tag zur selben Uhrzeit, bis die Hündin wieder an seinem Festplatz vorbeikam und putzte davor sein Fell gründlich und stellte seine Schäferhundsohren spitz in die Höhe.
Diesmal, als er sie kommen sah, lief er rasch zur Hähnchen-Braterei, schnappte sich ein Hähnchen, das am Vorabend übriggeblieben war und lief zu seiner Schönen und legte ihr das Hähnchen vor die Pfoten. „Hallo!“ Sagte Zacharias schüchtern. „Ich heiße Zacharias!“. „Hast du Hunger?“, fragte Zacharias schüchtern weiter. „Ich bin Deika!“ Sagte die wunderschöne Hündin. „Deika!“ Wiederholte Zacharias und ließ sich ihren wunderschönen Namen, der genau so schön klang, wie sie selbst aussah, auf der Zunge zergehen.
„Ist das für mich?“, fragte Deika. Zacharias nickte. „Danke!“ Sagte Deika und machte sich über das Hähnchen her und ließ nichts übrig. „Deika!“, hörte sie ihr Frauchen rufen. „Ich muss jetzt gehen!“, sagte Deika und lief zu ihrem Frauchen. „Komm bald wieder!“, rief ihr Zacharias hinterher.
Zacharias döste vor seinem Wohnwagen vor sich hin und beobachtete die Menschen, wie sie mit Zuckerwatte über das Volksfest liefen, sich die Kinder in den verschiedenen Schaukeln amüsierten und die Männer, die wohl eine Maß zu viel getrunken hatten, wie sie über den Festplatz torkelten. Er schloss die Augen und dachte an Deika, als er plötzlich ihren Duft ganz deutlich wahrnehmen konnte. Er öffnete die Augen in diesem Moment begann Deika, seine Schnauze zu lecken. Zacharias konnte es nicht fassen, er sprang auf und sie tollten ausgelassen über den Festplatz.
„Komm, lass uns mit den Menschen feiern!“, sagte Zacharias. „Ich zeig dir meinen Festplatz!“. Zacharias führte Deika als erstes zu der Bude mit dem Steckerlfisch.
„Hallo Zacharias!“ Sagte der Mann, der den Fisch briet. „Zeigst du deiner Freundin den Platz?“, fragte er weiter. „Hier! Habt ihr einen Fisch! Mit vollem Bauch macht das doch viel mehr Spaß!“. Und der Mann hielt jedem der beiden einen Fisch hin, den sie schnappten und gleich neben dem Wagen verputzten.
Dann ging Zacharias vor Deika ins Bierzelt. Er ging zu dem Fass, wo die Bierlacken landete und sie nahmen einen Schluck daraus und dann führte er Deika weiter zur Hähnchen-Braterei, wo sie ein jeder ein ganzes Hähnchen bekamen, das sie stolz aus dem Zelt heraus trugen und es hinter dem Zelt verspeisten.
„Mmmmmh!“, machte Deika. „So fein und ausgiebig habe ich noch nie gespeist!“, sagte sie. „Hast Du jeden Tag so feine Leckereien?“ Wollte sie wissen. „Man muss nur wissen, um welche Uhrzeit man seine Runde dreht, da bekommt man die feinsten Sachen. Und alles, was sie dafür erwarten ist, dass ich belle, wenn jemand unerlaubter Weise den Festplatz betritt, wenn die Menschen schlafen.“, erklärte Zacharias. Dann führte er Deika zu der Bude mit den Lebkuchenherzen und als niemand hinsah, schnappte er sich eines der Herzen und hänge es Deika um den Hals. Dann legten sie sich gemeinsam satt und glücklich vor Zacharias Wagen und dösten, bis Deika aufschreckte. „Ich muss los! Mein Frauchen macht sich bestimmt schon Sorgen!“. „Ach bleib doch noch!“, bat Zacharias. „Das geht nicht!“, sagte Deika und ging los. „Ich bring dich nach Hause!“, sagte Zacharias und lief hinter ihr her. Als sie vor Deikas Garten standen, schleckten sie sich die Schnauzen und Zacharias ging erst nach Hause, als Deika im Haus verschwunden war. Von diesem Tag an brachte Zacharias jeden Tag ein Hähnchen zum Frühstück und legte es vor der Gartentüre ab und abends schlich Deika sich zu Hause davon und sie gingen über das Volksfest und fraßen hier eine Kleinigkeit und fraßen dort ein Häppchen.
Als Deika eines Abends auf den Platz kam, waren keine Menschen mehr dort, die feierten und es roch nicht mehr nach Fisch und Hähnchen und Bier. Alle Stände waren geschlossen. „Was ist hier los?“, fragte Deika. „Wir reisen wieder ab!“, sagte Zacharias. „Abreisen?“, fragte Deika noch mal nach. „Das Fest ist vorbei!“, erwiderte Zacharias traurig. „Willst du nicht mit mir kommen und bei mir bleiben?“, fragte er mit hoffnungsvollen Augen. „Das geht nicht!“.
„Du kriegst jeden Morgen Hähnchen zum Frühstück!“, versuchte er sie zu ködern. „Ich kann mein Frauchen nicht allein lassen!“, sagte Deika. „Verstehe!“, sagte Zacharias mit hängendem Kopf. „Werde ich dich jemals wiedersehen?“, fragte Deika. „Wir kommen jedes Jahr zur selben Zeit wieder an denselben Ort!“, erklärte Zacharias. „Wirst du wiederkommen?“ frage er. „Ich werde hier sein!“, sagte Deika. „Im nächsten Jahr zur selben Zeit!“, bestätigte sie ihm. Von nun an bereitete Zacharias das Reisen keine große Freude mehr. Meist lag er nur noch vor dem Wohnwagen und träumte von seiner Deika.
„Er hat Liebeskummer!“, sagte sein Herrchen, wenn er auf keinen der Menschen Reagieren wollte. Doch irgendwann hat sein Herr sich große Sorgen gemacht, da Zacharias so anders war und war mit ihm von Tierarzt zu Tierarzt gelaufen, doch niemand konnte etwas finden, bis endlich der Tag kam, bis sie zu dem Ort zurückkehrten, von dem er so traurig abgereist war. Zacharias lief sofort zu Deikas Haus, brachte ihr ein Hähnchen mit und wartete, bis sie endlich zur Tür herauskommen würde. Doch das Warten hatte sich gelohnt. Die Türe wurde geöffnet und eine Schar junger Hunde kam herausgestürmt und eines der kleinen Hundekinder sah ihm besonders ähnlich. Dann endlich erblickte er seine Deika.
„Zacharias!“, rief Deika, lief zu ihm und sie leckten sich leidenschaftlich ihre Schnauzen. „Endlich bist du wieder hier!“, sagte sie. „Endlich bin ich wieder bei dir!“, freute sich Zacharias. „Doch wer sind all die jungen Hunde?“, wollte Zacharias wissen. „Das sind deine Welpen!“, sagte Deika. „Ich bin Vater?“, fragte Zacharias. „Ja, du bist Vater!“, sagte Deika und schmiegte sich an ihn. „Ich bin Vater!“, sagte Zacharias stolz und blickte verlegen auf das einzelne Hähnchen, welches er für Deika gebracht hatte. Da stürmte Zacharias eilig zu dem Festplatz und holte ein Hähnchen nach dem anderen, bis auch jedes seiner Jungen eines hatte und dann erzählten sie sich, was alles passiert war in dem vergangenen Jahr. Und am Abend, da gingen sie alle zusammen auf das Volksfest und bekamen überall ihre Leckereien und Zacharias war sehr stolz auf seine Familie, die er von nun an nicht mehr alleine lassen würde.
Strahlend bunter Regenbogen
Es war ein strahlend bunter Regenbogen, der seinen Platz nach einem Gewitter über einen großen Wald hinweg gefunden hatte, in dem Moment, in dem die Sonne wieder lachte. Auf der einen Seite dieses großen Waldes, lebte ein Junge, der sich nach der Liebe sehnte und als er diesen wunderschönen bunten Regenbogen sah, da begann er, diesen zu erklimmen, um von hoch oben Ausschau zu halten. Und er hoffte, er könne sie von diesem Punkt aus finden. Als der Blick des Jungen bis an das andre Ende schweifte, an dem er ein Mädchen Blumen pflücken sah, löste sich der schöne Regenbogen langsam auf. Es schien, als wäre es genau das, was er suchte. Doch er plumpste auf der Seite, von der er gekommen war zurück zum Boden. Er hatte nur noch eins im Sinn, er musste dieses Mädchen finden. Doch wie sollte er dieses beginnen, ohne Wegweiser, ohne Navigation? Da hat es geraschelt im Gebüsch. Und als der Junge nach oben blickte, da sah er Amor mit dem Pfeil, der gelassen auf einem Ast saß und die Füße baumeln ließ.
„Na, getroffen?“, fragte Amor frech. „Mitten hinein!“, bestätigte der Junge. „Dann begib dich auf die Suche!“, forderte Amor ihn nun auf. „Wie kann ich sie nur finden?“. „Du wirst es wissen, wenn du vor ihr stehst.“. „Und sie?“, fragte der Junge nun doch etwas ängstlich. „Auch sie wird es wissen, wenn du vor ihr stehst.“. „Das ist alles?“, fragte der Junge völlig baff. „Das ist alles!“, bestätigte Amor auf seinem Baum. Das klang dem Jungen alles viel zu simpel und begann die Suche.
Erst durchsuchte er den Wald nach ihr, dann suchte er den Regenbogen, dann suchte er nach Blumenwiesen, doch nirgends konnte er sie finden. Völlig verzweifelt ließ er sich zu Boden fallen, bedeckte sein Gesicht mit seinen Händen und plötzlich fühlte er einen dunklen Schatten über sich. „Alles in Ordnung?“, fragte eine Stimme. Und als er die Augen wieder öffnete, stand vor ihm das Mädchen. Und er antwortete geschwind: „Ja, jetzt ist alles in Ordnung.“. Und als sie gemeinsam von dannen zogen, da sah er wieder Amor in dem Baum. Er spannte den Bogen und sein Pfeil traf beide Herzen. Beide Herzen ganz zugleich. „Von nun an wird für euch die Zeit stehen bleiben, immer, wenn ihr zusammen seid.“. So blickten sie sich in die Augen und als ihr warmer Blick sich traf, da hörte alle Zeit zu existieren auf und sie verharrten in der Zeit des Glücks. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann bringen sie auch heute noch die Zeit zum Stehen. Immer dann, wenn sie sich in die Augen blicken und das Glück des ersten Tages spüren.
Krabben-Tom wird seekrank
Karlchens Eltern haben zwischenzeitlich ein Häuschen an der Ostsee erstanden. Es liegt direkt auf einer Halbinsel. Auf der einen Seite mit Blick auf den Hafen des Ortes, auf der anderen der Blick auf das freie Meer. Nun fahren sie in Karlchens Ferien immer dorthin, damit Karlchen seine Freunde im Meer besuchen kann. Wenn Karlchen auf den Steg vor dem Haus geht, und in das Meer blickt, dauert es nicht lange, bis sein Freund, der Miesmuschel-Schorsch nach oben paddelt und all die anderen Meerestiere, welche er bei seiner ersten Begegnung aus den Klauen des Satans in Gestalt eines Krebses gerettet hatte. So war es auch dieses Mal. Karlchen ging auf den Steg und blickte in das Meer hinein, da sah er wie sein Freund, der Miesmuschel-Schorsch angepaddelt kam.
„Hey Karlchen!“, hörte er Miesmuschel-Schorsch sagen. „Hey, Miesmuschel-Schorsch! Alles klar?“, fragte Karlchen und lauschte den neuesten Ereignissen, die Miesmuschel-Schorsch zu berichten hatte. Da Karlchen mit seinen Eltern sehr spät am Abend mit seinen Eltern angekommen waren, riefen diese ihn auch schon bald nach drinnen, um schlafen zu gehen, damit er fit für den nächsten Tag war. „Ich muss!“, sagte Karlchen zu Miesmuschel-Schorsch. „Wir sehen uns morgen!“, sagte er weiter. „Bis morgen!“, sagte Miesmuschel-Schorsch.
„Wir haben eine Überraschung für dich!“, sagte Karlchens Mutter. Karlchens Gesicht hellte sich auf und seine Eltern führten ihn in das Esszimmer, wo eine nagelneue Taucherausrüstung vorfand. Bestehend aus Taucheranzug, Taucherbrille, neuen Flossen und einer Sauerstoffflasche. Karlchen konnte sein Glück nicht fassen und fiel seinen Eltern abwechselnd um den Hals. „Jetzt kannst du deine Freunde auch einmal in ihrem Zuhause besuchen!“, sagte seine Mutter. Karlchen war ganz aufgeregt und konnte den nächsten Morgen kaum erwarten.
Sehr früh war er aufgestanden und in seine neue Taucherausrüstung geschlüpft. Sofort ist er an den Steg gelaufen und hat geschrien: „Miesmuschel-Schorsch, ich komme!“ Und dann ist er kerzengerade ins Wasser gesprungen. Miesmuschel-Schorsch kam ihm bereits entgegen geschwommen und sagte: „Hey, Karlchen, was machst du denn hier?“. „Ich komme dich besuchen!“, versuchte Karlchen unter Wasser zu sagen, doch durch das Mundstück der Sauerstoffflasche gelang es ihm nicht. „Waaas?“, fragte Miesmuschel-Schorsch. Karlchen machte ein Zeichen mit seinem Daumen, dass er an die Oberfläche schwimmen würde und Miesmuschel-Schorsch ihm folgen sollte. An der Wasseroberfläche nahm Karlchen das Mundstück aus dem Mund und sagte: „Ich komme dich besuchen!“. „Jippie!“, rief Miesmuschel-Schorsch und schwamm senkrecht zum Meeresgrund und Karlchen hatte Mühe, ihm zu folgen. Als Karlchen am Grund des Meeres angekommen war, sah er sich um, doch er konnte Miesmuschel-Schorsch nirgends sehen, bis er an einem Felsen einen ganzen Schwarm von Miesmuscheln sah und Miesmuschel-Schorsch entdeckte er nur, da dieser Karlchen wie wild mit beiden Armen zuwinkte.
„Hier ist mein Platz!“, rief Miesmuschel-Schorsch. „Hier wohne ich!“. Karlchen sah sich begeistert um und sah einen Schwarm bunter Fische an ihm vorbei schwimmen. „Hallo Karlchen!“, sagte einer. „Hallo Karlchen!“, sagte ein anderer. „Hallo Karlchen!“, sagte der nächste. Alle hatten sie ihn freundlich gegrüßt und Karlchen sah ihnen mit großen Augen hinterher. „Du bist berühmt hier unten!“, sagte Miesmuschel-Schorsch.
Plötzlich kam kein Sauerstoff mehr aus Karlchens Sauerstoffflasche und panisch ruderte er mit den Händen. Er hatte die Zeit vollkommen vergessen, hatte nicht auf die Zeit geachtet und der Sauerstoff aus seiner Flasche war aufgebraucht. Miesmuschel-Schorsch erkannte den Ernst der Lage sofort. „Hier her!“, rief er zu den anderen Miesmuscheln, die sofort in Michels Richtung schwammen, der immer noch panisch umherruderte. „Hier her!“, rief Miesmuschel-Schorsch einem vorbeikommenden Schwarm Fischen zu. „Hier her!“, rief er zu einem Schwarm harmloser Quallen, die sich so dahintreiben ließen.
Die Quallen formatierten sich oberhalb von Karlchens Kopf und streckten ihnen ihren Tentakeln entgegen, an welchen sich Karlchen festhalten konnte. Die Miesmuscheln platzierten sich unter seinen Füßen und strampelten angestrengt in Richtung der Wasseroberfläche und die Fische stupsten das ungewöhnliche Gespann in die richtige Richtung, damit sie nicht durch die Strömung in die Tiefe hinabtrieben. Mit letzter Kraft erreichte Karlchen die Wasseroberfläche und schnappte gierig nach Luft.
„Danke Freunde!“, stieß er hervor. „Diesmal habt ihr mir das Leben gerettet!“, sagte Karlchen weiter. Da erschien Neptun vor ihm und überreichte ihm eine schwarze Perle. „Platziere diese schwarze Perle in deiner Sauerstoffflasche, und du wirst immer unter Wasser atmen können und der Sauerstoff wird dir nicht zuneige gehen.“. „Für heute reicht es mir mit den Abenteuern unter Wasser!“, sagte Karlchen. „Wir sehen uns morgen wieder!“, fuhr er fort und seine Retter winkten ihm zu.
Gleich am nächsten Morgen lief Karlchen in seiner Taucherausrüstung wieder an den Steg und Miesmuschel-Schorsch wartete bereits aufgeregt auf ihn. „Du sollst zu Neptun kommen!“, rief Miesmuschel-Schorsch aufgeregt. „Er hat ein Fest für dich vorbereitet!“, erklärte Miesmuschel-Schorsch weiter. „Eine Party?“, fragte Karlchen. Miesmuschel-Schorsch nickte eifrig. „Für mich?“, fragte Karlchen weiter. Wieder nickte Miesmuschel-Schorsch eifrig weiter. „Ich bring dich hin! Er wartet schon auf dich!“, sagte Miesmuschel-Schorsch. Und Karlchen folgte ihm unter Wasser. Miesmuschel-Schorsch schwamm voraus und Karlchen folgte ihm so dicht er konnte. Dahinter kam die Miesmuschel-Familie von Miesmuschel-Schorsch, dicht hinter ihnen ein Schwarm verschiedenster Fische aus dem Meer, die Karlchen noch nie gesehen hatte, hinter ihnen bewegten sich die Krabben im Gefolge und zu allerletzt die Quallen, die Karlchen am Vortag an die Wasseroberfläche befördert hatten. Plötzlich hörte Karlchen eine Stimme und stoppte und die hinter ihm herkommenden Meeresbewohner rammten ihn, da sie mit einem so plötzlichen Stopp nicht gerechnet hatten.
„Hilfe!“, hörte Karlchen. „Mir ist so schlecht!“, hörte er weiter und ein würgendes Geräusch. „Hört!“, sagte Karlchen. Sein Gefolge legte die Flossen an ihre Ohren, um besser hören zu können, wovon Karlchen sprach und da hörten sie es auch. „Mir ist so übel!“. „Das kommt von dort!“, sagte Karlchen und schwamm wie der Blitz zur Befestigung einer Boje. Dort sah er, wie sich eine Krabbe hilflos an der Kette der Boje festklammerte und jammerte: „Mir ist sooo übel!“. „Was ist passiert?“, fragte Karlchen. „Meine Frau hat junge Krabben bekommen und da wurde mir so flau im Magen und ich wollte frisches Meerwasser tanken und da bin ich unvorsichtig gewesen und habe Auftrieb bekommen. Wir Krabben leben doch unten, auf dem Meeresboden. In letzter Minute habe ich mich hier festhalten können, doch die Wellen oben an der Wasseroberfläche lassen die Boje so herum schaukeln und ich glaube, jetzt bin ich seekrank!“, sagte die Krabbe. Miesmuschel-Schorsch hielt sich den Bauch vor Lachen.
„Krabben-Tim ist seekrank!“, jauchzte er vor Vergnügen. „Lach nicht!“, sagte Karlchen, doch Miesmuschel-Schorsch konnte sich nicht beruhigen. „Ein seekrankes Meerestier!“, lachte er weiter. Doch Karlchen griff nach ihm und sagte: „Ich bringe dich zu deiner Familie.“. „Danke!“, sagte Krabben-Tim, der schon ganz grün im Gesicht war und navigierte Karlchen nach rechts, zu dem großen Felsen, wo seine Frau ihm schon entgegen winkte und sich eine Schar von Krabbenbabys in ihren Krabbenwindeln in seine Richtung bewegten und riefen: „Papa!“. Liebevoll wurde der Seekranke Krabben-Tim von seiner Frau in Empfang genommen und sagte: „Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen. Gut, dass Karlchen in der Nähe war.“. „Du kommst spät!“ Sagte Neptun mit drohender Stimme, als Karlchen mit seinem Gefolge auf der extra für ihn vorbereitete Party eintraf. „Krabben-Tim war seekrank!“, erklärte Miesmuschel-Schorsch aufgeregt mit zittriger Stimme. „Er hat Krabbenbabys bekommen und dann hat er Auftrieb bekommen und dann ist ihm schlecht geworden. Karlchen hat ihn gerettet!“, fuhr Miesmuschel-Schorsch stolz fort. „So, so!“, sagte Neptun. „Immer auf Mission, das Meer zu retten!“, fuhr er fort. „Dann greif zu und genieße die Früchte des Meeres. Wir sind dir alle zu großem Dank verpflichtet!“ Sagte Neptun und die Party zu Ehren des Menschen Karlchens begann.
König Karls Rettung
Es war im Jahre 2011, da zog die Nachricht durch das Land, König Karl war entführt und gefangen gehalten. Doch es war nicht er allein. Auch Prinzessin Lotte und Prinz Fritz waren gefangen von einem großen Monster, vor dem der gesamte Königsstaat ganz furchtbar zitterte. Seit Jahren waren die Drei der Königsfamilie entschwunden und niemand ahnte, in welchen Klauen und welcher Gefahr sie sich befanden. Eines Tages wurden sie zufällig entdeckt, als Aschenputtel sich zufällig aus ihrer Märchenwelt in diese Zeit verirrte, da stieß sie unverhofft auf sie.
In einer Monsterhöhle, wie in schlimmsten Träumen wurden sie gehalten zwischen Kisten und Unrat vor der Welt versteckt und von diesem Wesen, nicht Mensch, nicht Tier, extrem bewacht. Und dies bereits seit vielen Jahren. Wie folgt hatte es sich zugetragen.
Es war des Nächten, als Aschenputtel durch die Straßen Münchens zog. Sie hat ihr Märchenland, das Haus der Stiefmutter verlassen, da es von einem großen Feste hörte. Nur aus sicherer Entfernung wollte sie es beobachten und sich vorstellen, wie es wäre, dabei zu sein. Nie hätte sie sich in ihrem schmutzigen Gewand hineingetraut.
So zog sie barfuß und gesenkten Hauptes durch die Straßen, bis ein schauerlicher Geruch in ihre Nase drang. Verwirrt sieht sie sich um nach der Ursache des schauerlichen Gestankes und entdeckt versteckt eine sehr große Höhle, die getarnt als Wohnhaus ist. Es packt sie die Neugier, was sich hier verbirgt und schleicht sich mutig nah heran, bis sie ein Wimmern vernehmen kann. „Tu uns nichts! Wir machen, was du willst!“, kann sie von menschlicher Stimme schwach entnehmen. Ganz vorsichtig nähert sie sich und entdeckt einen Berg aus vielen Kisten, zwischen welchen sie sich unbemerkt verbergen kann. Da entdeckt sie die ängstlichen Gesichter des König Karl uns den beiden Kindern in einer kleinen Nebenhöhle, die ihnen als Schlafplatz zugeteilt ist. Davor ein übelriechendes, fettes Monster in einem Berg Delikatessen vom Viktualienmarkt und Nussecken einer Bäckerei aus Furth im Wald, von wo es die drei entführte und gestohlen hat. Mit beiden Händen stopft sie alles unkontrolliert hinein und schüttet sich mit Literweise Cola zu, damit die feinen Dinge ihr nicht im Halse stecken bleiben. Das fette Haar klebt ihm im Nacken, das Essen quillt aus seinem Mund. Cola ergießt sich über des Monsters Front, da schiebt es sich die Nussecken zwischen Camembert und Krabben.
Aschenputtel hört, wie den Gefangenen der Magen knurrt. Doch das wird mit vollen Rülpsern des aufgequollenen verfressenen Monsters übertönt. Aschenputtel stockt der Atem und beschließt, den Dreien muss geholfen werden. Kein Mensch darf von solchen Monstern so unwürdig gehalten werden. König hin und König her. Was sie sah war schlimmer als das, was sie mit ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern erlebte, die ihr alles genommen hatten, was sie je besaß. Vorsichtig schleicht sich Aschenputtel aus ihrem Kistenverschlag zurück, als das fette Monster neue Colaflaschen um sich stapelt. Sie meint, im Augenwinkel noch zu sehen, dass der Knopf der Hose platzt und einer, ihm vom Hemde springt. Leisen Fußes spaziert Aschenputtel weiter, bis es im großen englischen Garten steht. Dort kann sie wieder Luft holen vom Lärm der Stadt, der das Gerülpste dieses Monsters und die Hilferufe König Karls doch leicht überdeckt.
Langsam lässt sie sich auf der großen Wiese sinken und fragt laut: „Wie kann ich diesen Dreien helfen?“. „Hugo!“, hört sie von zwei leisen Stimmen vor sich. Und als sie aufblickt, sieht sie einen kleinen schwarzen Panther und einen weißen Wolf. „Ihr könnt sprechen?“, fragt Aschenputtel die zwei verwundert. „Nicht jeder kann uns verstehen!“, sagt der weiße Wolf. „Nur Wesen aus der Märchenwelt. Und dort kommst du doch her!“. „Das ist wahr!“, antwortet Aschenputtel. „Doch wer seid ihr, weißer Wolf und schwarzer Panther?“. „Mogli!“, stellt sich der schwarze Panther vor. „Ich kämpfe für die Gerechtigkeit!“. „Assira!“, stellt sich der weiße Wolf vor. „Ich lenke ab durch Weisheit und Verrücktheit!“. „Aha!“, entkommt es Aschenputtel nur ganz baff. „Und wer ist Hugo?“, fragt Aschenputtel nach? „Ich nicht!“, antwortet Mogli. „Ich auch nicht!“, sagt Assira. „Das habe ich mitbekommen, aber wer?“. „Hugo ……“, beginnt der weiße Wolf Assira. „Hugo ist der Drach vom Drachenstich!“. „Drachen sind längst ausgestorben!“, sagt Aschenputtel. „Nur Wesen aus dem Märchen können sie erwecken!“, erklärt der weise Panther Mogli. „Wir haben auf dich gewartet! Komm mit! Wir führen dich!“. „Doch es ist ein weiter Weg und steinig ist er. Ich glaub, das schaff ich nicht! Ich habe keine Schuh!“. „Kein Problem!“, grinst Assira und pfeift.
Lautes Hufgetrappel ist zu hören und vor Aschenputtel steht plötzlich ein Esel. „Angenehm, Rancallo!“, stellt sich dieser vor und verneigt sein Haupt ehrfürchtig vor Aschenputtel. „Ich trage dich des Weges, du musst ihn keinesfalls allein auf deinen Füßen laufen!“. So steigt Aschenputtel auf den Rücken des Esels Rancallo, der sie des weiten Weges trägt. Der weiße Wolf und der weise Panther auf leisen Pfoten, den zwei voraus. Halt macht er erst vor einem großen Hof, auf dem noch Wolle selbst gesponnen wird, Hühner laufen, Hasen hoppeln und Schafe grasen. Und dies in der realen Welt in dieser neuen Zeit. Aschenputtel ist begeistert und fühlt sich fast, wie in ihrer Märchenwelt zu Hause.
Da kommen auch schon die Bauersleute fröhlich auf sie zugelaufen und rufen: „Willkommen auf dem Semmelbauerhof!“. Mit so freundlichem Empfangen an dem noch unbekannten Ort, hat Aschenputtel nicht gerechnet. Dies kennt sie nicht einmal aus ihrer Märchenwelt und erlebte in ihrem Leben stets nur anderes. Vor allem, seit sie von der Stiefmutter versklavt war, nichts mehr hatte und nur mit Staub bedeckt. „Die Bauersleute breiten ein großes Tischtuch vor ihr aus. „Ich habe grad frisches Brot gebacken!“, ruft die Semmelbäuerin und schon decken sich vor ihr die feinsten liebevoll selbst gebackenen Speisen und dankbar stärkt sie sich nach diesem langen Weg. Als Aschenputtel satt gegessen ist, schämt sie sich beinah, denn sie hat das Bild des schauerlichen Monsters vor ihren Augen, dem das Essen aus dem Maule quoll und das hemmungslos nur rülpste.
„Und was hat es mit Hugo nun auf sich?“, will sie von den netten Leuten wissen. „Hugo hält noch Winterschlaf! Wir müssen ihn ganz vorsichtig wecken!“, erklärt die Bauersfrau. „Einmal im Jahr im Hochsommer wacht er auf und kämpft für die Gerechtigkeit im Land der Kinder!“. „Und wann wird dies sein?“, will Aschenputtel wissen. „Am 2. Sonntag im August!“. „Das sind ja noch Monate!“, stellt Aschenputtel entsetzt fest. „Nur Wesen aus dem Märchen können ihn erwecken, ohne dass er in Zorn gerät und er das Land in Schutt und Asche legt!“, erklärt der stattliche Bauer. So erheben sie sich alle und machen sich gemeinsam auf den Weg zur Höhle, wo der Drache Hugo ruht. Allen voran das Gespann von Mogli, Assira und Rancallo. Gleich hinten dran das Gespann der Bauersleute und Aschenputtel. Über ihrem Haupte fliegen Vögel mit. Und den Menschen folgen die Hasen, Hühner, Schafe des Hofes. Alle sind gespannt, was nun geschehen wird. Keiner will es sich entgehen lassen. Die Vöglein fliegen durch eine Ritze und fliegen Hugo um die Nase, kitzeln ihn mit ihren Federn, bis er niesen muss und ein kleines Rauchwölkchen aus seiner Nase steigt.
„Wa….. wa…. was ist los?“, fragt Hugo ganz verschlafen und reibt sich seine müden Drachenaugen. „Schon der zweite Sonntag im August? Ich bin ja noch so schrecklich müde!“. „Nein, ein Sonderkommando!“, klärt ihn der Bauer auf. „Aaaab…. aaaab…. aber dann muss ich dich jetzt fressen!“, erinnert sich Hugo traurig an seine Drachenregeln. Und er mag den Bauern sehr. „Nein, das musst du nicht!“, erklärt er Hugo freundlich. „Aaaab ….. aaab ….. aber das ist Drachengesetz!“, sagt Hugo traurig. „Aber nur, wenn kein Märchenwesen anwesend ist!“, grinst der Bauer. „Ja!“, sagt Hugo nur. „Ist?“. „Ist!“, bestätigt der Bauer vom Semmelbauerhof.
Vorsichtig tritt Aschenputtel nach vorne. „Hallo!“, sagt sie ein wenig schüchtern. Der noch verschlafene Drache streckt seine große Nase in Aschenputtels Richtung und schnüffelt unkoordiniert an ihr, dass es ihre Haare in seine Nasenlöcher weht. „Ha ….. ha…….. haaaaaaaat…….“. „Gesundheit!“, sagt der Semmelbauer. „Danke!“, antwortet Hugo. „Funktioniert doch immer wieder!“, grinst der Bauer seine Frau an. „Jetzt sei mal nicht so stürmisch! Werde wach und macht Euch auf den Weg!“. „Welchen Weg?“, fragt Hugo, der sich wieder die Augen reibt. „König Karl befreien!“. „Karl? Befreien? Gefahr? Wo?“. Und so berichten alle zusammen und gleichzeitig, was sich in der Münchner Höhle abspielt.
Hugo stürmt voran, doch wird noch rechtzeitig aufgehalten, da er so frisch erwacht, in aufkommender Panik, vergaß die Tür seiner Drachenhöhle zu öffnen. Und man hört nur: „Autsch!“. „Jedes Jahr das Selbe, wenn er aufwacht!“, sagt der Semmelbauer zum ratlos dreinblickenden Aschenputtel und das restliche Gefolge nickt. Er taucht die große Decke, mit der der Drache das ganze Jahr lang schlummert in den danebenliegenden kühlen Bach und kühlt ihm seine Beule. „Iiiiih! Bäääääh! Kalt! Nass!“, schimpft der Drache. „Dann pass halt das nächste Mal endlich einmal besser auf!“. Hugo seufzt.
„Geht´s besser?“, fragt Aschenputtel vorsichtig. „Ja!“, strahlt sie Hugo an. „Nur jetzt bin ich wach!“. „Gut!“, grinst sie und klettert vorsichtig auf seinen Rücken. „Dann können wir jetzt König Karl und die Kinder ganz rasch befreien!“.
Das Tor der Höhle, ist diesmal zum Glück geöffnet, als Hugo aufspringt, und er ruft: „König Kaaaahrl! Prinz Mooooooooritz! Prinzessin Kariiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiina! Ich kooooooomme! Ich fliiiiiiiiiiege! Ich rette euch!“. Und tatsächlich breiten sich seine Drachenflügel aus und tragen ihn und Aschenputtel auf seinem Rücken, bis er doch noch recht verschlafen fragt: „Ääääh ….. wohin?“. So lotst ihn Aschenputtel zu dem Verschlag in München. „Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaas?“, brüllt Hogo los. „Da werden sie gehalten?“. Wut entbrannten Schrittes stapft er los. Steht vor dem Fett verschmierten Monster. „Und nu?“, fragt Hugo Aschenputtel. „Fressen?“, fragt sie zurück. Doch Hugo antwortet: „Iiiiiiih!“. „Grillen?“, fragt Aschenputtel. „Hast du Feuer?“, will Hugo wissen? „Ich nicht, aber du!“, erklärt Aschenputtel. „Ich?“. Da winkt Aschenputtel ein Vöglein her, das ihn mit einer Feder kitzelt und Hugo niest. Doch es kommt kein Feuer.
„Noch nicht August!“, stellt Hugo fest. „Macht nichts! Guck nur! Vollgeschleimt ist auch gut!“. Da sitzt das Monster zappelnd, strampelnd im grünen Drachenschleim, in dem vereinzelte Scampi schwimmen und eine Nuss-Ecke ist auch noch zu erkennen. Fluchs ergreifen König Karl samt Kindern die Flucht aus diesem Loch und sie lassen sich direkt hinter Aschenputtel auf Hugos Rücken nieder. Hugo rennt los und verkeilt im Galopp den Ausgang mit dem großen Kistenlager. Galoppiert über die Nymphenburg Straße und hebt ab in Richtung Heimat.
In Furth im Wald werden sie mit großem Hallo empfangen. Das Volk ist froh, die Königskinder mit ihrem Vater endlich wieder zurück zu haben. Und es steigt ein großes Fest im Mai. Dem Monat, in dem die Welt erwacht und in ihrem schönsten Licht erstrahlt. König Karl lässt Aschenputtel nie mehr gehen. Doch wer wissen will, wie es mit den beiden weiter geht, der richte seinen Blick immer etwas in die Zukunft, in der noch viele neue Märchen aus neuer Zeit entstehen werden. Denn Märchen gibt es auch im wahren Leben. Siehe genau hin. Vielleicht wirst Du ja auch Dein eigenes erleben.
Professor Felix
Felix vom Dreisessel lebte mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern in einem kleinen bayerischen Dorf nahe des Dreisessel. Felix war der neugierigste des Wurfes und versuchte allem auf den Grund zu gehen. Er philosophierte, wie die Menschen an das Futter kamen, welches sie ihnen gaben, was die Menschen den ganzen Tag taten, warum der Mond am größten am Himmel schien und woher die Welpen kamen. All die Fragen konnte ihm niemand seiner Familie beantworten, was Felix sehr traurig machte. „Wenn du das alles wissen willst, dann musst du in die Ferne ziehen und die Antworten auf deine Fragen suchen!“, sagte der alte Hund des Nachbarhofes. „Du wirst nichts lernen, wenn du dasitzt und wartest.“
So packte er seinen Stock, band sein Bündel daran und machte sich auf den Weg, um Antworten auf all seine Fragen zu finden. Fröhlich pfeifend zog er des Weges. Felix wanderte über Felder, überquerte Flüsse und als er in einen Wald kam, hoffte er, in der Ferne angekommen zu sein, um all seine Fragen beantwortet zu bekommen. „Ist hier die Ferne?“, frage Felix, als eine Schnecke versuchte, die Lichtung zu überqueren. „Die Ferne?“, fragte die Schnecke. „Woher soll ich das wissen?“, fragte sie weiter und schleppte ihr schweres Haus weiter des Weges.
Doch damit wollte Felix sich nicht zufriedengeben und fragte weiter. „Wer weiß denn, ob hier die Ferne ist?“, wollte Felix weiter wissen. „Siehst du denn nicht, dass ich einen Ruheplatz suche und hier über die Lichtung muss?“, fragte die Schnecke entnervt. So nahm Felix die Schnecke mit dem Haus und trug sie über die Lichtung. „Sagst du mir jetzt, wer mir sagen kann, ob hier die Ferne ist?“. Die Schnecke war verdutzt. So schnell hatte sie noch nie einen Weg zurückgelegt und sagte schließlich: „Warte, bis es dunkel ist und die Glühwürmchen kommen. Die wissen bestimmt, wer dir die Antwort geben kann.“. „Warten, bis es dunkel ist?“, sagte Felix zu sich selbst und setzte sich ins hohe Gras. „Das kann lange dauern.“, stellte er fest und schielte zur Sonne, deren Stand verriet, dass es früher Nachmittag war.
Eine Fliege kreiste um seine Nase und Felix musste niesen und rieb sich die Nase zwischen seinen großen Pfoten. Da kitzelte ihn die Fliege an seinem Ohr und Felix sprang durch die Sommerwiese. Er schnupperte an einer großen roten Blüte und begann seinen eigenen Schwanz zu jagen. Da bemerkte Felix erst, wie viel Spaß das machte und seine großen Fragen waren ihm vollkommen egal.
Als es zu dämmern begann, knurrte Felix Magen bedenklich. Zum Glück hatte er genug Hundefuttervorrat dabei, so dass er sich für diesen Abend nicht ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen musste, woher das Hundefutter kam. So lief er zu einem Bach, der den Wald durchquerte, breitete sein Bündel aus und nahm einen großen Schluck aus dem frischen kühlen Bachwassers. Als Felix Bauch dann endlich aufgehört hatte, ihn anzuknurren, schwirrte ein Schwarm Glühwürmchen an ihm vorbei. „Halt!“, rief Felix. „Halt! Wartet!“. „Die Schnecke hat gesagt, dass ihr mir sagen könnt, wer mir sagen kann, wo die Ferne ist.“. „Frag die Eule!“, rief ihm eines der Glühwürmchen zu und strampelte, damit es die anderen Glühwürmchen wieder einholte. „Die Eule?“, rief Felix den Glühwürmchen hinterher. „Die Eule ist das weiseste Geschöpf des Waldes!“, rief das Glühwürmchen zurück. „Eule!“, rief Felix. „Euuuuleeeee!“, rief Felix weiter. „Was ist denn das für ein Lärm?“, fragte eine Stimme aus einem Baum heraus. „Bist du die Eule?“, fragte Felix. „Was willst du von mir?“, fragte die Eule. „Bitte, sag mir, wo die Ferne ist!“, bat Felix. „Die Ferne!“, wiederholte die Eule. „Für viele ist die Ferne hier!“, sagte die Eule. „Für die Schnecke, die du heute Mittag über die Lichtung getragen hast, ist nun die Ferne dort, wo sie herkam. – Was willst du denn in der Ferne?“, wollte die Eule wissen. „Ich will alles wissen!“, sagte Felix. „Ich will wissen, woher das Hundefutter kommt, warum der Mond am größten am Himmel ist und woher die Hundewelpen kommen.“. „Da musst du in eine Schule gehen!“, erklärte die Eule und zeigte ihm die Richtung. So ging Felix in die erste Schule, die auf seinem Weg lag, doch kaum hatte sich eine seiner Fragen beantwortet, schon hatte er fünf neue Fragen und dabei waren noch nicht einmal die alten geklärt.
So zog Felix von Schule zu Schule und machte immer noch einen Abschluss und noch einen und noch einen, doch die Fragen wurden nicht weniger, sondern mehr und Felix bekam Heimweh nach seinem Zuhause und seiner Familie. Eines Tages, nachdem Felix noch acht weitere Fragen hinzubekommen hatte, beschloss er, zurück nach Hause zu kehren. „Nimm mich mit!“, bat Bella, eine Hündin, die ihn immer versorgt hatte, nachdem Felix hinter seinen Büchern nicht mehr hervorkam und er beinahe verhungert wäre. „Das geht nicht!“, sagte Felix. „Das ist ein weiter Weg!“. „Das macht nichts!“, sagte Bella. „Einer muss doch auf dich aufpassen! Und ich wollte immer schon einmal in die Ferne.“. Da hatte Felix endlich verstanden, was die Eule ihm versucht hatte zu erklären. „Na dann komm mit!“ Hatte Felix beschlossen und Bella leckte ihm dankbar die Schnauze.
Felix und Bella jagten sich über Blumenwiesen, kuschelten sich aneinander, wenn sie froren, putzten sich die Mäuler nach dem Fressen und Felix wollte die Gesellschaft seiner Bella nicht mehr missen und wünschte, dass ihre Reise nie mehr enden würde. Viel zu bald schon konnte Felix seinen Hof erkennen. Er sah Bella tief in die Augen und bat sie: „Wirst du immer bei mir bleiben?“. „Klar!“, sagte Bella. „Mit dir ist es am schönsten!“. Da nahm Felix Anlauf, rief: „Komm!“ und rannte auf seinen Hof zu, vorbei an dem alten Hund des Nachbarhofes. „Na, hast du deine Antworten?“, rief ihm der alte Hund hinterher. „Fast alle und viele neue!“, antwortete Felix. „Nur, wo die Welpen herkommen, das weiß ich noch nicht!“. „Wirst es herausfinden!“, rief der alte Hund, als er Bella entdeckte und schmunzelte.
„Bist du Professor Felix?“, fragte ein Welpe, welches Felix noch nie gesehen hatte. „Ich bin Felix!“, antwortete Felix. „Professor Felix ist zurück! Professor Felix ist zurück!“, rief der Welpe, der seiner Schwester sehr ähnlichsah und da kamen acht weitere Welpen auf ihn zugelaufen und hinter ihnen eine Hundedame, die ihm sehr bekannt vorkam. „Hallo Felix!“, sagte die Hundedame. Und Felix erkannte seine Schwester in ihr und sie schleckten sich die Schnauzen. „Das ist Bella!“, stellte er Bella vor, doch diese verkroch sich in Felix alter Hütte und Felix wachte die ganze Nacht davor und erzählte den neun Welpen seine Abenteuer seiner langen Reise. „Es war eine anstrengende Reise!“, erklärte Felix seiner Schwester, um Bella zu entschuldigen. Doch seine Schwester lächelte nur. Am nächsten Morgen wollte Bella auch nicht mehr aus seiner Hütte kommen, da machte sich Felix große Sorgen. „Geh doch hinein!“, schlug seine Schwester vor. Felix zögerte einen Moment, doch dann schlüpfte er in die Hütte hinein und traute seinen Augen nicht. Bella lag glücklich und erschöpft vor ihm und um sie herum dreizehn Welpen, die sie säugte und gleichzeitig wärmte und das ein oder andere putzte und Felix machte sich auch gleich an die Arbeit und half ihr beim Putzen.
Die nächsten Monate verbrachten Felix und Bella damit, ihre Welpen groß zu ziehen. Bella brachte ihnen das nötigste zum Überleben bei und Felix alles, was er auf all den Schulen, die er besucht hatte, gelernt hatte.
Lieschen und die Läuse
Es war einmal eine große Horde Läuse. Sie lebten auf einem Kopf, der langsam etwas lichte wurde. So packten alle das, was sie besaßen und erklommen das letzte Haar, das gerade noch vom Kopf zu Berge stand. Mühsam kletterten sie ganz nach oben und hielten Ausschau nach einem neuen Heim. Der eine bohrte in der Nase, der andre wuschelte sich durch die Haare und einer richtete seinen Blick ganz weit nach vorn, bis ein kleines Mädchen er erblickte, das die andren Kinder Lieschen nannten. Schwupp sind sie ganz schnell umgesprungen und hielten sich bei dem rasanten Ritt an Lieschens Haaren fest, bis sie endlich mal zum Stehen kam. Langsam rutschten sie an ihrem Haar herab und begannen sofort damit, sich ihr neues Heim zu bauen. Alle packten sofort ihre Sachen aus und richteten sich neu ein. Auch Bücher, Stifte und Papier wurden gleich an ihren Platz gebracht. Denn Läuse wer es noch nicht weiß, sind clever und nicht dumm.
Als Lieschen in die Schule ging, sind die Läuse gerade fertig und wollen sich zur Ruhe legen, als sie plötzlich den Lehrer sprechen hören. Der Lehrer Dampf macht mit den Schülern ein Diktat und zufällig sieht Deutschlaus, wie Lieschen schreibt: „Der Lerer sakt der Glase guden Mogen!“. Die Deutsch-Laus denkt, sie sieht nicht recht und fasst sich an den Kopf. „Was macht denn dieses Lieschen da?“, schreit sie laut heraus. „An so einem dummen Ort will ich nicht leben!“, ruft sie ganz entsetzt. „Dann hilf ihr doch und sei nicht faul!“, ruft die HSU-Laus. „Nur wer anpackt, kann etwas erreichen! Ich zieh nicht schon wieder um!“. Da schreit die Deutschlaus: „Mädchen! Schreibe doch die Worte richtig!“ und Lieschen glaubte, da etwas zu hören und kratzt sich an dem Kopf. Da hört sie: „Hey, Lehrer schreibt man doch mit h!“ und Lieschen überlegt, denkt, dass diese Info durchaus richtig ist, greift zum Radiergummi und korrigiert den von ihr geschriebenen Text.
Die Deutsch-Laus wundert sich und sagt zur HSU-Laus: „Hey, sie kann mich hören!“ und spricht gleich die nächsten Korrekturen aus: „Sagt mit g und nicht mit k! Und Klasse schreibt man mit K und nicht mit G und mach ein zweites s hinein! Guten schreibt man mit t und niiiiiicht mit d und ein r hast du vergessen, bei dem guten Morgen!“. Lieschen radiert, verbessert, korrigiert. Und als der Lehrer Dampf die Probe einsammelt, da traut er seinen Augen nicht, denn Lieschen hat zum aller ersten Mal ´ne Eins geschrieben. „Ja Lieschen, wie hast du denn das gemacht?“, will Lehrer Dampf dann wissen. Und Lieschen antwortet: „Wieso? Das ist doch alles völlig klar! Plötzlich hatte ich die Eingebung und gesehen, dass es falsch ist! Warum, das weiß ich nicht!“.
Der Lehrer schüttelt ungläubig, doch freudig seinen Kopf und hofft, dass dies nicht ein Zufallstreffer war. Nach dieser Stunde beginnt die Mathestunde. Die Kinder lernen Kopfrechnen und müssen die Ergebnisse auf einem Blatt notieren. Lehrer Dampf sagt: „15 – 8“ und Lieschen schreibt 21 auf ihr Blatt. Da wird die Mathe-Laus ganz traurig und schreit: „He! Du sollst minus rechnen und nicht plus! Und Plus ist auch falsch! Das Ergebnis wäre 23 und nicht 21! Und Bei Minus musst du abziehen und nicht dazuzählen und jetzt schreibe, wieviel 15 – 8 ist!“ Lieschen ist der Überzeugung, ihr Ergebnis stimmt, doch da beißt die Mathe-Laus schnell in ihren Kopf und schreit: „M I N U S sollst du rechnen!“. Vom Biss der Mathe-Laus zum Überlegen angeregt, schreibt Lieschen 8 und Mathe-Laus schreit: „S I E B E N!“ So radiert Lieschen, ohne nachzudenken und schreibt die rechte Antwort hin. Nachdem die Arbeit fertig ist, sammelt Lehrer Dampf auch diese ein und wundert sich erneut, wie Lieschen plötzlich alles richtig macht.
„Lieschen, lies mir doch bitte etwas vor!“, bittet er das Kind, das früher immer viele Fehler machte, und um ihr neues Heim nicht auf das Spiel zu setzen, tritt die Lese-Laus zum Vorschein und sagt Lieschen ein, was in dem Buch geschrieben steht. Lehrer Dampf schüttelt nur noch mit dem Kopf und verabschiedet sich von der Klasse. Nicht nur die Kinder stehen auf. Auch die Läuse auf Lieschens Kopf stehen ganz stramm und rufen mit dem Chor: „Auf Wiedersehen, Herr Dampf!“.
Am Nachmittag helfen sie Lieschen bei den Hausaufgaben und am Abend sind sie alle schrecklich müde. „So kann das doch nicht weitergehen!“, spricht Deutsch-Laus zu den andren Läusen. „Wir haben unser ganzes Leben schon so viel gearbeitet, so viel gelernt! Ich hätte jetzt gerne ein bequemes Leben!“.
„Wir lernen es ihr im Schlaf!“, sagt die HSU-Laus. Und kaum liegt Lieschen in ihrem Bett, bringen ihr die Läuse alles bei, was sie selber alles wissen. Und ob man es glaubt, oder auch nicht – am nächsten Tag kann Lieschen alles. Sie hat es im Schlaf gelernt. Sie ist plötzlich besser, wie all die andren Kinder und die Läuse nicken sich zufrieden zu und rufen gleichzeitig im Chor: „Jetzt ist sie ein schlauer Kopf! Da lässt es sich in Frieden leben.“. Und die Moral von der Geschichte: es ist nie ein Schaden ohne Nutzen.
Großer starker Ritter
Es war ein kleiner grüner Knülch mit großen Augen und sehr großem Maul. Er tat grad, was ihm gefiel und wenn ihm der Sinn grad danach stand, dann kletterte er mit seinen Freunden an einem langen blonden Zopf einer Prinzessin hoch, die ihn für seinen Liebsten aus ihrem Turmfenster geworfen hat. Eigentlich hätte ihr großer starker Ritter ihn erklimmen sollen, nicht der kleine grüne Wicht. Und auch nicht seine Freunde. Doch es waren so viele seiner kleinen grünen Freunde, die ihrem Haar leicht grünen Schein verliehen und es fahl sein ließen und ein wenig glitschig. Kaum setzte der Ritter an, um zu der Prinzessin hinauf zu klettern, da rutschte er ab von ihrem langen blonden grünlich schimmernden Zopf und landete mit seinem Hintern auf dem Boden. Nur der kleine grüne Knülch, von dem hier berichtet wird, der schafft es als einziger nach oben, entfaltet sich zu voller Mannesgröße und streckt ihr die Lippen rasch entgegen. Die Prinzessin schreit und fällt zugleich in hohen Fieberschlaf.
Den Ritter führt es weiter zu einer anderen Prinzessin, die hinter einer großen Dornenhecke schläft in einem Turm, doch die kleinen grünen Wesen sitzen alle schon auf dieser Hecke, lassen sein Schwert entgleiten, während der grüne Knülch schon neben der Prinzessin liegt. Er wandelt durch die ganze Märchenwelt, doch überall erscheint der grüne Gnom weit vor dem starken schönen Ritter. Bei der Prinzessin des Frosches ist er auch zu spät, die in ihrem Fieberschlaf mit dem Rücken am Brunnen des Frosches lehnt. Die goldene Kugel ist ihr längst entglitten. Längst gibt das ganze Märchenland keine Prinzessinnen mehr her. Allesamt liegen sie im Fieberschlaf, als er den Weg fortsetzt und Rumpelstilzchen trifft. Sofort setzt er gemeinsam mit dem Rumpelstilzchen in seinen Tanz auf einem Bein ein vor lauter Ärger hüpfen sie wutentbrannt die ganze Nacht. Doch da hört der Ritter plötzlich wütendes Geschrei. Bei Rumpelstilzchens Prinzessin, kam der grüne Gnom nicht sehr viel weiter. Sie hat all die Viren in dem ganzen Stroh versponnen, aus dem sie nicht entrinnen konnten. Dessen Prinzessin hat soeben all die Viren versponnen, die der Märchenwelt das Leben so erschweren. Und der kleine grüne Gnom sitzt ganz oben auf der Spindel auf, versucht die Viren zu befreien, die ihm die Treue schworen. Doch diese Gelegenheit greift der Ritter gleich beim Schopf, zieht sein Schwert, holt aus und enthauptet den frech grinsenden Gnom, der all die Prinzessinnen der Märchenwelt erkranken lässt und mit Gepolter fällt sein Kopf. Sie verbrennen die Spindel mit Stroh und Viren in Rumpelstilzchens Feuer und in diesem Moment werden all die Prinzessinnen gesund. So feiert das ganze Märchenland den großen starken Ritter, der sie alle von einem schweren Grippevirus befreite und mit den grünen Viren im Feuer lodern auch alle Tempotaschentücher, die noch als letztes an die Grippeepidemie erinnerten. Und sollte jeh ein neuer Virus dem verträumten Märchenlande drohen, so ist der starke Ritter sofort und gleich zur Stelle, um die Viren frühzeitig zu vernichten.
